Toleranz und Vielfältigkeit bei GameStar, GamePro & MeinMMO

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zu Gamestar-Artikeln" wurde erstellt von Mary Marx, 9. Juli 2019.

  1. Avior

    Avior
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    Mein Problem war und ist immer noch mit dem User, dass wir wirklich eine faktisch, theoretische Gleichberechtigung haben, aber wir haben keine reale Gleichberechtigung. Zusätzlich, wie ich bereits schrieb, finde ich die Wortwahl in einigen Beiträge viel zu hochgegriffen, obwohl es in einigen Fällen einfacherere Wörte gegeben hätte. Daher meine Einschätzung mit dem Elfenbeinturm, da mMn seine Sprache eher in einem akademischen Rahmen passt und nicht in eine öffentliche Diskussion in einem Computerspiel Forum.
    Ich behaupte nicht, dass meine Ansicht gut und richtig ist und ich weiss, dass ich häufiger übers Ziel hinausschiesse. Aber gerade deshalb wäre es mir wichtig gewesen, dass Vicarocha sich einer einfacheren Sprache bedient, um seiner Argumentation besser folgen zu können.
    Inzwischen sehe ich das auch nicht mehr als wirklich schlimm bei dem Lesen seiner Beiträge.

    Nein, ich möchte nicht von oben herab oder mnit Zwang irgendwas machen. Ich möchte nur aufzeigen, dass es Problem gibt, die wir uns als Gesellschaft stellen müssen, sollten wir eine reale Gleichberechtigung anstreben.
    Und Nein, ich sehe Menschen als eigenständige Personen an. D. h. dass es eine Minderheit geben kann, der ich nicht angehöre und die für sich gewisse Rechte will und zum Teil fordert und zwar hier eine spachliche Repräsentation. Menschen, die das ablehnen, sind weder gut noch böse sondern sind schlicht aus Gründen dagegen.

    Solange wirklich Freiwilligkeit gegeben ist, ist das auch kein Problem. Ich möchte niemanden zwingen irgendwas zu machen. Nur glaube ich, dass dies keine wirkliche Freiwilligkeit ist, da über die Sprache durch die Gesellschaft für die Berufswahl eine gewisse Richtung für Mann und Frau vorgegeben wird. In dem Video welches VaniKa weiter oben verlinkt hat wird dies sogar angesprochen. Ich weiss nicht, ob das stimmt oder nicht, aber wenn alles ist was ich machen muss Ingeneur:in zu schreiben, um vielleicht eines fernen Tages aus meinem Grab zu sehen, dass Frauen in bestimmten Berufen nicht mehr als unfähig oder Männer als Pädophile angesehen werden. Dann bin ich bereit das zu machen.

    Okay, dann habe ich deine Haltung falsch verstanden und wir können uns darauf einigen.
     
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  2. Joss

    Joss
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    In diesem Artikel kann man schön sehen, wo man mit seinen "Argumenten" gegen Diversity zu stehen kommt. Das komplette Wording "Virtue-Signalling, Heuchelei, verlogen, Marketing, Zwang" ist ein Echo der rechten Ecke. Aber natürlich ist man selbst nicht rechts, ist ja klar. Man nutzt nur zufällig dieselbe Sprache.
     
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  3. Vicarocha

    Vicarocha
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    Zunächst einmal möchte ich deinem ersten Satz zustimmen, nur um direkt im Vorfeld Missverständnissen vorzubeugen.

    Aber zu deiner "Wording"-Kritik und den Implikationen, die ich darin meine wahrzunehmen: Die Welt kann so einfach sein, oder? Wir gegen die! Gut gegen Böse! Links gegen Rechts! Schwarz-Weiß-Malerei, Dichotomisierungen noch und nöcher... und das in einem Thread zum Thema Pluralität, zum Thema Diversität, eine Themensetzung, die bereits nahelegen sollte, dass es mehr als nur zwei Positionierungsmöglichkeiten gibt, mehr als nur Schwarz und Weiß, eben das gesamte Farbspektrum (oder zumindest ein uneingeschränktes Spektrum unterschiedlicher Grautöne). Aber warum differenzieren, wenn das Prinzip guilt by association, wenn non sequitur-/cum hoc ergo propter hoc-Fehlschlüsse doch so genehm sind? Und darum geht es mir in meiner folgenden Kritik. Ein buzzword genügt für die Diffamierung des Gegenübers, so es denn irgendwie, irgendwann und irgendwo von irgendwem genutzt wurde, der irgendwo am äußersten ideologischen Rand stagnierte. Die eigenen buzzwords, die einen nach der Logik auch in fragwürdigste Gesellschaft rücken würden, sind natürlich tadellos... selbst wenn das kritisierte "Wording" ("Heuchelei, verlogen, Marketing, Zwang") 1:1 von Proponenten der eigenen Position genutzt wird. Das ist unreflektiert, bigott. Und wir unterhalten uns hier übrigens nicht(!) über tatsächlich eindeutige Begriffe, wie sie sich bspw. regelmäßig auf Seiten der AfD in den öffentlichen Raum erbrechen.
    Natürlich: Wenn man ideologisch am äußersten rechten Rand vegetiert, dann ist jede andere Position per definitionem links. Wenn man ideologisch am äußersten linken Rand vegetiert, dann ist jede andere Position per definitionem rechts, die Beispiele S. Wagenknecht und W. Thierse wurden bereits genannt. Das ansatzweise Beruhigende ist aber, dass sich Radikale und Extremisten in erster Linie erstmal selbst auf ihrer jeweiligen Seite zerfleischen, bevor sie das tatsächliche politische Pendant auf der anderen Seite des politischen Spektrums attackieren (was aber weit davon entfernt ist, ein Plädoyer für Appeasement zu sein). Statt aber einfach über das Gap beim Hufeisen zu blicken - der Graben ist nicht so weit, nicht so tief, der Feind ist doch eigtl. ganz nah - pflügt man lieber über den ganzen Bogen des Hufeisens, von ganz rechts nach ganz links, von ganz links nach ganz rechts, und mäht einfach alles um, was da im Weg steht; Kollateralschäden. Ich habe G. W. Bush schon zitiert, Ideologiekritik wurde bereits geübt. Ich muss das nicht wiederholen.

    Und nicht falsch verstehen: Die Junge Freiheit ist der letzte Rotz, der wird hier nicht das Wort geschrieben, im Gegenteil: Der kreide ich im Gros all das an, was ich gerade kritisiert habe, da sind wird d'accord, dass die sich größtenteils rein ideologisch gg. Diversity und Co. positioniert (wobei ich zugestehen muss, mit dem 'Oeuvre' der JF kaum vertraut zu sein - die paar Snippets, die ich kenne, waren schon abschreckend genug). Aber die Kritik trifft auch bspw. die (eingestellte) ze.tt, da sieht man auch, wo man mit einem ideologischen Bias "zu stehen kommt."
    Und ebenfalls nicht falsch verstehen: Mit Radikalen und Extremisten diskutieren zu wollen, ist regelmäßig nicht ergiebig, vergebene Liebesmüh, quasi wie mit einer Taube Schach zu spielen. Aber ich kann nicht anders, ich mag ja Schach (und hier ist das Wetter wieder so beschissen, dass ich wieder nicht rausgehen mag): Kritisiert werden hier unredliche, ja niederträchtige Seitenhiebe unter die Gürtellinie, ad hominem-Angriffe aus dem Off, die das einzige Ziel haben, Widerspruch (und ich schreibe nicht von der 'Gegenseite', weil es eben nicht das politische Pendant trifft, sondern jeden Widerspruch) maximal verächtlich zu machen, sie in die gegenüberliegende ideologische Ecke zu drücken, sich auf keinen Fall inhaltlich mit diesem Widerspruch auseinanderzusetzen (die naheliegende Vermutung: Bias-induzierte, ideologische Kognitive Dissonanz; intellektuelle Überforderung; Trolling etc.). Der öffentliche Diskurs soll(!) ja dichotomisiert werden, soll(!) ja hermetisiert werden. Aber man ist ja natürlich nicht radikal, nicht extrem. Man agiert nur zufällig exakt so. Oder habe ich da komplett falsch interpretiert, was du eigtl. schreiben wolltest? Ich habe ja immerhin den Begriff "virtue signalling" in #1594 verwendet (mit "Triggerwarnung", weil ich mit so einer Reaktion, wie deiner, eigtl. deutlich früher gerechnet habe - Erfahrungssache und so). Irre ich mich, wenn ich annehme, dass du mich und andere Diskussionsteilnehmer hier einfach mal - gg. alle Evidenz, gg. alle Erklärungen, Positionierungen, Argumente und Co., die diese Annahme bereits im Keim ersticken sollten - in die rechte Ecke stellen wolltest, mit deinen vier Sätzen? Und ja, da hat mich dein Kommentar jetzt, mit Blick auf deinen letzten Kommentar, dessen Interpretation meinerseits du ja nicht korrigiert hast, getriggert. Wolltest du eigtl. etwas anderes ausdrücken, ignorier einfach das Gros von dem, was ich schrieb... außer der Ideologiekritik.

    EDIT: Tippfehler korrigiert... was davon noch übrig ist, darf der Finder behalten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Juni 2021
  4. Vicarocha

    Vicarocha
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    Siehst du, wenn Missverständnisse ausgeräumt werden und niemandem Ideologie im Weg steht, ist ein produktives Gespräch doch ganz und gar möglich! Freut mich. :-)
     
  5. Hank J.

    Hank J.
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    das ist ein unreflektierter beissreflex marke 'pudel sind hunde, also sind hunde pudel' oder um dem kontext eines spieleforums gerecht zu werden, 'amokläufer spielen videospiele, also sind videospieler amokläufer'. um deinen vorwurf ganz konkret auszuhebeln, zitiere ich einfach mal Chomsky bzgl. der reaktion auf den Harper-brief, den er ja auch unterschrieben hat:

    The only interesting thing about the letter, far as I'm concerned, is the reaction, I was very surprised by the reaction, but the reaction indicated to me at least, that whatever the problem is, it's worse than I thought.
    [...]Why should anybody object to that, or for that matter, why should anybody even bother signing this because it's all so obvious?
    The natures of the criticisms were of some interest, including the people who I respect, admire, think highly of. A lot of protests were against the people who signed it. How could you sign a letter that was signed by X? If you stop to think for a minute that criterion would bar every statement, when you sign a statement, you have no idea who's going to sign it or who did sign.

    So if you accept the principle that you can't sign a statement if somebody who people don't like or maybe you don't like signs, then you don't sign anything. So there's no statement. I don't know how to deal with this level of irrationality, something is plainly behind it. These are sane people. So what leads to that level of irrationality? Well, I can think of one authentic criticism of the letter that could be raised maybe some raised, namely, it didn't go far enough.

    nun möchte ich Chomsky nicht als autoritätsperson verstanden wissen, das würde seinen eigenen überzeugungen wohl auch widersprechen. man muss seinen gedanken bei diesem thema auch nicht zustimmen. es geht hier nur darum zu demonstrieren, dass deine präsupposition zwingend erfordert, Chomsky als rechts einzustufen, denn die freie rede wird ja oftmals als rechte dogwhistle a la 'das wird ja man noch sagen dürfen' karikiert. Chomsky ist linksradikal, aber er ist z.b. auch ein gegner davon, holocaustleugnung strafrechtlich zu verfolgen. diese position kann man teilen oder auch nicht, aber nach deiner analyse direkt aus dem biergarten würde das heissen, Chomsky ist so weit rechts, dass er im neo-nationalsozialistischen spektrum zu verordnen ist, denn die sind sehr interessiert daran, ungestraft den holocaust leugnen zu können.
     
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  6. Ixalmaris

    Ixalmaris
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    Wie definierst bzw. erkennst du eine reale Gleichberechtigung?
     
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  7. White Saturn

    White Saturn
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    Motherboard:
    ASRock H97 Pro4
    RAM:
    16 GB
    Laufwerke:
    BluRayBrenner, 512 GB SSD, 2TB HD, 500GB HD, 8TB HD
    Soundkarte:
    Realtek ALC892
    Maus und Tastatur:
    Roccat Tyon; Cherry Tastatur
    Betriebssystem:
    Win 10
    Monitor:
    Samsung FullHD
    Keine Angst haben zu müssen, auf offener Straße erschlagen zu werden wenn ich meinem Partner die Hand halte.
     
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  8. Vicarocha

    Vicarocha
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    Hmmm... du wünschst dir also, wie eigtl. quasi alle hier, dass deine Mitmenschen einfach keine unethischen, empathielosen, gewaltaffinen, menschenverachtenden, ideologischen Arschlöcher sind, dass Menschen ihre Mitmenschen mit Würde und Respekt, ja gem. der goldenen Regel behandeln, sie als gleichwertig ansehen und ihnen gleiche Rechte einräumen? Ausgezeichnet. Aber da ist der Begriff "Gleichberechtigung" ja nicht passend, da der Staat ja - um bei deinem Beispiel zu bleiben - Mord und Totschlag an bspw. homosexuellen Paaren eben nicht konkludent oder explizit billigt, eben nicht auf Basis ihrer Identität den einen Menschen mehr und den anderen Menschen weniger Rechte zubilligt. Was du dir wünschst, das könnte man mit dem Ruf nach bspw. mehr Aufklärung beschreiben, nicht als Kampf für Gleichberechtigung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juni 2021 um 09:15 Uhr
  9. CortiWins

    CortiWins
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    Laut Gay Travel Index 2020 ist Deutschland auf Platz 10 von 202 mit postiven Werten, besonders bei den gesetzlichen Aspekten. Dafür, dass kulturelle Normalisierung üblicherweise Jahrzehnte braucht, sind Deutschland und die anderen gut gerankten Länder echt gut dabei. Man vergisst manchmal wie wenige Jahre es überhaupt erst her ist, seit inakzeptable Dinge wie Elektroschocktherapie für Homosexuelle oder "legale Vergewaltigung" in der Ehe erlaubt und normal waren.
    Soweit mir bekannt, kommt Akzeptanz automatisch mit Ausgesetzsein. Akzeptanz kann man nicht einfordern, sie passiert intrinsisch mit der Zeit.

    Toleranz ist was anderes. tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen") entlehnt. ( nicht von "toll finden") Dabei geht es also explizit darum, Menschen vernünftig zu behandeln obwohl man sie scheiße findet. Toleranz hingegen sehe ich als Konsequenz der Idee von Menschenrechten ansich. Jeder wird immer irgendwen aus irgend einem Grund scheiße finden. Man kann weder gesetzlich nun kulturell machen, dass jeder jeden für alles Mögliche oder trotz allem Möglichen toll findet. Aber man kann etablieren, dass es moralisch richtig ist, auch Menschen, die man persönlich scheiße findet, vernünftig zu behandeln. Ist auch echt nicht schwer. Fängt damit an nicht völlig Fremde für ihre Privatangelegenheiten anzuscheißen oder schlimmeres.
     
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  10. White Saturn

    White Saturn
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    Win 10
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    Es kommt vor allem mit Sichtbarkeit. Aber das verstehen selbst viele Schwule nicht und fallen auf solche Flosken rein: "Sexualität lässt man daheim im Schlafzimmer und sperrt es im Sex-Schränkchen ein."
    Du findest den selben Mist auch in einer romantischen Wohlfühl-Variante: "Mensch = Mensch, müssen wir uns denn dieses Prädikat auf die Stirn pappen?" Das ist alles Mist.

    Es ist immer eine Gratwandung und sie erfordert immer Mut, weil immer und immer abgewogen werden muss ob es sicher ist sichtbar zu sein. Und das sind am Ende eigentlich völlige Banalitäten. Wie zum Beispiel, deinem Partner in der Öffentlichkeit die Hand zu halten. Oder in einem Gespräch zu erwähnen, dass du mit deinem Ehepartner zusammen den neuen Film geschaut hast.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. Juni 2021 um 20:50 Uhr
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