Steht der nächste Videogamecrash bevor?

Von Nimmermehr · 11. August 2020 · ·
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  1. 1982 veröffentlichte Atari das Spiel E.T. und schrieb damit negative Videospielgeschichte. Es war das Anfang vom Ende einer Ära, in der Videospiele als Massenware aus dem Boden schossen.
    Gründe gab es viele. Einer davon war sicher, dass das Entwickeln von Spielen für die Heimkonsolen zugänglicher wurde: Einzelpersonen waren in der Lage in wenigen Wochen Spiele zu veröffentlichen und auch einen Krümel vom Kuchen des Videospielemarktes abzugreifen - Qualität wurde da irgendwann zweitrangig.
    Der Tiefpunkt wurde erreicht, als Atari keinen anderen Ausweg mehr sah, als die massenweise unverkauften Spielemodule in der mexikanischen Wüste zu vergraben. Die Branche brach zusammen - Konsumenten waren überfordert von der Flut an Spielen und auch nicht mehr bereit für schlechte Umsetzungen Geld aus den Taschen zu holen. Etliche Firmen meldeten Konkurs an.

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    Vergleicht man die Situation von damals mit der heutigen, so lassen sich einige Parallelen ziehen. Heutzutage träumen viele junge Menschen vom Beruf des Spieleentwicklers und noch nie war es so einfach den Einstieg zu finden. Einfach zu bedienende Engines ermöglichen es jedem ohne Vorkenntnisse, zumindest überschauliche Spiele zu entwickeln.
    Zusätzlich hilft das Internet, günstig Spiele ohne Datenträger zu vertreiben. Immer mehr Indieentwickler ergriffen deshalb ihre Chance und verblüfften uns zunächst mit einem Mut zur Innovation, den die ganz großen damals bereits verloren hatten.
    Doch während mich die Indiespiele auf der Gamescom vor Jahren noch vollends mit heruntergelassenem Kiefer zurückliesen, übersprang ich letztes Jahr mehr als jede zweite Station. Zu viele ruhten sich auf dem Ruhm auf, den die Indiebranche aufgebaut hatte und liesen das zurück, was sie ausmachte: Ihre Einzigartigkeit.

    Natürlich gibt es sie immernoch immernoch. Die, die uns vom Hocker hauen und mit so wenig, so viel erschaffen. Nur leider, werden sie immer öfter übersehen. Im Meer der Videospiele, das schier unendlich zu sein scheint. Sie gehen in der Masse unter und was sichtbar bleibt, ist der Einheitsbrei in endloser Rekursion.

    Das Problem dabei sind nicht nur wir Konsumenten, die blind Forderungen stellen - mehr Spiele für weniger Geld. Dass die Qualität irgendwann auf der Strecke bleibt, ist nur eine logische Konsequenz.

    Nein, das Problem sind die Indie Entwickler selbst. Ich zitiere hierfür Mike Rose vom Publisher "No more Robots" zum Thema Sichtbarkeit im Nintendo eShop:

    Doch wohin führt uns das? Wo werden wir in dieser Branche enden, wenn hochwertige Titel nicht mehr die Präsenz erhalten, die sie verdienen, weil sie von Massenware verdeckt werden? Was geschieht, wenn Entwickler davon ausgehen müssen, dass sie ihre Spiele für Centbeträge an den Mann bringen werden und wie wird sich das auf die Entwicklungsdauer und damit direkt auf die Qualität der Spiele auswirken?
    Kigosh und Vainamoinen gefällt das.

Kommentare

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  1. Kigosh
    Ich denke ein Problem ist, dass viele Indi-Entwickler viel Talent und Leidenschaft für die Spieleentwicklung haben, aber keine Ahnung davon, wie man ein Business führt. Ich kenne einige Indie-Entwickler aus der Schweiz und man kann sie danach kategorisieren: diejenigen, die einen Businessplan haben und diejenigen, die keinen haben.
    Was viele nicht verstehen: es reicht nicht ein gutes Spiel zu haben. Gute Spiele verkaufen sich nicht von selbst. Sales&Marketing verkaufen Spiele. Man brauch jetzt nicht ein Millionen-Marketingbudget, aber ein gewisses Grundwissen hilft schon viel. Man kann viel erreichen ohne einen Euro ausgeben zu müssen. Die Entwicklerinnen und Entwickler müssen halt mit Steam, Epic, GoG, etc..., sprechen, networken und eine Strategie entwerfen. Rabatte können dabei ein gutes Mittel sein, um die Sichtbarkeit des Spiels kurzzeitig zu erhöhen, eine Followerschaft aufzubauen, die dann Traffic generiert, mit dessen Hilfe man später das Spiel zum Vollpreis verkauft.
    Ich denke Indie-Entwickler müssen sich mehr mit der Business Seite von Spieleentwicklung und -verkauf befassen.
      Nimmermehr gefällt das.
    1. Nimmermehr
      Danke für deinen Kommentar!

      Ja das stimmt, die Branche hat sich dahingehend stark geändert. Ich kenne eine kleine Spielefirma die hat nur eine handvoll Entwickler und eine gigantische Marketingabteilung dahinter. Jedes Spiel wird ein Hit, da der Businessapparat läuft. Über die Qualität der Spiele sage ich jetzt Mal nichts.
      Kigosh gefällt das.
    2. Nimmermehr
      (Warum darf ich nur so wenig Zeichen schreiben?)
      Auf der anderen Seite stehen "normale" Indiefirmen, wo das Marketing so nebenher mitläuft. Da fehlt dann auch erstmal das nötige KnowHow und die Marketingkosten werden massivst unterschätzt.

      Ich weiß allerdings nicht, ob ich es für gut heiße, dass Marketingmenschen den Erfolg eines Spiels bestimmen und nicht mehr die Entwickler.
  2. Vainamoinen
    Das war früher die Gefahr, heute ist das Gegenteil der Fall. Hochwertige Indie-Titel mit winzigem Budget werden komplett ignoriert, nur weil Ubisoft gerade seinen zweihundertvierzigsten Hundert-Millionen-Dollar-Assassin's Creed auf den Markt gebracht hat.

    Aber ich denke, dass Firmen wie Sony da einen guten Weg beschreiten. Neben den Mega-AAA-Blockbustern wurde da auch ein interessanter Fokus auf Indie-Perlen wie etwa "Stray" gelegt, auf das ich mich auch wie blöde freue ... ;)
      Nimmermehr gefällt das.
    1. Nimmermehr
      Oh ja Stray war auch mein absolutes Highlight!
      Ich glaube aber, dass man auch sehr kämpfen muss, um die Aufmerksamkeit von Sony zu gewinnen. Keine Unterstützung auf deren Seite passiert zufällig.

      Bewundernswert finde ich da Ein-Mann Studios, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben.
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