Was lest ihr momentan?

Dieses Thema im Forum "Medienforum" wurde erstellt von Spartan117, 23. Februar 2016.

  1. HypNo5

    HypNo5
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    Nr 1 oder 2. Wenn ich eigentlich weiß was gemeint ist, es aber nicht 1:1 übersetzen kann, wird weitergelesen. Wenn ich es nicht recht verstehe oder mich ärgere, dass ich schon wieder vergessen habe was das Wort bedeutet, wird es nachgeschlagen.
     
  2. Guy Incognito

    Guy Incognito
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    Ich bin gespannt. Bei mir ist das manchmal stark vom Setting abhängig... mich lacht gerade eine gebundene Ausgabe von Lonesome Dove an. :schwitz:


    Früher habe ich immer mein einsprachiges Wörterbuch benutzt. Das kommt aber nicht mehr so häufig vor. Der Nachteil ist, dass ich viele Wörter nicht so gut ins Deutsche übersetzen kann, weil ich sie ohne Pendant gelernt habe. Bei Tieren, Pflanzen etc. suche ich mir immer ein Bild, da mir da oft auch die Übersetzung nichts brächte. :ugly:
     
  3. HypNo5

    HypNo5
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    Vor 15 Jahren kam der letzte Teil von Harry Potter raus und seitdem habe ich von J. K. Rowling nichts mehr gelesen, sondern eher nur noch Artikel über sie. Da meine Mitbewohnerin von dem Buch so geschwärmt hat, musste ich aber dann doch mal zu The Casual Vacancy greifen. Gelesen habe ich die deutsche Version (Ein plötzlicher Todesfall), die es in der Bücherei gab. Bei dem Titel hatte ich ebenso andere Vorstellungen und bekam dann doch keinen Kriminalfall. Das wurde mir aber schon vorher mitgeteilt.

    Das Buch ist bei Goodreads mit einer 3,3 überraschend schlecht bewertet. Spontan würde ich das wohl damit begründen, dass auf der einen Seite bei J. K. Rowling hohe Erwartungen, auf der anderen Seite ggfs. Hass (TERF usw.) mitschwingen. Auch wenn ich keine Freudensprünge vollführt habe, habe ich das gut 500 Seiten lange Buch sehr gerne lesen. Es handelt sich hier um eine Milieustudie des beschaulichen Ortes Pagford in England (ich musste immer an Hot Fuzz denken :ugly:). Der titelgebende Todesfall des beliebten wie umstrittenen Gemeinderatmitglieds Barry Fairbrother zieht sich durch die gesamte Gesellschaft und schlägt Wellen. Eine unliebsame Siedlung am Rande des Ortes, die direkt The Wire Vibes verströmt (Plattenbau, Drogen, Armut), soll aus dem Ort ausgegliedert und eine Drogenklinik geschlossen werden. Barry Fairbrother, der dort - in Fields - geboren wurde, war DIE Stimme gegen diese Maßnahme, nun ist er aber tot. Erzählt wird hier an sich recht wenig, denn überwiegend hat man lediglich einen Cast von circa 10 Personen, die ihr schwieriges Leben leben und auf diesen Tod und die Debatte um Fields reagieren.

    Meine Mitbewohnerin liebt das Buch, weil für sie alle Charaktere so lebensecht und unmittelbar vorstellbar sind. Das stimmt. Aber ich würde ebenso einwenden, dass sie plakativ sind und auch wenn man in Gedanken viel weiterspinnen kann, doch überwiegend auf wenige Charaktereigenschaften reduziert werden (die in ihrer Ehe frustrierte MILF, der in das neue Mädchen verliebte Junge usw.). Nichtsdestotrotz wird hier schön eine kleine Gesellschaft gezeichnet, dessen jüngste Geschichte, Sorgen, Hoffnungen, zwielichtige und berühmte Gestalten man intensiv kennenlernt. Auch wenn nach meiner Lesart hier eindeutig Protagonisten und Antagonisten konstruiert werden, kann man die Persönlichkeiten und ihre Handlungen nachvollziehen. Gegen Ende war es mir dann zu viel Drama und Extremsituation.

    Am meisten überrascht hat mich wie explizit Rowling hier, vor allem wenn man sie nur von Harry Potter kennt, Sex beschreibt. :ugly:

    Klar, wenn du auf Western stehst, dann sind Butcher's Crossing und Lonesome Dove großartig. Augustus ist halt antikes Rom und Stoner (bei dem Titel hatte ich ursprünglich etwas ganz anderes erwartet :ugly:) Universität. Vom Setting sind das schon sehr unterschiedliche Bücher.
     
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  4. Helli LI-LA-LAUNELÖWE Moderator

    Helli
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  5. Guy Incognito

    Guy Incognito
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    Butcher's Crossing war mein erster Western-Roman (Anti-Western?), aber ich mag das Thema Einsamkeit in der Natur (+ Selbstfindung, Selbsterhaltung oder Selbstzerstörung).

    Ich fand's sehr spannend, wie erst Will Andrews romantische Vorstellung vom Wilden Westen erodiert wird und sich dann sein ganzes Selbst langsam aufzulösen beginnt. Auch Millers fast schon dämonisches Gesicht, das Andrews in einer (Wahn-)Vorstellung mit leuchtenden Augen in der Dunkelheit immerzu anzustarren scheint, war in diesem Kontext ein sehr eindrucksvolles Bild. Von der dichten Atmosphäre kann sich das letzte Buch aus meinem Shocktober 2021 (:zzz:) eine dicke Scheibe abschneiden.
     
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  6. HypNo5

    HypNo5
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    Obwohl ich Western sehr mag, habe ich literarisch so ziemlich gar nichts gelesen. Die Border Trilogy von Cormac McCarthy liegt hier schon seit Jahren ungelesen, weil ich in seinen Schreibstil einfach nicht reinkomme. Selbst auf Deutsch ist mir das alles viel zu metaphorisch und blumig geschrieben - ich stehe wirklich nicht so sehr auf ausführliche Beschreibungen. Warlock von Oakley Hall möchte ich schon lange lesen, aber das ist zu teuer dafür dass ich nicht weiß, ob es mir gefällt. Ansonsten ist Lonesome Dove die beste Option, da es auch als eines der besten Bücher des Genres zählt (mit einer schrecklichen Darstellung von amerikanischen Ureinwohnern). Bei Einsamkeit in der Natur könnte ich dir noch Into the Wild und The Call of the Wild empfehlen. Mir liegt diese Thematik auch sehr.
     
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  7. Guy Incognito

    Guy Incognito
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    Darn it ... :schreiben:
     
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  8. Lurtz lost

    Lurtz
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    Schrecklich im Sinne von biased?

    Ich glaube bei McCarthy muss man einfach in einen Modus kommen, es wie ein Filmskript runterzulesen und Bilder wie in einem Film im Unterbewusstsein entstehen lassen. Sonst funktioniert es nicht.
    Aber das sind schon harte Brocken die Dinger, ja...
     
  9. JerseyRyan

    JerseyRyan
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    School of Chocolate

    Man nehme einen der talentiertesten Pastry-Chefs der Welt - Amaury Guichon - und verwurste ihn in einer Standard-Koch-Gameshow.

    Ganz ehrlich: Jedes 5-Minuten Youtube Video von Amaury war 10 mal interessanter und eindrucksvoller als eine einzige Episode von der Show. Man sieht zwar auch, wie eine Handvoll der Techniken funktionieren, aber wirklich im Detail gezeigt wird hier nichts. Stattdessen geht es gefühlt nur darum, wer jetzt die 50.000 USD bekommt.

    Extrem Schade und was für eine vergebene Chance. Netflix hat auch ein paar sehr gute Shows über das Kochen (Chefs Table und Chef Show gehören für mich definitiv dazu).

    Falls jemand Amaury Guichon liebt, dann lohnt sich ein Netflix Abo für diese Show definitiv nicht.

    -----------------------------------

    Midnight Asia

    Now we're talking! Das ist so ziemlich eine der coolsten Dokus, die ich auf Netflix seit langem gesehen habe.* Kann ich nur empfehlen!

    *was vermutlich daran liegt, dass ich auf Netflix nicht so viele Dokus gucke, also hoffe ich hier mit meinem Post vermutlich, dass mir sehr viele Leute widersprechen und mir 10 Dokus empfehlen, die ja voll viel interessanter sind, als dieser Asia quatsch.

    :ugly:
     
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  10. roflkong3

    roflkong3
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    Falscher Thread?:topmodel:
     
  11. Lurtz lost

    Lurtz
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    Einmal ist der Lese- vor dem Anschau-Thread und schon passiert sowas :ugly:
     
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  12. roflkong3

    roflkong3
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    Wie könnt ihr nur!!!!!:ugly:
     
  13. HypNo5

    HypNo5
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    Jain. Lonesome Dove ist kein John Wayne und überwiegend ist die Perspektive eben die der weißen Cowboys, die in ihrer Vergangenheit viele Menschen getötet haben. Ebenso gibt es Personen, die mit den Leiden der amerikanischen Ureinwohnern sympathisieren. Aber die einzige Person die wirklich agency hat, ist der große Antagonist, der stereotyp blutrünstig ist, vergewaltigt, mordet und daran Spaß hat (so zumindest meine Erinnerung). Die Seiten geben sich also nicht viel, aber es ist nicht ausgewogen, da eben der Fokus auf den Cowboys liegt, die somit viel leichter humanisiert werden können. Die Comanche sollen aber auch hardcore gewesen sein.

    Zu McCarthy: ich visualisiere beim Lesen tatsächlich kaum bis gar nicht. Das sind bei mir nur flüchtige Bilder und bei Personen höchstens Schemen. Darum kann ich mit Beschreibungen von Orten und Personen wenig anfangen oder habe dann ein Bild im Kopf, welches der Beschreibungen völlig widerspricht (was für eine Überraschung, um bei JK Rowling zu bleiben, dass in den Filmen Draco Malfoy blonde Haare hat; oder so manche Schlachten bei Malaz, die ich geografisch so gar nicht einordnen kann). Keine Ahnung warum ich vor ein paar Jahren noch dachte Dramen wären nichts für mich. Die sind super, da nur Gespräche und keine Beschreibungen. :D
     
  14. Lurtz lost

    Lurtz
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    Fand die Einleitung zu meiner Version von Blood Meridian da ganz interessant. Wie beschrieben wird, wie schnell und stark Texas zu der Zeit besiedelt wurde (am schnellsten von alllen US-Bundesstaaten), und da das bei so vielen Verbrechen und Gräueltaten gar nicht hätte passieren können, man durch Literatur, Filme etc. aber immer das Bild des unfassbar blutigen Wilden Westen im Kopf hat :ugly:
     
  15. HypNo5

    HypNo5
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    Ich habe von der Thematik verdammt wenig Ahnung und natürlich ist so ziemlich alles an existierendem Wissen angelehnt an Romane, Filme & Co. Es ist zumindest schon mal ein Anfang zu wissen, dass es nicht "die Indianer" gab und nicht alle auf Pferden Büffel gejagt haben.

    Das History Matters Video ist dazu (wie immer) sehr lustig und informativ: https://www.youtube.com/watch?v=IKnKYZFKMP0

    https://www.youtube.com/watch?v=t1oNz92qJzw :D
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Februar 2022
  16. JerseyRyan

    JerseyRyan
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    Crap. :ugly:

    ^^ Das.

    Ich stehe mal zu meinem Fehler und lasse mein Schandwerk hier einfach mal stehen. Spricht ja viel dafür, dass der Lesethread mal etwas für mich wäre, da ich offentsichtlich nicht lesen kann :heul:

    Erinnert mich an einen Nebencharakter aus Gilmore Girls (ich weiß, falscher Thread, aber... bear with me!), eine von den blonden Groupies die bei der Band abhingen und unbedingt den Gitarristen beeindrucken wollten... was wiederrum der eher smarten Lane aus der Band nicht gefiel.

    Blondie: "Oh wow a guitar player who knows books! Man, I just wanna lock myself away for three year and you know... READ!"
    Lane: "Wow, three years. What book?"
    :hammer:
     
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  17. HypNo5

    HypNo5
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    Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust. :yes::ugly:
     
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  18. JerseyRyan

    JerseyRyan
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    Ich glaub für mich wäre eher sowas wie "Modernist Bread" die passende Lektüre. :ugly:
    Dabei mag ich gar kein Brot.
     
  19. HypNo5

    HypNo5
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    Conversations with Friends (2017), auch auf Deutsch, denn was die Bücherei hat, hat die Bücherei. Dementsprechend: Gespräche mit Freunden von der Irin Sally Rooney, die die letzten Jahre viel Aufmerksamkeit bekommen hat und als "eine Stimme ihrer Generation" gezählt wird. Zu Recht! Nicht direkt, aber sicherlich dieses Jahr werde ich definitiv Normal People ausleihen und dann hoffentlich ebenso gerne lesen. Das Buch hat genau in eine Kerbe geschlagen die ich mag und mich persönlich unmittelbar betrifft (die Autorin ist fast mein Jahrgang). Studium, Stunden in der Bibliothek, Essays über kulturelle Themen, Gender & Co., die Unwägbarkeiten der frühen Zwanziger usw. sind alles Erfahrungen, die ich entweder selbst gerade so durchlebe oder erst vor ein paar Jahren - ungefähr zur Veröffentlichung des Buches - durchlebt habe. Spät im Buch wird Greta Gerwig erwähnt, aber kennt man ihre Filme und die Kooperationen mit Noah Baumbach, weiß man schon sehr früh, woher hier die Inspiration geflossen ist. Hinzu kommt noch ein Hauch Richard Linklater und bissige, vielschichte Charaktere ala [hier fehlt mir eine spezifische Referenz], was sich vereint zu einem feuchten Traum meiner filmischen Vorlieben. Mit knapp unter 400 Seiten habe ich Gespräche mit Freunden nicht an einem Tag gelesen, weil mir für solche Aktionen auf meine alten Ende-20er-Zeiten die Konzentration fehlt, aber es ist ein heißer Kandidat um so ein Unterfangen durchzuziehen. ich habe es sehr gerne gelesen, hatte meinen Spaß, Grinsen im Gesicht, haben mal gelitten, ein bisschen gehofft und war durch und durch zufrieden. Die Geschichte an sich ist dabei sehr simpel: zwei junge Studentinnen, die zusammen Gedichte vortragen und früher ein Paar waren, freunden sich mit einem etwas älteren Paar an (Er: Schauspieler; Sie: Autorin/Photographin). Die Beziehungen entwickeln sich daraufhin wie man es teils erwartet, aber auch nicht. Wichtig ist das alles aber nicht, denn wie bei den cineastischen Vorlagen (ich behaupte das einfach mal) stehen Charakterzeichnung, Themen und Gespräche im Fokus. Echt ein tolles Buch, bei welchem ich mir fast schon sicher bin, dass es mir nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird, da es dann doch zu nahe an bereits bekannten Werken angelehnt ist, welches mich jedoch wunderbar unterhalten und mitgenommen hat. Auf ihr nächste Buch bin ich schon gespannt und wenn mir das auch so gut gefällt, behalte ich die Autorin im Visier und stalke sie in chronologischer Weise.
     
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  20. Core Concept

    Core Concept
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    Joe Abercrombie - A Little Hatred, The Trouble with Peace & The Wisdom of Crowds (First Law Series Books 7 - 9)

    So ungefähr 30 Jahre nach den Ereignissen der ersten First Law Trilogie stehen hier nun die Kinder der ehemaligen Protagnisten im Rampenlicht. In der Union hat die Industrialisierung begonnen, die die Kluft zwischen Arm und Reich aber nur noch vergrößert. Überall im Reich brodelt es aufgrund dieser Ungerechtigkeiten und ein einziger Funken könnte das Fass zur Explosion bringen. Für Savine dan Glokta stellt die Industrialisierung dank ihres ausgezeichneten Geschäftssinns und ihres furchteinflößenden Nachnamens ein reich gedecktes Buffet dar, an dem sie sich nach Lust und Laune bedienen kann und sie wird nicht Ruhen, bis sie überall ihre Finger im Spiel hat - koste es, was es wolle. Aber ihr schier grenzenloser Ehrgeiz kann leicht zum Samenkorn ihres Untergangs werden. Kronprinz Orso ist hingegen das komplette Gegenteil von Savine: ein Faullenzer, Lebemann und vor allem eine Lachnummer. Orso hat sich noch nie gefordert. Er ist aber bisher auch noch nie gefordert worden. Im Norden herrscht derweil (mal wieder) Krieg. Rikke, die Tochter des Hundsmanns wird von den Schergen Stour Dunkelstunds, dem Sohn des Schwarzen Calders, gejagt, der das Protektorat ihres Vaters überfallen hat. Als sich ihr bei einem ihrer Anfälle eine Vision offenbart, bietet sich ihr die Chance die Zukunft zu gestalten. Aber ist die Zukunft, die sie gesehen hat, überhaupt erstrebenswert? Leo dan Brock, Enkel des berüchtigten Verräters Lord Brock, kann es gar nicht erwarten in die Schlacht gegen Stour zu ziehen, um sich zu beweisen. Aber Krieg ist selten so glorreich wie in Leos Vorstellungen.

    Das waren wieder drei richtig vergnügliche Bücher. Abercrombie versteht es einfach, Figuren zu erschaffen, die zwar nicht unendlich komplex sind, aber Emotionen beim Leser hervorrufen. Sollten sie auch, denn die Welt, ist für eine Fantasyreihe sehr gewöhnlich, um nicht zu sagen langweilig. Mit Fantasyelementen war Abercrombie immer sparsam. Hier sind sie, auch wenn Bayaz, der erste der Magi, wieder seine Finger im Spiel hat, fast gar nicht mehr vorhanden. Macht nichts, denn der Autor zwingt seine Figuren hier wieder auf Wege, die selten mit einem Happy End belohnt werden aber den wahren Charakter offenbaren. Ich habe selten so über eine bestimmte Figur geflucht wie... ok, ich verrate es besser nicht. Was für ein Blödarsch.

    Was gibts zu kritisieren? Nicht viel. The Wisdom of Crowds beginnt zwar mit einem Paukenschlag, braucht dann aber etwas (zu) lange um wieder an Fahrt aufzunehmen und die Figur des Gunnar Breit gibt nicht viel her und ist eher Mittel zum Zweck um die Geschehnisse aus einer anderen Perspektive zu erzählen, als das er als POV-Figur wesentlich für die Handlung wäre. Zudem wird der übergeordnete Plot um Bayaz und die anderen Magier so gut wie nicht weitergeführt, dann werden aber am Ende des 9. Buches große Entwicklungen angeteasert. Auf zur nächsten Trilogie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2022
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  21. Lurtz lost

    Lurtz
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    Edward Snowden - Permanent Record

    Nach etwa einem Drittel bisher eher Autobiografie und Rechtfertigung seines Handelns, wieso er sich als überzeugter US-Patriot mit Abstammungslinie bis hin zur Landung der Mayflower gezwungen sah, mit seinen Enthüllungen an die Öffentlichkeit zu gehen, als thematisch wirklich tiefgehend, aber dennoch interessant. Durchweg schön geschrieben, mit spannenden Anekdoten und Herleitungen - würde mich mal interessieren ob ein Ghostwriter (ich vermute mal bei den allermeisten Autobiografen von Nicht-Schriftstellern wird einer aktiv sein) so klare Lebenswege trotz sehr unsteter Lebensläufe wie bei Snowden herstellen kann, oder ob Snowden als Whistleblower doch einfach in manchen Dingen eine andere Persönlichkeit als die meisten hat.

    Am eindrücklichsten wurden für mich bisher die steigende Abhängigkeit des Staates von der Privatwirtschaft durch die Verlagerung der Arbeitskraft von Beamten hin zu Auftragsabeitnehmern geschildert. In dem Zuge argumentiert er auch überzeugend, wieso das Framing der US-Behörden, dass er ja nur Contractor war, falsch ist.
    In dem Zuge auch unfassbar zu lesen wie lax bei den Geheimdiensten mit Zugriffsberechtigungen auf Dokumente etc. umgegangen wird/wurde. Da wundert man sich, dass es nicht zu noch viel mehr Whistleblowing kommt, was seine Taten natürlich umso eindrucksvoller macht.

    Und als zweites natürlich die Auswirkungen von 9/11. Snowden ist vier Jahre älter als ich, was absolut nicht viel ist, aber in der Jugend natürlich dennoch ein enormer Unterschied. Wie er die Auswirkungen von 9/11 schildert, als er an diesem Tag noch völlig problemlos ohne jeden Sicherheitscheck als Freelancer in einer Privatwohnung auf dem Gelände des NSA-Hauptquartiers verbracht hat, und seitdem alles permanent mit Straßenbarrieren und Überwachungssystemen verrammelt ist und das ganze Land seit 9/11 in einer Schockstarre verharrt, die statt eines neuen positiven Gemeinschaftssinns, Hass, Misstrauen und Krieg erzeugt hat, ist wunderbar symbolträchtig.
    Wir alle wissen natürlich, was 9/11 weltweit mit sich gebracht hat, wobei meine Generation ja schon ihr ganzes Leben unter diesem Schatten verbracht hat, aber die Tiefe dieses Einschnitts wird man wahrscheinlich erst in der historischen Distanz richtig erkennen. Auch abseits der Opferzahlen waren die Terroranschläge bis zum heutigen Tag absolut verheerend für dieses Land und sein Selbstverständnis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Februar 2022
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  22. |Kirby|

    |Kirby|
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    Sodele. "Circe" ist durch und hat mir so gut gefallen, dass ich "The Song of Achilles" gleich auch mal gekauft habe. Aber erstmal schiebe ich nun "Narziß und Goldmund" (Hesse) dazwischen, meine Freundin will mit mir darüber reden (und ich wollte das ohnehin schon länger mal lesen).
     
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  23. HypNo5

    HypNo5
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    Interessant. Ich habe gestern in Achilles reingelesen und finde den Schreibstil (in der Übersetzung) so seltsam, dass ich es vorerst wohl abbreche und wieder zurück (in die Stadtbibliothek) bringe. Das liest sich verdammt abgehackt und Passagen die im Präsenz geschrieben sind, irritieren sehr. Dass ich die Story in ihren Grundzügen kenne hilft vermutlich auch nicht. Mal schauen, ob ich irgendwann nochmal darauf zurückkomme. Narzis und Goldmund müsste ich auch mal lesen, da mir die anderen Sachen von Hesse immer mindestens gut gefallen haben. Das liegt auch hier.
     
  24. Bud Bud

    Bud Bud
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    Heute die ersten 15 Seiten von "Mein Name sei Gantenbein" angefangen. Ist mein erster Frisch. Das Buch und noch 1-2 andere von ihm hatte ich mir schon vor etwas längerer Zeit geholt, aus mir unbekannten Gründen kam ich bisher aber nie dazu, sie auch zu lesen. Nun soll es aber sein.
    Bisher macht der Anfang Lust auf mehr. An seine Art, Details gerne als Paranthese im Satz zu integrieren, musste ich mich erst gewöhnen, wirkt für mich bisher aber stets durchdacht und vom Satzbau her nicht zu fordernd. Interessant finde ich es, wie ich mir selber dauernd die Frage stelle, ob der Erzähler hier mehrere Rückblenden seiner selbst wiedergibt - einerseits erzählt er Anekdoten seiner Vergangenheit, andererseits redet er über diesen Gantenbein in der dritten Person (oder über sich im singularis vulgaris). Ich hatte mich vorab nicht über das Werk oder den Plot informiert und werde es auch nicht, bevor ich die letzte Seite umgeschlagen habe.
     
  25. KellogsFrosties

    KellogsFrosties
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    Lese aktuell von Rebecca Gablè "Das Lächeln der Fortuna", einen historischen Roman, der in England im 14. Jahrhundert spielt. Gefällt mir bisher richtig gut und ist auch super geschrieben, allerdings ist das Buch auch ein ganz schöner Schinken mit knapp 1200 Seiten^^

    Und da das ganze der Auftakt einer Reihe ist, werde ich da erstmal gut beschäftigt sein ;)
     
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  26. roflkong3

    roflkong3
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    Insbesondere weil die Bücher sich vom Umfang her nicht großartig was nehmen. Alles so klopper aber wirklich toll. Hab die auch gelesen und hier im Thread n Review dagelassen
     
  27. hunter7j

    hunter7j
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    Ach ich hasse Brandon Sanderson mittlerweile. Nachdem ich mich doch schon durch viele Seiten von Die Splitter der Macht durchquälen musste. Wird das Buch innerhalb der letzten 300 Seiten richtig spannend und temporeich. Es wird nicht mehr langsam und ewig in den selben Szenen und Schauplätzen gehangen, sondern Action, Wendungen und Enthüllungen kommen Seitenweise :rock: Und alles bewegt und ändert sich.

    Jetzt habe ich durchaus lust weiter zu lesen, doof. Aber gut die zwei Bände sind auch auf Amazon die wirklich am schlechtesten bewerteten und viele Leute fanden sie recht langweilig. Der Nachfolge Band soll da durchaus wieder durchweg anziehen.

    Finde aber das Fazit von einer Amazonrezension zu den Beiden Bücher ganz gut: Der Autor versucht eine Geschichte zu erzählen die die meiste Zeit im Wachkoma liegt.

    Gibt leider dann doch irgendwo zu viele Kapitel und Figuren die zur Hauptgeschichte nichts beitragen. Dieses 100 Seiten Zwischenkapitel die die Geschichte unterbrechen und von Figuren am anderen Ende der Welt erzählen die auch mal vor 4000 Seiten für ein Kapitel da waren z.b
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Februar 2022
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  28. roflkong3

    roflkong3
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    Das habe ich jetzt auch schon öfters gehört. Deswegen habe ich mich entschieden als nächstes die Malaz Reihe beginnen. @HypNo5 du bist Schuld! Das dauert aber noch da ich Grad Mal im Buch 9 von 14 bei der Rad der Zeit Reihe bin und momentan die Lust raus ist.... Naja Ende November angefangen und bis Buch 9 gekommen. Bin eigentlich sehr zufrieden mit meinem Fortschritt insbesondere weil die Schule Recht anstrengend war die letzten Monate.
     
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  29. hunter7j

    hunter7j
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    Ich denke ich werde jetzt mal die Sturmlichtchroniken durchziehen. Ist ja nur noch ein Buch. Gut sind auch wieder 2000 Seiten. Und danach mit dem Schattenelfen Roman weiter machen von Bernhard Hennen oder mit Warhammer Romanen. Dan Abnett hat mich da doch schon letztes Jahr voll überzeugt mit der Eisenhorn Trilogy. Richtig geil, wie er das Warhammer Universum abseits von gigantischen absurden Kriegen zum leben erweckt, bis in den kleinsten Winkel :yes:
     
  30. Harry an der Leine

    Harry an der Leine
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    Dune

    Das erste Buch einer großen Reihe, das ich fertiggelesen habe, bevor ich mir die Verfilmung dazu anschaue. Bin ganz stolz. Vorher u.a. mit HdR und GoT gescheitert. :ugly:

    Hat mir soweit gefallen, wobei ich mit den spirituellen Elementen am wenigsten anfangen konnte. Kann der Film gerne eher weglassen.
    Außerdem gingen mir manche Handlungssprünge zu schnell.

    Die Reihe soll ja recht stark nachlassen, aber zumindest Band 2 werde ich vermutlich noch lesen. Aber wahrscheinlich erst nach dem (ersten) Film.

    7/10
     
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  31. Guy Incognito

    Guy Incognito
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    Ich habe nun 100 Years of Solitude begonnen. :jump:
     
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  32. HypNo5

    HypNo5
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    Sehr gut. Viel Leiden Spaß. :jump:

    Mein letztes Buch fühlt sich schon wieder so ewig her an, dabei war es gerade mal vor neun Tagen. :D
     
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  33. Guy Incognito

    Guy Incognito
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    Ich habe in den letzten Tagen zwei Bücher für die Uni durchgedrückt. Jetzt brauche ich wieder etwas für mich. :D
     
  34. HypNo5

    HypNo5
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    Ich bin gerade auch in der Hochphase der Seminararbeiten. Vorgestern ein Essay beendet, jetzt für das nächste lesen und Notizen sammeln, welches nächste Woche geschrieben werden muss und im März steht dann wieder ein Text an. Darum wird gerade wieder ein bisschen mehr geschaut und gelesen werden Graphic Novels / Mangas. Dabei habe ich interessante Bücher unmittelbar hinter mir liegen. Die Tage geht es also wieder los.
     
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  35. beagletank

    beagletank
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    Der Gottkaiser des Wüstenplaneten

    Das las sich überraschend...gut?

    Ich bin mit der ersten Trilogie im letzten Jahr fertig geworden und habe ja auch schon in diesem Thread angemerkt, dass mich Dune nicht komplett vom Hocker gehauen hat. Natürlich ist das World Building sehr gelungen, die religiösen und gesellschaftlichen Aspekte teils sehr spannend und der der prägende Einfluss auf das Genre durchaus erkennbar. Leider wird vieles davon unter staubtrockenen und nicht enden wollenden Textpassagen begraben.

    Entsprechend skeptisch bin ich an den vierten Band gegangen, der mit seinen Nachfolgern unter den Fans anscheinend nicht unumstritten ist. Überraschenderweise war das Buch sehr gut lesbar. Zugegeben, es gibt wenig Action und auch diesmal wird wieder viel philosophiert, eigentlich sogar mehr als in den Vorgängern. Aber das bleibt alles in einem nachvollziehbaren Rahmen. Trotz des großen Zeitssprungs fühlt man sich als Leser nicht verloren, da bereits in den ersten Kapiteln genug World Building betrieben wird, sodass man sich schnell wieder heimisch fühlt. Zudem wird sehr früh eine Hauptfigur eingeführt, die sich ähnlich wie der Leser in dieser neuen Welt erstmal zurecht finden muss. Das schafft Identifikationscharakter.

    Insgesamt eine sehr gelungene Fortsetzung der Saga.

    8/10

    Habe ich es eigentlich richtig interpretiert, dass am Ende tatsächlich eine Gerätschaft erfunden worden ist, die das Gewürz als Mittel zur Raumnavigation überflüssig gemacht hat?
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2022
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  36. Razmael

    Razmael
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    Dirk van den Boom - Die Welten der Skiir 1: Prinzipat

    Irgendwie habe ich es bislang immer verpennt, mal bei Dirk reinzulesen, obwohl wir uns quasi jährlich über den Weg laufen. Zeit, das mal nachzuholen! Auf gut Glück habe ich mir dazu die Skiir-Trilogie zugelegt und den ersten Teil gelesen.

    Die Skiir sind eine außerirdische Supermacht, die gefühlt das halbe Universum unter sich vereint. Aufgeteilt in das Prinzipat, das Patronat und das Protektorat, herrscht unter unseren kosmischen Overlords nicht unbedingt die perfekte Einigkeit. Und ich rede bewusst von "unseren" kosmischen Overlords, denn die Menschheit wurde ebenfalls überrannt und darf nach einer längeren Periode der Umerziehung endlich wieder auf das Spielfeld.

    Eine Space Opera hatte ich schon lange nicht mehr, entsprechend musste ich mich auch wieder an das gefühlte Dutzend an Perspektiven gewöhnen, das durchiteriert wird. Insbesondere muss ich gestehen, die drei Gruppierungen im Reich der Skiir ständig zu verwechseln, allein weil die Namen so verdammt ähnlich sind. Da Politik einen gewissen Stellenwert in der Erzählung einnimmt, hat mir dieser Umstand bestimmt ein paar gute Stellen vermiest. Die Protagonisten schienen mir da klarer gezeichnet, auch wenn keiner von ihnen sonderlich viel Tiefe mitbringt. Das mag auch daran liegen, dass uns gleich zu Beginn klipp und klar gesagt wird, wer welche Interessen verfolgt.

    Für mich kam die Geschichte ab dem Punkt richtig in Gang, wo neben den Menschen und Skiir weitere außerirdische Spezies vorkommen. Deren Merkmale und Eigenheiten klangen für mich zwar ein Stück weit zusammengewürfelt und an den Haaren herbeigezogen, gerade das macht aber auch den Spaß aus. Die Interaktion zwischen den Menschen als Neulingen und irgendwelchen Space-Weirdos sind mit einem Augenzwinkern geschildert, was gut zu Dirks Schreibe passt. Diese ist nämlich schön wortreich, gaukelt an vielen Stellen Komplexität vor, während genau diese ausgeklammert wird, und zwischendurch gibt es immer mal wieder ein Späßchen. Wenn dann sogar eine popkulturelle Referenz durch den Raum fliegt (und innerhalb der Geschichte als antiquitiert dargestellt wird), mit der heutige Jugendliche vielleicht schon nichts mehr anfangen können, steht fest, dass hier nicht alles so ernst zu nehmen ist.

    Leider wirkt dieser erste Teil der Reihe auf mich kaum in sich geschlossen. Jeder macht irgendwie etwas, aber wegen der vielen Perspektiven hatte ich am Ende das Gefühl, dass die meisten Figuren dann doch nicht so viel geleistet haben. Es wird sozusagen ein paar hundert Seiten lang Staub aufgewirbelt, und plötzlich ist man am hinteren Buchdeckel angelangt. Müsste ich jetzt auf die nächsten beiden Bände ein Weilchen warten, wäre ich wohl leicht angefressen. Die liegen aber zum Glück schon im Regal. :)
     
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  37. HypNo5

    HypNo5
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    Doch bereits 12 Tage nach Gespräche mit Freunden, habe ich das chronologisch nächste und zweite Buch von Sally Rooney gelesen: Normal People. Dieses Mal im Original (die Bibliothek hätte auch die deutsche Version gehabt, die war aber ausgeliehen und die englischen Ausgaben verstauben im Schrank: Glück für mich). In englischsprachigen Medien ging das Buch nach meinem Gefühl ziemlich durch die Decke und die Autorin wird definitiv als einer DER jungen Stimmen ihres Landes gehandelt. Die BBC-Adaption, von der ich bis vor ein paar Tagen nichts wusste, soll wohl auch gut sein und wurde mit diversen Nominierungen und einem BAFTA-Sieg honoriert. Anschauen werde ich die jedoch vorerst nicht; vielleicht irgendwann. Interessant hier auch wieder, wie kritisch, beziehungsweise schlecht die Kritiken auf der spezifischen Startseite von Goodreads sind.

    Das Buch an sich ist sehr ähnlich zu ihrem Erstling und ihr drittes Buch - letztes Jahr erschienen - schlägt offensichtlich in die gleiche Kerbe. Hier sieht man einen Trend, der vielleicht zu gegebener Zeit ausgelutscht sein wird, aber bisher bin ich noch gespannt, habe definitiv Interesse an Beautiful World, Where Are You und finde die Autorin sympathisch. Der Roman handelt von einer On-Off-Beziehung zwischen zwei scheinbar ungleichen Personen, die mal ein romantisches Paar sind, mal nicht, insgesamt aber nicht klar kategorisiert werden können, weder als Zweiergespann an sich noch als Individuen. Das Ganze spielt sich über circa vier Jahre ab, vom letzten Jahr in der Schule, bis in das Endstadium des Bachelorstudium; vom irischen Land in die urbane Welt Dublins. Wie schon in ihrem Debüt, schafft es Sally Rooney Charaktere zu schaffen, die man zwar intensiv kennenlernt, die aber dennoch schwer zu fassen sind, die man lieb gewinnen kann, die einen aber auch frustrieren.

    Der interessanteste Aspekt von allen ist für mich jedoch eindeutig die soziologische Ebene. Rooney ist eine selbst erklärte Feministin und Marxistin. In Gespräche mit Freunden war die Analyse der kulturellen Welt und der Klassenunterschied der verschiedenen Charaktere sowie die Darstellung von Männlich- und Weiblichkeit wichtig. Hier sind diese Perspektiven noch einmal explizierter und komplexer dargelegt. Man kann sehr schön beispielsweise mit Pierre Bourdieu die einzelnen Kapitalsorten aus verschiedenen Passagen ablesen und die "Logik der kulturellen Produktion" analysieren. Da ich die Freude habe nächstes Semester diesen ganzen Spaß wieder unterrichten zu dürfen, habe ich direkt ein weiteres Anschauungsmaterial, welches die ganze Theorie ein bisschen auflockert. Auf Atlas Shrugged für die Marx-Sitzung dürfen sie sich auch schon freuen.

    An sich noch interessanter ist hingegen wie das Buch mein eigenes Leben ins Visier nimmt. In einer Schlüsselszene - nicht wirklich ein Spoiler - wird sich damit auseinandergesetzt, warum Personen überhaupt Bücher lesen, inwiefern Romane Botschaften vermitteln können, die tatsächlich einen positive (oder überhaupt eine) Effekt auf die Gesellschaft und das soziale Miteinander haben, ob alle kulturellen Produkte nicht, wie es der Name eben sagt, Produkte im System des Kapitalismus sind und wie heuchlerisch sich viele Leute etwas darauf einbilden, wie viel und was sie gelesen haben. Das kann ich alles zu 100% nachvollziehen und ich sehe mich direkt persönlich getroffen - autsch. Ohne nun wirklich tiefer darauf einzugehen: ich mache genau das. Bücher, Filme, Spiele, Serien sind keine Unterhaltung, sie sind interessant, wertvoll, innovativ, anregend und als solches werden sie in mein akademisch versautes Gehirn abgespeichert, kategorisiert, analysiert und zu früh und eindeutig nicht spät wieder vergessen. Dieser Beitrag hier ist doch schon nichts anderes als: schaut her was ich gelesen habe! Als ob es mir Spaß machen würde Texte zu verfassen oder ich irgendwelche originellen Gedanken hätte.

    Kurzes und gutes Interview mit Sally Rooney: https://www.youtube.com/watch?v=Z1S5bOdJq3U.

    Zwischen den beiden Büchern wurde das Lesevergnügen ein bisschen aufgelockert mit:

    Superman: Peace on Earth. Das dürfte - wenn ich mich nicht irre - mein erster Superman-Comic gewesen sein und dann direkt der Außergewöhnlichste (meine Rechtschreibung ist so schlecht: schreibt man das nun klein, weil es sich auf das vorherige "Comic" bezieht oder groß, weil es eine Substantivierung ist?). Superman merkt, dass es einfach nichts bringt ständig nur Leuten auf die Fresse zu geben und will stattdessen gute, alte, US-amerikanische Entwicklungshilfe leisten (zumindest auch im eigenen Land und nicht nur in Afrika). So wie die real existierende Entwicklungshilfe, kommt der gute Held auf die Erkenntnis: bringt nicht so viel. Aber nette Geste.

    Onward Towards Our Noble Deaths. Manga über die Erlebnisse von japanischen Militärs auf einer Insel im Pazifik während des zweiten Weltkriegs. Definitiv interessant und die Showa-Reihe von Shigeru Mizuki, in der er in vier Teilen Japan von 1929 bis 1989 darstellt, werde ich mir zu gegebener Zeit wohl auch besorgen. Grafisch sehr hübsche Hintergründe. Die Charaktere sind dagegen ein extremer Kontrast, der aber bewusst so gewählt wurde, um die Stimmung auch nur ein bisschen heben zu können. Ansonsten: natürlich ein absoluter Clusterfuck. @Terranigma kennst du die? (Tag ist ein Edit, also ist er nur Schmuck)

    Solanin von Inio Asano. Eine mehr oder weniger semi-autobiografischer Manga über eine Mitte-20er Frau, die nach dem Studium nicht so recht auf das Leben klarkommt (Hallo!), in einer Beziehung ist, die nicht so super funktioniert, ihren Job sterbenslangweilig findet und sich halt irgendwie versucht zu orientieren. An sich ziemlich cool ...

    aber ich habe bei allen drei Büchern mal wieder gemerkt, dass ich Mangas und Graphic Novels auf einer theoretischen Ebene sehr interessant finde, aber mehr fehlt einfach der Zugang. Auf der einen Seite sind es Bilder, die im Falle von Mangas aber farblos sind und sich so schön für Bewegung anbieten, jedoch statisch sind. Auch Musik und Geräusche wären toll. Es sind keine Animationsfilme oder Animes. Auf der anderen Seite gibt es Text, der aber nicht so tief geht wie ein Roman. Ich stehe da immer zwischen den Stühlen und denke mir :nixblick:. So wenig in diesem Medium habe ich nun auch nicht gelesen, habe weiterhin Interesse, aber vom Hocker hat mich noch nichts gehauen, auch wenn manche Werke sehr schön (Yokohama Kaidashi Kikou) oder interessant (Maus) waren oder lediglich ihr Medium genutzt haben wie es sonst nicht geht. Watchmen oder V for Vendetta sind da solche Beispiele. Die Filme haben die Botschaft verwässert, gekürzt und sich neben recht ähnliche Werke eingereiht. Nichtsdestotrotz mochte ich die Filme mehr, eben weil es sich bewegt, man Musik hat, sich nicht die Frage stellen muss, ob man die Bilder nun im Detail studieren oder doch mit den Augen darüber gleiten soll usw.

    Ich habe fertig.
    Ich war dieses Jahr tatsächlich schon ziemlich "fleißig".
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Februar 2022
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  38. Boatox Zeitsklave

    Boatox
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    Gestern habe ich der Astronaut beendet.

    Der gute Eindruck vom Beginn hat sich über das ganze Buch gehalten. Es war wirklich eine Freude zu lesen. Der Kontakt ist so unfassbar gut beschrieben, genauso so wie alles darauf folgende was die Interaktionen betrifft. Das Ende hat mich tatsächlich berührt. Die Idee ist mir nicht gekommen aber es war irgendwie schön. Vielleicht wäre es für den ein oder anderen vorhersehbar gewesen aber ich fand's einfach so passend. Für mich das perfekte Ende.

    Weirs größte Stärke ist sein Witz. Das war schon beim Marsianer immer treffend und absolut nicht billig oder plump. Die Personen wirken wirklich real.

    Von mir eine klare Empfehlung.
     
  39. Rawoe

    Rawoe
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    Laufwerke:
    Samsung 980 PRO 250 GB PCIe 4.0 (Systemlaufwerk)
    Samsung 970 Evo Plus 2 TB M.2 2280 - PCI Express 3.0 x4 (Games)
    Seagate Ironwolf ST4000VN008 (Datenhalde)
    Soundkarte:
    Onboard Realtek ALC1220
    Gehäuse:
    be quiet! Dark Base 900 / PSU: be quiet! Straight Power 11 850 Watt Platinum
    Maus und Tastatur:
    Logitech MX Master 3 Advanced Maus - Schwarz
    Logitech Cordless Desktop (aus einer Zeit, als LEDs noch teuer waren, leuchtet nicht, hat dafür schon mehr Meter im freinen Fall verbracht, wie manche Leute Flugmeilen)
    Betriebssystem:
    Windows 10 Professional
    Monitor:
    Omen by HP X27
    Gleich nachschauen, so steigt der Wortschatz. Wobei sich vieles auch aus dem Kontext ergeben kann. Das Lesen englischer Literatur hat mir, gefühlt, mehr geholfen, als mein Schulenglisch. Immer 7. und 8. Stunde mit extrem niedrieger Motivation, während Andere, die nicht Englisch belegten, im Park rumrennen konnten, mit Stöckern rumstochern konnten. Trotzdem ging mir das Englisch irgendwie leicht von der Hand. Hätte ich damals gewusst, was das heute bringt, hätte ich mich wohl besser motivieren können. Dabei muss ich anmerken, das ich die Ausgaben in Englisch nur lese, wenn es die entsprechenden Werke in Deutsch noch oder gar nicht gibt. Beispiel, die letzten Werke von Raymond Elias Feist. Also Demonwarsaga und Chaoswarsaga.
     
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  40. hunter7j

    hunter7j
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    Muss mal wieder Dan Abnett als Autor einfach nur absolut feiern. Nachdem er mich mit seiner Eisenhorn Tirlogy unfassbar gut in das Warhammer 40k Universum abseits von dauer Krieg reingezogen hat und es wundervoll zum Leben erweckt hat. Habe ich Gestern mal in die Gaunts Geister Reihe, um einen Imperialen Kommissar, der an den Fronten von 100 gar 1000 Jährigen Kriegen dient reingelesen und wurde sofort wieder von seinen genau im richtigen Maße detailierten Beschreibungen eingefangen und genau dort wo Kopfkino wichtig wird, lässt er es auch zu :yes: So das Horror, Grauen und Beklemmung in diesen düsteren Szenarien wunderbar enstehen können beim Leser.

    Glaube ja wennd er Typ nicht nur Warhammer Romane raushauen würde, wäre er wirklich einer von den ganz Großen.

    Und ja das seine Romane schon vor 20 Jahren voller starker und spassiger Frauen Figuren sind in einem so Männer dominierten Universum, hat auch was.
     
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