Geschlechtergerechte Sprache - Wie seht ihr das?

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von hohesZeh, 6. Oktober 2020.

  1. PS5next Helli ist mein Präsident!

    PS5next
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    Schlimmer als die Binärpräfixe vs Dezimalpräfixe Diskussion. :topmodel:
     
  2. Jan Shepard

    Jan Shepard
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  3. Terranigma

    Terranigma
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    Tut man doch weiterhin. Viele tun es nicht, viele tun's. Ob jemand daran Anstoßt nimmt hängt davon ab, mit wem man spricht. Wobei der Fall im Englischen eben auch einfacher ist, weil der Artikel selbst generisch ist, d.h. man kann "the actor" in Bezug auf Männer und Frauen durchaus verwenden, eben weil es kein grammatisches Geschlecht ausdrückt. Im Deutschen ist's aber "der Lehrer", sodass man sich dabei nur schwer eine Frau wird vorstellen können. An der Stelle greift daher auch der Deutsch-Englisch-Vergleich im Artikel nicht.

    Ansonsten würde ich da durchaus mitgehen, und auch als homosexueller Mann sagen: Ich fühle mich nicht diskriminiert, wenn man Sexualität sprachlich nicht abgebildet wird. Weshalb? Because I don't give a shit. Es ist schlichtweg irrelevant. Sprache muss als Kommunikationsinstrument praktikabel sein, und dass ist's nur, solange es die Komplexität der Realität nicht abbildet. Sprache verallgemeinert, und das muss sie tun und nutzbar und verständlich zu sein. Der Hinweis, dass man sich bei "Lehrer" zumeist einen Mann vorstellt ist korrekt. Allerdings stellt sich bei "Baum" nicht jeder Mensch denselben Baum vor, d.h. wenn ich mit mit jemanden über "Bäume" unterhalte, so ist davon auszugehen, dass ich ein anderes Bild vor Augen habe als mein Gesprächspartner. Auf dieser Abstraktionsebene können wir aber kommunizieren und müssen nicht im Einzelnen ausdiskutieren, wie genau diese Bäume denn aussehen. Insofern würde ich sagen, dass Verallgemeinerungen, Abstraktionen, o.Ä. sinnvoll sind.

    Das Problem mit'n Deutschen ist nur eben - und deshalb greift für mich auch der Vergleich auf Hautfarbe, Religion, u.Ä. im Artikel nicht - weil das Sprachsystem selbst das Geschlecht explizit nennt. Dies ist also nichts, was Feministen nun nachträglich in die Sprache bringen wollen, da wir Personenbezeichnungen anhand des Artikels durchgehend mit einem Genus kenntlich machen, eben "der Schriftsteller", "der Autor" und nicht "das Autor." Wir können ebenso nicht "die Schriftsteller" sagen. Als Selbstbezeichnung mag man das gerne so wählen, aber sobald ich in der dritten Person über jemanden schreibe, funktioniert's nicht mehr.

    1. "Frau ABC ist Autor."
    2. "Sie ist Autor des Romans XYZ."
    3. "Der Autor [gemeint: eine Frau] des Romans heißt ABC."
    4. "Die Autor [gemeint: eine Frau] des Romans heißt ABC."

    Satz 1 und 2 mag man noch irgendwie akzeptabel finden, obwohl's sich in meinen Ohren falsch anhört. Satz 3 und 4 wird aber kaum jemand als akzeptables Deutsch empfinden. In Satz 4 verwendet man einen weiblichen Artikel für ein männliches Nomen - und das is'n Verstoß gegen das grammatische System und ein Fehler im klassischen Sinne. Einzig Satz 3 wäre im Sinne des Artikels eine Option, d.h. man müsste in solchen Fällen den männlichen Artikel "der" verwenden, wenn man eigentlich "die" meint.


    Im Englischen gibt's dieses Problem, im Deutschen allerdings schon. Und da bin ich jetzt mal konservativ: Es würde mir schwer fallen mich daran zu gewöhnen, Frauen in Zukunft mit "der" zu bezeichnen. Genauso wenig würde ich mich selbst als "Lehrerin" bezeichnen oder angesprochen fühlen, wenn jemand sagt "Da drüben ist die Lehrer." :parzival:
     
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