Zwei Wege, das gleiche Ziel: She-Ra vs Sabrina

Von Reddok · 8. Mai 2019 ·
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  1. Zwei Serien wurden neu aufgesetzt, beide in mehr oder weniger neuem Gewand: She-Ra und Sabrina. Beide sind auf ihre eigene weise inklusiv, oder "woke" wie der ein oder andere sagen würde - jetzt ahnt man vermutlich schon, in welche Richtung das ganze hier gehen wird und ja, ich tu so als hätte man die Überschrift vor dem draufklicken nicht gelesen. Diese Serien sind zwar grundverschieden (Weintrauben und Kokosnüsse), ich will sie aber dennoch vergleichen - doch vorerst bleib ich erstmal allgemein: Von beiden hab ich das Ursprungsmaterial nicht gesehen und eigentlich wollte ich auf beides einzeln eingehen. Bei She-Ra hatte ich die meiste Zeit kein Bedürfnis zum schauen; habe mir nur ein paar Reviews angesehen... Gehöre ja auch nicht zur Zielgruppe... Aber das gilt eigentlich auch für Serien wie "Prinzessin der Morgendämmerung" oder andere Anime die auf Shojo-Manga basieren. Und Dreamworks ist jetzt nicht unbedingt die schlechteste Animationsfirma, also hab ich mir gedacht: "Warum nicht...?" Okay mir war langweilig und ansonsten wäre nur Star Wars Resistance in Frage gekommen.

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    Manche sehen nur eine Anspielung, andere eine Beleidigung des Ursprungsmaterials.

    Wer Angst vor Spoilern hat (vor allem bei Sabrina), sei gewarnt. Außerdem handelt es sich hierbei um meine Meinung und die muss nicht stimmen.


    She-Ra - nichts für Farbmuffel

    Ich hatte keine Erwartungen, vielleicht hab ich mich schon auf das Schlimmste gefasst gemacht, aber ich wurde positiv überrascht. Besonders im Fall von Catra, welche die unmittelbare Gegenspielerin von Heldin Adora darstellt. Selten gibt es einen auf der bösen Seite, den man so leiden kann wie sie - und das liegt auch daran dass die Horde in etwa die gleiche Zeit zur Verfügung gestellt bekommt wie die Guten. Obwohl sie stark und talentiert ist, spielt sie immer nur die zweite Geige, wird für Vergehen hart bestraft. Adora jedoch, welche genau wie sie von der bösen Shadow Weaver adoptiert wurde, heimst immer den Ruhm ein und musste sich nie vor Strafen fürchten - "Mit gehangen, mit gefangen" zählte nicht für sie. Jeder Versuch von Adora, sie auf ihre Seite zu ziehen, treibt sie daher nur weiter auf ihrem Pfad vorran - und das hat mich von Anfang an mitgenommen.

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    Mit diesem Look stiehlt Catra allen anderen die Show. Instant Classic.

    Die anderen können damit zwar nicht wirklich mithalten, sind aber immerhin abwechslungsreich und unterhaltsam. Einzig Hordak, der Anführer der bösen Horde ist bisher blass geblieben. Der sieht zwar cool aus und ist bedrohlich, aber ansonsten hat man bisher keine Ahnung von seiner Motivation; er überlässt das Tagesgeschäft lieber seinen Untergebenen und kümmert sich um seinen eigenen Kram. Außerdem kommt die Animation - vor allem was She-Ra's Schwert angeht - ziemlich faul rüber. Das verschwindet nähmlich ab und zu nach belieben und taucht wieder auf, sobald es wieder gebraucht wird. Das ist der größte meiner Kritikpunkte an She-Ra, der Rest ist eher eine Frage des Geschmacks. Selbst She-Ra's neuer Look macht um einiges mehr Sinn als die Taktik bei der Schlacht um Winterfell in Game of Thrones. Sie tauscht ihr Kleid in eine Rüstung und die Shorts passen um Welten besser zum Reiten eines Pferdes als ein Rock/Kleid - vor allem wenn man mit dem Pferd in die Schlacht zieht - immerhin wurden Hosen für diesen Zweck erfunden. Ok, der Stoff, der darüber hängt ergibt weniger Sinn, ist aber als Anspielung auf das Ursprungsmaterial zu verstehen. Ansonsten find ich es cool, dass versteckte Hinweise eingebaut werden: Zum Beispiel in Form eines Holograms von den aktiven Prinzessinnen in einer Art Tafelrunde, welches allerdings verdächtige Lücken lässt und Prinzessinen zeigt, die bisher nicht aufgetreten sind aber Ähnlichkeiten mit anderen Figuren haben. Oder die "Hinterlassenschaften" der früheren She-Ra Mara (Avatar lässt grüßen), die dafür sorgen, dass ich den "Ersten" (Quasi die Isu aus Assassin's Creed) keinen Schritt über den Weg traue. Das Pacing der Serie ist bisher eher langsam - vor allem wurde Wert auf Worldbuilding gesetzt und auf die Beziehungen zwischen den Charakteren; weniger auf den wirklichen Krieg zwischen Horde und Rebellion.

    Dem Teufel ist das Geschlecht seiner Sklaven egal...

    Das ganze Gegenteil findet in Sabrina statt, wo ich mich fühlte als würde man mit Vollgas durch die Handlung rasen. Schließlich wurde am Ende der 2. Staffel schon der gefallene Engel höchstselbst in die Schranken gewiesen. Der wahre Feind der Serie und ihrer Heldin Sabrina scheint allerdings Misogynie zu sein - aber ich greife vor. Was mir gefallen hat war vor allem die düstere Stimmung und Lilith - die ist meine Lieblingsfigur. Ich mag einfach hinterhältige Charaktere; welche, die einen großen Plan haben, diesen perfekt umsetzten und den anderen immer einen Schritt vorraus sind. Ansonsten finde ich die ganze Anti-Christentum Gesellschaft super und dass Sabrina zu einer Art Anti-Jesus wird. Oh, habe ich schon die Opening-Animation erwähnt? Da verstecken sich einige Metal Albumcover... Das einzige was mir wirklich missfällt ist der Aktivismus der Serie. In der ersten Staffel ging das noch, aber in der 2. wird da nochmal ein ganzes Stück aufgedreht. Auch wenn weder der Aktivismus, noch das was er erreichen will, schlecht sind, hinterlässt er bei mir einen bitteren Geschmack. Warum?

    ... und liegt im Detail

    Weil es meiner Meinung nach komische Signale sendet. Ja, bei She-Ra gibts Regenbögen, Glitzer und ist alles andere als hetero - auf eine gute Weise. Ein Beispiel dafür sind wohl Bow's Väter. Sie verhalten sich nicht wie die Crew der Traumschiff Surprise, sondern wie normale Männer, die das Beste für ihr Kind wollen. Nun, mich würde schon interessieren, wie Bow genau zur Welt gekommen ist. Sie leben auf einem künstlichen Planeten, auf dem Magie und Technologie untrennbar miteinander verbunden sind, was das ganze für mich nicht unglaubwürdig macht. Ansonsten gibt's ja noch die gute, alte Adoption. Der wichtigste Punkt aber ist, dass sie wie jede anderere Figur behandelt werden. Wäre Bow in Sabrina, wette ich, dass er gehänselt werden würde, bis die glorreiche Sabrina auftaucht und einen Zauber wirkt: Ein Teil der 2. Staffel von Sabrina ist mir besonders negativ aufgefallen. Es geht los mit der Wahl des "Prachtbruders" - wohl so etwas wie ein Vertrauensschüler. Sabrina wittert eine Ungerechtigkeit und stellt sich selber zur Wahl, woran ich auch nichts schlimmes sehe. Sie schummelt dabei zwar, aber das Ganze ist eh ein abgekartetes Spiel. Gleichzeitig passiert aber 1:1 das Gleiche in der Menschenwelt.

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    Der frisch gebackene Theo sucht sich ein neues Hobby: Ins offene Messer rennen.

    Susie möchte in die Basketballmanschaft, die bisher nur aus Jungs besteht - was jetzt auch kein Fall für Fackeln und Heugabeln ist, was man vom Sportlehrer nicht wirklich sagen kann. Wie dem auch sei, sie hat in ihrem Leben noch nie Basketball gespielt und hat sich in den Kopf gesetzt, der Mannschaft beizutreten. Sie beweist beim Training ein ähnliches Geschick wie ich damals in der Schule. Um jedoch beizutreten, muss sie in einem Spiel zeigen, was sie kann (okay als N00b gegen eine trainierte Basketball-Mannschaft zu spielen ist schon unfair), das geht Anfangs genau so gut wie man sich das vorstellt... Bis die aufgebrachte Sabrina auftaucht (welche trotz der Schummelei durchgefallen ist) und sie per Zauberspruch in ein Basketball-Ass verwandelt. Die gerade noch komplett ausgespielte Susie schlägt die gegnerische Mannschaft jetzt auf einmal im Alleingang. Diese schöpft dadurch neuen Mut, erklärt sich zu einen Mann und nennt sich fortan Theo. Das ist meiner Meinung nach auf so vielen Leveln falsch. Das ganze basiert auf einem Betrug und das weiß sie auch, wie sie in einer späteren Folge sagt ("Sabrina war Zaubersprüche murmelnd auf der Tribüne."). Anmerkung: Ich bleib jetzt mal bei "sie" um Verwirrungen zu vermeiden. Also wie geht es weiter? Sie benutzt die Männerumkleide und wundert sich, dass ihr ein kalter Wind entgegenweht. Um mal eines klarzustellen: Ich hab kein Problem damit, dass jemand sich in seinem Körper unwohl fühlt und sich denkt, dass er beim anderen Geschlecht besser aufgehoben wäre - aber sich den Tatsachen nicht zu stellen halte ich für ziemlich ungesund. Ja, Mobbing ist scheiße. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei mir (oder einer anderen männlichen Person) anders gelaufen wäre, wenn ich mich vor dem Sportunterricht zu einem Mädchen erklärt hätte und erhobenem Hauptes in die Frauenumkleide marschiert wäre. Hinzu kommt, dass arschige Handlungen nicht unbedingt von Arschlöchern kommen. Ich selbst war früher eher in der Opfer-Rolle, und doch hab ich einige Dinge getan/gesagt die alles andere als in Ordung sind. Passiert häufiger, vor allem in der Pubertät. Ich vermute diejenigen, bei denen das nicht so ist, sind entweder in der Unterzahl oder sich nicht bewusst, dass sie etwas falsches getan haben.
    Tja, und was ist die Lösung für das Problem? Sabrina gibt ihr einen Stolperzauber, den Susie benutzt, während der Oberbully die Treppe runterläuft und sich dabei fast das Genick bricht. Aber es ist ja alles in Ordnung, denn er hatt seine Lektion ja jetzt gelernt... *Ironie off*


    Wie es besser geht

    Und das zieht sich durch die komplette 2. Staffel, wenn auch nicht immer so krass, aber zum Augen verdrehen reicht es meistens. Dreamworks geht mit She-Ra und ihren anderen Serien meiner Meinung nach einen viel besseren Weg: Sexualität und Diversität sind einfach da. Sie werden nicht anders kommentiert oder innerhalb der Serie von einer Figur benutzt um zu mobben. Es gibt eine kleine Ausnahme im "Trolljäger-Universum" - genauer gesagt im Spin-Off mit Auserirdischen - Entschuldigung, Akiridionern. Dort tarnt sich ein Kerl namens Krel als Latino und wird dann von 2 anderen (weißen) Figuren aufgrund seiner angeblichen Herkunft diskriminiert, jedoch: Eine davon ist eine getarnte Kopfgeldjägerin, die versucht Unfrieden zu stiften - der andere ist zwar ein normaler (zugegebenermaßen strenger, engstirniger und rassistischer) Mensch, aber auch Krel verhält sich nicht anders als dieser und bekommt was er verdient (wie seine Schwester feststellt). Außerdem vermute ich, dass es da in Zukunft noch eine Entwicklung geben wird und die Lehrer, welche auch weiß sind, gehen immer gegen Diskriminierung vor... Was z.B. bei Detroit: Become Human fast komplett außen vor gelassen wurde. Warum zum Geier laufen keine Menschen beim Protestmarsch mit? Man muss nur die Reaktionen zum Boston Dynamics Video ansehen (indem die Roboter getreten werden), um zu sehen, dass Menschen Mitleid mit Robotern haben können.

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    Seems legit.

    Also um das ganze mal zusammenzufassen: Ich denke es ist um einiges besser das Ziel darzustellen/die Leute dazu zu bringen es selber zu wollen. Stattdessen schieben sie alles schlechte auf die Männer und nehmen ihr Publikum auf einer repetetiven Hexenjagd mit. Ironisch, oder? Ja, Männer haben/hatten es gegenüber den Frauen meist leichter und nutzen dies eventuell aus; es hätte aber gereicht wenn das ein- bis zweimal pro Staffel thematisiert worden wäre und nicht jede Folge. Und dass Satan selbst um einiges weniger gegen Frauen hat, als der Hohepriester von Sabrinas Hexenzirkel, finde ich ganz schön... überraschend.

    Tja, das wollte ich mal loswerden. Aber: Ich halte Sabrina immer noch für eine tolle Serie, die noch besser wäre, wenn auf 3 gute männliche Charaktere nicht 20 männliche Arschlöcher kommen würden. She-Ra hat seine Schwächen, ist aber meiner Meinung nach besser als ihr Ruf.

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