Sie will es doch auch!

Von Nick2000 · 28. Juli 2016 · Aktualisiert am 1. August 2016 ·
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  1. Wird unser Frauenbild von der Darstellung weiblicher Charaktere in Computerspielen beeinflusst? Wenn ja, wie wird es beeinflusst? Und ist das überhaupt schlimm?

    Ich bin kürzlich in eine hitzige Diskussion mit drei anderen Usern geraten, die unter einer GS-News zu einem neuen Video von Anita Sarkeesian stattfand. Frau Sarkeesian ist ja bekannt dafür, die sexualisierte Darstellung von Frauen in vielen Computer-/Videospielen zu kritisieren und fragte sich diesmal, warum "female combatants" so selten sind. Frau Sarkeesian wurde in den Kommentaren wie immer heftigst angegriffen und teils beleidigt. Mir ging dabei vor allem auf den Senkel, dass die meisten User überhaupt nicht begriffen haben, dass ihre Kommentare und Beleidigungen vor Frauenfeindlichkeit nur so strotzten. Als sie von der GS gebannt wurden, kamen sie mit anderen nicks zurück und schrien so oft irgendwas von "Zensur!", dass ich mich an "Das Leben des Brian" erinnert gefühlt habe ("Jehowa!"). Ich will die Diskussion hier nicht wiedergeben (mit einer Ausnahme, s.u.), sondern versuchen - losgelöst von der Person Sarkeesian (um sie soll es hier nicht gehen!)- das grundlegende Problem zu umreißen (mehr geht hier nicht) und vielleicht auch etwas Problembewusstsein bei dem einen oder anderen zu schaffen. Ich werde mich bemühen, meine Meinung zum Thema sachlich zu halten und entschuldige mich jetzt schon für die Fälle, in denen ich es nicht schaffe.


    I. Ich Tarzan du Jane (Mann zu sein ist geil)

    Ich bin ein Durchschnittsmann. Ich bin fast 40 und Vater einer kleinen Tochter. Trotz meiner väterlichen Pflichten bin ich berufstätig, denn Mama sieht nach der Kleinen. Ganz schön angenehm, dass ich mich nicht groß einschränken muss. Dafür bringe ich ja auch das Geld nach Hause. Da kann meine Lebensgefährtin sich zusätzlich auch noch um das bisschen Haushalt kümmern. Ich bin im Großen und Ganzen sehr glücklich und zufrieden.

    Ich sehe zwar nicht aus wie Brad Pitt, aber das macht nichts. Mein gesellschaftlicher/beruflicher Wert und mein Erfolg werden nicht durch mein Aussehen bestimmt.

    Mein Leben ist auch vergleichsweise einfach. Ich kann z.B. ein paar Bierchen mit Freunden trinken und dann nachts alleine nach Hause gehen, ohne dass ich irgendwie ein unangenehmes Gefühl habe, wenn mir eine Frau entgegen kommt. Ich habe dann auch nicht das Bedürfnis, die Straßenseite zu wechseln. Genauso ist es, wenn ich hinter mir Schritte höre und feststelle, dass eine Frau hinter mir läuft. Ist mir schnuppe.

    Ich habe beruflich ein gutes Auskommen und verdiene mehr als alle meine bisherigen Freundinnen. Und ich habe viele Freundinnen gehabt. Dafür wurde mir von Kumpels meistens anerkennend Respekt gezollt. Negatives Feedback habe ich nie gekriegt. Mich nannte keiner Schlampe oder Bitch deswegen. Ich kann mich privat und beim Sport so anziehen wie ich will. Wenn ich z.B. in meiner kurzen Hose und mit freiem Oberkörper jogge, hält mir das keiner vor. Ich habe auch noch nicht erlebt, dass mir dann penetrant hinterher gestarrt oder gerufen wurde, was für einen geilen Arsch ich habe. Gepfiffen wurde allerdings mal. Von einem Bauarbeiter. Kein Witz. Da war ich noch besser in Form.

    Letztens war ich beruflich über Nacht in einer anderen Stadt. Ich bin dann abends noch alleine in eine Kneipe. Während der ganzen Zeit hat mich nicht eine einzige Frau gefragt, ob ich öfter da bin oder wo meine Flügel sind oder ob ich die ganze Nacht ihren Namen schreien möchte. Ich konnte in Ruhe mit dem iPad daddeln und ein zwei Bierchen trinken. War ein netter Abend.

    II. Nein heißt nein (Frau zu sein ist nicht so geil)

    Ich habe gerade (zugegebenermaßen etwas überspitzt) geschildert, was Frauen im Gegensatz zu Männern im Alltag oft zu erdulden haben. Nicht jede Frau an jedem Tag und manche öfter als andere, das ist klar. Aber im Großen und Ganzen trifft das schon ganz gut des Pudels Kern.

    Für mich war es ein Augenöffner, als wir vor ein paar Jahren beim Grillen im Freundeskreis angeregt diskutiert hatten, ob es Frauen heutzutage überhaupt noch schwerer haben als Männer, bzw. ob es überhaupt noch Alltags-Sexismus in einem nennenswerten Ausmaß gibt. Wir Kerle waren der Auffassung, dass wir als Männer doch mittlerweile voll emanzipiert waren und uns Frauen gegenüber ausschließlich respektvoll benahmen. Das änderte sich, als die obigen Beispiele (sogar noch deutlich mehr) aufkamen und jeder von uns Männern einsehen musste, dass er sich mehrfach so oder zumindest ähnlich verhalten hat.

    Am eindrucksvollsten war für mich, dass ausnahmslos alle Frauen in unserer Runde darin übereinstimmten, dass sie, wenn sie abends alleine oder nur mit anderen Frauen unterwegs sind, fast schon reflexartig die Straßenseite wechseln, wenn ihnen ein Mann entgegen kommt. Natürlich nicht immer, aber doch häufig. Manchmal auch nur in Gedanken. Der Mann muss dafür nichts besonderes machen, es reicht, dass er ihnen entgegen kommt. Unsere Freundinnen/Frauen sagten alle, dass sie wüssten, dass die meisten Männer keine bösen Absichten haben, aber man könne ja nie wissen. Und wenn es auch nur ein Spruch wie "Nabend Ladies" beim Vorbeigehen sei, wäre ihnen das trotzdem unangenehm.

    Sagt mal, geht’s noch?! Frauen wechseln die Straßenseite, weil da ein Mann lang läuft? Um einer unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen? Und ich spreche hier nicht von sexueller Gewalt, sondern nur von den Auswirkungen des Alltags-Sexismus. Die Aussage unserer Freundinnen/Frauen hat uns alle geschockt. Seit diesem Abend sind wir Kerle übrigens deutlich empfänglicher für Feminismus geworden. Und uns fällt mehr auf als früher.

    Das Ende unserer Diskussion war dann aber doch noch recht versöhnlich. Die Mädels meinten unisono, dass der Alltags-Sexismus zwar manchmal extrem nervig, im Großen und Ganzen aber noch erträglich wäre.

    Also alles cool?

    Mitnichten, mein junger Padawan. Nur weil wir nicht saudi-arabische Verhältnisse haben, ist nicht alles in Ordnung. "Noch erträglich" ist nicht cool, sondern hat ganz schön Luft nach oben. Meine Anekdote zu unserem Grillabend zeigt, dass auch Männer, die sich emanzipiert und aufgeklärt glaubten, noch dazulernen können. Wir alle haben schon mal Frauen - teils bewusst, teils unbewusst - schlecht oder unangemessen behandelt, nur weil sie Frauen sind. Mich interessiert dabei vor allem der unbewusste Teil, dass heißt das Verhalten von Männern, die ihr jeweiliges Verhalten und schon gar nicht sich selbst als "frauenfeindlich" begreifen würden. Woher kommt das? Was läuft da ab?

    III. Sie will es doch auch! (Die Frau als Objekt)

    Zitat:

    Ja, was glaubst du denn, was eine Frau, die sich selbst möglichst aufreizend und sexy kleidet damit bezwecken will?

    Glaubst du, sie will damit ihren hohen IQ unterstreichen?

    Nein, natürlich will eine Frau, die sich bewusst so kleidet, als Sexobjekt angesehen werden. Das ist ja der Sinn dahinter, wenn man "sexy" sein will (die Worte "sexy" und "Sexobjekt" haben nicht von ungefähr den Wortstamm "Sex").

    Und genauso läuft das nunmal auch in der Kunst. Eine Frau, oder auch ein Mann, die betont "sexy" dargestellt werden, sollen den Betrachter natürlich dazu bringen, sie als "Sexobjekt" anzusehen.


    -Ende des Zitats-

    Das ist ein wörtliches und vollständiges Zitat eines meiner Diskussionspartner unter der Sarkeesian-News. Ich war echt baff, als ich das gelesen habe. Sie will es doch auch! Dem User war sichtlich nicht bewusst, dass genau diese Art des Denkens eine Folge des Alltags-Sexismus ist und er damit letztlich Sarkeesian sogar Recht gibt.

    Die meisten Frauen ziehen sich aus denselben Gründen "sexy" an, wie die meisten Männer auch. Sie wollen gut aussehen, als attraktiv erscheinen, vielleicht auch etwas für ihr Selbstwertgefühl tun. Die allerwenigsten Frauen ziehen sich aber "sexy" an, weil sie als Sexobjekt wahrgenommen werden wollen (Prostituierte einmal ausgenommen). Das wäre nämlich die Reduzierung einer Frau auf ihre Sexualität. Der User oben sagt sinngemäß: Es ist okay, dass ich die Frau als Sexobjekt betrachte, weil sie sich ja nur deswegen so anzieht, weil sie als Sexobjekt betrachtet werden will. Von diesem Gedanken ist es nicht mehr weit bis zum vermeintlich "anerkennenden Pfiff" oder irgend einer anderen plumpen Anmache. Der Mann empfindet das Verhalten der Frau als Aufforderung, sich ihr mit sexuellen Avancen zu nähern. Dass das der Frau unangenehm sein könnte, kommt dem User gar nicht in den Sinn. Sie will es doch auch, sonst würde sie sich nicht so anziehen. Was ist der Grund dafür, dass Männer gar nicht merken, dass sie sich frauenfeindlich verhalten? Woher kommt das dahinterstehende Frauenbild?

    Darüber könnte man seitenlange Abhandlungen erstellen. Kurz und vereinfacht gesagt ist nach meinem Verständnis die historisch (sozio-kulturell und religiös) über Jahrtausende gewachsene und gefestigte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau verantwortlich. Die Frau ist dem Manne Untertan und hat ständig für die Fortpflanzung zur Verfügung zu stehen. Heute würde das kein vernünftiger Mensch mehr laut sagen, aber dennoch ist dieses archaische Frauenbild in nahezu allen Medien omnipräsent. In Filmen, in der Werbung und ja, auch in Computerspielen. Ob es nun eine halbnackte Frau ist, die sich lasziv auf einem Auto rekelt und suggeriert, dass sie und viele andere attraktive Frauen dem Käufer des Autos zu Willen sein werden, weil er mit dem Auto seinen sozialen Status unter Beweis stellt; oder die ständig geilen Bondgirls, die nicht mal ansatzweise "erobert" werden müssen, sondern nur als Belohnung für den Helden dienen; oder die Scharfschützin Quiet in MGS, die sich während Hubschrauberflügen schon mal stöhnend in mehr oder weniger eindeutigen Posen (oder besser Stellungen) übt oder Snake ungefragt mit zum Duschen nimmt. Von der lächerlichen Erklärung ihrer Nackheit ganz zu schweigen (sie hat eine Krankheit, aufgrund derer ihre Haut atmen muss und das geht nicht, wenn sie zu viel an hat, aha). Oder die Frauen, die sich Kratos in God of War oder dem Witcher reihenweise hingeben. Oder die Schulmädchen mit großen Kulleraugen und knappen Röckchen, unter denen Höschen hervorblitzen, in vielen japanischen oder japanisch inspirierten Titeln. Oder die "authentische Brustphysik" in DOA. Oder oder oder...

    All das ist im Allgemeinen nicht im mindesten für die eigentliche Story des jeweiligen Spiels relevant, sondern dient nur dazu, den Spieler aufzugeilen. Frauen werden dem Spieler als Belohnungen präsentiert. Ich habe kein Problem mit Sex und Erotik in den Medien oder in der Kunst. Ein Frau darf sexy und sich ihrer Sexualität bewusst sein und auch offensiv damit umgehen. Dann muss es aber auch zum Kontext passen und darf nicht nur als Belohnung für den Spieler und damit als bloße Wichsvorlage gedacht sein.

    Derzeit ist das aber meistens nicht der Fall. Und durch diese weitere Festigung der Vorstellung einer immer willigen/verfügbaren Frau, die schwach ist und beschützt werden muss, wird unser aller Frauenbild nachteilig beeinflusst. Das wirkt sich dann auch im realen Leben aus. Frauen verdienen weniger Geld und kommen seltener in Führungspositionen als Männer. Frauen werden von Männern öfter sexuell belästigt als umgekehrt. Scheiße, es gibt sogar Studien, nach denen Mädchen weniger Taschengeld als Jungs bekommen! Und für das alles ist das derzeit vorherrschende Frauenbild mitverantwortlich. Und dieses Frauenbild wird leider auch durch die Darstellung von Frauen in vielen (nicht allen) Computerspielen gefestigt. Dazu gibt es zwar noch keine längerfristigen Untersuchungen, aber mir fällt kein Grund ein, warum es bei Spielen anders sein sollte, als bei allen anderen Medien.

    IV. Und was will uns der Dichter damit sagen?

    Ich will bei Euch Bewusstsein für die Problematik schaffen. Eure Meinung müsst ihr Euch selbst bilden. Die stark sexualisierte Darstellung von Frauen in Computerspielen ist nicht alleine verantwortlich für das derzeitige Frauenbild, nicht mal ein wesentlicher Faktor, aber doch ein Teil des Ganzen. Ich will Computerspiele weder zensieren noch den Designern ihre künstlerische Freiheit nehmen. Ich will auch keinem meine Meinung aufdrücken, wie man Befürwortern einer differenzierten Betrachtung des Frauenbildes in Computerspielen oft vorwirft. Und ich behaupte auch nicht, dass Spieler raus gehen und Frauen vergewaltigen oder auch nur ein anderes Frauenbild haben als der Rest der Gesellschaft. Aber auch Gamer dürfen ihre Augen vor der Problematik nicht verschließen. Wenn wir Computerspiele als Kunst und Kultur begriffen wissen wollen, müssen wir uns auch an denselben Standards messen lassen.

    Aber es gibt zum Glück auch ein paar positive Gegenbeispiele. Z.B. Max und Chloe aus Life Is Strange (was für ein fantastisches Spiel) oder Lara Croft nach dem Reboot. Hoffentlich zukünftig auch die Protagonistin von Horizon: Zero Dawn. Der gesellschaftliche Wandel ist auch in der Spielebranche merkbar, wenn auch nur schwach und gegen viele Widerstände. Ich bin aber überzeugt, dass wir das schaffen können.

    Dafür muss die Mehrheit der Gamer aber erst einmal erkennen, dass es ein Problem gibt. Und dass ihnen trotzdem nichts weggenommen werden soll. Attraktive Frauen sollen nicht aus Computerspielen entfernt, sondern über ihre Sexualität hinaus dargestellt und definiert werden. Das kann dann eigentlich nur ein Gewinn für alle sein. Wenn dafür Gamer gemeinsam einstehen und eine differenzierte Frauendarstellung aktiv von den Herstellern einfordern, wird sich bestimmt etwas ändern (siehe das Beispiel von Blizzard und der Änderung einer nicht zu einer Heldin passenden Pose in Overwatch). Klar wird es auch dann noch Perlen wie den "Yandere Simulator" geben und das kann meinetwegen auch so sein. Muss ich ja nicht spielen. Hauptsache, im Großen und Ganzen vollzieht sich ein Wandel.

    Und dann, irgendwann, werden Frauen nachts nicht mehr die Straßenseite wechseln, nur weil ihnen ein Mann entgegen kommt. Wie geil wär das denn? Man(n) wird ja wohl noch träumen dürfen.







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    Über den Autor

    Nick2000
    Ich lasse mich zu schnell triggern von Shitstorms, Flamern, Hatern, Trollen und allen anderen Segen unserer modernen Internetgemeinde. Ich muss dann in immer meinen Senf dazu geben. Wenn mich jemand als SJW betitlelt, nehme ich das als Kompliment.
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Kommentare

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  1. ebus
    Bloß weil wir uns in einer modernen Gesellschaft wiederfinden, heißt das nicht, dass Menschen von den Gesetzen der Natur völlig losgelöst sind.

    Die Wissenschaft kann hier Erklärungen für unterschiedliche Verhaltensweisen geben, dass das eine Diskriminierung zur Folge haben sollte, wird hier glaube ich niemand fordern, zumindest hoffe ich das. Aber natürlich kannst du Akademikern wie Wolfgang Wickler gerne sagen, dass einige seiner Forschungen "gar nicht gehen", bloß weil's dir nicht in den Kram passt.

    Zum Beispiel sagst du in deinem Post, dass Männer positiv angesehen werden, wenn sie mehr Sexualpartner haben, während das bei Frauen nicht so ist. Aus einer biologischen Sicht würde das ja Sinn machen, da Männer die mehr Kinder zeugen, weil sie mehr Sexualpartner haben, ihr Erbgut öfters weitergeben können. Ein Mann kann mehrere Frauen befruchten, andersrum nicht.

    Sowas kann ja auch nicht stimmen, aber es in Erwägung zu ziehen würde ich fair finden, anstatt alles auf die Gesellschaft und die mediale Darstellung zu schieben und sie für den Grund allen Übels zu deklarieren. Das wird einen unter Umständen auch nicht weiterbringen, wenn man andere Fakten ausblendet, oder dies überhaupt nicht in Betracht zieht.

    Im übrigen beschwert sich niemand darüber, dass es geschlechtliche Trennungen bei Sportarten gibt, und das hat ja auch seinen Grund im Dimorphismus. Würde es sowas nicht geben, dann hätte man wohl sehr wenige zBsp. Olympia-Siegerinen, und das würde Keiner wollen.
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  2. Carduelis
    Bestimmte Verhaltensweisen von Männern werden abhängig von den Erwartungen von Frauen geschwächt oder verstärkt (und umgekehrt). Es würde also wenig bringen, wenn du versuchst das Frauenbild von Männern zu ändern, wenn das am Ende dazu führt, dass diese Männer schlechtere Chancen bei Frauen haben. Vielleicht lässt sich das ändern, aber Männern fällt es tendenziell leichter Schwäche bei Frauen zu erotisieren als umgekehrt.

    Was wirklich etwas bringen würde, und das habe ich in einem früheren Beitrag geschrieben, ist es, Menschen zu selbstständig denkenden und verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen - also für eine umfangreiche Bildung des Charakters zu sorgen. Dann erledigt sich das Problem mit den Rollenvorstellungen von allein.

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  3. Vipa
    Das ist bestenfalls deine Meinung. Wenn genug davon nicht stimmt oder zu leicht und berechtigt zu hinterfragen ist (mangels genügender Beweise; "Übertreibungen" und anekdotische Aussagen sind jetzt nicht gerade stichfest), dann gibt es vielleicht keine Grundproblematik (mehr). Nullhypothese und so. Ich sage nicht per se, dass dies hier geschehen ist, ich sag nur, dass deine obige Aussage an sich nicht stimmt.

    Was zu beweisen wäre.

    Warum? Könntest du erläutern, warum Biologie keine Argumentation ist, die geht? Verstehe ich nicht. Auch der Verweis auf Jäger und Sammler hilft mir da nicht gross weiter, wieso biologische Unterschiede keine Relevanz haben sollten (siehe Carduelis #100).
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  4. Carduelis
    Sein und Sollen sind verschiedene Dinge. Wenn es um die Frage geht, was die Ursachen für Unterschiede sind und wie wir sie beheben können, sind biologische bzw. psychologische Erkenntnisse neben anderen Wissenschaften unerlässlich.

    In der Biopsychologie geht es auch nicht um Jäger und Sammler. ;-) Es geht um physiologische Einflüsse auf Wahrnehmung, Affekte, Aufmerksamkeit und so weiter, die sich auf das Verhalten auswirken. Und eben auch um statistisch signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede.

    Wenn jemand ein flaches emotionales Erleben und wenig Empathie hat, dann wird er sich Menschen anders gegenüber Verhalten als jemand, der feinfühlig und empathisch ist. (Ich will damit nicht sagen, dass Männer weniger empathisch als Frauen sind, das wäre unzutreffend. Wenn, dann geht es hier immer um Tendenzen.)

    Das ist nicht einfach nur eine Sache der Erziehung, denn nicht nur schlechte / fehlende Erziehung oder traumatische Erfahrungen können dazu führen, dass sich jemand nicht an Normen hält oder eine antisoziale Persönlichkeit hat. Es reichen manchmal schon geringe Veränderungen in der Hirnchemie und Physiologie, um zu bewirken, dass jemand ein weniger gut ausgeprägtes Schuldbewusstsein hat oder sich aggressiver verhält.

    Du wirst die Dinge jedenfalls niemals klar sehen können, wenn du nicht alle Faktoren betrachtest. Dieses Thema kann ernsthaft nur interdisziplinär angegangen werden.

    ...

    Und da es hier bei Gamestar um Videospiele geht, will ich darauf noch einmal zurück kommen.

    Wenn es um das Thema reale Gewalt und Egoshooter geht, dann sind viele der Überzeugung, dass Menschen durch Egoshooter nicht gewalttätiger werden, etwa weil die Darstellungen überzeichnet sind, unrealistisch und so weiter... und weil von geistig normalen Menschen erwartet wird, dass sie zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können.

    Und ich finde, dass trifft ebenso auf unser Thema hier zu. Vielleicht irre ich mich, aber ich gehe davon aus, dass die sexualisierten Darstellungen und (ohnehin meistens unrealistisch und überzeichnet) vermittelten Rollenvorstellungen in Videospielen auf die meisten Menschen keinen Einfluss haben.
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  5. WarriorWithin
    Ich glaube kaum das die mehrheit der Leute hier dich mit Absicht falsch versteht. Missverständnisse in der Kommunikation entstehen zudem immer bei 2 Ausgangspunkten -> dem Sender und Empfänger...
    Und wieder einmal pauschalisierst du alle Männer indem du sagst "wie Männer dadurch betroffen sind steht in keinem Verhältnis zu dem wie Frauen davon betroffen sind". Lös' dich mal endlich von dem Gedanken das alle Männer so sind wie DU Männer sind genauso unterschiedlich und individuell wie Frauen auch. Zudem ist es das gute Recht jedes Menschen sehr wohl bei der Thematik aufzuspringen und darauf hinzuweisen das es nicht nur eine Baustelle gibt und nicht die eine Schlimmer ist als die andere. Das Ziel ist auch nicht zu sagen "das stimmt aber nicht das Frauen von Sexismus betroffen sind". Es ist das Ziel auf alle Diskriminierungen aufmerksam zu machen. Wenn man nun aber anfängt die Diskriminierung eines Geschlechts (Männer) zu relativieren weil man offensichtlich die empfindung hat das es völlig egal ist und gleichzeitig die Diskriminierung des anderen Geschlechts aktiv verurteilt und eine Änderung will, ist das in gewisser weise ebenfalls Sexistisch. Du bist wie du selbst sagst ca. 40 und hattest immer mehr Geld als deine Partnerinnen. Demnach hast du in gewisser weise immer ein klassisches Rollenbild erfüllt (auch wenn deine Partnerinnen vllt. alle berufstätig waren). Vielleicht war das unterbewusst auch eine Reaktion auf den Druck der Rollenbilder. Ich habe so langsam aber das Gefühl es ist dir das Verständnis abhanden gekommen das jeder Mann anders empfinden kann und darf und nicht so sein muss wie du dir das vorstellst. Vllt. ist das auch ein Genereationsding. Mir scheint es nämlich das du dieses Topic als Diskriminierung beider Geschlechter überhaupt nicht sehen willst.
    Da wir ja auch beim Thema Videospiele sind. Wenn ein Videospiel bspw. im Mittelalter spielt und ein Mann den starken Beschützer spielt ist das nicht sexistisch, weil es zur jeweiligen Zeit noch so war. Da ging es im gegensatz zur heutigen Gesellschaft eben doch noch tlw. darum wer körperlich stärker war. Daher ist es auch nicht tragisch ein klassisches Rollenbild darzustellen in einer Epoche in der das noch aktuell war.
    Zu The Witcher:
    Habe ich völlig anders Empfunden. Selbst wenn eine Sexszene nach einer Quest kam hatte ich nie den Eindruck "Cool das ist meine Belohnung". Zudem sollte man sich mal überlegen aus was The Witcher besteht - richtig aus Quests. Wie stellst du dir das vor wie so eine Szene anders zustande kommen soll? Indem Geralt hingeht und sagt "Hey Triss ich will Sex" und dann treiben sies? Das würde diese Szenen noch viel stumpfsinniger erscheinen lassen. Das Yennefer z.B. Sex mit Geralt auf dem Einhorn hat findet nach einer Quest statt. Das liegt dann aber nicht daran das Yennefer die "Sex-Belohnung" für den Spieler sein soll sondern lediglich daran, dass die komplette Handlung von The Witcher in Form von Quests erzählt wird.
    Ich finde gerade Yennefer ist ein ziemlich starker Charakter. Wer weiß, vielleicht bin ich auch etwas durch die Bücher beeinflusst. Jedoch ist sie an keiner Stelle in der Dominanz unter Geralt. Geralt wird meistens von ihr rumkommandiert. Lediglich bei den wenigen romantischen Szenen lässt sie etwas schwäche zu und das ist auch in dem Kontext völlig richtig. Wenn man jemanden liebt muss man nicht immer den starken spielen und das hat rein gar nichts damit zu tun das sowas sexistisch ist oder einem klassischen Rollenbild nacheifert. Die Beziehung der beiden erinnert sowieso in jeder Hinsicht viel mehr an eine moderne Beziehung ohne klassisches Rollenbild.
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  6. Nick2000
    Wow, hier ist ja ganz schön was los. Gut so! Ich kann leider nicht auf alles eingehen.

    Weil einige meine Aussagen im Blog (wohl zum Teil absichtlich) missverstehen, nochmal eine Klarstellung:

    Der Teil unter I. (Mann zu sein ist geil) war absichtlich überspitzt dargestellt. Einzelne Beispiele daraus zu hinterfragen ("das ist meinen Freundinnen/Bekannten nie passiert") hilft nicht weiter, denn die Grundproblematik bleibt bestehen. Es ist auch nicht zielführend gegen meine Meinung zu argumentieren, indem man darauf abstellt, dass auch Männer von Alltags-Sexismus betroffen sind. Das ist ein Fakt und wird von mir nicht bestritten. Die Auswirkungen stehen aber in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen, die Alltags-Sexismus gegenüber Frauen hat.

    Ich stimme aber mit euch überein, dass sich beides beeinflusst. Der Mann, von dem gesellschaftlich erwartet wird, der starke Beschützer zu sein, kann sich nur schwer von diesem Selbstbild lösen, was dann auch Auswirkungen auf sein Frauenbild hat. Es könnte daher ein guter Ansatz sein, gegen beide Rollenbilder gleichzeitig vorzugehen, wobei ich aber nach wie vor der Ansicht bin, dass das Gewicht auf dem Frauenbild liegen sollte. Wenn der Mann die Frau (auch und vor allem unterbewusst!)als gleichwertig empfindet, schwindet gleichzeitig sein Bedürfnis, der Beschützer zu sein. So können beide Rollenbilder aufgebrochen werden.

    Aber was m.E. gar nicht geht, ist die Argumentation über biologische Unterschiede zwischen Frau und Mann. Wir sind nicht mehr Jäger und Sammler und in unserer Gesellschaft spielen körperliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern keine Rolle und dürfen nicht der Grund für eine unterschiedliche Behandlung sein (von medizinisch/gesundheitlich veranlassten Behandlungen natürlich abgesehen).

    Und zum Witcher (ich habe alle drei Teile gespielt): Ich hatte beim Blog tatsächlich Teil 1 vor Augen, der den Belohnungscharakter mit seinen Sammelkarten fast zur Kunstform erhoben hat. Dafür sind die Entwickler kritisiert worden und bei den anderen Teilen merklich zurückgerudert, das stimmt. Auch beim Teil 3 ist der Belohnungscharakter aber noch vorherrschend. Sex gibt's oft nach Abschluss einer Quest und selbst Jennefer und Triss sind nach meinem Empfinden keine wirklich starken Charaktere, sondern nur stark gegen andere. Im Verhältnis zu Geralt sind sie doch eher schwach und "ganz Frau". Da wär echt mehr drin gewesen, bei Ciri ging's ja auch. Aber alles in allem ist Teil 3 (den ich insgesamt mit Außnahme der vielen Sammelquests äußerst gelungen finde) kein Hauptbeispiel für meine Argumentation, da gibt es deutlich schlimmere.
  7. jan_w
    Naja, aber er hat das ja auch so formuliert, dass es um die mediale Darstellung an sich ging. Ich erkenne da keine Behauptung, dass daraus folgt, die alltägliche Wahrnehmung des Konsumenten würde sich automatisch diesen Inhalten anpassen. Dennoch sind Medieninhalte immer beides: sowohl Ausdruck (des Produzenten), als auch Eindruck (des Konsumenten) und haben daher gewisse Wirkungen. Es ist nicht verkehrt, wenn beide Seiten die Inhalte hinterfragen.

    Das mit der Angst ist z.B. ein Punkt bei Dir den ich nicht ganz verstehe. Angst ist eine Emotion, diese ist als solche Fakt. Kategorien wie "berechtigt" oder "unberechtigt" haben aber nichts mit dem Gefühl zu tun, sondern ziehen es auf eine Meta-Ebene. Deine Frage "von wem?" verweist so wie ich das verstehe auf so etwas wie "Verantwortung" oder "Schuld". Noch mehr Meta-Ebene. Ich habe nichts dagegen, Dinge auf der Meta-Ebene zu betrachten, nur wären imho bei diesem Thema eher Fragen wie "was sind begünstigende/unbegünstigende Faktoren?" relevant. Denn die Erkenntnis der Berechtigung oder des/der Schuldigen produziert keine Optionen für zukünftiges Handeln.

    Inhaltlich gebe ich Dir recht, es ist eine Vorsichtmaßnahme. Dennoch sehe ich nicht, an welcher Stelle der Autor des Blogs "so tut, dass Frauen dies *müssen*". Der von Dir zitierte Abschnitt ist als Frage formuliert und soll soweit ich das verstehe, eben "Unverständnis" zum Ausdruck bringen, nicht mehr und nicht weniger.

    Wer soll denn "man" sein? Ich drücke es mal so aus: ich bewege mich teilweise in Kreisen in denen links daneben nicht mal mehr die Wand ist, die *sind* die Wand - und das ist auch der einzige Kontext in dem ich überhaupt jemals von "rape-culture" und dort auch nur am Rande gehört habe. Ich muss irgendwas verpasst haben, wenn dies neuerdings "Status Quo" sein sollte...

    Klar ist es Banane, wenn Leute so einem "Wolf!, Wolf!" Modus verfallen. Und ich will gar nicht bestreiten, dass das von Dir kritisierte "die Frau als Opfer" Modell auch ziemlich daneben und in der Tat auch sexistisch ist. Aber ich sehe wirklich nicht, dass es dem Blogschreiber hier an der Stelle darum ging in diese Kerbe zu hauen.

    EDIT: Achso und weil das ja noch als Frage formuliert war:
    Nein, habe ich tatsächlich nicht wirklich. Ich bin generell eher so der Typ, der Unbehagen auslöst :-) Gut, dass mit dem Pulk Nazis zähle ich jetzt mal nicht mit, - obwohl ich da meist eigentlich auch der Typ bin, der da einfach unbeirrt durchlatscht und sich über die Nachrufe amüsiert ;-)
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  8. WarriorWithin
    Zu deinem vorigen Text erstmal:
    Du sagst also quasi man kann generalisiert sagen das Männer das so haben wollen, dass der Protagonist muskelbepackt ist und als Belohnung eine Frau kriegt? Finde ich schon sehr interessant ohne auch nur einen Beweis dafür. Wenn ich deiner Logik folge müsste eine Frau es ebenfalls toll finden eine sexy Lara Croft zu spielen und das ohne sich diskriminiert zu fühlen.
    Es ist auch recht simpel zu behaupten das Frauen sich nicht gegen den Sexismus gegen Männer einsetzen sollen weil dadurch ein Shitstorm losbricht. Einerseits ist das erneut das Messen mit zweierlei Maß weil Männer sich gegen Sexismus gegenüber Frauen aussprechen sollen, andererseits sehe ich das völlig anders. Ich bin mir sicher das viele Männer das genauso wie ich sehen und man gemeinsam gegen Diskriminierung vorgehen sollte in jeder Hinsicht.
    Zu deinem Punkt 3:
    Ist in den meisten heutigen Spielen nicht mehr der Fall.

    Zu deinem zweiten Posting sei gesagt, dass es ziemlich dreist ist zu behaupten ich sei ein "Anti-Feminist" weil ich sage man sollte den Sexismus beider Geschlechter untersuchen. Genaugenommen geht es beim "Feminismus" um die Gleichberechtigung der Geschlechter und nicht um die Dominanz eines Geschlechts. Demnach spreche ich mich sogar FÜR den Feminismus aus. Abgesehen davon sind deine Schlussfolgerungen völlig Schwachsinnig. Du nennst es falsch den Sexismus beider Geschlechter zu Thematisieren und sagst prinzipiell, dass der Mann kein Opfer sein darf. Ehrlich gesagt ist das ziemlich sexistisch gegenüber Männern und das von einem Mann. ;)
    Dein Argument mit "Männer sind dominant in der Medienwelt" zieht auch nicht. Du suggerierst damit, dass die Medien "unserem" Geschmack (falls es sowas überhaupt gibt) entspricht. Tatsache ist das ein übergewichtiger Freund von mir ebenfalls frustriert ist wenn er durchtrainierte Männer in der Werbung sieht. Du solltest am besten mal damit aufhören so zu denken als wären Männer alle gleich und Frauen seien verschieden. Jeder hat das recht auf Individualität und das unabhängig vom Geschlecht.
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  9. ebus
    Vielleicht wechseln Frauen die Straßenseite, da es biologische Unterschiede geben könnte?
    Die körperliche Leistungsfähigkeiten von Frauen liegen unter denen von Männern, ebenso sind sie normalerweise nicht so risikobereit oder aggressiv. (Natürlich spreche ich hier von Normalzuständen, individuelle Abweichungen gibt es immer.)

    Die letzten zwei Punkte könnten auch durch die Gesellschaft geprägt sein, aber es nervt einfach nur, wie die Möglichkeit, dass es natürliche Unterschiede geben könnte, heutzutage fast schon systematisch ausgeschlossen wird. Bei vielen Säugetieren und auch bei Menschenaffen - zu denen der Mensch auch gehört -, gibt es Unterschiede im Verhalten bei beiden Geschlechtern.

    Es zeigen sich in einigen Gebieten Unterschiede, so zBsp. bei der Verteilung der Verkehrstoten, 3/4 sind Männer, und bei den Zahlen der Gefängnisinsassen, bei denen Frauen nur ein Zwanzigstel ausmachen. Die Möglichkeit, dass solche Dinge unter anderem an der hormonabhängigen Differenzierung liegen könnte, könnte man mal wenigstens in Betracht ziehen.
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  10. Scot
    Oh Gott..... er hat Recht?

    Oh Gott.... was für ein Mist?

    Oh Gott..... Ich habe einen Text gelesen?

    Ich finde der Autor trifft es auf den Punkt.
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