Mein Problem mit Detroit (Spoiler)

Von Reddok · 6. Juli 2018 · Aktualisiert am 13. Juli 2018 · ·
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  1. Meiner Meinung nach ist Detroit: Become Human Quantic Dreams bestes Spiel bisher - oder sagen wir lieber interaktiver Film mit Alibi-Gameplay, Dialog-Rätselraten und Quicktime-Events. Das ist nicht unbedingt schlimm... Trotzdem hat der Titel noch so einige andere Probleme... Ich finde, jemand sollte Cage mal beibringen, dass man nicht immer mit dem Vorschlaghammer arbeiten muss, sondern auch mal mit dem Skalpell - oder gar einem Pinsel. Ich könnte jetzt über die falsche Neuauflage von echten Ereignissen sprechen, aber da gibts schon ein gutes Video aus Mutti's Keller (Sollte man vermutlich nicht ansehen, wenn man nicht ständig Anime-Videos auf Youtube vorgeschlagen bekommen will!): Detroit: Become Human - The Worst Civil Rights Allegory

    Nein, mir geht es um den Twist gegen Ende des Spiels: Wer sich trotz der Überschrift das hier durchliest, ist selbst Schuld. Um es kurz zu machen: Das Kind in der Kara-Story, Alice, ist ein Android - und das frustriert mich zutiefst. Der Twist ist nicht nur schwach ausgeführt und ergibt keinen Sinn, sondern verschenkt auch einiges an Potenzial. Aber irgendwie musste ja die KZ-Szene funktionieren...

    Warum ergibt der Twist keinen Sinn? Weil Kara es von Anfang an wissen musste - oder zumindest, nachdem sie den Flyer gesehen hatte. Aber okay, sagen wir es gibt eine Art Privatsphärenprotokoll: Die Androiden können sich miteinander verbinden - ich vermute das funktioniert ähnlich wie beim W-Lan. Also müssten Androiden eigentlich merken, wenn andere in der Nähe sind. Möglicherweise könnten sie es selber an und aus machen... Als Hersteller würde ich dies jedoch vermeiden, damit Andoriden sich nicht abkapseln können, sollten sie ein Eigenleben entwickeln. Außerdem hat Alice keinen einzigen Grund, die Wahrheit nicht an Kara weiterzugeben, es hätte sogar viele Dinge um einiges leichter gemacht.

    Warum verschenkt der Twist Potenzial? Weil die Story um einiges besser gewesen wäre, wenn Alice ein Mensch gewesen wär. Gut, die KZ-Szene wäre dann so nicht möglich gewesen. Aber man hätte andere Dinge tun können, z.B. auch basierend auf der öffentlichen Meinung: Alice hätte z.B. je nach Entscheidungen, Menschen überreden können, an der Befreiung teilzunehmen - was dann am Ende vielleicht dazu führt, dass sie und Kara trotz aller Unterschiede und Widrigkeiten eine echte Familie werden, genau wie Charaktere, die erst in dieser Szene auftauchen. Würde eine gute Nachricht sein: Androiden und Menschen können zusammenleben. Dann hätte man auch eine herzzereißende Szene nach einem Timeskip einbauen können, vielleicht nach den Credits, bei der Alice am Ende alt auf ihrem Sterbebett liegt, und Kara ihr noch immer unermüdlich Gesellschaft leistet. Hätte zwar Ähnlichkeiten zu Interstellar, aber besser gut geklaut als schlecht geklaut...

    Der letzte, längste und vermutlich unwichtigste Punkt: Warum halte ich die Ausführung schwach? Meiner Meinung nach ist ein Twist nur dann gut, wenn man sich um die Personen schert (Was bei Detroit definitiv Fall ist! Jedoch hat meine Beziehung zu Alice bei der Auflösung Risse bekommen, weil ich mich verarscht fühlte.), aber es theorethischerweise auch kommen sehen kann. Das trifft nicht zu, denn sobald man als Spieler einen Blick auf den Flyer geworfen hätte, wüsste dieser sofort bescheid - also wird der Flyer nicht gezeigt. Es gibt aber sonst keine Hinweise darauf. Theorethischerweise müsste Alice weder schlafen, essen oder gewärmt werden, was man vielleicht hin und wieder subtil hätte zeigen können. Und zwar so, dass man bei der Auflösung sowas denkt wie "Holy Shit, damals hat sie gesagt, sie brauche nichts zu Essen weil sie ein Android ist, nicht nur weil sie mich nicht klauen lassen wollte!" Zugegeben, als Spieler man sieht sie nie essen - aber erstens: müsste es Kara nicht auffallen, besonders wenn man etwas aus dem Laden klaut? Schon klar, Liebe macht blind, aber so blind? Zweitens wird dem Spieler nie gezeigt, dass sie nichts isst. Es wird einfach unter den Tisch fallen gelassen.
    Okay, Todds Verfassung sieht nicht danach aus, als ob er das Sorgerecht für seine Tochter bekommen hätte; aber wie leistet er sich zwei Androiden, deren Reperatur und Drogen, wenn er arbeitslos ist? Irgendwie hab ich das Gefühl, dass man da nicht lange drüber nachgedacht hat... Luther gibt einen Hinweis, allerdings ziemlich plump indem er sagt, dass ihm etwas an ihr aufgefallen ist - mit der W-Lan-Verbindung dich ich vorhin erwähnte. Bis auf diesen sind also alle Hinweise eher Hinweise die dem Spieler vorenthalten sind. Außerdem hat sich Alice selber mit menschlichem Blut gezeichnet - nicht mit blauem Blut. Die offensichtliche Erklärung mit den Kinderzeichnungen hätten nicht sein müssen; es reichen ein paar Minuten mit Todd, um zu erkennen, wie er so drauf ist. Stattdessen hätte man einen blauen Fleck ins Kinderzimmer platzieren können, den man beim Säubern findet... Kara würde einfach annehmen, es sei ihr Blut, während der Spieler andere Vermutungen anstellen kann.
    Anderes (Bei-)Spiel: Bioshock. Im ersten Bioshock bekommt man vor der Auflösung immer wieder Hinweise, wie das berühmte "Would you kindly", aber auch Flashbacks und selbst Audiologs, die einen auf die richtige Spur bringen können. Selbst der Twist in Bioshock 2 ist besser. Ja, es hatte einen.... kleinen. Und zwar das Sinclair eigentlich ein guter Kerl ist. Man hört immer wieder zwielichtige Sachen über ihn, seine Stimme ist alles andere als vertrauenswürdig und Bioshock-Veteranen werden sich hüten jemandem leichtfertig zu vertrauen. Ja, er wollte Delta benutzen, um zu entkommen - soweit ich mich erinnere, es ist schon etwas her. Aber er hat von Anfang an die Wahrheit gesagt und hat die berühmte "Eine Hand wäscht die andere"-Mentalität. Er hat das ganze Spiel über dafür gesorgt, das Delta weiterkommt, während der Spieler fest mit einem Verrat rechnet und muss dann mit ansehen, wie er von Lamb zu einem Big Daddy gemacht wird. Wenn man das in Bioshock so machen würde, wie in Detroit, würde Atlas nur einmal am Anfang "would you kindly" sagen, während man in Bioshock 2 nur das Schlechte von Sinclair gezeigt bekommen würde.

    Was meint ihr: Habe ich Hinweise übersehen? Wurdet ihr von dem Twist kalt erwischt, oder hat er euch kalt gelassen, so wie mich?

Kommentare

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  1. Whimsy
    Es ist ein Spiel.

    Es gibt kein Spiel (oder Film, Serie, Buch etc.) ohne Logiklöcher.
    1. Reddok
      NANI SORE?

      Das Problem sind nicht die Logiklöcher ansich. Gibt es in Westworld Logiklöcher? Garantiert. Aber die stören nicht bei der Geschichte. In Detroit geht es letztendendes nur um "Wir gegen die", entweder pazifistisch oder nicht. Selbst Westworld ist nicht so schwarz-weiß.
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