Deutschland - Politik- und Wahlsammelthread (Nächste Wahl: Bayern - 2018)

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von SpeedKill08, 10. Januar 2017.

  1. |Kirby|

    |Kirby|
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    Zumindest an meiner Uni mussten Lehramtler im Bachelor bereits im Rahmen von Pflichtpraktika erste Unterrichtserfahrung sammeln. Ich ging immer davon aus, dass das allgemein so gehandhabt wird. Wenn nicht stimme ich definitiv zu, niemand sollte im Referendariat erst merken, dass Unterricht eigentlich gar nichts für sie ist.

    Das kann ich anekdotisch so für Informatik (und begrenzt daher auch einige andere Fächer) unterschreiben. Hier geht's dann im übrigen auch um Sachen, die für Lehrer sehr wohl Relevanz haben (im späteren Informatikstudium allerdings kaum noch): Programmieren, einfache Algorithmik und ein Grundverständnis für die Abläufe innerhalb eines Computers. Und meinem Empfinden nach, waren deren Leistungen in den Didaktik/Pädagogikvorlesungen nicht besser. Da wurde sich halt immer irgendwie durchgewurschtelt.

    Wohl erwähnen möchte ich, dass es da aber auch Ausnahmen gab und einige Leute hochmotiviert (tatsächlich tendenziell diejenigen mit Informatik/Mathe-Kombination, also zwei als eher schwierig geltenden Fächern) waren. Leider weiß ich da von mindestens einem Fall, der nach dem Studium dann nicht Lehrer wurde, sondern eine Akademische Karriere anstrebt.
     
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  2. Güldenstern

    Güldenstern
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    Also ich kann mich über zu wenig Praxis nicht beschweren. 2 Praktika im Bachelor und ein Praxissemester (unbezahlt :mad:) im Master. :ugly:
    Nimmt halt viel Zeit in Anspruch. Zumindest im Bachelor haben wir da eine nicht unerhebliche Mehrbelastung, weil wir ein volles Fachstudium machen und die pädagogischen Inhalte einfach nur in den Optionalbereich ausgelagert werden und relativ umfangreich sind. Man hat es dadurch gelöst, dass man uns einfach nur weniger Creditpunkte für die Veranstaltungen im Optionalbereich gibt. Beispiel: Seminar+Referat+5 Wochen Schulpraktikum+10-Seitiger Forschungsbericht: 5 CPs. :ugly:
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  3. abelian grape Normalteiler

    abelian grape
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    Ich denke nicht, dass das reicht. Wie gesagt, was sollen die Lehrer dann auf den Einwand der Schüler "Aber eine Kurvendiskussion brauche ich doch nie wieder" glaubhaft entgegnen, wenn sie im Studium exakt die gleiche Überzeugung hatten? Ich glaube auch nicht, dass man richtig Bock auf Unterrichten hat, wenn man den Stoff an sich schon nicht spannend findet. Zumindest fand ich diese Lehrer immer total schrecklich; die besten Lehrer waren für mich immer diejenigen, die mir eine Begeisterung exakt für das Fach vermitteln konnten. Begeisterung ist eben auch ansteckend, ebenso wie Abneigung. Dazu sollten die dann natürlich noch Bock auf Unterricht haben, keine Frage, aber Interesse und Motivation für das Fach sind für mich nunmal Grundvoraussetzung, um ein richtig guter Lehrer zu sein.

    Zumal: Ich fand es immer entsetzlich, wenn Lehrer ihre eigene Inkompetenz offenbart haben. In dem Moment haben die für mich fast jegliche Autorität verloren, bspw. wenn du in Mathematik mal ein wenig gebohrt hast und merktest, dass da einfach nichts mehr kam. Ein Lehrer soll ja nicht nur seinen Stoff runterspulen können, sondern auch motivierte Schüler weiterführen. Indem er ihnen Hilfestellungen und Materialien bietet und bei Fragen weiterhelfen kann. Wenn dann halt auf die Frage "Was ist denn genau ein Limes?" kommt, "Ja, schau, da hat man so einen Ausdruck und dann lässt man eine Variable gegen Null gehen" (willkürliches Beispiel), dann ist das ganz, ganz schlecht. Und was ein Limes genau ist, lernt man oft erst in der Uni.

    Das ist sicherlich etwas überzogen, wobei ich einen Mathe-Bachelor für durchaus schaffbar halte, wenn man etwas Interesse und Motivation am Fach mitbringt.
     
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  4. Terranigma

    Terranigma
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    Ich würde allerdings auch sagen, dass dies daran liegt, dass der fachliche Anspruch an der Schule ein anderer ist, als in der freien Wirtschaft oder Industrie: ein Freund von mir hat Mathematik und Physik auf Lehramt für Haupt-, Real- und Gesamtschule studiert, und ihm war jederzeit bewusst, dass ein Großteil des Fachstudiums für seine Tätigkeit als Lehrer keine Relevanz besitzen wird - eben weil er diese Inhalte nicht unterrichten wird. Umgekehrt hätte es aber Studieninhalte gegeben - Pädagogik, Fachdidaktik - die ihm für seinen Beruf sehr geholfen hätten, die im Studium wiederum aber vergleichsweise wenig behandelt wurden. Wenn man insofern von der Fachkompetenz von Lehrern spricht, würde ich mir bewusst machen, worin die Aufgabe(n) eines Lehrers eigentlich bestehen: "Fachwissen" nimmt da für mein Dafürhalten den mit Abstand geringsten Stellenwert ein. Natürlich ist ein solides Fachwissen notwendig, aber davon erwirbt man im Laufe des Studiums ohnehin sehr viel. Umgekehrt werden aber die großen Themenbereiche zumeist sehr randständig behandelt.

    Wenn ich insofern regelmäßig Klausuren schreiben muss zu Themen, von denen ich weiß, dass sie für meine spätere Tätigkeit keinerlei Relevanz besitzen, während relevante Themen kaum Erwähnung im Studium finden, dann würde mich das auch auf Dauer stark demotivieren.


    Die Bezahlung ist meiner Wahrnehmung nach nicht das große Problem. Gymnasiallehrer verdienen schon sehr gut; in NRW soll nun auch das Gehalt von Grundschullehrern auf dieses Niveau angehoben werden, aber ich glaube nicht, dass man mit dem Gehalt alleine Menschen in den Lehrerberuf bringen kann. Glaube nicht, dass irgendwer sich für oder gegen den Lehrerberuf aufgrund des Gehaltes entscheidet. Relevanter sind da wohl, wie du sagst, die Rahmenbedingungen. Eine akzeptable Arbeitsbelastung, Bürokratieabbau, ein ordentlicher Arbeitsplatz mit kalkulierbaren Arbeitsstunden. Damit würde man wohl mehr Positives bewirken, als mit einer Gehaltserhöhung.
     
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  5. Güldenstern

    Güldenstern
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    Ein großes Problem ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass ein gutes Stück der pädagogischen Inhalte, so wie sie an den Unis gelehrt werden, weltfremder Mumpitz bzw. ideologisch durchsetzt sind. Ob einfach nur mehr davon hilft, wage ich zu bezweifeln. Imo ist das ganze Themenfeld viel zu sehr politisiert.
     
  6. Terranigma

    Terranigma
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    Ist auch mein Eindruck. Ich bin der einzige Akademiker in der Familie, und das auch nur durch "Pech", weil ich keinen Ausbildungsplatz fand und dann eher lustlos das Abitur über den dritten Bildungsweg machte und am Ende auf der Universität landete. Womit niemand gerechnet hatte, weil ich eigentlich auf die Hauptschule sollte. Förderung, u.Ä. war zumindest bei uns im Haushalt nie das Problem, sondern dass die Universität als Ziel überhaupt nie gedacht wurde - ich habe mich, wie wohl jeder Mensch, an den Biographien meiner Peers orientiert: Eltern, Bruder, Freunde und Klassenkameraden. Keiner davon ging je zur Universität, sodass eigentlich von Tag 1 feststand, dass ich eine Ausbildung mache und in den Betrieb gehe. Ich gehe stark davon aus, dass dies auch für andere Kinder ähnlich der Fall ist. Wenn du aufs Gymnasium gehst, bist du notwendigerweise in einem Umfeld, in den "Universität" und "Studium" als Konzepte zur Schulkultur gehören. Auf der Realschule wurde aber nie über das Studium gesprochen, und es wurde das Arbeitsamt, aber nie eine Universität besucht. Insbesondere in Deutschland dürfte die soziale Segregation durch das gegliederte Schulsystem seinen Teil dazu beitragen, dass Haupt- und Realschüler kaum ein Bewusstsein dafür haben, dass es überhaupt sowas wie eine "Bildungskarriere" gibt, eben weil sie nicht mit Gleichaltrigen in Kontakt treten werden, die so eine Karriere anstreben.

    Ufz, würde ich nicht sagen. Die Universität ist nicht die praktische Ausbildung - die findet anschließend im Referendariat statt. Die Universität soll einen dazu befähigen, überhaupt einen reflektierten Blick auf allerlei Themenbereiche einnehmen zu können, anstatt einen quasi handwerklich anzuleiten. Ich kann die Absicht dahinter jedenfalls verstehen, und finde es durchaus wichtig, eine Theorie darüber zu entwickeln, was man eigentlich tun möchte, anstatt nur zu tun, was altbewährt ist. Ich würde nicht sagen, dass es weltfremd ist; es ist teilweise idealistisch, und entspricht nicht der schulischen Realität. Aber gerade darum finde ich es wichtig, ein idealistisches Menschenbild zu entwickeln, wenn man nicht bereits als Zyniker in den Beruf starten möchte. :D
     
  7. abelian grape Normalteiler

    abelian grape
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    Über die konkreten Gewichtungen im Studium kann man sicherlich diskutieren, aber ich würde die fachliche Kompetenz nicht unbedingt als das unwichtigste betrachten, insbesondere nicht am Gymnasium.

    Zudem betrifft meine Erfahrung keine Lehrämtler in höheren Semestern, sondern im ersten. Da hattest du insbesondere in Lehramtsgruppen ganz schnell eine hohe Abschreiberquote und extrem wenig Motivation in den Übungsgruppen - in den Physikergruppen war das komplett anders; und Physiker brauchen den ganzen Krams auch in den meisten Fällen nie wieder. Das war einfach eine ganz andere Grundeinstellung und ich wage zu bezweifeln, dass das nur anekdotische Evidenz ist, da sich das über mehrere Jahrgänge gezogen hatte und von der überwältigenden Mehrheit der Tutoren ebenfalls beobachtet wurde. Will sagen: Es gibt viele Leute, die mit der in meinen Augen falschen Motivation ein Lehramtsstudium beginnen.
     
  8. Terranigma

    Terranigma
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    Ja, da wäre ich bei dir. Ich denke beim Lehramt für die Grundschule gibt es das Problem weniger, weil da jedem bewusst ist, worauf man sich einlässt; aber gerade das Lehramt für Gymnasium dient für viele glaube ich als Sammelbecken, wenn man eigentlich gar nicht mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte, sondern sich eher als Akademiker begreifen möchte, aber sonst so keine rechte Ahnung hat, was man beruflich machen möchte. Wobei es mittlerweile so viele Praxisphasen im Studium gibt, dass alle relativ früh mit ihrem kommenden Arbeitsplatz in Berührung kommen - und noch genügend Zeit haben, das Studium zu wechseln. Das variiert aber natürlich auch stark von Bundesland zu Bundesland.
     
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  9. Baruu

    Baruu
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    Das ist nicht mal logisch. Wenn man für die Antwort auf die Frage auch noch ein begeisterter Mathematik-Student sein muss, dann ist zumindest eine wahre Antwort kaum tauglich zur Motivierung der Schüler. Die Antwort lautet dann doch grob: Du brauchst das für dein Mathe-Studium.


    Sehe ich persönlich schon aufgrund eigener Erfahrungen, wenn auch nicht in Mathematik, ganz anders. Fachwissenschaft und Unterricht sind zwei Welten, die weit voneinander entfernt sind.


    In den Geisteswissenschaften müssen die Lehrer auch damit klar kommen, dass aufgrund der riesigen Ausdehnung der Fächer Schüler in Einzelbereichen mehr wissen wollen oder auch wissen können, als sie selbst. Da muss man dann ehrlich antworten und sagen: Weiß ich gerade nicht, ich werde nachschauen. Ein Lehrer, der zu allem eine Antwort hat, ist meistens ein Dummschwätzer. Es ist auch okay zu sehen, dass der Lehrer auch ein Limit hat.

    Ich weiß nicht, wo genau die Grenze sein soll, aber wenn durchgehend berichtet wird, dass die Inhalte weit über den Schulstoff hinaus gehen, dann sehe ich das als problematisch. Ich glaube, dass darunter massiv die Didaktik leidet. Dann kann der Lehrer zwar Universitätsmathematik, hat aber nicht einmal gelernt, wie er das Schülern auf ganz verschiedenen Niveaustufen beibringen kann, was letztlich viel schlimmer ist, als ein Lehrer, der in der Oberstufe bei den Fragen sehr guter Schüler an seine Grenzen kommt. Diese Schüler haben dann nämlich immer noch die Universität, während die anderen einfach weit zurückbleiben.
     
  10. legal der die Waage hält

    legal
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    Hm. Ist vielleicht so. Allerdings: Ich war auf einer Schule, in der bis Klasse 8 alle Schüler gemeinsam unterrichtet wurden. Erst in Klasse 9 kam der Split nach Abiturklasse und Realschulklasse. In Absprache zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. (Ich glaube es war Klasse 8 und nicht ein Jahr später... mein Gedächtnis ist manchmal wie ein Sieb...)

    In der Rückschau ist für mich aber deutlich: Es hing schon auch vom Elternhaus ab, welchen Weg man eingeschlagen hat. Manche meiner Klassenkameraden wurden von ihren Eltern mehr oder weniger genötigt, in die Abiklasse zu wechseln, jedoch gab es ebenso einen Fall bei dem ichs mitbekommen habe, bei dem es genau umgekehrt war. Die Eltern drängten ihren Sohn, so nach dem Motto "lern lieber was gscheits, studieren wirst du eh nicht" in den Realschulzweig zu wechseln.

    Von dort aus konnte man dann noch ein 3/4-Jahr für die Fachhochschulreife an die Realschule dranhängen. Diesen Weg bin ich dann gegangen, nachdem ich mich nach kürzester Zeit in der Abiturklasse nicht mehr wohlgefühlt hatte.
     
  11. Terranigma

    Terranigma
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    Auf was für einer Schule warst du - eine Gesamtschule?

    Weil die Segregation der Schülerschaft beginnt ja bereits mit dem Übertritt in die Sekundarstufe 1, d.h. in NRW im Alter von 10 Jahren. Und in meinem Fall war es so, dass mein Grundschulfreund - Sohn von Akademikern - auf das Gymnasium ging und anschließend direkt zur Universität, während in meiner Klasse auf der Realschule niemand Eltern mit Uni-Abschluss hatte und auch seitens der Schule keinerlei Kontakt zur "höheren Bildung" je angebahnt wurde. Ich denke aber auch, dass die Eltern da einen großen Einfluss ausüben, z.T. auch weil es natürlich für die Eltern ein Risiko ist, wenn ihr Kind studiert, aber sie ggf. teilweise für den "Lohnausfall" aufkommen müssen, z.B. weil das Kind etwas länger bei ihnen wohnen bleibt. Eltern, die selbst wissen, wie ein Studium funktioniert, mögen da die Chancen und Risiken ganz anders abschätzen können, aber umgekehrt womöglich auch von ihren Kindern erwarten, dass sie so "weit" kommen wie sie es taten.

    Schwierig. Ich glaube auch, dass der Staat hier nur bedingt etwas tun kann. Aber er kann was tun.
     
  12. abelian grape Normalteiler

    abelian grape
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    Ich könnte nun böse sein und sagen, man braucht das Zeug nicht für das Mathe-Studium (:wahn:), aber ich verstehe worauf du hinauswillst. Ich glaube halt, dass Lehrer auch ein Streben nach Wissen und Können vermitteln sollen und dazu müssen die das in meinen Augen auch selbst an den Tag legen können. Wer mir bei der Frage "Wofür brauche ich das später?" mit konkreten Anwendungsfällen kommt, hat da schon verloren, weil die allerwenigsten Schüler das Zeug, was sie in der Schule in der Oberstufenmathe lernen, jemals konkret brauchen werden.

    Wie gesagt, über die konkrete Gewichtung kann man gerne diskutieren, aber eine fachliche Kompetenz ist für mich Grundvoraussetzung. Ein Mathe-Bachelor ist sicherlich unnötig, alleine schon deshalb, weil ein Mathe-Bachelor generell schon ein völlig unnötiges Konstrukt ist (:wahn:). Aber beim Lernen und Aneignen von Wissen durchläuft man auch immer einen Reifeprozess. Das ist an der Uni nicht viel anders, als an der Schule. Wer LA und Ana ordentlich lernt, der hat danach nochmal ein ganz anderes Verständnis von Logik und Beweisen, als man das in der Schule gelehrt bekommt und das hat zumindest bei mir extrem zum Erlernen und Verständnis von Strukturen beigetragen.

    Aber gut, ich bin da vermutlich auch nicht ganz unvoreingenommen, weil ich die pädagogischen Experimente in der Schule meist gehasst habe, ebenso wie der Großteil meiner Mitschüler, und die besten Lehrer für mich einfach diejenigen waren, die das Fach geliebt haben und das uns auch so zeigen konnten.
     
  13. Terranigma

    Terranigma
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    Das denke ich auch, allerdings: hier geht es ja darum, Wissen zu erwerben, dass man aufgrund eines Curriculums erwerben soll. Ich gehe davon aus, dass nur die Wenigsten sich für ein Curriculum - das ja selbst nur eine Auswahl von Lerninhalten ist - vollumfänglich begeistern können, d.h. es wird allerlei Inhalte geben, die man lernen muss, die einen aber nicht tangieren. Ebenso wird es aber auch allerlei Inhalte geben, die einen interessieren, die durch das Curriculum aber nicht behandelt werden. Mit "Streben nach Wissen" tue ich mir hier insofern schwer, weil es ja eigentlich darum geht, dass Schüler - oder Studierende - genau die Inhalte lernen wollen sollen, die andere ihnen vorsetzen. Und dieses von Außen erzwungenene Sollen, sollen sie sodann auch noch als Ausdruck ihres eigenen Strebens nach Wissen wahrnehmen. Das ist quasi eine Internalisierung von fremdgesetzten Zielvorgaben.

    Und da tue ich mir auch schwer, und bevorzuge es eigentlich, ehrlich zu bleiben: der Grund, warum ein Schüler etwas in der Schule lernen soll und muss, liegt darin, dass diese Inhalte im Curriculum festgelegt wurden. Pragmatisch gesehen könnte man auch sagen, dass es für die Schüler - oder Studierende - leichter wird, die fremdgestellten Ziele zu erreichen, wenn man sich selbst einredet, dass man dies tut, weil man es will; auch wenn das zumeist nicht stimmt. Nur weil ein Schüler #Thema A, das vom Curriculum vorgesehen ist, nicht interessiert, heißt es ja nicht, dass ihn z.B. das ganze Fach nicht interessiert, oder er nicht lernen möchte - er möchte ggf. lediglich #Thema A nicht lernen.

    Die Antwort auf die Frage, "Warum soll ich das lernen?" finde ich insofern schwierig. Einerseits ist man dazu angehalten, den Kindern und Jugendlichen ein Bildungsideal vorzuhalten, das vom Bildungssystem selbst torpediert wird, andererseits tut man ihnen aber auch keinen Gefallen damit, wenn man ihnen die Illusion nimmt, dass Schulbildung eine humanistische Form von Menschenbildung sei. Ich würde die Antwort wohl von meiner Tagesform abhängig machen. Montagmorgens vor dem ersten Kaffee käme wohl die ehrliche Antwort. :yes:
     
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  14. legal der die Waage hält

    legal
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    Ja. In freier Trägerschaft.
     
  15. Terranigma

    Terranigma
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    Ah, verstehe. Ein Grund, warum ich die Gesamtschule als Modell befürworte. :yes:
     
  16. legal der die Waage hält

    legal
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    ich hab ja den Vergleich mit dem dreigliedrigen System direkt nicht. Aber in meiner Klasse sind - wie gesagt - schon eher die Kinder in den Abizweig gegangen, deren Eltern auch Akademiker waren. Genutzt hat es sicher den Ausnahmen, die es gab. ZB eben meine Schwester.

    Man muss aber auch sagen: Die nicht mithalten konnten, sind nach der vierten Klasse mit einem fast geschenkten Hauptschulabschluss abgegangen. andere wechselten ins staatliche Schulsystem. Es kamen aber auch Schüler von dort zu uns. Es fand ein gewisser Austausch statt.
    Mehrere Konzepte nebeneinander haben halt auch Vorteile, wenn der Wechsel möglich ist.
     
  17. Yash

    Yash
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    Das kenne ich sehr gut :ugly: Waren auch auf dem Arbeitsamt. Hinzu kommt, dass es auch im familiären Umfeld auf eine Berufsausbildung hinausläuft. Sprüche wie "Nur das Handwerk ist ehrliche Arbeit" kamen da ziemlich oft. Oder mir wurde nahe gelegt, ich sollte doch zur Bundeswehr gehen (als überzeugter Pazifist :ugly: ). Mein Glück war vor allem, dass meine Mutter gesagt hat, dass ich gerne die Schule weitermachen darf, aber ich soll ihr nicht auf der Tasche liegen. Kindergeld und Unterhalt von meinem Vater ging zu ihr, wenn ich gearbeitet habe, musste ich einen Teil abgeben und ich durfte nicht rumlosen sondern musse schulische Erfolge bringen, damit ich das möglichst schnell schaffe. Und ich habe auf der weiterführenden Realschule ein zwei sehr gute Lehrer gehabt, die mich persönlich und direkt unterstützt haben. Das Glück hat halt nicht jeder, der aus ärmlichen Familien kommt und schon familienstrukturbedingt im Nachteil gegenüber Akademikerkindern ist.
     
  18. Baruu

    Baruu
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    Ist der nicht eh fast immer geschenkt?
     
  19. legal der die Waage hält

    legal
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    Weiß nicht. :D Ist daher aber wohl auch fast nichts wert.
     
  20. Butterhirsch Der mit dem Hirsch tanzt

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    Den Hauptschulabschluss gabs bei uns zur 9. einfach dazu, den Realschulabschluss haben wir noch geschrieben. Da waren die Vorpruefungen fuer uns Abi-Leute schwerer als die tatsaechlichen Pruefungen :ugly:
     
  21. UrbanForest

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  22. Son_of_the_Suns

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  23. legal der die Waage hält

    legal
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    SPD fuchswild :no:
     
  24. Thandor

    Thandor
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    Da habe ich sehr großen Respekt davor. Die Biographien mancher großer Erfinder sind Arbeiterkinder, die sich durchgebissen haben, aber wer weiß wie viele Talente so verloren gehen.
     
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  25. itistoolate

    itistoolate
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    Gut möglich das es mittlerweile anders ist. Ich kenne das von diversen Pre-Bologna Studenten.
     
  26. itistoolate

    itistoolate
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    Für 85% der Kinder.
    Edit:Quelle: http://www.t-online.de/leben/famili...-eltern-beeinflusst-schulwahl-der-kinder.html
    Ich hab einen ganz ähnliche Bildungsweg und dachte immer an den Unis wären nur Genies. Bis ich dann festgestellt habe, dass die meisten sogar noch blöder sind als ich.
    Die Aufgabe ist es nicht Wissens, sondern Kompetenzen zu vermitteln. Und das muss in der Schule auch der Weg werden. Wozu soll ich die zehn längsten Flüsse Südamerikas auswendig lernen, wenn ich auch in die Wiki gucken kann.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  27. Fipse

    Fipse
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  28. Terranigma

    Terranigma
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    Würde ich mal einen total tiefsinnigen - und so - Spruch auf Facebook mit Sonnenuntergang-Bildchen posten, wäre das wohl auch so die Erkenntnis, die mir über die Jahre am eindringlichsten war: als Kind dachte ich, die Älteren wüssten es besser. Bis ich älter wurde. Als Schüler dachte ich, die Lehrer wüssten es besser. Bis ich selber einer wurde. Usw. Eigentlich alle Auszeichnungen - Alter oder Amt - vor denen ich vor Jahren einmal Respekt verspürte, haben bei mir an Respekt verloren. Die meisten Erwachsenen - und da schließe ich mich ein - sind wohl auch nur ausgewachsene Kinder.
     
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  29. UrbanForest

    UrbanForest
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    Das meine ich schon seit dem Dementi des GroKo-Neins. Spätestens seit diesem Zeitpunkt nur noch Real-Satire, die selbst den Titanic/DiePartei-Humor um längen schlägt :ugly:
     
  30. R0ck Lee gesperrter User

    R0ck Lee
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    Nahles ist der absolute Untergang der SPD. Wenn diese inkompetente Mülltonne an der Spitze der SPD regiert, muss man sich nicht wundern, wenn man bei der nächsten Wahl unter 5% landet. SPD & Volkspartei. Das ist spätestens jetzt nichtig.
     
  31. Thandor

    Thandor
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    Schulz ist zurück getreten und hat Nahles als neue Interims Vorsitzende vorgeschlagen. Der Vorstand hat dies einstimmig angenommen. Ist halt immer noch alles beim Alten.

    Fehlt nur noch, dass Schulz in der Sitzung Selbstkritik vor dem Vorstand übt, bourgeoise abweichlerische Tendenzen eingesteht, welche die Niederlage herbeigeführt hätten und die nur von Nahles widerlegt worden seien, welche deshalb die Zukunft der SPD sei. Und dann führt der Wachschutz Schulz mit einigen Tritten zusammenbrechend hinaus ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  32. legal der die Waage hält

    legal
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    Denk ich an Nahles in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht :no:
     
  33. UrbanForest

    UrbanForest
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    Und Scholz übernimmt kommissarisch, Quelle: Spiegel.

    Und da denkt man es geht nicht mehr schlimmer... R.I.P SPD
     
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  34. Thandor

    Thandor
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    Gerade gelesen: Die Lücke die er hinterließ ersetzte ihn vollständig :ugly:
     
  35. Brodig ist gelangweilt

    Brodig
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    der Erde
    Wird Zeit, dass eine neue Partei gegründet wird.
     
  36. Heribert Prantl

    Heribert Prantl
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    3. November 2017
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    Freut mich, dass dieser Zwergenaufstand beendet werden konnte und Andrea Nahles bald höchst erfolgreiche 8-13 Monate als Arbeiterführerin tätig werden darf bis der nächste Depp kommt.
     
  37. Gernot

    Gernot
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    6. November 2013
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    Als nächstes kommt dann Manuela Schwesig. :yes:
     
  38. SpeedKill08 "Downgrade?" - "No."

    SpeedKill08
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    19.649
    Wtf? :no:

    Gut das heute ein passender Aufwachenpodcast rauskam. :D
     
  39. Harras III

    Harras III
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    23. Juli 2016
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    689
    Dass nun ein Mitglied aus der Riege der Stellvertretenden übernimmt ist doch nachvollziehbar, ebenso, dass es mit Scholz das dienstälteste Mitglied ist. Um den neuen Vorsitz dürfen sich alle Genoss*innen bewerben - hier sehe ich den Aufreger nicht, es wurde auf Kritik eingegangen - schlechter als Selbsterkenntnis, besser als Ignoranz.
     
  40. mirdochegal

    mirdochegal
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    Ist der Schulz eigentlich Komiker:hmm: Beste Politiksatire seit langem :tdv:
     
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