Die (sexuelle) Krise unserer Gesellschaft

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von Zig-Maen, 7. Februar 2018.

  1. Standardabweichung

    Standardabweichung
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    Dann ist es die Aufgabe einer Gesellschaft dafür zu sorgen Zwang/ Not zu vermeiden und zu bekämpfen, nicht pauschal ein Gewerbe zu diskriminieren. Und Deutschland failt dabei unglaublich hart.
    In einem Laufhaus im Amsterdamer Rotlichtbezirk wirst du keine finden die da unfreiwillig ist.

    Hast du eigtl das Buch gelesen mit dem du den Thread aufgemacht hast. Ich glaube eher nicht... :ugly:
     
  2. Güldenstern

    Güldenstern
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    Alle mir bekannten Daten deuten jedenfalls genau darauf hin.
     
  3. Terranigma

    Terranigma
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    Die Diskriminierung des Gewerbes erscheint mir in seiner Pauschalität aktuell aber mehr als angemessen, denn die durchschnittliche Nutte ist halt keine Literaturstudentin, die lieber anschaffen als Bafög bezieht. Ebenso ist's nicht ohne Grund, dass Prositutition oftmals Querverbindungen zum kriminellen Millieu hat, während dies bei anderen Berufen - Kellnerin, Busfahrerin, usw. - nicht der Fall ist.
     
    Güldenstern und Wolfsgesicht gefällt das.
  4. Standardabweichung

    Standardabweichung
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    "Erscheint dir".
    Es bedankt sich bei dir http://www.nswp.org/members/proud
    Ich bestreite ja nicht das Prostitution sicher oft unschöne Hintergründe hat. Nur kriegt ihr die Angelegenheit nicht wegduskitiert - diese "Krise unserer Gesellschaft" existiert seit es sowas ähnliches wie den Homo Sapiens gab.
     
  5. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Es ist auch kein Zufall, dass Prostituierte keine selbstständigen Geschäftsfrauen sind die als Einzelperson arbeiten und ein Gewerbe anmelden, sondern Teil eines größeren Rings sind hinter denen ein oder mehrere Zuhälter stehen. :ugly:

    Würden Prostituierte sich selbst verwalten und alles über ihre Dienstleistungen selber entscheiden, dann wäre das der einzige Fall von wirklicher Freiwilligkeit. Aber sicher nicht mit einem Zuhälter im Nacken der sonstwas androht, wenn man nicht mitspielt.
     
  6. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Saubere Prostitution ist ein Mythos
    http://www.sueddeutsche.de/leben/prostitution-alle-freier-sind-taeter-1.2989558-4

    "So negativ wie heute habe ich die Prostitution damals nicht gesehen, aber das ist auch nicht möglich. Eine, die in einer beschissenen Situation steckt und kein Entkommen sieht, muss sie sich schönreden. Sonst erträgt sie es nicht. Also trank ich, nahm Drogen, und zog mit den anderen Mädchen über Freier und Zuhälter her. Ich glaubte, eine stolze Hure zu sein.

    Doch eine Prostituierte steckt in einem kriminellen System aus Druck, Sucht und finanzieller Abhängigkeit. Saubere Prostitution gibt es nicht. Ich bin kein Menschenhandelsopfer und niemand hat mich mit gezogener Waffe dazu gezwungen, meinen Körper zu verkaufen. Man würde mich wohl als "freiwillige" Prostituierte bezeichnen, womit ich zu einer privilegierten Minderheit unter den Huren gehörte. Dennoch bin ich der Meinung, dass bei meiner Geschichte von Freiwilligkeit keine Rede sein kann.

    Die letzte Zeit war die schlimmste. Ich begann immer mehr, zu reflektieren, was ich da eigentlich tue, und mir wurde immer klarer, wie sehr ich jeden Tag misshandelt werde. Irgendwann habe ich dann keinen Alkohol mehr getrunken, keine Drogen mehr genommen. Damit hatte ich nichts mehr, was dämpft, und die Stunden mit den Freiern waren die pure Hölle.

    Also habe ich mir Hilfe bei einer Beratungsstelle gesucht. Doch der einzige Tipp, den die für mich hatten, war: Geh nicht mehr hin. Konkrete Ausstiegshilfe gibt es nirgends, denn Prostitution ist in Deutschland legal. Die meisten Beratungsstellen sind Pro-Sexarbeit und beschönigen alles. Die verstehen überhaupt nicht, was das Problem ist. Die meisten Huren, die aufhören wollen und es nicht alleine schaffen, fühlen sich von denen verarscht - genau wie ich.

    Ich habe alles alleine machen müssen, den Drogenentzug, den Alkoholentzug und den endgültigen Ausstieg aus dem Milieu. All die Jahre habe ich mal mehr und mal weniger engagiert nebenbei studiert und nun war ich so weit, dass ich einen Job in meiner Fachrichtung bekommen habe.

    Von einem Tag auf dem anderen arbeitete ich in einem Großraumbüro statt im Bordell. Dieser Wechsel war so extrem, ich habe es kaum ausgehalten. Vor allem körperliche Nähe zu männlichen Kollegen war mir unangenehm. Ich musste mir immer vorstellen, dass die vielleicht auch Freier sind. Glücklicherweise durfte ich irgendwann von zu Hause aus arbeiten.

    Das hört sich jetzt vielleicht einfach an, aber das war es nicht. Ich war süchtig, hatte Phobien, Depressionen und eine posttraumatische Belastungsstörung. Ich hatte keine Kontakte außerhalb des Milieus und dafür unendlich viele Probleme mit den Behörden. Der Ausstieg war echt hart.

    Es ist immer noch hart. Ich mache eine Traumatherapie und versuche, all das Erlebte zu bewältigen. Außerdem denke ich darüber nach, zu promovieren. Wenn ich mir erlaube zu träumen, sehe ich mich mit meiner Katze in einem kleinen Häuschen sitzen und in einem Beruf arbeiten, der meiner Qualifikation entspricht. Eine Beziehung habe ich nicht. Das ist auch schwierig. Ich reagiere so sensibel auf die kleinsten Grenzüberschreitungen und alles Mögliche triggert mich - Schmatzen kann ich zum Beispiel überhaupt nicht ertragen, da flippe ich aus.
    "
     
  7. Terranigma

    Terranigma
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    Ich glaube um "Krise unserer Gesellschaft" geht es seit einigen Seiten nicht mehr, sondern nur um Prostitution an sich. Das ist ein neues Thema; eine "Krise der Gesellschaft" kann ich ebenso wenig erkennen, und würde die Prostitution - die es, wie du sagst, schon seit jeher gibt - auch nicht als Indiz dafür anführen.
     
  8. Standardabweichung

    Standardabweichung
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    Und da sind wir uns ja eigentlich einig das es die Aufgabe einer Regierung sein sollte ein offenbar nicht wegzubekommendes Gewerbe soweit durchzuregulieren und zu kontrollieren um Ausbeutung, Gewalt und Elend so gut es geht zu verhindern.
    Und mitten in Deutschland gibt es genügend traurige Beispiele das das wohl vollkommen ungenügend geschieht.

    Wenn man jetzt noch von pauschalisierenden Diskriminierungen und der Überhöhung der eigenen Meinung absieht hätte man einen im Internet einmaligen Konsens gefunden :yes:(Ich mache sogar mit...^^). Gleich sagt einer Hitler, schätze ich :ugly:

    Immerhin habe ich statt zu arbeiten jetzt einiges über die Organisation von Sexarbeitern gelernt - GSPB wisdom at its best :ugly:

    Zur Krise der Gesellschaft habe ich was gutes über ungleiche Verteilung von Sexualität in Säugetierpopulationen und "Copingmechanismen" gefunden, das heb ich mir für heute abend auf - hoffentlich kommen Bonobos vor, die machen es richtig :yes:
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  9. Terranigma

    Terranigma
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    Ich haue nicht grundlos ständig den Konjunktiv, "wahrscheinlich", "wohl", "für mein Dafürhalten" und diese ganzen elendigen Relativierungen in meine Texte, um für jeden ersichtlich zu machen, dass ich meine Meinung nicht absolut setze. ;)


    Für ein Verbot von Prostitution würde ich mich auch nicht aussprechen, u.a. aus denselben Gründen, warum ich nicht für ein Verbot von Cannabis bin: es kriminalisiert Verhalten, aber hilft den Betroffenen dadurch alleine nicht. Ein Verbot von Prostitution würde diese lediglich nur noch weiter in das gesellschaftliche Aus treiben, aber weder das Angebot nach die Nachfrage beseitigen.
     
  10. dabba

    dabba
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    Es gibt kein "gut" und "schlecht", wir sind nicht bei Herr der Ringe. Es gibt verschiedene Ansichten und Interessen.

    Der Artikel gibt eine von mehreren Meinungen wieder.
     
  11. Fiesfee

    Fiesfee
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    Witzigerweise ist der Artikel nicht anders als die Eröffnungsgrundlage für diesen Thread, nur eben mit anderer Sichtweise. Dass eine einzelne Meinung nicht als gesellschaftliche Diskussionsgrundlage taugt, wurde am Anfang durchgehend bemängelt, hier soll sie jetzt als Tatsache dienen, weil sie der eigenen Meinung entspricht. Ich musste schon schmunzeln.
     
  12. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Ihr versteht beide nicht, worauf das hinausläuft. Das was der Artikel sagt unterstreicht dass was ich und auch Terranigma geschrieben haben, dass "freiwillig" nicht gleichzusetzen ist mit dem freiwillig wie wir es kennen, wenn wir uns irgendwo auf einen Job bewerben. Dazu dass jemand in so etwas reingerät gehört eine massive Abwärtsspirale, aus kaputter Familie, privaten Problemen, Drogen- und Alkohol Missbrauch und und und.

    Die Bilderbuchnutte die aus gutem Hause kommt, diesen Traum schon in der Schule hatte und glücklich damit ist, dürfte es bis auf extrem rare Ausnahmen nicht geben. Das ist nicht der Standard und nicht das was die Mehrheit der Mädels auf Madrid, dem Kiez oder sonstwo widerfährt. Wir sprechen von Prostitution, nicht von der Pornobranche großer offizieller Marken, sondern einem Untergrund-Milieu. Daran ändern auch neue Gesetzeslagen überhaupt nichts, weil es unter der Hand genau so grausam weitergeht wie eh und je. Dass Menschen in der Lage sind sich grauenvolle Lebenslagen einigermaßen schönzureden ist nichts neues, das ist auch notwendig, um nicht völlig in Depressionen zu verfallen. Das zu verdrängen und sein Gewissen reinzuwaschen, so ein Business zu unterstützen, indem man sich auf einige seltene Menschen beruft die dadran nicht zerbrochen sind ist einfach nur widerlich.
     
  13. Fiesfee

    Fiesfee
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    Ich glaube wirklich niemand hier ist so naiv zu glauben, dass der Großteil des Milieus aus absolut freiwilligen Frauen besteht, die sich morgens beim Aufstehen auf einen schönen Arbeitstag im Bordell freuen, weil sie auf die 12 anderen zur Verfügung stehenden Jobs weniger Lust hätten.

    Wie ist es eigentlich zu dieser Diskussion gekommen?
     
  14. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Damit, dass ich nicht Konform ging mit der Aussage, dass in's Bordell zu gehen das Leben zu genießen bedeutet, und dass ich sagte dass wenn etwas sexuelle Krise bedeute, dann das.

    Genau so lesen sich aber einige Beiträge und Relativierungen. Und sonst würde man auch nicht mit irgendwelchen Fotos versuchen diesen Eindruck zu erwecken. Wenn ich das Internet absuche werde ich auch Mafiosi finden die ihren Beruf verherrlichen und für wundervoll erklären, weil sie sich bereits dieser Welt gebeugt haben. Daraus ziehen einige hier total irrationale und falsche Rückschlüsse auf die Gutartigkeit einer Sache.
     
  15. dabba

    dabba
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    Andersrum wird ein Schuh draus: Durch Prostitution haben auch diese Leute zumindest ein recht ordentliches Einkommen zur Verfügung, das sie sonst nicht hätten.

    Zumindest die Deutschen könnten ja auch einfach zum Amt gehen und sich Hartz IV holen. Machen sie aber nicht.
     
  16. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Das ist Relativierung Ad Absurdum. Das kannst du über jeden Beruf sagen. Vom Folterknecht, Raubmörder, Mafiosi bis hin zum kriminellen Organhändler. Nur weil etwas Geld abwirft ist es nicht gut. Und nur weil man mit dieser Sache Geld verdient heißt es nicht, dass man es nicht mit einer anderen, besseren Sache auch hätte tun können. Die Frage die sich eigentlich stellt ist, warum diese Leute das nicht tun. Denkst du irgendwer findet es schön z.B. in einer kriminellen Gruppierung zu sein, wo er nie weiß ob der nächste Tag sein letzter ist weil er bei einer Messerstecherei draufgeht? Sterben für ein Tütchen Koks? Oder ob ihm die Hand abgeschnitten wird, weil er seine Organisation enttäuscht hat und dort so krude Regeln existieren? Denkst du, die Hure würde lieber die beine Breit machen für einen alten, fetten, stinkenden Truckfahrer der gerade von der Raststetten-Toilette kommt und ihr 100€ mehr zahlt damit sie seinen After leckt, und wenn sie ablehnt, beschwert er sich beim Zuhälter und der prügelt sie grün und blau, anstatt dass sie mit 'nem Kaffe in ihrem Büro sitzt und an irgendwelchen Medien für ihre Firma arbeitet?

    Diese Menschen sind durch Abwärtsspiralen in so ein Drecksleben geraten, und wenn sie in der Lage sind sich irgendwie damit zu arrangieren, sei es durch Betäubungsmittel wie Drogen, oder durch Verdrängung, oder auch am Rande der Depression, und wenn daraus dann hier und da Individuen hervorgehen die schaffen n Buch zu verfassen oder über Social Media Aufmerksamkeit zu erhalten und da schönes Leben vorspielen, oder vielleicht glücklicherweise in eine der extrem seltenen Ausnahmeorten gelandet sind wo es etwas softer zugeht, dann ist das noch lange kein Beweis dafür, dass an dieser Sache irgendwas gut ist, oder es "doch nicht so schlimm" ist. Zum Rattenschwanz gehört auch immer die Ratte, und die Ratte hat ein bisschen mehr Füllgewicht. Das eine gibt's nicht ohne das andere.

    Wir sprechen hier wie gesagt nach wie vor nicht über Pornodarstellerinnen die sich ihren Drehpartner aussuchen oder private (!) Eskortdamen die vollkommen eigenständig eine Homepage besitzen und sich ihre Clienten aussuchen bzw. die Wahl haben, abzulehnen und die Kontrolle zu behalten, sowohl über die Aufträge als auch ihren Ausstieg. Da kann ich sogar noch glauben wenn sich eine dahin stellt und sagt, dass ihr der Job gefällt. Aber sicher nicht wenn sie Zahnrad einer Maschine von Gewalt, Missbrauch und Nötigung ist, in der sie für alle sie umgebenden Menschen noch weniger Wert als ein Objekt besitzt.

    Man muss sich dafür schämen, dass es Menschen gibt die glauben, dass irgendwer so ein Leben freiwillig bevorzugt hat, dass eine Frau nur so ein wertloses Stück Dreck ohne eigene Ansprüche und Wünsche ist. Und das alles nur weil das eigene Ego im Weg steht um einzusehen, dass man sich nicht ausreichend Gedanken darüber gemacht hatte und/oder Mist gebaut hat, als man solchen Leuten Geld in den Rachen geworfen hat.

    Ignoranz ist des Menschen schlimmstes Verhängnis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  17. dabba

    dabba
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    Ja, da hast Du recht.

    Ein Rechtssystem mit angewandter Todesstrafe braucht Henker, ob in China oder den betroffenen US-Bundesstaaten. Für vermutlich viele Menschen kein schöner Beruf, aber irgendwer macht ihn - und bezieht daraus seinen Lebensunterhalt.

    Ob und was "gut" ist, muss jeder selbst wissen. Es gibt keine höhere Macht, die darüber urteilt.
     
  18. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Ist es das was du denkst, wenn du Abends an einer Straße vorbeigehst und siehst wie ein Typ gerade eine Frau misshandelt? Er muss selber wissen, ob das gut ist und fertig, dann gehst du weiter nach Hause, setzt dich auf die Couch und guckst die 22 Uhr Soap? Sonst versteh ich nicht was du mit dieser Aussage zum Ausdruck bringen willst. Natürlich müssen wir über gut und böse urteilen um einzuschätzen, ob wir uns gegen etwas erheben sollten.
     
  19. dabba

    dabba
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    Kommt auf den Einzelfall an. Wenn ein Ladendetektiv eine frisch geschnappte Diebin etwas härter als unbedingt nötig anpackt, könnte ich Sympathie für ihn empfinden. ;)

    Ich schrieb ja nicht, dass ich alles gut finde. Es geht hier aber nicht um mich und meine Moralvorstellungen, schließlich ist das hier das GSPB und nicht dabbas Blog. Sondern um die Frage, ob und wie eine verruchte Dienstleistungs-Branche kontrolliert werden kann. Diese Frage lässt sich nicht klären, indem man die Debatte mit einzelnen Meldungen emotionalisiert. So wie man das Thema Alkoholpolitik nicht mit Berichten über einzelne Alkoholkranke behandeln kann.
     
  20. Hank J.

    Hank J.
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    erkläre das doch mal einem polizisten, nachdem du ihm ins gesicht geschlagen hast. 'ja meiner ansicht nach war es gut und richtig, ihnen ins gesicht zu schlagen, herr polizist, gibt ja keine höhere macht die mir vorschreibt dass dem nicht so ist lol'
     
  21. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Alkohol in geringen Mengen unschädlich ist, wohingegen ein bisschen Prügel und Misshandlung es immer noch nicht ist. Nicht alles hat diverse Grauabstufungen, nicht alles muss man differenziert betrachten, auch wenn der Mensch einen Einordnungsfetisch besitzt. Es gibt auch Dinge die einfach nur Scheiße sind, von der geringsten bis zur größten Ausprägung, und unfreiwillige Prostitution ist eine davon.
     
  22. dabba

    dabba
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    Du möchtest die Rechtslage als Gradmesser heranziehen?

    Kannst Du natürlich machen: Dann ist Prostitution "gut", weil legal. Drohungen und Körperverletzungen sind "schlecht", weil nicht legal. Dann können wir den Thread schließen. ;)
     
  23. Hank J.

    Hank J.
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    auch im legalen rahmen kann man unrechtmässige dinge tun. prostitution ist zwar legal, aber nur nach bestimmten richtlinien, die nicht immer eingehalten werden.
     
  24. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Die Legalität macht es vor allem für die kriminellen Segmente einfacher, weil sie so einen rechtlichen Schlupfwinkel haben, hinter dem sie sich verstecken können. Und der Bürger kann sein Gewissen beruhigen weil jetzt ja alles legal ist. Wer sich mal damit auseinandergesetzt hat, wie die Polizei in einigen Bundesländern Angst vor kriminellen Großfamilien hat und nicht Herr der Lage wird, der kann sich an einer Hand abzählen wie aktiv die Polizei dagegen vorgehen wird, wenn irgendwo rauskommt dass irgendwo im Hintertürchen derer Bordelle irgendwas nicht nach Richtlinie gemacht wird. Da lachen die Betreiber drüber.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Februar 2018
  25. dabba

    dabba
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    Also wärst Du dafür, Prostitution zu verbieten?
     
  26. Hank J.

    Hank J.
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    andererseits treibst du freier und prostituierte bei einem verbot komplett in die kriminalität. so unschön die geschichte der frau auch ist, die du gepostet hast, sie konnte wenigstens damit aufhören. bist du erst einmal in der hand von menschenhändlern und mafia, dürftest du die szene nur mit den füssen voran verlassen.
     
  27. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Ich glaube die brutalen Bordelle decken ihren kompletten Bedarf auch so mit der Anzahl der Frauen die sie brauchen, unabhängig davon wie viele in den "besseren" untergekommen sind. Würde es die besseren nicht geben, würden die illegalen trotzdem ihre Hütten weiterhin gleichermaßen Füllen.
     
  28. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Die mit Zuhälter ja. Wenn eine wie schon erwähnt ihre private Eskort-Seite aufmacht und sich selber "vermarktet" ist das ihre Sache, aber alles wo n breiter Typ drüber steht und die Frauen "zurechtweist" gehört meiner Meinung nach verboten.
     
  29. Allquantor

    Allquantor
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    Ist halt die Frage, wie man Zwang im Arbeitsleben definiert. Wenn jeder unfreiwillig arbeitet, der seinen Job nicht aus Begeisterung macht, sondern weil er Geld vedienen muss, dann arbeiten wohl die meisten Prostituierten, aber auch die meisten Niedriglohnjobber unfreiwillig. Und hier sehe ich besonders bei konservativen Prostitutionsgegnern eine Doppelmoral: Wenn eine Frau gezwungen ist, für Mindestlohn den Dreck anderer Leute wegzuputzen oder sich bei Amazon wie eine menschliche Maschine benutzen zu lassen, dann ist alles in Ordnung. Wenn die Frau aber sexuelle Dienste anbietet und damit ein Vielfaches verdient, dann ist auf einmal ihre Menschenwürde verletzt. Auch wenn sie diese Arbeit als geringere Zumutung empfindet.

    Ich persönlich bin für ein BGE oder zumindest für die Abschaffung der H4-Sanktionen. Solange Menschen aber gezwungen sind, zu arbeiten, finde ich es heuchlerisch, diesen Umstand nur bei Prostitution als Argument für die Unfreiwilligkeit der Arbeit zu werten.


    Dass die meisten Eltern das nicht wollen, muss nicht in erster Linie mit Empathie zu tun haben. Viele Eltern wollen auch keinen schwulen Sohn.

    Als Antinatalist werde ich meiner Tochter jegliche Arbeit ersparen, indem ich sie gar nicht erst zeuge ;) Hätte ich aber eine Tochter, dann würde ich ihre Berufswahl respektieren. Optimal fände ich es nicht, wenn sie als Prostituierte arbeiten würde, aber ich fände es auch nicht optimal, wenn sie als Putzfrau oder im Schlachthaus arbeiten würde. Weil ich sicher bin, dass es Jobs gibt, mit denen man glücklicher wird.

    Gilt ja auch auch für andere Gewerbe. Man liest immer wieder über moderne Sklaverei in der Fleischindustrie. Kaum jemand fordert deshalb ein Fleischverbot. Obwohl es dafür noch andere Argumente gäbe - schließlich werden die Tiere in jedem Fall ausgebeutet.
     
  30. dabba

    dabba
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    Genau das ist ja heute schon offiziell so.

    Prostituierte müssen in Deutschland selbstständig arbeiten, Zuhälterei ist verboten. Bordelle sind rechtlich so ähnlich wie Bürogebäude: Die Prostituierte mietet sich ein, darf auch bestimmte gemeinsame Räume mitnutzen, ist aber vom Haus nicht fest angestellt und muss sich auch nicht zwingend an das hausübliche Preisgefüge halten. Aus diesem Grund waren damals die Flatrate-Angebote rechtlich umstritten.
     
  31. Terranigma

    Terranigma
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    Das ist erneut der entscheidende Punkt: wenn. Ich tue mir schwer damit zu glauben, dass jemand es ernsthaft als geringe Zumutung empfinden kann, tagtäglich von wildfremden Männern gefickt zu werden. Einzelne werden das ganz gewiss können, das stelle ich nicht in Abrede. Ich gehe aber nicht davon aus, dass viele das können, und ich gehe ebenso nicht davon aus, dass viele Prostituierte das auch wirklich so sehen. Gerade nicht jene, die keine Exit-Option haben, wie z.B. eine Studentin, die es als Nebenjob betreibt und jederzeit weiß, dass es nur ein Zuverdienst ist auf Zeit ist, den sie aber auch jederzeit beenden kann.

    Die Unfreiwilligkeit der Arbeit ist auch nicht der Punkt. Die meisten Menschen arbeiten unfreiwillig; kein Kind kommt mit dem Wunsch zur Welt, später Arbeitnehmer mit 40-Stunden-Woche in einem Betrieb zu werden. Selbst wenn man seine Arbeit mag, ist der Gefallen an der Arbeit wohl nicht der ursächliche Grund, das man sie aufnahm, sondern eine Konsequenz. Die meisten würden dementsprechend wohl auch nicht mehr zur Arbeit gehen, würden sie ihr Gehalt bekommen, ganz unabhängig davon, ob sie arbeiten oder gehen nicht. Der entscheidende Punkt ist die Qualität der Arbeit: und zwischen Bus fahren, Klos putzen, Kaffee servieren und sich ficken lassen, da sehe ich signifikante Unterschiede. Das erste mag unschöne, harte oder auch triviale Arbeit sein, aber sie verletzt nicht die Intimsphäre.
     
  32. Hank J.

    Hank J.
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    naja, wer in der halblegalität operiert hat in der regel eine gewisse hemmschwelle, in die komplette illegalität abzurutschen. versiegt der legale markt, wird eben ein schwarzmarkt errichtet. den gibt es mit sicherheit jetzt auch schon, der dürfte aber überschaubar sein. dass die polizei in deutschland an inkompetenz kaum zu überbieten ist, hat ja damit nichts zu tun.
     
  33. Wolfsgesicht

    Wolfsgesicht
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    Nein, da liegst du falsch. Es gibt verschiedene Formen der Zuhälterei, die Verboten sind (http://www.rechtsanwalt-sexualstrafrecht.de/181a-stgb-zuhaelterei/). Es ist per se nicht verboten Prostituierte unter seine Fittiche zu nehmen und zu beschäftigen, und wenn da etwas gegen die o.g. Regeln verstößt, muss das auch erstmal rauskommen. Und dann muss es auch Zeugenaussagen geben und ein Verfahren. Du kannst dir selber denken wie motiviert Huren sind auszusagen, wenn sie vorher ordentlich bearbeitet bzw. bedroht werden.

    Würde es rein nach Gesetzeslage gehen würde es in diesem Land exakt 0 Verbrechen geben. Aber die Kriminale Branche lebt von Drohungen und Erpressung, um mögliche Zeugen zum Schweigen zu bringen.
     
  34. Hank J.

    Hank J.
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    ist halt die frage, ob du sex mit einem handschlag gleichsetzen möchtest. die meisten menschen tun das nicht, weswegen die hemmschwelle zwischen händeschütteln und geschlechtsverkehr unterschiedlich ausfällt.
     
  35. Allquantor

    Allquantor
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    Was jemand als Zumutung empfindet, ist sehr individuell. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, jeden Tag fremden alten Leuten den Hintern abzuwischen oder die Windeln zu wechseln. Ich würde daraus aber nicht ableiten, dass Altenpfleger grundsätzlich unfreiwillig arbeiten.

    Dass Prostitution für die meisten Frauen kein Traumjob ist, versteht sich von selbst. Dass aber Prostitution für jede Frau die größtmögliche Zumutung sein muss und jeder andere Job weniger belastend ist, halte ich für eine grundlose Behauptung.


    Und was ist, wenn eine Frau sich lieber ficken lässt als jeden Tag 8 Stunden Klos zu putzen oder am Fließband zu stehen?
     
  36. Fiesfee

    Fiesfee
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    Das hat er doch bereits alles ausgeführt. Er trifft nirgendwo absolute Aussagen, dass jede Frau dies oder das usw. Die hohe Verbreitung von Drogen in dem Milieu legt aber doch nahe, dass sehr viele Prostituierte nicht wirklich glücklich mit ihrer Lage sind.

    Da hättest du ihn ganz zitieren müssen.

    Für meinen Teil kann ich sagen: Ich würde sicherlich lieber 12 Stunden Klo putzen als ggf. mehrfach pro Tag mit Typen ins Bett zu steigen, die ich evtl. eklig finde.
     
  37. Faulpelz II

    Faulpelz II
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    Ohne jetzt Prostitution verteidigen zu wollen: Das wäre nur ein sinnvoller Vergleich, wenn auch die Entlohnung vergleichbar wäre. Ich denke, dass Prostitution für manche Frauen so lukrativ ist, dass andere (ohne höhere Qualifikationen erreichbare) Jobs einfach deutlich abstinken. Aber wahrscheinlich hängen da dann auch viele Familien in Ost- und Südeuropa dran. Und eben Zuhälter, die die Kohle abgreifen. Da muss man sich auch fragen, wie freiwillig das Ganze dann ist.
     
  38. Xiang Helikoptervater

    Xiang
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    Alao wäre es dir lieber die Dame würde als Harzer vor sich hinvegetieren?
     
  39. Shintaro - Steilenmein

    Shintaro - Steilenmein
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    Dumme Unterstellung. Ich glaube wenn er frei wählen dürfte würde er wohl allen ein schönes, selbstbestimmtes Leben ohne Geldsorgen wünschen.
    Da sein Wunsch aber wohl nicht in Erfüllung gegen wird, kann er zumindest die Probleme aufzeigen die mit Prostitution einhergehen...
     
  40. Terranigma

    Terranigma
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    Im Vergleich zur Prostitution: ja. Ansonsten ist das ein falsches Dilemma, weil es abseits von Hartz IV und Prostitution noch eine Welt gibt, und man nicht nur aus diesen beiden Optionen wählen kann. In ihrem Fall mag es fast zu spät sein. Das ist eine Karriere als Nutte im Endstadium. Das muss aber nicht bei allen so verlaufen.

    Eine ordentliche Schulbildung und eine Berufsausbildung stellen schon mal eine.gute Grundlage dar, noch andere Optionen zu haben.
     
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