Videospielgeschichte - Assassin's Creed

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  1. Obgleich das bisherige Bildmaterial meist nur die Szenerie des 12. Jahrhundert zeigte, wird es den ein oder anderen überraschen, dass ihr lediglich eine Erinnerung nachspielt. Ihr habt richtig gelesen. Die Geschichte spielt nämlich eigentlich in der Gegenwart. Ihr befindet euch darin in einem kühlen, riesigen und eurem Alter Ego völlig fremden Forschungsraum, ausgestattet mit allerlei Computer-Krams und ebenso einer ominösen, technisierten Liege, die den Namen „Animus“ trägt. Der etwas forsche Wissenschaftler dort hat nämlich erkannt, dass sich in unserer DNA tatsächlich auch Erinnerungen unserer Vorfahren befinden, die er sich gerne von uns zu Eigen machen möchte.

    Ihr seid nämlich über unzählige Generationen mit dem bekannten Assassinen Altair verwandt und der sehr Wortkarge Herr Wissenschaftler verrät euch zunächst nicht mehr, als dass er in euren Erinnerungen nach einem „Schatz“ suche, der – wie alles was er tut – der Menschheit weiterhelfen würde. Ihr wisst folglich nicht mehr, als dass ihr von einem Professor samt seiner Assistentin untersucht werdet. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um eine nette Nebenstory, denn das Hauptaugenmerk richtet sich eindeutig auf Altair. Eben jener wurde vor Kurzem (um genau zu sein im Jahre 1191 zu Zeiten des dritten Kreuzzugs) von seinem Anführer degradiert, weil er die goldenen Regeln der Organisation, die unter anderem besagen, dass kein Unschuldiger bei den Auftragsmorden zu Schaden kommen darf, gebrochen hat. Nun gilt es, sich nach und nach wieder zu etablieren und dabei Ausrüstungsgegenstände zurückzugewinnen. Ganz nebenbei seid ihr noch der Meinung, dass ihr die Menschheit rettet, indem ihr Massenmörder und profitgeile Führer zur Strecke bringt. Dabei begleitet ihr Altair im Laufe der Geschichte bei seinem Gewissenskonflikt.

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    Assassin’s Creed ist, wie bereits im Vorfeld vermutet wurde, bisher einzigartig. Denn bewegt ihr euch erst einmal durch die Menschenmassen der sehr real wirkenden Städte Jerusalem, Damaskus und Akkon, beschleicht euch gleich ein Gefühl der Freiheit, das bisher kein Spiel so richtig vermitteln konnte. Allerdings sei vorweg gesagt, dass es sich hierbei auch um eine der größten Schwächen des Spiels handelt. Die Interaktivität lässt nämlich sehr stark zu wünschen übrig. Ihr könnt die Menschen nicht ansprechen oder in sonst irgendeiner Art und Weise mit ihnen agieren, sondern sie schlichtweg nur ignorieren oder durch die Gegend schubsen. Ab und an greifen euch zwar geistig Zurückgebliebene an oder es laufen euch Bettler hinterher, aber viel mehr als den optischen und atmosphärischen Effekt haben sie nicht zu bieten. Die gefühlten drei Sprachsamples, mit denen sie sich zu euren eigenartigen Aktionen äußeren, machen da den Kohl auch nicht mehr fett.

    Selbstverständlich ist das aber nicht alles, was Assassin’s Creed zu bieten hat. Eine besondere Begabung Altairs ist seine unglaubliche Kletterkunst und Akrobatik. Ihr klettert Häuserwände hoch, hüpft von Dach zu Dach, springt über Kisten, zerstört die Waren der örtlichen Händler (bei denen ihr übrigens nichts kaufen könnt) oder sucht euch sonst eine der zahlreichen Klettermöglichkeiten. Stets auf der Lauer sind dabei allerdings die gegnerischen Wachen, die euch bei auffälligen Aktionen gleich erkennen und bekämpfen. Obwohl ihr mit vier Waffen und euren bloßen Händen ausgestattet seid, sind die Schwertkämpfe doch schon sehr bald Routine und monoton. Auf das wesentliche reduziert, sind nämlich lediglich harte Schwerthiebe und Konterattacken effektiv. Während bei ersteren lediglich der X-Knopf lange gedrückt werden muss, aber das Risiko besteht, dass ihr von einem anderen Gegner währenddessen getroffen werdet, verweilt ihr bei der Alternative so lange in der Deckung, bis euch ein Soldat angreift. Erwischt ihr den richtigen Moment – und das ist wahrlich nicht schwer – führt ihr einen Gegenstoß aus, der in den meisten Fällen dessen Leben beendet. Teilweise besiegt ihr über 20 Wachen am Stück.

    Ob und inwieweit ihr derzeit die Aufmerksamkeit in der Stadt für euch gepachtet habt, zeigt ein kleiner Indikator neben eurer Energie- bzw. DNA-Anzeige an. Dieser wechselt je nach derzeitigem Zustand die Farbe: Bei Grün ist alles in Ordnung, bei Gelb solltet ihr euch allerdings bereits in Acht nehmen und kurzerhand untertauchen. Ob ihr dabei in einer Gruppe von verbündeten Geistlichen marschiert, auf den Dächern versteckt oder es euch im Heu gemütlich macht, bleibt euch überlassen. Sollte der Indikator aber rot leuchten, macht ihr euch entweder schleunigst vom Acker oder zieht euer Schwert und stellt euch wie ein Mann. Da ihr letzteren Zustand möglichst vermeiden solltet, setzt das Spiel auf Stealth-Elemente, die allerdings in der Praxis kaum durchzuführen sind. Die Wege innerhalb der Städte sind nämlich zumeist sehr lang und würden im Schritttempo eine halbe Ewigkeit andauern. So müsst ihr immer wieder das Risiko eingehen, erwischt zu werden und euch somit auf Kämpfe oder Verfolgungsjagden gefasst machen.

    Als Assassine müsst ihr natürlich aber auch den ein oder anderen (geplanten) Mord begehen. Den Auftrag dazu erhaltet ihr von eurem Anführer selbst in Masyaf, bevor ihr euch schließlich mit dem Pferd in eine der drei genannten Städte macht. Dort such ihr mittels der Karte und eures Radars das Assassinenbüro (das komischerweise in jeder Stadt gleich aussieht) auf und erhaltet dort wiederum die Legitimation, euch über euer nächstes Opfer schlau machen zu dürfen. Soviel sei vorhergesagt: Die Missionen laufen stets nach demselben Schema ab. Entweder stehlt ihr unauffällig (oder auch nicht) wichtige Dokumente aus den Taschen fragwürdiger Bürger, lasst eure Fäuste bei einem Verhör sprechen oder ihr erfüllt für einen Informanten kleinere Aufträge, um an wertvolle Informationen zu gelangen. So laufen die Missionen leider immer und immer wieder nach einem sehr ähnlichen Prinizip ab, bis ihr letztlich eurem eigentlichen Ziel die Klinge in den Bauch rammt. Als optionale Spielziele gelten noch das Erklimmen von Aussichtstürmen, um euren Radar mit neuen Punkten auszustatten und das Retten von Bürgern, die von den feindlichen Soldaten bedroht werden.

    Assassin’s Creed hinterlässt in Sachen Grafik einen bleibenden Eindruck. Die orientalischen Städte des 12. Jahrhunderts wurden nicht nur sehr real nachgebaut, sondern sehen dabei auch noch gut aus. Trotz der riesigen Menschenmassen, die bisher kein Spiel in der Form bieten konnte, wurde keinesfalls auf Liebe zum Detail verzichtet. Das durchlaufen von engen Menschenmassen wirkt durch die Bewegungen Altairs sehr authentisch und trägt einen guten Teil zur Atmosphäre bei. Auch während eurer Ritte mit dem Pferd durch die Landschaften des Königreiches kann es schon mal dazu kommen, dass ihr absteigt und euch die Gegend anschaut. Ein Manko besteht allerdings: warum innerhalb von Gebäuden keinerlei Schatten geworfen wird, ist nicht zu erklären. Vor allem fällt dies in den zahlreichen Echtzeit-Zwischensequenzen auf, in denen ihr euch im beschränkten Rahmen sogar frei bewegen und Kamerawechsel vornehmen könnt.
    Der Soundtrack könnte mit teils krachenden, dann aber auch mit orientalischen Elementen kaum passender sein. Die deutsche Sprachausgabe ist größtenteils als gut zu bewerten, auch wenn die Sprecher teilweise etwas überfordert klingen. Englischkundige dürfen die Sprache ihrer Xbox360 aber umstellen, um überzeugenderen Dialogen folgen zu können.

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