RÜB 1: Fünf Versäumnisse der Smartphone-Industrie

Je schlimmer das Versäumnis, desto höher die Nummer...
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  1. Blogbeschreibung:
    RÜB steht für RadonsÜbergangsBlog. Übergang zu was? Zu RnB, Radon neue Blogeinträge. Mit Radons neuen Blogeinträgen möchte ich ein umfassendes Blogsystem etablieren, mit zahlreichen Querverbindungen, personalisierter Lesegeschwindigkeit und vielen weiteren Features. Da sich dieses Projekt aber gehörig in die Länge zieht und ich durchaus Lust habe, auch in der Zwischenzeit etwas zu schreiben, folgt nun allwöchentlich ein ziemlich kurzer Blogeintrag. Eben ein RÜB. Außer durch Kürze zeichnen die sich durch gar nichts aus. Keine erklärenden Links, wenn irgendein Begriff unklar ist, muss selber im Netz gesucht werden. Sorry. Keine schicken, sondern bloß Lücken füllende Header. Nochmals sorry. Sowas wird sich erst mit RnB ändern. Vielleicht werde ich ein paar RÜB-Einträge später remastern und zu einem Teil der RnB machen, vielleicht auch nicht. Mal schauen...

    Für mich ist mein Smartphone kein besonders wichtiges Alltagsgerät, bloß eines von vielen. Einen zentralen Platz nimmt es auf keinen Fall ein. Nichts desto trotz kann ich durchaus verstehen, wieso es bei anderen tatsächlich und mit Recht eben einen solchen einnimmt: Es gibt genügend Szenarien, in denen ein Smartphone das Gadget sein kann, das einem an meisten Arbeit abnimmt oder erleichtert, Dinge ermöglicht, die anders nicht sinnvoll ermöglicht werden können und so weiter. Entsprechend bin ich auch absolut kein Freund davon, dass diese Fähigkeiten Smartphones oftmals abgesprochen werden. Nur weil viele sie ohne Sinn und Verstand nutzen, heißt das wenig. Machen sich in anderen Bereichen so viele Leute über Zeitgenossen allein wegen intensiver Nutzung eines Gerätes lustig? Wird Spülmaschinenbenutzern ständig gesagt, wie dumm sie doch sind, nur weil man selber gut spülen kann und wenig anfällt? Auf Staubsauger(-roboter) geschimpft, weil man die ja nur bei "falscher" Wahl des Bodens oder zu großen Häusern braucht? Das ist mir alles sehr zuwider. Ich erkenne an, dass es Leute gibt, für die ein Smartphone das Gadget ist, das ihnen im Alltag am meisten bringt und es deshalb besonders wichtig ist, dass es möglichst gut ist. Diesen Leuten will ich einige Punkte zeigen, an denen nach massiv Optimierungspotential brach liegt. Aber nicht nur diesen...
    Dass ich diese Punkte kenne, liegt hauptsächlich daran, dass gewöhnliche Hardware und Smartphonehardware einfach Unmengen Berührungspunkte haben. Nichts desto trotz sind es eben Punkte mit enormer Alltagsrelevanz für die Gruppe der Alltäglich-ständig-Nutzer. Indirekt sind sie aber auch für ganz unenthusiastische Nutzer oder sogar Gar-Nicht-Smartphonenutzer relevant. Vorhang auf für fünf Versäumnisse, aufsteigend geordnet nach Schwere des Versäumnis:

    1.: Smartphones als ernsthafte Gaming-Geräte:
    Immer wieder versuchen Hersteller, ihre Geräte auch mittels Gaming-Tauglichkeit zu bewerben. Apple macht das eh jede Gen, aber vor allen Dingen gibt es auch einige Geräte, die sich als Gaming-Monster verkaufen lassen
    Smartphones haben einfach keine ernsthaft optimierten Titel. Sie haben den allseits bekannten Casual-Schrott. Sie haben alte, geportete Titel, bei denen aber quasi null Budget für die Technik eingesetzt wurde.
    Ein aktuelles Smartphone hat aber mehr Hardwarepower als eine Switch. Die Titel haben entsprechend auch besser auszusehen. Alles andere ist Versagen!
    Es gibt eine positive Ausnahme, den ansonsten hoch kritisierten BattleRoyalTitel Fortnite. Naja, relativ positiv: Es ist ein Echtzeit-Mulitplayertitel und damit eigentlich nichts, was vom Konzept her wirklich Smartphone-tauglich wäre.
    Es wäre so leicht: Man schaue ein wenig über eine Sammlung alter Strategiespiele, überlege sich, welches sich gut auf einem Smartphone steuern lassen würde. Man erwirbt die Rechte oder entwirft eine Kooperation mit dem Inhaber, knallt ordentlich Budget drauf mit dem Ziel, daraus doch bitte das technisch beeindruckenste Mobile-Spiel zu machen. Dann legt man es dem neuen Gerät als Gratis-Titel bei und bringt es zum Vollpreis in den allgemeinen Store auf dem Gerät. Und weil man richtig geklotzt hat, kann man es auch gleich noch als Cutdown für die Switch und als Unlockte Version für PC-Stores bringen. Schon wäre endlich mal der erste Schritt getan; ein ziemlich risikoloser, aber super prestigeträchtiger. Aber nein...

    2. Kleinigkeiten:
    Es gibt zig Kleinigkeiten, die einfach kaum Aufwand darstellen würden, aber viel geben könnten. Manche davon betreffen Displays. So sind einfach die meisten Smartphone-Displays 60hz-nonVRR-Displays. Vor der VRR-Ära war klar, dass der Sprung zu 120hz eben ein großer ist und es sich daher nicht lohnt, sich um schnellere Displays in Smartphones zu kümmern. Aber jetzt wäre es ein leichtes, Displays und der Touch-Verarbeitung etwas mehr Flüssigkeit zu verpassen, die im Alltag nun einmal einfach Spaß macht. 120hz-Monitor-User erzählen das schon seit Jahren und iPadPro-User rühmen es auch in den Himmel. Wie gesagt, muss ja dank VRR nicht gleich das doppelte sein, sondern schon ein fünftel mehr wäre gut nach den Jahren über Jahren mit 60hz überall...
    Was Anschlüsse angeht, könnte man die Konzepte Wechselakku, Powerbank und USB-C verknüpfen und den Wechselakku einfach darüber intern wie extern verbinden. Damit wäre auch eines der größten Argumente gegenüber einen Wechselakku, die Problematik der internen Anbindung, Geschichte. Man könnte ihn sogar direkt als Gehäuseteil produzieren...
    ...allgemein wäre eine bessere Fusion aus Schutzhülle und Smartphone schön. Die Hüllen sind omnipräsent, leiden aber sehr durch die künstliche Trennung (wahrscheinlich aus Dummheit, und nicht aus Gemeinheit) beider.
    Was solche Ideen angeht, bräuchte es einfach viel mehr Kreativität durch Kundenaustausch. Da die Hersteller aber nicht in den gängigen Hardwareforen präsent sind und es schon bei den großen Themen keinen Fortschritt gibt, liegt dieses Potential brach. Nur einzelne, tolle Sachen wie SoundOnDisplay schaffen es nach Jahren zur Marktreife, während so viel cleveres brach liegt.

    3. Speicher:
    Speicher und Smartphones ist ein enorm leidiges Thema, ein Thema des verschenkten Potentials. Wieso das?

    Smartphone-Festpeicher ist NAND-Flash-Speicher. Der gleiche Speicher, aus dem heutzutage die meisten SSDs gebaut werden. Bei SSDs gibt es ein veraltetes Interface, SATA und ein veraltetes Protokoll, AHCI sowie zwei moderne PCIe und NVMe.
    NVMe & PCIe verursacht dabei keine Kosten. Jedenfalls nicht direkt. Es gibt kein zusätzlich fälliges Bauteil. Der Controller (bei Smartphones im SOC) muss nicht größer werden, sondern nur neu. Das Interface ist nicht teurer, sondern anders. Der DRAM-Cache (bei Smartphones der Hauptspeicher) muss nicht größer werden, sondern anders. Im Desktop- und Notebookmarkt wird trotzdem immer noch zu viel an AHCI-SATA festgehalten, aber das hat natürlich auch Legacy-Marktvolumen-Gründe. Die gibt es bei Smartphones nicht. Die Hersteller haben die Kontrolle und jemand wie Samsung hat sämtliches KnowHow eh schon völlig InHouse. Dennoch erreicht auch der Flash-Speicher in einem S10 in vieler Hinsicht bloß Werte Größenordnungen unter denen aktuellen SATA-SDDs. Was für ein Kollosalversagen!

    Und dann gibt es da noch den Hauptspeicher, den RAM. Jahrelang wurde er ignoriert und die RAM-Branche musste unter wenig Nachfrage leiden. Dann kam ein plötzlicher Aufschwung und die RAM-Branche litt unter zu hoher Nachfrage. Jetzt ist wieder Stagnation der Mengen angesagt. Was für ein unnützes Ärgernis. Smartphone-Hersteller könnten einfach offen im Voraus kommunizieren, wie die RAM-Roadmaps für die nächsten Jahre aussehen, solche Probleme wären Geschichte und die Devs könnten sich darauf einstellen und ihre Software auch auf Smartphones auf ordentliche RAM-Mengen optimieren, was Geschwindigkeit und Energieeffizienz der Apps zu Gute kommen würde. Bei Multiplattformentwicklungen sogar denen der Desktop-Programme...
    ...richtig bitter.

    4. Kein Rennen um das reparturfähigste Smartphone:
    In der Anfangszeit der Smartphones war Reparierbarkeit, Haltbarkeit und Updateversorgung ziemlich irrelevant. Die Geräte selber waren billig, die Verträge superteuer, die Performancesprünge groß, Speicher klein, Kameras miserabel, Displays eh ein Augenschreck und so weiter. Doch die Zeiten haben sich geändert: Man kann fast bis ohne Vertragskosten auskommen, dafür aber viel Geld für das Gerät selber blechen. Mehr Performance ist natürlich gerade fürs Browsing super, aber ansonsten ziemlich egal. Speichergrößen passen auch, Displays sind abseits des Hauptversäumnisses auch echt in Ordnung.
    Anders gesagt: Wenn die Punkte Reparierbarkeit, Haltbarkeit und Updateversorgung heutzutage stimmen, dann haben Kunden echt was davon. Sogar finanziell durch Weiterverkauf. Von Seiten der Industrie sieht es aber sehr bitter aus: Nach wie vor steht das Fairphone 2 aus dem Jahre 2015 als einziges an der Spitze der iFixit-Liste, hat als einziges 10/10 Punkten. Und das ist zwar gut reparierbar, aber eben eigentlich auch nur gut. Speicher lässt sich nicht einzelnen wechseln, CPU lässt sich nicht einzeln wechseln, gesamtes Logicboard ist eben ein großes Modul. Anders gesagt, der noch Spielraum nach oben. Des weiteren folgt es, im Gegensatz zu vielen anderen Smartphones, keinem IndustrialProtection-Standard. Beides gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen, das ist natürlich eine Herausforderung. Aber die anderen Hersteller sind nunmal auch viel, viel größer. Profis! Da kann man erwarten, dass 2019 der Standard mal höher rückt. Nicht zu vergessen: 9/10 Punkten haben nur Geräte aus dem Jahre 2011. Peinlich, peinlich, peinlich. 8/10 hat eines aus 2017, der Rest ist auch älter. Ultrapeinlich!

    Link iFixit-Liste: https://de.ifixit.com/smartphone-repairability?sort=score[​IMG]

    5. und letztens, das Hauptversäumnis, keine entspiegelten Displays:
    Das ist klar die größte Peinlichkeit. Ein so offensichtlicher Missstand, der die praktische Nutzung massiv beeinträchtigt. Das erste iPhone erschien 2007, 2019 gibt es immer noch kein populäres, werksentspiegeltes Smartphone. Und auch keine Rechtfertigungen, keine Entschuldigungen, keine Kommunikation seitens der Hersteller. Ab und an wird von Seiten von Magazinen einmal über Grade von Reflektion gesprochen, die Seite displaymate bestimmt sie zum Beispiel. Aber Stellungnahmen der Hersteller, wieso es immer noch kein Gleichziehen mit Desktop-Monitoren gibt? Fehlanzeige. Sie könnten ja wenigsten versuchen, es auf die Schwierigkeit zu schieben, exzellente Touchscreen-Funktionalität und Entspiegelung unter einen Hut zu bringen. Oder Roadmaps anbieten. Oder, oder, oder...
    ...klar ist, der aktuelle Zustand ist eine Frechheit, beeinträchtigt die Nutzung im Freien. Entspiegelungsfolien kommen einfach nicht an eine Werksentspiegelung heran, dass sie nicht vorhanden ist, passt nicht zur Platzierung als Luxusgut. Dieses ignorierte Problem betrifft alle großen Hersteller im gleichen Maße und ist absolut skurril. Es ärgert User über sämtliche Hersteller hinweg, sorgt für andere Probleme (ungünstig eingestellte Helligkeiten, ungünstige Handyhaltungen, ...) und verabschiedet sich einfach nicht. Das ist wirklich Priorität #1 und jede Redaktion sollte sich angehalten fühlen, die Hersteller bei jeder Gelegenheit auf diesen Missstand anzusprechen, damit sich endlich mal etwas tut!

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