Ranked #2: Star Wars: Battlefront

Von ModuGames · 24. Januar 2021 · ·
Kategorien:
  1. Wenn ich mich vor mir selbst rechtfertigen musste, warum ich diese Serie so lange nicht weitergeführt habe, konnte ich mich immer damit vertrösten, dass ja auch der Flughafen Berlin Brandenburg keine Fortschritte macht. Aber sogar der ist ja mittlerweile fertig! In diesem Sinne: Ein halbes Jahr, nachdem ich die Witcher-Reihe „geranked“ habe, widme ich mich nun einem anderen meiner persönlichen Favoriten: Star Wars: Battlefront, wobei ich nur die PC-Ableger betrachten werde. Diesmal wird meine Anordnung auch etwas provokanter ausfallen. Versprochen!

    #4 – Star Wars: Battlefront (2015)
    Veröffentlichung: 17.11.2015
    Meine Wertung: 65 – GameStar-Wertung: 83
    Meine RezensionGameStar-Test

    Was hatte ich mich auf das Battlefront-Reboot gefreut. Pandemics Battlefront 2 war bis dato wohl mein am meisten gespieltes Spiel und ich konnte es gar nicht erwarten, noch einmal in die weit, weit entfernte Galaxis reisen zu können. Der Grund, warum Battlefront 2015 das Schlusslicht dieser Liste bildet, ist die Enttäuschung, die ich und viele andere Fans mit diesem Titel verbinden: Unter anderem gibt es keine Einzelspieler-Kampagne mehr. Manch einer mag nun argumentieren, dass die alten Teile in dieser Hinsicht auch nicht überragend waren (das Ur-Battlefront hatte effektiv keine Kampagne, Battlefront 2 eine bestenfalls ganz ordentliche). Dieses Feature einfach zu streichen, ist jedoch nicht die richtige Lösung – zum Glück haben EA und DICE diesen Fehler beim Nachfolger korrigiert. Auch die Klonkriege wurden in diesem Spiel nicht beachtet. Dadurch hat das 2015er Battlefront im Grunde nur noch halb so viel Inhalt wie seine beiden Vorgänger.

    [​IMG]

    Weiterhin wurde das Klassensystem gestrichen, stattdessen darf man sich nun aus einem Pool aus Karten seine eigene Figur zusammenstellen. Leider hat dies zur Folge, dass jeder mit fast demselben Loadout herumrennt, da einige Fähigkeiten klar besser sind als andere. Dazu kommt noch, dass einige Modi fragwürdige Änderungen spendiert bekommen haben (Helden vs. Schurken). Grundsätzlich ist EAs Battlefront aber trotzdem kein schlechtes Spiel: Die Präsentation ist hervorragend und in seinen besten Momenten (Kampfläufer-Angriff auf Hoth) versprüht dieser Titel massiv Atmosphäre. Spielerisch sind unter anderem die Helden, welche sich nun deutlich unterschiedlicher spielen, positiv hervorzuheben. Und wenn Sie einen Partner finden, können Sie einen Zweiertrupp bilden und durchaus einigen Spaß haben. Für mehr als den vierten Platz hat es aber dann doch nicht gereicht – es ist einfach ein klarer Rückschritt.

    #3 – Star Wars: Battlefront (2004)
    Veröffentlichung: 21.09.2004
    Meine Wertung: 74 – GameStar-Wertung: 85
    Meine RezensionGameStar-Test

    Ah ja, das ursprüngliche Battlefront – hier hat alles angefangen. Man kann mir jetzt freilich vorwerfen, dass dieser Titel eigentlich schlechter ist als das EA-Reboot und ich ja nur nostalgisch verblendet sei. Dafür spricht auch tatsächlich einiges, denn viele Aspekte dieses Spiels sind nicht gut gealtert. Beispielsweise hat Battlefront (2004) nur einen Spielmodus (Eroberung), auch wenn es natürlich noch die „Galaktische Eroberung“ gibt, welche die einzelnen Schlachten in einen größeren Kontext setzt. Außerdem gibt es keine wirkliche Kampagne (das, was als „Kampagne“ bezeichnet wurde, ist ein ziemlicher Witz) und man muss auch konstatieren, dass viele Spielmechaniken oft antiquiert und schlecht austariert wirken. So kann man nicht sprinten, die Hitboxen passen oft nicht mit dem Modell überein und das ganze Balancing des Spiels ist etwas wackelig.

    [​IMG]

    Das alles kann man berechtigterweise kritisieren. Letztendlich befindet sich dieser Teil ja auch noch in der unteren Hälfte der Liste. Aber man sollte auch nicht vergessen, wie wegweisend dieses Spiel war und wie vieles es schon beim ersten Versuch richtig gemacht hat. Da wären zum Beispiel die spielerische Freiheit und die vielzähligen Möglichkeiten, die uns während einer Runde geboten werden. Wir können aus einer Vielzahl von Klassen wählen, um unser Team entsprechend zu unterstützen oder auch solo vorzugehen. Wir können strategisch abwägen, welche Kommandoposten man erobert und welche man unverteidigt zurücklässt. Dabei steht es uns frei, eines der Bodenfahrzeuge oder sogar einen Sternenjäger zu benutzen (sogar mit mehreren Teamkameraden gleichzeitig!). Dieses Gefühl der Freiheit und des Ausprobierens ist etwas, das die alten Teile von Pandemic hervorragend vermittelt haben.

    #2 – Star Wars: Battlefront 2 (2005)
    Veröffentlichung: 31.10.2005
    Meine Wertung: 83 – GameStar-Wertung: 88
    Meine RezensionGameStar-Test

    DER Klassiker schlechthin. Von vielen als einer der besten (Mehrspieler)-Shooter aller Zeiten gehandelt. Und mit was? Mit Recht! Battlefront 2 ist eine konsequente Weiterentwicklung und in (fast) jeder Hinsicht besser als sein Vorgänger. Einige der wichtigsten Änderungen: Im Storymodus erleben wir nun die Geschichte der 501. Legion, welche sich durch die beiden ursprünglichen Trilogien zieht. Diese Kampagne ist zwar nicht umwerfend, aber allemal besser als das, was uns der Vorgänger andrehen wollte. Außerdem bestreiten wir nun gesonderte Weltraumschlachten, anstatt uns mit Sternenjägern nahe der Planetenoberfläche zu duellieren wie im Vorgänger. Ich mag dieses Feature zwar sehr (vor allem das Kapern der feindlichen Schiffe), aber warum nicht beides?

    [​IMG]

    Das ist zwar eine verpasste Chance, aber an anderen Stellen realisiert dieses Spiel das Potenzial das 2004er Battlefronts. Zum Beispiel dürfen wir nun selbst in die Rolle der Helden und Schurken schlüpfen. Abgesehen davon wurden nun auch mehrere Spielmodi implementiert, wie etwa den Klassiker capture the flag oder den XL-Modus. Natürlich kommt das ganze mit Anpassungen an Gameplay-Mechaniken (Sprint!) und Erweiterungen am Klassensystem daher. Ganz zu schweigen von den erinnerungswürdigen Maps. Insgesamt ist Battlefront 2, wie ich finde, das erste Spiel auf dieser Liste, das ich auch heute noch uneingeschränkt empfehlen würde. Vor allem im Multiplayer kann man hier so einige spaßige Stunden verbringen. Allerdings ist die gesamte Technik natürlich nicht mehr auf dem neuesten Stand, was einer der Gründe ist, warum es Battlefront 2 – oder genauer gesagt: dieses Battlefront 2 – nur auf den zweiten Platz geschafft hat.

    #1 – Star Wars: Battlefront 2 (2017)
    Veröffentlichung: 17.11.2017
    Meine Wertung: 87 – GameStar-Wertung: 83
    Meine RezensionGameStar-Test

    Lassen Sie die Fackeln und Mistgabeln noch kurz stecken! Ich weiß, dass es für viele Fans der ursprünglichen Serie geradezu wie Blasphemie anmutet, EAs Battlefront 2 weiter oben einzuordnen als den ursprünglichen zweiten Teil von Pandemic/LucasArts. Ursprünglich wäre es mir auch nie in den Sinn gekommen, das neuere der beiden Spiele für besser zu erachten. Zum Release im Jahr 2017 war dieser Titel eben doch sehr enttäuschend, was vor allem an der Lootbox-Mechanik und einigen sehr fragwürdigen inhaltlichen Prioritäten lag. Aber ich will verflucht sei, wenn Battlefront 2 nicht eine wahnsinnige qualitätsmäßige Kehrtwende hingelegt hat! Das Spiel hat unter DICE jahrelange Pflege erfahren und lässt nun kaum noch Wünsche offen.

    [​IMG]

    Wir dürfen wieder eine echte Singleplayer-Kampagne erleben, auch wenn diese zugegebenermaßen nicht überragend ist, aber dennoch halte ich sie für die beste der Serie. Wo das Reboot aus dem Jahr 2015 nur den Galaktischen Bürgerkrieg als Kulisse geboten hat, dürfen wir nun Inhalte aus allen drei Star-Wars-Trilogien und noch vielen weiteren Quellen erleben. Dazu kommt noch, dass das Klassensystem wieder eingeführt und um Vierertrupps ergänzt wurde. Mit „Vorherrschaft“ liefern DICE zudem noch einen Modus ab, der uns die spielerischen und strategischen Freiheiten der alten Pandemic-Teile bietet. Und dann darf man die epischen Schlachten auch noch mit einer Vielzahl an Spezialeinheiten, Helden und Fahrzeugen bestreiten! Es sieht nicht so aus, dass wir ein nächster Zeit einen weiteren Battlefront-Teil bekommen, was schade ist, da wir dann vielleicht das wirkliche Potenzial dieser Serie hätten erleben können. Andererseits bin ich erfreut, dass diese Reihe auf ihrem Höhepunkt enden durfte.


    Fazit
    Wie ich es bereits in der Einleitung angedeutet habe, ist meine Anordnung der Titel diesmal deutlich gewagter als noch beim Hexer. Tatsächlich wird es schwierig sein, die Community auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, da es meines Wissens nach keine allgemein akzeptierte „Rangliste“ gibt, wie sie etwa bei The Witcher durchaus vorhanden ist. Ob man die neuen oder die alten Teile besser findet, ist wohl auch in gewisser Weise ein Generationenkonflikt. Also nutze ich meine Position als jemand, der beide Battlefront 2s zu seinen Lieblingsspielen zählt, für einen Appell, genau genommen für zwei: Die Leute, die mit den EA-Teilen eingestiegen sind, möchte ich bitten, die alten Klassiker einmal auszuprobieren, welche den Grundstein für diese bemerkenswerte Serie gelegt haben. Genauso appelliere ich an die alten Fans, vor allem EAs Battlefront 2 nochmal einen Besuch abzustatten, wenn Sie es selbst noch nicht gespielt haben (das Reboot von 2015 ist andererseits wirklich nicht sonderlich gut). Mit diesen versöhnlichen Tönen möchte ich mich nun verabschieden – vielleicht bekomme ich den nächsten Teil dieses Formats ja diesmal in weniger als einem halben Jahr zustande.

    Über den Autor

    ModuGames
    Gamer seit ungefähr 2008 (so genau weiß ich das nicht mehr), mit Fokus auf Rollen- und Strategiespiele sowie First-Person-Shooter. Ich schreibe nicht nur gerne, sondern bin auch Musiker und Sportler. Mein größtes Hobby sind aber in der Tat Spiele – über die ich mich für mein Leben gern austausche.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melde dich einfach an und werde Mitglied!
  1. Kalnasir
    Ich bin eigentlich kein Fan von Listicles, aber mich hat interessiert, was du über diese Spiele schreibst, die ich selbst nie gespielt habe. Ich finde das 2017er Battlefront sieht unverschämt gut aus. Aber gibt es spielmechanisch abseits der Helden noch andere Unterschiede zu Battlefield? Ich habe bisher echt nicht den Eindruck gewonnen, dass das Spiel eine frische Erfahrung vermittelt, die sich stark von Battlefield unterscheidet.

    Darüber hinaus: Die Witcher-Teile werden von Teil zu Teil schlechter... :P
      ModuGames gefällt das.
    1. ModuGames
      Ich kann absolut verstehen, warum man Listicles nicht mag. Da bin ich wohl ein Kind meiner Zeit. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass diese Liste nur noch eine Art Zusammenfassung meiner eigentlichen Arbeit ist. Ich habe ja zu jedem Teil eine Rezension geschrieben, die in jedem Fall mindestens 1800 Wörter lang war, also bin ich schon ins Detail gegangen ;-)
  2. ModuGames
    (Ich schreibe den Rest der Antwort mal hier rein – gibt wohl eine Beschränkung, wie viele Zeichen man verwenden darf)

    Generell müsste man wahrscheinlich sagen, dass Battlefront im Gegensatz zu Battlefield etwas "mainstreamiger" und zugänglicher ist. Das liegt wahrscheinlich auch zum Teil am Setting. Du hast zum Beispiel unendlich viel Munition (musst nur noch nachladen), sehr schnelle Gesundheitsregeneration und auch das Steuern der Fahr- und Flugzeuge erfordert meines Erachtens nach weniger Übung (neben anderen Dingen). Ich muss allerdings sagen, dass ich seit 2016 kein Battlefield mehr gespielt habe, deswegen bin ich auf diesem Gebiet kein Experte. Ich meine aber, dass Battlefront nur Sinn macht, wenn du tatsächlich ein Fan von Star Wars bist. Ansonsten halte ich Battlefield unterm Strich für die bessere Wahl.

    Steile These mit The Witcher :P. Da würde mich mal deine Argumentation interessieren.
      Kalnasir gefällt das.
  3. Kalnasir
    Bin weder Fan von Star Wars noch von Militärshootern :P

    Zu The Witcher: Kurzgesagt gefällt mir das Hexersinne-System vom dritten Teil nicht, weil es mich als Spieler entmündigt und ich nur noch Hotspots abklicken muss. Zudem ist die Welt zwar riesig, aber mit total generischen Aufgaben gefüllt und jedes Dorf sieht aus wie das andere. Rüstungen findet man nur in der Welt und auch nur, wenn man sich auf der Map anguckt, wo man hin muss. Ich kann nichts selbst herausfinden. Die ganze Welt wirkt abseits der großen Quests völlig belanglos auf mich. Und die Quest mit dem Baron, die alle so toll finden, hat mich voll nicht abgeholt, weil ich gar keine Empathie für den übrig hatte. Seh' da keine Grauzone.
    Der erste Teil war viel fokussierter, detailliert und hatte das bedeutend bessere Pacing. Klar, dafür keine riesige offene Welt, aber die hilft mir halt nicht, wenn die so ist wie in The Witcher 3. Gib' mir eine offene Welt wie in Gothic 2 und ich bin zufrieden. UND! Die Menschen stellen sich bei Regen unter, während die Kinder im Matsch spielen ^_^

    PS: Die Antworten auf Kommentare sind echt nur sehr beschränkt lang...
      ModuGames gefällt das.
  4. ModuGames
    Na dann hat sich die Sache ja erledigt :P

    Ich stimme zu, dass The Witcher 1 deutlich fokussierter war. Auch die Open World fand ich jetzt nicht absolut fantastisch, aber ich mochte die schon alleine optisch sehr gerne (Skellige war allerdings ein Graus!). Die Quest mit dem Baron fand ich tatsächlich auch nicht sooo überragend. Alles valide Kritikpunkte. Ich glaube allerdings, dass die Leute, die die alten Witcher-Teile besser finden, wirklich eben noch aus der Gothic-2-Generation kommen. Ich gehöre eher zur Generation danach. Aber unabhängig von dem erzählerischen Aspekt kommt man wohl nicht darum anzumerken, dass The Witcher 3 technisch und in vielerlei Hinsicht auch spielerisch besser ist – man denke nur an das Kampfsystem aus Teil 1. Und eben auch deutlich zugänglicher, wobei man das Spiel ja sehr gut auf seinen eigenen Stil einstellen kann.
Top