RÜB 3: Saddy 5th Birthday 2 U

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  1. Heute feiern wir einen Geburtstag---nur leider ist das gar nicht so schön. Movies on GOG wird fünf Jahre alt. Ja, so lange ist das schon her, dass GOG versucht hat, neben DRM-freien Spielen auch Filme DRM-frei anzubieten.
    Versuchen ist dabei natürlich eine problematische Wortwahl: Klar, es hat auch irgendwie geklappt. Man kann Filme auf GOG kaufen. Aber zum Großteil sind das kleine Produktionen, gehen eher in Richtung Dokus und haben oftmals auch einen klaren Gaming-Bezug. So oder so ist nicht einmal eine dreistellige Anzahl von Filmen im Angebot. Und von den großen Filmgesellschaften ist keine einzige vertreten. Das ist das große Problem. Bei Spielen hatte GOG (man könnte es zur Unterscheidung Games on GOG nennen) mit Interplay direkt einen Partner zur Hand, der ihnen viele große Legenden der Spielegeschichte zur Verfügung gestellt hat. Und zum ersten Jubiläum folgte Ubisoft und damit war eigentlich schon absehbar, dass das Konzept aufgehen wird. Dieser Schritt ist bei den Filmen ausgeblieben: Kein Filmlabel hat sich bereiterklärt, alte Klassiker zu nutzen um einmal auszutesten, ob man denn mit kopierschutzfreien Downloads auch bei Filmen ordentlich Geld machen könnte. (und das könnte man sicher)

    Das wirkt natürlich besonders abstrus, wenn man sich die beiden anderen großen Medienbranchen, Musik und Spiele anguckt: Bei Musik gibt es mittlerweile fast alles DRM-frei zu kaufen. DRM-frei auf CD oder als DRM-freier Download. Und bei Spielen kann man, je nach Genrepreferenz, problemlos nur mit DRM-freien Spielen auskommen: Wem als DRM-Gegner viele Genres liegen, hat sogar eher eine überquellende Bibliothek an DRM-freien Spielen als eine leere. Wer nur Sportspiele spielt, der muss bei aktuellen Titeln völlig in die Röhre schauen und bei alten Titeln auf Heft-DVD-Versionen und ähnliches ausweichen. Unschöne Sache, aber in der Filmbranche sieht es viel düsterer aus. Unabhängig davon, welche Genrepreferenz man hat, ist es nicht möglich, im Filmebereich DRM-frei zu leben.
    Dabei sind dort die möglichen Gewinne für den Kunden sogar am Größten: Erstens kostet das DRM im Filmbereich einiges an Rechenleistung. Zweitens stehen sich im Filmbereich Disks auf der einen und Steams auf der anderen Seite gegenüber, beides Formate, bei denen Downloads qualitativ Spielraum nach oben bieten würden. (es wären höhere und vor allen Dingen auch dynamischere Bitrates möglich) Und drittens ist der Präsenz des Kampfes Branche vs. Cracker nirgendwo so präsent wie bei Filmen. Als Resultat dessen geraten Kunden in das Kreuzfeuer, was sich zum Beispiel in Anti-Piracy-Vorfilmen geäußert hat. Auch allein schon das Mitnehmen einer großen Filmbibliothek an einen Ort ohne guten Internetanschluss ist deshalb eine Qual—es sei denn, man setzt auf Piracy. Nicht die unbeteiligten, sondern ausgerechnet eine der Konfliktparteien sind die lachenden Dritten; dies ist eine totale Anomalie in Konflikten, aber typisch für DRM.

    Wieso hat sich nichts getan? Warum gab es diese fünf Jahre der Stagnation? Wer ist dafür verantwortlich, dass der dringend nötige Fortschritt ausblieb?

    Es liegt wohl an Desinteresse und zwar bei Industrie, Medien und Politik.
    Keiner aus der Industrie hat eine bestehende Plattform DRM-frei gemacht, niemand hat eine eigene geschaffen, niemand hat sich Movies on GOG angeschlossen. In den Medien wurde über das Thema DRM stets nur sehr zaghaft berichtet, selbst auf Gaming-Seiten, aber im Bezug auf Filme wurde sich besonders gut im Nichtstun geübt. Und Politik, ja was hat den Politik jemals bei Regulierung von DRM, bei Reformen im Lizenzrecht und im Themenbereich FreeChoiceOfPlattform getan? Richtig, nichts. Wirklich zentral ist in dieser Dreiecksbeziehung die Rolle der Medien: Politik und vor allen Dingen Industrie hätten erinnert werden müssen. Und sie müssen immer noch erinnert werden.

    Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Es sollte nicht auch noch dazu kommen, dass ein zehntes Jubiläum von Movies on GOG gefeiert werden muss, ohne, dass es Fortschritt auf diesem Gebiet gab. Es ist fünf Jahre überfällig, dass der Missstand endlich mal den großen Studios vorgehalten wird. Nachdem sie ihn (möglicherweise vehement) vorgehalten haben, können zumindest die Medien ihre Hände zurecht in Unschuld waschen. Das wäre doch schon mal was. [​IMG]
    Bakefish gefällt das.

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