Mass Effect. The good, the bad and the ugly. (10)

Von Thore · 4. Juni 2021 ·
  1. Its a Trap!

    Die Kollektoren haben sich dazu entschlossen Shepard eine Falle zu stellen. Die Falle sieht so aus, dass die Kollektoren ihr Raumschiff irgendwo in den Weltraum parken, ihre Systeme abschalten und toter Mann spielen. Dann senden sie eine Botschaft, die den Eindruck macht, als hätte ein Turianisches Kriegsschiff ihr Schiff beschädigt und sie würden nun hilflos durch den Weltraum treiben.
    Tim fängt die Nachricht ab. Er erkennt, dass sie gefälscht ist und leitet daraus ab, dass es eine Falle ist. Dann ignoriert er das und entsendet ohne Umwege Shepard. Weil es Tim ist, macht er das, ohne Shepard zu sagen, dass es eine Falle ist.
    Haben die Kollektoren das Skript wieder gelesen? Die Galaxie ist voll von Raumschiffen, was hätten sie gemacht, wenn jemand anderes als Shepard aufgetaucht wäre? Was ist, wenn mehrere Schiffe aufgetaucht wären? Wieso sind sie sich sicher, dass Tim die Nachricht abfängt? Es hätte auch eine ganze Flotte der Turianer vorbei kommen können, falls nicht.

    Aber wenn das alles so eintritt wie sie beabsichtigen (und natürlich tut es das, sie haben das Skript gelesen) wieso denken sie, dass Shepard mit seinem drei Leute Team überhaupt an Bord kommt? Das ist ein ziemlich dämlicher Move ehrlich gesagt. Das Schiff der Kollektoren ist quasi auf dem Präsentierteller und die Normandy ist bewaffnet. Warum zerbombt Shepard das Schiff nicht einfach? Später lernen wir, dass es das einzige Schiff ist, was die Kollektoren haben. Das Spiel hätte hier zu Ende sein können. Nicht, dass ich das gewollte hätte, aber das Spiel muss diese Sachen irgendwie adressieren.

    Joker *vorlaut*: „Shepard, wir können sie jetzt zerstören, ihr fliegender Asteroid ist wehrlos. Edi, sag dem Commander, dass wir sie jetzt zerstören können!“
    EDI *Computerstimme*: „Ich entdecke keinerlei aktive Sensoren, Die Kollektoren sollten uns noch nicht entdeckt haben.“
    Shepard *ruhig* „Es könnten noch Kolonisten an Bord sein. Wir schicken ein kleines Team und sehen uns mal um, solange wir die Zeit dafür haben. Außerdem könnten wir ihre Datenbanken anzapfen und etwas über sie lernen.“

    Zack. Mehr braucht es nicht, um diese Kleinigkeiten zu lösen. Das ist naürlich nicht perfekt, aber dafür habe ich auch nur 3 Minuten Zeit investiert. Ein professioneller Autor müsste da eigentlich das Problem verstehen und sich was ausdenken können.

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    ("Joker! Hör auf bei dieser geheimen Gehimmission mein Shuttle auszuleuchten!")

    Und zum Schluß: Tim sagt Shepard nach der Mission, dass er nichts über die Falle gesagt hat, weil er die Kollektoren nicht vorwarnen wollte. Wie hätte Shepard sich verhalten können, um den Kollektoren zu verraten, dass ihre Falle aufgeflogen ist? Sie haben ihn schon einmal getötet (worauf er nie so richtig reagiert, aber dazu kommen wir später) und sein Schiff in die Luft gejagt. Extreme Vorsicht auf Seiten Shepards wäre verständlich. Wieso bringt Tim dieses Idol, diesen ach-so-großen Helden wieder zurück und vertraut ihm dann nicht? Er muss ihm ja nicht sein privates Passwort verraten, aber zumindest ein: „Hey pass auf, wir wissen zwar dass [...], aber wir ziehen das trotzdem durch, weil [...].“ So Dinge halt, die die Chance auf Erfolg tatsächlich erhöhen könnten und nicht unnötig unersetzbare Ressourcen gefährdet.
    Tim sollte aufhören sein Zeug zu rauchen und sich endlich mal ein paar wirklich ausgefuchste Intrigen einfallen lassen, ich kann dieses wandelnde Klischee echt nicht ernst nehmen.

    Shepard könnte auch (sagen wir mal) das Schiff der Kollektoren solange beschießen, bis es wirklich kaputt ist und dann erst an Bord gehen? Und wenn Shepard wirklich wie der letzte Honk ohne Rücksicht auf Verluste auf das Schiff der Kollektoren walzt: Warum warten die Kollektoren nicht, bis Shepard an Bord ist, und fliegen einfach in dem Moment weg, in dem er sich weit genug von seinem Shuttle entfernt hat?

    Shepard läuft also die zunächst leeren Korridore ab. Die Inszenierung ist mal wieder ziemlich gut, was auch eine der Stärken des Spiels ist. Gruselige Musik, düstere Korridore, überall diese schwebenden Kisten, in denen die Kollektoren die Menschen entführen. In einer Sekunde schau ich mir noch einen Stapel an Leichen an und plötzlich werde ich gefragt, welche neue Knarre ich haben möchte.
    Moment, was? Jetzt? Hier, mitten in diesem Korridor, wo ich gerade noch versuche, etwas über die Kollektoren zu erfahren und die Atmosphäre genieße? Hat der Autor mal was über Timing gelesen?

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    (Ich glaube Shepard wurde vom Autor nur für diesen, im Endeffekt belanglosen, Satz auf das Kollektorenschiff geschickt)

    Im Laufe der Mission stolpert man dann in die Haupthalle des Schiffs. Hier hängen Millionen dieser Kisten an den Wänden. Ein Teammitglied sagt daraufhin, dass die Kollektoren wohl die Erde als Ziel haben müssen. Ich frage mich, wieso sich irgendwer sorgen darüber macht? Der Autor versucht Drama zu erzeugen, indem er vorgibt, die Erde wäre in Gefahr, allerdings ist der Plan der Kollektoren von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Edi sagt, dass das Kollektorschiff dasselbe ist, was auch die Normandy SR1 zerstört hat und es ist dasselbe, was die Hälfte der Kolonie auf Horizon entführt hat. Am Ende vom Spiel wird ein einzelnes Schiff gezeigt, was die Basis der Kollektoren verteidigt. Nach allem, was das Spiel uns zeigt, haben die Kollektoren nur ein einziges Schiff. Dieses eine Schiff wird von der Normandy dann kurz vor Schluss ganz gut im Alleingang auseinandergenommen. Gegen die Flotten der Allianz, die die Erde verteidigen, würde es nicht mal zu einem nennenswerten Kampf kommen.

    Dann zeigen die Antagonisten mal wieder ihre Inkompetenz und Shepard entkommt. Er schießt ein paar Kollektoren um, rennt ein-zwei Korridore entlang und die Falle ist fehlgeschlagen. Man kann als Autor seine Antagonisten nicht heftiger in den Boden stampfen, selbst wenn man es versuchen würde. Die Falle ist dämlich. Shepard stolpert überhaupt erst in sie hinein, weil Tim zu viel Moonshine getrunken hat und ihm nichts davon gesagt hat. Die Kollektoren hatten ihre großen Widersacher an Bord ihres fliegenden Asteroiden und konnten dann trotz Hinterhalt und Heimvorteil die drei Leute nicht daran hindern einfach wieder zur Tür hinaus zu spazieren. Warum macht hier nichts Sinn und warum sind unsere Antagonisten so inkompetent? Die sind absolut lächerlich und die Erde ist nie in Gefahr!

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    (Ja bitte, dann löst sich das Problem von selbst.)

    Eine der schwierigsten Aufgaben, die ein Autor hat, ist es sich in die Rolle der verschiedenen Parteien zu denken. Das kostet viel Ruhe und vor allem Zeit (und verbraucht Glukose im Gehirn). Der Autor muss in die Schuhe von allen Charakteren schlüpfen können und aus dieser Position logische Handlungen ableiten, damit jeder dieser Charaktere glaubwürdig an dem eigenen persönlichen Ziel arbeitet.
    Das fehlt hier völlig. Die Kollektoren haben einen Plan, der nicht nur zum Scheitern verdammt ist, sondern auch noch unlogisch.
    Selbst wenn die Allianz die einzelnen Kolonien nicht bewachen kann oder möchte, dann würden ein paar Schiffe am Omega-4 Relay reichen, um die Kollektoren zu neutralisieren. Ach was, ein paar Minen und eine Überwachungsstation würden reichen. Die Normandy-SR2 ist schon genug, um das Schiff der Kollektoren zu besiegen, also könnte Shepard auch alleine an dem Relay hocken und warten bis das Schiff auftaucht. Dieser Flaschenhals ist für jede Militäroperation ein ziemlich Alptraum.
    Nach dem, was das Spiel uns zeigt, hat Shepard keinen Grund, wie ein Idiot mit seinem drei Mann Team das Schiff zu entern. Aber er tut es trotzdem, weil der Autor es so verfügt hat und der Spieler wieder etwas über die Kollektoren erfahren muss. Die sind anderweitig nicht ins Universum eingebunden, also geht es nur mit der Brechstange.
    Alle Parteien, also Shepard, Tim und die Kollektoren (Harbinger) müssen sich allerdings irrational verhalten, damit dieser Teil der Story so ablaufen kann.

    Über den Autor

    Thore
    Jahrgang 85. Ich spiele Videospiele seit ich 7 oder 8 Jahre alt war. Ich bin schon immer von gut erzählten Geschichten fasziniert gewesen.

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