Zwei Jahre World Of Tanks - ein Erfahrungsbericht

Von Evil_Dobermann · 5. Oktober 2016 · Aktualisiert am 20. Februar 2017 ·
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  1. Der nächste Halt ist Schweden - jedenfalls für Wargaming. World of Tanks (WoT) ist dieses Jahr fünf Jahre alt geworden und mit Patch 9.17 kommen die schwedischen Panzerjäger (TDs) und schweren Panzer auf die Schlachtfelder. Ich war die letzten zwei Jahre aktiver Spieler - mit dem Anspruch zu gewinnen - und erdreiste mich nun hier mit einem Augenzwinkern über meine Zeit auf Ensk, Overlord und Siegfriedlinie zu schreiben. Ich werde in schamlosen Slang verfallen, also bereitet euch auf Goldnoobs und Statpadder vor. Weiterlesen auf eigene Gefahr, you stupid tomato idiot!



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    Wir schreiben das Jahr 2014. Tag und Monat? Keine Ahnung! Es ist unwichtig, denn es herrscht Krieg. Wir setzen uns in unseren Leichttraktor und spielen unser erstes Gefecht auf Malinovka. Der Countdown läuft von 30 abwärts. Der Kampf beginnt und wir sind mit unseren 14 Kameraden voller Siegeswille und Enthusiasmus auf dem Weg den Gegner zu vernichten, ihre Dörfer niederzubrennen, ihr Land zu besetzen und ihre Frauen ... ahhhhh verdammt. Wir sind ja schon tot. Erschossen und vernichtet durch unsichtbare Panzer. Camper, wie man so schön sagt. »Camping shits« sagen manch andere in WoT. Also: der nächste Versuch! Wir klicken erneut auf »Gefecht!«. Es lädt die Karte Himmelsdorf. Eine deutsche Stadt? Cool! Wir fahren mit unserem Leichttraktor dem Gegner entgegen. Es ploppt ein feindlicher Panzer auf. Ein Franzose! Sieht ein bisschen aus wie ein umgebauter Mähdrescher. Hm, egal. Draufballern und zwar volles Rohr! »Ha! Der ging voll durch ihre Panzerung!« hören wir. Sehr geil. Wir haben Schaden gemacht. Gleich nochmal! »Wirkungstreffer!« sagt unsere Besatzung. Das läuft doch viel besser als auf Malinovka. Der Franzose ist tot, sein Wrack steht ausgebrannt in Himmelsdorf' Straßen. Wir fahren weiter. Das Gefecht tobt in der »Schlachtergasse«, deren Name wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht kennen. Todesmutig flankieren wir den Feind, schießen den Gegnern in die Seite: alles Durchschläge, alles wertvoller Schaden. Das Gefecht ist so gut wie gewonnen. Unsere überlegene Strategie hat uns zum Sieg geführt. Wir jagen nur noch den wehrlosen Rest, der unserer Übermacht nichts mehr entgegenzusetzen hat. In der Statistik am Ende des Matches können wir nur erahnen wie ehrfürchtig unsere Kameraden unsere Leistung begutachten. Die höchste Erfahrung, den meisten Schaden, die meisten Kills. Wir sind MVP.

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    Ungefähr so laufen die ersten Matches in World Of Tanks ab. Selbstverständlich minus der ganzen Dramatik und Idealisierung der eigenen Person. Man verliert aufgrund von Unwissenheit oder gewinnt mit einer riesigen Portion Glück, weil das Team insgesamt die besseren Spieler hat, oder sollte ich »die weniger schlechten Spieler« sagen? Zu Beginn hat das alles nur wenig mit Können zu tun, Dinge wie Heavyline und TD-Spots haben nichts mit low tier Kämpfen zu tun weil niemand weiß, wo strategisch gute Positionen sind. Eigentlich weiß im low tier generell niemand, dass man mit soetwas wie Strategie und Taktik spielen kann. Die meisten erwarten einen Egoshooter mit Panzern. Es ist oft einfach nur wirres Rumgewusel auf der Karte, aber damit meine ich keinen Wuselfaktor wie bei den Siedlern. Sollte das hier dennoch jemand von Ubisoft lesen - ein Siedler mit Panzern würde sich blendend verkaufen. Eine Siegesserie kann motivieren, eine Niederlagenserie kann extrem frustrieren, vor allem früh im Spiel, wenn man nicht erkennt woran es letztenendes gelegen hat. Protipp: Es ist immer das eigene Team voller unfähiger Noobs schuld.

    Die Lernkurve ist steil, Tier II und III sind schnell erreicht. Doch wo soll die Reise überhaupt hinführen? Wir sind den Leichttraktor gefahren, wir sind ja deutsche Patrioten. G.W. E100, WT auf E100, Jagdpanzer E100, E100, Maus, E50M? Kennen wir alles nicht, klingt aber alles irgendwie nach Prototypen für die spätere Mercedes Benz E-Reihe. Den Forschungsbaum weiter angeschaut und nach 5 Minuten ist die Entscheidungen gefallen: Es wird die E100-Reihe! Warum? Auf Tier 7 steht der Tiger I. DER TIGER! DER PANZER! DIE IKONE! Weitere 5 Minuten nach einem Guide das Netz durchforstet und schnell wird klar: Einsteigerfreundlich ist die russische Heavyline vom KV-1 zum IS-7. Hmm, was nun? Die haben bestimmt keine Ahnung. Der Tiger ist doch schließlich der Panzer des zweiten Weltkrieges. Wenn wir Tier 7 erreicht haben, hat doch niemand mehr eine Chance gegen uns. Es sollte ein böses Erwachen folgen. Ein böses Erwachen namens »russian bias« und die Tatsache, dass sowohl Tiger, als auch Panther gnadenlos overtiered sind. Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

    Es ist allerdings noch ein weiter Weg zum Tiger und so entscheiden wir uns erst einmal einen weiteren Guide zu suchen, wir schauen auf Youtube vorbei. Dort findet man schnell so einen Typen: BohemianEagle, heute bekannt als The Mighty Jingles. Ein sympathischer Engländer, er war früher mal bei der Royal Navy. Nun macht er WoT-Videos und ist 2014 in dem Bereich der größte Youtuber. Mittlerweile haben wir beschlossen im low tier Bereich Fuß zu fassen, die Mechaniken zu erlernen und ein Gefühl für die Karten zu bekommen. Schließlich spielen wir als Free User und haben kein Premiumkonto. Unser Weg ist langsam, wir bekommen weniger Erfahrung, weniger Credits und können uns nur wenig leisten. Jingles empfiehlt den Hetzer mit den Worten »Hetzers gonna hetz«. Das klingt wie Musik in unseren Ohren. Außerdem sieht der Hetzer cool aus.

    Tier IV wartet also und somit kommt auch unfaires +2/-1 Matchmaking auf uns zu. Aber was soll's. Wir hetzen jetzt! Allerdings erst in 3-4 Runden, so lange braucht es bis wir uns die nächsten Motoren erstorben haben, denn zu Fuß sind wir schneller an der Front als im nicht ausgebauten Hetzer. Nach 3-4 erfolglosen Runden (kennen wir ja aus Tier I-III) können wir also auch an die Front fahren und Schaden austeilen! Also, voller Enthusiasmus und Siegeswille geht es erneut los. Der Timer ist auf null, wir fahren los: Gegner, bringt eurer Öl und eure Frauen in Sicherheit! Team grün ist auf dem Vormarsch! Team grün will hetzen und ... ahhhhh wir sind schon wieder tot. Ein KV-2 kann offensichtlich einen Hetzer mit einem Schuss zerstören. Interessantes Detail, wussten wir noch nicht, wird notiert. »I begin to see a pattern with this russian bias thingy«. Doch: mühsam ernährt sich der Hetzer. Als immer noch blutiger Anfänger haben wir eine ca 50% Winrate, doch es kam schließlich der eine Tag auf Hidden Village, auf einer Karte, die sich nicht mehr in der Maprotation befindet. Es kam der Tag des ersten Panzerasses. Ein Gefühl der Macht überkommt uns, während wir die Statistiken betrachten. Ein goldenes »M«, eine beachtliche Leistung. Haben wir es jetzt geschafft? Sind wir tatsächlich besser als alle anderen? Dort steht es doch geschrieben. Woah. Wir kriegen Angst vor unserem eigenen Skill. Wilde Theorien durchdringen unseren Kopf. Was, wenn uns immer nur das Team zurückhält mit ihrem Unvermögen? Was, wenn wir das Potential haben jede Runde ein Panzerass zu machen, aber das Team eigentlich gegen uns spielt, uns klein halten will? Der Aluhut glüht. Es wird Zeit für eine Pause und eine Mütze voll Schlaf um wieder zu klarem Verstand zu kommen.

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    Wir haben uns im deutschen Forschungsbaum ein bisschen ausgetobt, sind mal einen mittleren Panzer gefahren und haben das Stug III G gekauft - des Hetzers Nachfolger. Sogar bei den Amis und den Briten haben wir ein wenig gewildert. Das Mittelfeld ist erreicht. Tier V und Tier VI: die high tiers für Anfänger. Ständig quatschen Leute von Winrate im Chat, wo kann ich die sehen und wie wird die berechnet? Ein Spieler sagt »get xvm, it's a mod«. Ich google also nach XVM, ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ein Multiplayerspiel noch Mods erlaubt. Also heruntergeladen und installiert. Boah. Durch diese Mod hat man ja Vorteile gegenüber Spielern ohne XVM! Bessere Sichtkreise auf der Minimap, man sieht die letzte Position der Gegner und man wird in Farben eingeteilt, ich war natürlich vio...orange, kurz vor gelb! Gar nicht schlecht, dachte ich. Wenn ich mal vom Rating her gelb bin, dann bin ich zufrieden, dann bin ich kein totaler Noob mehr.

    Mods sind ein integraler Teil von WoT, aber Fluch und Segen zugleich. Während einige Bestandteile von XVM eigentlich standardmäßig im Spiel integriert sein sollten, gibt es noch viele andere kleine Mods, die das Interface verbessern, die Sounds verändern oder das Fadenkreuz ersetzen. Toll, dass Wargaming dieses Maß an Modsupport bietet! Allerdings gibt es auch zig andere Mods, welche dem Spieler einen unfairen Vorteil gegenüber anderen verschaffen. Das fängt bei Reload-Markern an, geht über Sichtkegel auf der Minimap bishin zu einer Mod, die anzeigt, wo Bäume und Zäune umgefahren wurden. Wargaming EU unternimmt effektiv nichts dagegen, was ein reines Ärgernis ist.

    Die WN8 fällt unter das gleiche Rubrum. Drei Superunicums im Gegnerteam? Das bedeutet für viele bereits Game Over während der Countdown läuft. Statistisch gesehen mag das stimmen, ich habe jedoch schon einen 18%er gedreht und einen 70%er verloren. Mit vielen guten Spielern im Team wird man schnell arrogant und kann Fehler begehen, die dem Team den Sieg kosten können. Allerdings bin ich selber schuldig, die WN8 als groben Wert für die Fähigkeiten der Spieler zu missbrauchen und spiele gegen low WN8 Gegner tendenziell aggressiver als gegen high WN8 Gegner weil ich von ihnen schlechteren Umgang mit ihrem Panzer erwarten kann. Ein Unicum, blauer oder gar grüner Spieler weiß besser mit dem Terrain umzugehen, kennt die Weakspots der Panzer und lässt sich nicht so leicht in einen Schuss lotsen. Die WN8 gibt zu ca. 90% verlässlich Auskunft über das Können des Gegners.

    Arty focus is real. »Skycancer« ist keinen eigenen Abschnitt für sich wert, darum handle ich den britischen Tier X »Ebola Carrier« und Co. hier mit ab. In Spielen mit einer gegnerischen Arty, mehreren Arties oder gar einem Arty-Zug ist der Fokus ab grüner WN8 nicht mehr wegzudiskutieren - je nach Matchmaking. Dies kann extrem frustrieren, da man stirbt ohne sich effektiv wehren zu können. Artillerie, die ins Spiel eingebaut wurde um Camping in starken Positionen zu verhindern, bewirkt genau das Gegenteil. Vor allem Heavies - die schweren Panzer, Superheavies wie der E100 und Maus oder auch im high tier Bereich die schweren TDs müssen nicht selten für zwei Drittel des Spiels an nur einer Position herumcampen, weil sie der potentielle 1000er Artyschuss von Anfang an in die Defensive drängt. Arty macht Supherheavies obsolet, wird aber selbst oft nur in der Theorie von den leichten Panzern gecountert. Einzelne Lights werden durch Artillerie aus der Hüfte mit einem einzigen Treffer getötet - Lights sind also Oneshot oder brauchen oft eine ordentliche Portion Glück. Ein geforderter Lösungsansatz für das Problem wäre es, der Artillerie den Waffenrichtwinkel nach unten (die gun depression) soweit zu verschlechtern, dass sie im Nahkampf wirkungslos wird und durch leichte Panzer wirklich effektiv gecountert werden kann. Auf diese Weise müsste das eigene Team ihre Artillerie im late game besser beschützen. In der Praxis ist dies jedoch unrealistisch - denn jeder gute Spieler hasst Arty - auch die eigene.

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    Auf unserem Weg in high tier Bereiche wildern wir in vielen anderen Forschungsbäumen herum. Wir fahren Russen, Chinesen, Amerikaner und natürlich weiter unsere Deutschen. Den Tiger wollen wir noch immer haben, allerdings haben wir mittlerweile Videos des Waffenträger auf E100 gesehen. Ein Tier X Jagdpanzer mit Autoloader, der gegnerische Tier X Panzer mit einem einzigen Magazin zerstören kann. Unsere Liebe für deutsche Blaupausenpanzer sagt »Das wird unser erster Tier X!«. Spoiler: Er wurde es und es spiegelt sich in unseren Stats wider.

    Dank XVM spielen wir nun sehr bedacht auf unsere Statistik, WoT gefiel uns mittlerweile so gut, dass wir ein Premiumkonto für einen Monat gekauft haben. Um dieses Konto auch effektiv zu nutzen wird jeden Tag gespielt! Mehr Credits und mehr Erfahrung pro Spiel machen sich deutlich bemerkbar. Nun können wir doch auch mal versuchen ein wenig Goldmunition zu verschießen, oder nicht? Ich meine ... wir haben doch genug Credits. Gesagt, getan! Goldmumpeln gekauft, auf »Gefecht!« gedrückt und das Spiel beginnt. Direkt »2x2« gedrückt und Skill geladen. Dem KV-1 dort vorne haben wir saftige 120 Schaden gedrückt. »LOL goldnoob« steht im Chat. Meint der mich? Woher weiß der, dass wir Gold geschossen haben? Achso, da gibt's ja auch Mods für ... oh man. Spielen wir einfach weiter. Dort vorne ist ein T-150. Da pralle ich doch immer nur dran ab! Mal sehen ob sich die Golddinger wirklich gelohnt haben. Wieder 120 Schaden, hat sich offenbar gelohnt. Mein Team beschießt den T-150 aus einer anderen Richtung, aber ich lande den letzten Treffer und schnappe mir den Kill. »Fucking gold noob Pz4 idiot learn to play without gold you noob!!!!!!!!!!!!« schreibt er im Chat. Der meint auch mich. Warum flippen alle so aus? Ich fühle mich schlecht, kann mich für den Rest des Matches kaum noch konzentrieren. Ich bin für mein Team nicht mehr 100% bei der Sache. Wir gewinnen das Match trotzdem. Aber habe ich einen Fehler gemacht? Habe ich gegen die Regeln verstoßen? Haben wir gewonnen, weil ich Goldmunition geschossen habe? Habe ich durch unfaire Spielweise meinem Team zum Sieg verholfen? Warum hassen mich die Gegner dafür? Meine Hände sind etwas verschwitzt, es ist sowieso spät am Abend. Ich schaue auf den Monitor und sehe meine aufgeräumte Premiumgarage. Ich überlege ob ich die Goldmunition im Lager lassen soll. Ich fühle mich unsicher und beschließe einen Spaziergang zu machen, um wieder klare Gedanken fassen zu können. Es ist ein kühler Abend, wolkenloser Himmel. Ich weiß schon jetzt, dass mir der Rundgang gut tun wird. Während ich die frische Luft einatme reflektiere ich das letzte Match. Ich sehe vor meinen Augen wie der T-150 explodiert, immer wieder. Es ist ein gutes Gefühl. Ich gehe heim und trinke ein Glas meines 23 Jahre alten schottischen Single Malt und beschließe jegliche dreckige Bauern, der mich als Goldnoob beschimpfen mit meiner Skillmunition zu vernichten.

    »Goldmunition ist nicht Pay-To-Win weil man sie auch mit Ingame-Credits kaufen kann !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!1!11« Das ist in der Theorie richtig, die meisten Leute kaufen ihre Goldmunition auch nicht mit Echtgeld sondern mit Ingame-Credits, aber ...

    Um genug Ingame-Credits für Goldmunition zu haben, muss man seine goldenen Mumpeln mit Bedacht abfeuern. Eine abgeprallte Goldkugel geht um einiges spürbarer ins Geld als eine abgeprallte Standardgranate. Alltägliches Szenario: Dort vorne war doch dieser verdammte E100 gekettet. Steht der da wohl noch? Schieß ich jetzt blind meine teure HEAT-Granate ins Leere? Um effektiv Credits farmen zu können benötigt man entweder einen Premiumpanzer oder einen Standardpanzer, mit dem man ohne Goldmunition gut zurechtkommt, d.h. einen Panzer der hohen Durchschlag mit seiner Standardmunition hat, damit man effektiv mehr Reingewinn am Ende des Matches macht. Tier X ist teuer. Ein schlechtes Match kann Minus bedeuten, weil es hohe Reparaturkosten gibt und selbst Standardmunition recht teuer ist. Manche Panzer (Hallo E-100 und diverse Lights) sind sogar auf Goldmunition hin gebalanced, d.h. man erwartet »inoffiziell« von diesen Panzern, dass sie zum Großteil Goldmunition schießen. Selbstverständlich gibt es auch 584 WN8-Profis, die in ihrem E100 regelmäßig 12.000 Schaden mit Standard-AP-Munition machen. Premiumkonto ist für high tier Pflicht. Ab Tier VII, spätestens ab Tier VIII ist effektives Spielen ohne Premiumkonto kaum noch möglich. Man verdient kaum Credits pro Match, die Grinds ziehen sich elendig in die Länge und geschossene Goldmunition bedeutet saftiges Minus am Ende der Runde. Das geht gegen den Spielspaß. Goldmunition macht Panzer, die sich auf ihre Panzerung verlassen müssen und keinen »russian-bias-spaced-armor-bullshit-anti-heat-shield« haben, obsolet. Einem VK45.02B einfach mal mit 330+ Pen durch die Front rotzen ... was für ein Gefühl!

    Ich bin mir bewusst, dass viele Spieler mit diesen Mechaniken zurechtkommen, ich tue es auch. Das Premiumkonto ist in etwa vergleichbar mit dem monatlichen Abo bei World Of Warcraft oder einem MMO eurer Wahl. Das ist in Ordnung. Aber die Tatsache, dass Wargaming Creditpakete im Shop gegen Echtgeld anbietet, spricht eine deutliche Sprache. Es scheint Abnehmer für diese Pakete zu geben. Außerdem sollte man bedenken: Die Zielgruppe für diese Pakete sind nicht die Unicums, sondern der »average-WoT-lemmingtrain-bob«.

    Um es noch einmal ganz klar auszudrücken: Wargaming verkauft nun Goldmunition nicht mehr ausschließlich direkt gegen Echtgeld. Wargaming verkauft Credits gegen Echtgeld. Spieler benutzen die mit Echtgeld gekauften Credits dann für den Kauf von Goldmunition. Clever, oder?

    Wir sind im niedrigen high tier Bereich angekommen und haben unsere Liebe für leichte Panzer entdeckt. Der TD-Nerf ist live und das Spiel verlagert sich vom TD-Meta zum Med-Meta. Unser Skill ist mittlerweile leicht überdurchschnittlich. Wir schießen schließlich mittlerweile viel Gold durch die Luft. Auch sind wir einem Clan beigetreten und haben einige nette neue Leute kennengelernt, mit denen man sich auch abseits des Zugfahrens in WoT gut versteht. Da schneidet man zwischen den Matches auch das eine oder andere private Thema an: Arbeit, Lieblingsbier, Frauen, der neue Kinofilm XY. Ja, sowohl unser Zug als auch der Teamspeak-Server waren immer durchsetzt von Testosteron. Ebenso männlich sind wir mit dem Tiger II unterwegs, unserem ersten Panzer, den man halbwegs als Heavy bezeichnen kann. Da prallt wenigstens mal was dran ab! Jedenfalls manchmal. Ist eben doch keine IS-3. Im guten Matchmaking sind wir dennoch kein »zweite Reihe«-Heavy mehr und führen unser Team aktiv zum Sieg. We carry hard! High tier bedeutet aber auch eine zunehmend toxische Community, wie sie jedes beliebte Free To Play Spiel hat. Ein beliebtes Wort ist Krebs bzw. Cancer und das wünscht man sich dort in verschiedenen Variationen alle paar Matches gegenseitig an den Hals. Manche Leute bekommen allerdings nach dem Abschuss auch öfter mal AIDS oder eine beliebige andere Krankheit wenn sie sich das übrige Team in der freien Kamera ansehen. Einigen Usern wird nahegelegt das Spiel zu deinstallieren und sich anschließend zu erhängen. Anderen wiederum empfiehlt man doch lieber Tetris oder Mario zu spielen, so wie es sich für Tomaten gehört. Dank Modsupport und XVM sieht man kleine Länderflaggen neben den Namen. Damit ist Rassismus Tür und Tor geöffnet und welche Beleidigungen damit einhergehen, brauche ich hier nicht weiter ausführen.

    Doch dies ist nicht immer so, positive Ausnahmen stechen deutlich hervor. So wie einst als ich mit meinem E75 auf Westfield unterwegs war: 4.500 Schaden und 5 Kills. Es ist nur noch die Arty übrig. RedEye_Belce schreibt in seinem E50 »E75 go kill«. Der Fv4202 drückt F6 und schreibt dadurch ein »Negativ!« in den Chat. Er will offenbar den letzten Kill, er will die Arty töten. Der FV4202 ist ein langsamer Medium, aber immer noch schneller als ich in meinem E75 Heavy. Ich versuche es dennoch. Ich bin auf gleicher Höhe mit dem Fv4202 als er auf einmal stehen bleibt. Der E50 hat ihm eine HE-Granate in die Ketten geschossen, um ihn aufzuhalten. Der 4202 repariert, fährt weiter. Der E50 kommt jedoch und drängt ihn ab, stellt sich quer vor ihn hin und blockiert ihn. Er schreibt »E75 go go go«. Für mich waren es nur noch wenige Meter. Ich decke die Arty auf und bekomme den letzten Kill. Nach dem Match habe ich dem E50 eine private Nachricht geschrieben »Thanks man, that was kind of you. But the FV4202 might be pissed now«. Er antwortete »You carried the game, you deserve your top gun«. Eine nette Geste mir gegenüber, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Und der FV4202? Well, fuck that guy.

    Auf der anderen Seite habe aber sogar ich meine guten Tage. Für gewöhnlich rege ich mich in 9/10 Spielen über mein eigenes Team auf, sehe schwarz wenn die top tiers rot sind und kriege erhöhten Puls wenn mich die Idioten in meinem eigenen Team blocken oder mir killgeil vor die Flinte fahren. Aber erst kürzlich bat jemand sehr höflich im Chat um Hilfe für eine Zug-Mission. »I need 3.000 dmg as a platoon. Can somebody help me with my mission please?« Ich schaue auf seinen Namen in der Teamliste oben links. Orange. 748 WN8. Wenige Gefechte. Er fährt einen Chi-Ri. Bottom tier im 9er Gefecht. Mir kam sofort der Gedanke, dass dies nicht sein erster Versuch ist, die Mission zu erfüllen. Niemand antwortet auf seine Anfrage, ich habe ihn einfach in einen dynamischen Zug eingeladen. Er hat angenommen und wir haben es versucht ... und direkt geschafft. Insgesamt haben wir ca. 3.200 Schaden gemacht und gewonnen - Mission erfüllt. Nach dem Match hat er sich mehrmals bedankt und seine Freude war ihm anhand seines Smileygebrauchs deutlich anzumerken. Ein relativ neuer Typ, der noch Freude am Spiel hat. Freude am Spiel ... stimmt, da war ja mal was.

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    Tier X ist erreicht. Der WT auf E100 ist ohnehin kaputt generft. Quickybaby veröffentlicht ein Video, in dem er erklärt, dass der WT auf E100 zurecht durch die Grille 15 ersetzt wird. Begründung: Der Panzer war vor über 2 Jahren in Patch 8.irgendwas overpowered. Dass er danach ins Bodenlose generft wurde ignoriert er gekonnt. Macht nix, die Abrufzahlen stimmen. Läuft bei ihm.

    Die WN8 nennt uns mittlerweile »sehr gut«, wir sind alle Lights gefahren, kennen genug TDs, Heavies und Meds. Stug IV und T28 HTC stehen in der Garage, mit Panzerassen können wir mittlerweile eine ganze Wand voll tapezieren. Die Grinds werden länger, die Matches werden anspruchsvoller. Mittlerweile wissen wir, dass wir uns nicht aufs Team verlassen können. Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir es aus eigener Kraft schaffen. Mit über 10.000 Gefechten kennen wir alle Karten in- und auswendig. Panzerung, Schaden und Durchschlag der gängigen Panzer können wir blind aufsagen. In der vergangenen Zeit haben wir einige Updates live miterlebt. Jeder neue Patch ist natürlich ein Haufen Scheiße, macht das Spiel schlechter. TD-Nerf? Was bringt mir jetzt mein Rhm.-Borsig noch? Japanische Heavies implementiert? OP low tier, useless high tier! T110E5 overbuffed, IS-6, IS-3, IS-7 gebuffed. Die mitunter besten Panzer ihres Tiers nochmals verbessert? Ihr seid doch besoffen bei Wargaming! Neue Physik ins Spiel eingeführt? Jetzt überschlage ich mich mit meinen Lights wie bei einer Rallye in Schweden!

    Tatsächlich steckt ein wenig Wahrheit in der Kritik der ewig quengelnden User. Das Spiel funktioniert, aber die Balance stimmt nicht in jedem Bereich. Die japanischen Heavies sind Arty-Magneten. Offiziell wurde der WT auf E100 entfernt, weil er die Balance in Tier X Matches zerstörte. Kompletter Blödsinn: der Waffenträger war kaum noch in Tier X zu sehen, jeder wusste, wie er zu kontern war und sobald er gespottet wurde, hat es HE-Granaten in den Turm gehagelt. Der britische Tier 10 Medium wurde durch den Centurion AX ersetzt, welcher sich wieder nur geringfügig vom Leopard 1 oder STB-1 unterscheidet. Die 10,5cm Gun Meds sind sich alle sehr ähnlich und haben oft nur ein kleines Alleinstellungsmerkmal. Gute Spieler quengeln genau so wie schlechte Spieler.



    Ich hatte mir nun ca. zwei Monate lang eine Auszeit von World Of Tanks genommen, bin aus meinem Clan ausgetreten, aber habe dann wieder mit dem Auftrag um den T44/100 angefangen zu spielen. Ich stecke ja noch in ein paar fürchterlichen Stockgrinds fest und war nach der Clankampagne um den T95/Chieftain ein wenig ins Sommerloch gefallen. Außerdem habe ich mir damals als Ziel gesetzt meine begonnenen Linien alle bis Tier X durchzufahren. Object 140, T-62 A, IS-7, T110E5: das gute Zeug ist nur noch eine Tierstufe weit entfernt. Ich brauchte allerdings geschlagene drei Tage um wieder vernünftig in das Spiel reinzufinden. Meine beschämende Winrate von unter 40% am ersten Abend habe ich mir selber zugeschrieben. Da bin ich ein paar mal gierig in Feindfeuer gefahren, habe mich grundlos weggeschmissen und musste wieder ein kleines bisschen in das Handling der Tanks reinfinden. Außerdem war der M103 noch nicht voll ausgebaut, die Crew lag frisch nur bei 75%. Kein Problem. Nun aber, nach 2 Wochen intensiven Zockens, zergehe ich wieder an der Community des Spiels. Ich habe in dieser Zeit den M103 durchgefahren und den T110E5 freigeschaltet. Ich dümple mit dem Panzer allerdings auf einer 48% Winrate herum. Das ist inakzeptabel. Alle meine anderen 9er Heavies liegen im hohen 50er oder niedrigen 60er Bereich. Der Schaden passt, die zweite Gunmark ist erspielt, aber ich gewinne nicht. These: Es liegt am Event. Es liegt an den anderen Spielern. Soviele Totalausfälle in den eigenen Reihen habe ich selten erlebt. Wenn die top tiers dann noch Jagdpanzer sind, sinkt die Stimmung ohnehin in den Keller, weil man weiß, dass die sowieso nur in der Base rumcampen und darauf warten, dass das Team stirbt. Dann kann man 2 Schuss Schaden machen bevor man überrollt wird und sagen: »I'm a TD - I'm supposed to camp«. Da braucht man sich über eine toxische Community nicht mehr wirklich wundern.

    World Of Tanks hat seine Fehler, das Matchmaking ist diskussionswürdig, ebenso die Mechanik rund um Panzerung vs. Goldmunition oder das Corridor-Meta auf den aktuellen Karten. Aber Armored Warfare ist keine Konkurrenz für WoT, sodass Wargaming nicht in der Bringschuld ist. Wenn man die Grundmechaniken des Spiels verinnerlicht hat, die Karten halbwegs kennt und (dank Premiumkonto) Fortschritte beim Grind und bei sich selber erkennt, motiviert dies ungemein. WoT braucht Einarbeitungszeit und manchmal ein dickes Fell, aber es belohnt dafür auch mit diesem einen lategame Carry, mit der einen Radley-Walters Medaille und mit dem einen Panzerass. Außerdem: »It's tanks! Everybody loves tanks!«

    PANZER VOR!

Kommentare

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  1. Evil_Dobermann
    Nein. Damit meine ich, dass Wargaming sich nicht genötigt fühlen muss diese Baustellen zu beheben, weil keine Alternativen vorhanden sind. Es besteht für sie nicht die Gefahr, dass Leute abspringen, trotz dieser Mängel.


    Das ist schon TD-, karten- und situationsabhängig. Aber nimm als klassisches Beispiel Prokhorovka/Feuriger Boden mit 6 TDs in deinem Team und nur 2 im gegnerischen Team. Wenn sich dann 6 TDs auf J2 stellen und drauf warten, dass die Gegner die 1-2 Linie drücken (was fast nie early game passiert) nimmst du effektiv 6 Kanonen aus dem Spiel, weil diese 6 TDs auf nichts schießen können. Währenddessen verliert man den Hügel auf der rechten Seite, weil man krass in Unterzahl ist und danach dann auch das Spiel.


    Danke für's Lob!
      8 Person(en) gefällt das.
  2. Unicorn
    zum Beispiel?
  3. kleiner070879
    Also ich finde immernoch das War Thunder das bessere Panzerspiel ist, obwohl es ja eigentlich anfangs ein reines Flugzeugspiel war. WoT ist eigentlich auch eher nur pay to win und ist nur so beliebt (bzw. mainstream) geworden wegen der vielen Werbung.
      4 Person(en) gefällt das.
  4. Lehtis
    Die Beleidigungen habe sich mit dem neuen Patch fast komplett erübrigt.
    Ab nun kann man nur mehr mit seinem Team chatten.

    Das man als TD immer als Camper beleidigt wird verstehe ich nicht. Was soll man denn bitte mit einem Jagdpanzer sonst machen???

    Und ich habe auch eine Zeit lang XVM verwendet, aber hab das wieder deinstalliert und verwende nun keine Mods mehr. Das meiste wichtige ist eh drinnen (große Minimap, letzten Positionen der Gegner, 2 Reihen in der Garage, ...)
    XVM hatte mir den Spaß irgendwie genommen. Ich will nicht wissen wie ich und die anderen Spiele eingestuft werden. Vor allem ist man dann oft direkt beim Start genervt wenn da 20% Win Chance steht.

    P.S. Ich habe noch nie Gold Munition verwendet und werde es auch nie verwenden. Habe aber auch max t7 Panzer.
      1 Person gefällt das.
  5. Razor666
    Ich spiele seit der 2. Woche der Closed Beta WOT und war auch mal Moderator und habe einen Einblick hinter die Kulissen bekommen. Nach gut 1 1/2 Jahren Pause hat sich in dem Spiel nicht viel geändert, außer das Events das Egomanie Verhalten noch deutlich beflügeln.
    Die Sternstunde von WOT ist überschritten und WG baut das Game nun langsam um, damit eine vernünftige Playerbase erhalten bleibt. Im Gespräch sind Maßnahmen die das Spiel wieder taktischer machen, weg von dem "Egoshooter" mit Panzern. In weit die einzelnen Vorschläge (Verringerung -10 % Speed / -10-20% Sichtweite, andere Karten) dann in den Patches übernommen werden, ist wie immer ein Prozess. Ich denke, das ein einem Jahr das Spiel deutlich anders laufen wird, als es jetzt ist. Hoffentlich dauert das nicht so lange wie der Multicore Support :-)
      3 Person(en) gefällt das.
  6. Never
    Schade das Panzer immer nur für solche langweiligen PvP Battleground Games verwurstet werden.

    Ständig das gleiche 15vs15 ich knall dich ab du knallst mich ab und wieder von vorne gebolze.

    Panzer sind an sich faszinierende Vehikel, da sollten mehr gute Spielideen möglich sein als immer nur sowas.
      1 Person gefällt das.
  7. Aryko
    »LOL goldnoob« steht im Chat. Meint der mich? Woher weiß der, dass wir Gold geschossen haben?
    »Fucking gold noob Pz4 idiot learn to play without gold you noob!!!!!!!!!!!!« schreibt er im Chat. Der meint auch mich. Warum flippen alle so aus? Ich fühle mich schlecht, kann mich für den Rest des Matches kaum noch konzentrieren.

    Sehr gut ...was hab ich gelacht !
  8. DanieD00
    Glückwunsch zum Artikel der Woche! :)
      4 Person(en) gefällt das.
  9. mootality
    Gut geschrieben. Danke dafür.
      5 Person(en) gefällt das.
  10. Ares
    Die Chancenauswertung kann man auf der XVM Seite deaktivieren, wenn man es nicht schafft, die dumme %-Zahl zu ignorieren. Die Berechnung ist sowieso der letzte Unsinn. Sie berücksichtigt zB keine Panzerklassen und -stufen. Dabei ist es doch ziemlich offensichtlich, dass das Unikum im T57Heavy vermutlich einen größeren Einfluss auf das Spiel haben wird als das gegenerische Unikum im T-44.
    Die Farben/Werte der einzelnen Spieler fand ich sowieso schon immer aussagekräftiger/nützlicher. Ist der Toptier Heavy ein Unicum? Dann kann man den vielleicht auch mal in etwas kniffeligeren Situationen unterstützen. Oder ist es ein dunkelroter Spieler? Dann sollte man in seine Taktik besser einplanen, dass er auch gerne mal direkt beim ersten Feindkontakt platzt ohne groß Schaden gemacht zu haben.

    Ansonsten trifft der Artikel den "Alltag" in WoT glaube ich ganz gut. Vor allem der Umgang mit dem eigenen "Team" erfordert häufig ein ordentlich dickes Fell. Es ist erstaunlich, wie schwer es teilweise ist, ein Gleichgewicht zwischen ernsthaftem Wettkampf und Spielspaß zu finden.
      4 Person(en) gefällt das.
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