Teil 1: Die Show "The Witcher"


  1. Die Show


    Schon im Vorfeld wurde über die Witcher-Serie heiß diskutiert und vor allem die Fans der Spiele hofften, dass die kreativen Köpfe hinter der Serie den Ansprüchen der Spieler gerecht werden würden. Es wurde über die Auswahl der SchauspielerInnen geredet, über deren ethnische Herkunft, über die Requisiten (Rüstungen & Waffen), sowie die Handlungsorte.
    Viele Kritiker haben die Dialoge bemängelt, die belanglos erscheinen und die Handlungsstränge als konfus und zusammenhanglos beschrieben. Es waren dann vor allem die vielen Fans, die sich schützend vor die Serie gestellt haben und für gute Ratings auf Seiten wie Metacritics, IMDB und Rotten Tomatoes sorgten.

    Ein Artikel im Stern sagt dazu:„"The Witcher" bietet dem Feuilleton nichts und die Kritiker verstehen die Logik der Serie nicht."
    https://www.stern.de/kultur/tv/star...e-witcher--spaltet-die-zuschauer-9063112.html

    Geralt_Taverne_2.jpg
    Die Taverne... Erste Anlaufstelle eines Hexers auf dem Weg durch eine unbekannte Ortschaft.


    Das man die Logik der Serie nach einmaligem Anschauen vielleicht nicht versteht, ist dabei nicht verwunderlich. Nicht nur die Serie, sondern auch die Spiele können einen verwirren und es braucht seine Zeit um die Materie zu durchdringen. Das dann aber auch so viele unglaublich gute Momente während der Show entstehen, liegt an den Schauspielern und Schauspielerinnen, den tollen Sets, den gelungenen Spezialeffekten und der tollen Musik. In den Dialogen kommt es zu den komischsten Momenten wenn Geralt voller Selkie-Eingeweide in einer Taverne an der Theke steht, nachdem er seinen Lohn erhalten hat einen kräftigen Schluck Bier trinken will und Rittersporn ihm eröffnet, dass es nun für Geralt an der Zeit wäre, seine Schulden bei dem Barden zu bezahlen. Aber auch tiefgehende Gespräche - allen voran zwischen Geralt und Yennefer - zeigen, dass die Serie sich selbst und ihre Charaktere mitsamt ihren Problemen ernst nimmt. Das Sounddesign und die musikalische Untermalung ist ebenfalls großartig geworden. Am Ende der zweiten Folge stimmt Rittersporn eine Ballade an, die bereits jetzt als Titelsong für die gesammte Serie fungieren könnte. Richtig grandios wird es dann, jeweils im Abspann der fünften und sechsten Folge.
    Dort wird erst der „Weiße Wolf" und dann eine „gefährliche Liebe" besungen. Die Spiele kamen, bis auf wenige Zeilen, immer mit Instrumentalmusik aus.
    Und ein jeder Witcher-Fan wird bestätigen, dass die großartige Musik zu der unglaublichen Atmosphäre der Spiele massiv beiträgt. Doch auch die Vokalmusik der Netflix-Serie passt mit ihren Texten zu der Welt und den Charakteren. Da ist es nicht schlimm, dass die Ballade „Reichet Gold eurem Hexer" fast Disney-Charakter hat und beim ersten Hören etwas kitschig wirkt.

    In der Welt des Hexers kommen viele Kreaturen und Monster vor, die für eine Fantasy-Welt typisch sind. Auch verwunschene oder verfluchte Menschen können teilweise groteske Gestalten annehmen. In der ersten Staffel der Serie haben wir es mit all diesen verschiedenen Figuren zu tun. Und hier bedienen sich die Macher der Serie nicht nur computeranimierter Wesen, die dank CGI und Blue/Green-Screen in das Bild gezaubert werden, sondern auch klassischer Masken und Kostüme. Das kann man mögen und gut finden, oder eben nicht. Wenn man selber mal im Theater war, als Kind vielleicht ein Aufführung von Rumpelstilzchen gesehen hat, oder später auch Cats, dann kennt man die ganz besondere Faszination, die von Masken und Kostümen ausgeht. Der Verstand sagt einem, „es ist eine Maske, ein Kostüm, dahinter steckt ein Mensch und es ist nicht echt." Aber mit etwas Phantasie wird, durch die Darstellung und die Maske, die Kreatur zu einer realen Existenz.

    Striege_3.jpg Monster ist nicht immer gleich Monster. Verfluchte Wesen trifft der Hexer auf seinen Reisen immer wieder. Berühmt ist er
    für seinen Umgang mit den Kreaturen, weil er den Fluch häufig bricht anstatt sie zu töten...


    Es kann (natürlich nicht nur) postives über die Serie gesagt werden. Aber einige Dinge sind zumindest fragwürdig. So ist in vielen Szenen am Bildrand (auf verschiedenen Anzeigegeräten) eine gewisse Bildunschärfe zu sehen. Das kann entweder eine kreative Entscheidung gewesen sein, oder auch praktische Gründe gehabt haben. Und auch große Schlachten vermitteln noch nicht das Gefühl einer epischen Auseinandersetzung zwischen Gut & Böse, wie in Peter Jacksons „Herr der Ringe". Was allerdings viel auffälliger ist, ist das Wort „Fuck". In einigen Szenen nutzen Geralt und Yennefer das Schimpfwort um ihren Ärger auszudrücken. Tatsächlich ist es ein englisches Schimpfwort und sollte so nicht in der Übersetzung vorkommen, da die englische Sprache nicht die Gemeinsprache in einem Fantasie-Universum sein kann, in dem deutsch gesprochen wird und die englische Sprache sowie ein englischer Sprachraum nicht einmal existent sind. Genauso wenig würde es in der englischen Sprachausgabe Sinn machen, den Charakteren lateinische Begriffe in den Mund zu legen. In den Spielen kommt das Wort „fuck" tatsächlich nicht ein einziges Mal in der deutschen Sprachausgabe vor, da CDPR großen Wert auf die Übersetzung gelegt hat. Landesübliche Redewendungen, sprachspezifische Ausdrücke und kulturelle Hintergründe wurden beachtet, um die Übersetzung und die Synchronisation so natürlich wie möglich zu gestalten. Das Wort „fuck" in der Serie bricht also ein wenig mit der Immersion, wenn man die Serie in deutscher Sprache schaut.

    Auch die Erzählstruktur der Serie ist anspruchsvoll gestaltet und nach einmaligem Anschauen können Fragen offen bleiben. Das mag ungewohnt sein, „The Witcher" bietet jedoch genug tolle Bilder und Momente, um die Serie noch ein zweites Mal anschauen zu wollen. Das einige Kritiker offen zugeben, die Serie nicht einmal komplett durchgeschaut zu haben und sich gleichzeitig über die Erzählstruktur beschweren, lassen wir jetzt mal unkommentiert. Lauren S. Hissrich hat sich entschieden, den ersten Kurzgeschichtenband „Der letzte Wunsch" in der ersten Staffel zu verfilmen. Dabei entstehen verschiedene Handlungsstränge die dann letztendlich zusammengeführt werden sollen. Diese Entscheidung ist mutig, da sie dem Publikum etwas abverlangt: Aufmerksamkeit und Interesse.
    Wer sich dabei schon schwer tut und dem Inhalt und den Zusammenhängen der Serie auch beim zweiten Anschauen nicht folgen kann oder will, für den ist „The Witcher" sicherlich nichts.

    Während der Dreharbeiten war Andrzej Sapkowski öfter an den Sets und steht auch als Kreativ-Berater in den Credits. Er äußerte sich positiv über die Serie und drückte sein Vertrauen in Lauren Schmidt Hissrich und ihr Team aus. Die Filmsets und die Drehorte vermitteln einen guten Eindruck von der Welt und ihren Bewohnern und wirken mal düster, mal malerisch und ein anderes mal gar mystisch. Man sollte sich hier immer vor Augen halten, dass es sich um die erste Staffel handelt und das Budget dementsprechend dimensioniert ist.

    Über den Autor

    Scherbenmeister
    Angefangen mit "The Witcher 2: Assassins of Kings", bin ich ein begeisterter Fan der Serie und habe mitlerweile alle Spiele gespielt, inklusive "Thronebreaker: The Witcher Card Game", die Bücher gelesen und die Netflix-Serie geschaut.

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