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Dieses Thema im Forum "Medienforum" wurde erstellt von Spartan117, 23. Februar 2016.

  1. Helli LI-LA-LAUNELÖWE Moderator

    Helli
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    Ich habe heute Momo von Michael Ende beendet.

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    Eine gespenstische Gesellschaft "grauer Herren" ist am Werk und veranlasst immer mehr Menschen, Zeit zu sparen. Aber in Wirklichkeit betrügen sie die Menschen um diese ersparte Zeit. Als die Not am größten ist und die Welt ihnen schon endgültig zu gehören scheint, entschließt sich Meister Hora, der geheimnisvolle "Verwalter der Zeit", zum Eingreifen. Doch dazu braucht er die Hilfe eines Menschenkindes. Die Welt steht still und Momo, die struppige kleine Heldin der Geschichte, kämpft ganz allein, mit nichts als einer Blume in der Hand und einer Schildkröte unter dem Arm, gegen das riesige Heer der "grauen Herren".

    Fast 50 Jahre alt passt dieses Buch immer noch, wenn nicht sogar besser noch als damals, in die heutige Zeit. Zeitdiebe finden wir an jeder Ecke. Sei es der Beruf, seien es die sozialen Medien oder sogar eigentliche entspannende Hobbys, die uns die Zeit rauben. Jeder ist sich seinen Zeitdieben bewusst, doch die Wenigsten können diese einfach so mir nichts dir nichts von einer Sekunde auf die nächste abschütteln. Dieses Buch erinnert und mahnt uns Erwachsene an das was war und ist und warnt die Jugend vor dem was in ihr Leben treten könnte - Zeitfresser.

    Wie auch schon "Die unendliche Geschichte" seicht und schön geschrieben, einfach und gut = einfach gut.

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    Lieblingsstellen:
    "Niemand schien zu merken, daß er, indem er Zeit sparte, in Wirklichkeit etwas ganz anderes sparte. Keiner wollte wahrhaben, daß sein Leben ärmer, immer gleichförmiger und immer kälter wurde. Deutlich zu fühlen jedoch bekamen es die Kinder, denn auch für sie hatte nun niemand mehr Zeit. Aber Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen. Und je mehr die Menschen daran sparten, desto weniger hatten sie."

    "In der Mitte des Saales erhob sich ein ganzer Wald von Standuhren, ein Uhr-Wald sozusagen, angefangen von gewöhnlichen Zimmerstanduhren bis hinauf zu richtigen Turmuhren."
     
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  2. Terranigma

    Terranigma
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    War ich, aber geht um die Vorbereitung für'n Podcast zu "Ghost of Tsushima", weil ich beim Vergleich von Definitionen darauf stieß, dass "Ehre" zwischen Kulturen recht unterschiedliche Definitionen trägt. Ist irgendwie naheliegend, habe ich mir bisher aber nie genauer angeschaut und wollte mal wissen, ob das deutsche Bauchgefühl eher bei der englischsprachigen Definition (Tugendhaftigkeit, Moral) oder eher bei der japanischen (Respekt, Wertschätzung) ist.

    Schön isses.
    :yes:
     
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  3. Helli LI-LA-LAUNELÖWE Moderator

    Helli
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    Ich habe heute Ich hab die Unschuld kotzen sehen: Und wir scheitern immer schöner (Ich hab die Unschuld kotzen sehen #2) von Dirk Bernemann beendet.

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    Das Leben ist Krieg. Der Krieg hat uns alle leer gemenscht, kaputtgeKRIEGt. Das Leben ist kein Krieg, sondern Sehnsucht, irgendwas zwischen Verachtung und Liebe! Das Leben ist Krebs, er zieht Metastasenstraßen durch meinen Leib. Das Leben ist Konzentrationsamok, ein Garten rot blühender Neurosen. Und ich bin der Menschenkarton mit chemischem Inhalt. All das geschrien, während Genitalien sich duellieren. Dirk Bernemanns zweites Werk, die Welt so zu erklären, wie sie wirklich ist. Wieder hat er das literarische Skalpell zur Hand genommen, seine Schnitte gehen tief, treffen zielsicher unseren Verstand und unser Bauchgefühl. Wir fühlen uns ertappt, betrogen und verletzt. Und doch, unter all dem, was wir Leben nennen, ist auch Hoffnung. oder ist das nur Verfall de Luxe? Das Leben hat sich in den Augen Bernemanns nicht groß verändert, deshalb blieb der Titel des Buches gleich. Auch wenn es sich um andere Geschichten, andere Schauplätze und andere Charaktere handelt, fühlt man sich wieder beobachtet, von der Unschuld.

    Das Buch wurde mir zugetragen, was man daran erkennt, dass ich noch nicht mal den "ersten Teil" davon kenne.

    Erwartet habe ich literarisches Junkfood, bekommen habe ich das Erbrochene, was mal abgelaufenes Junkfood war.
    Doch ich bin mir sicher, dass sogar genau diese Beschreibung Herrn Bernemann schmeichelt, wenn es ihm nicht einfach sowieso im höchsten Maße egal wäre.

    Die Kurzgeschichten sind prägnant, immer etwas lose miteinander verbunden, auf keinen Fall langweilig, dafür roh, aggressiv, alles andere als deep, aber dennoch, oder gerade deswegen, irgendwie am Nabel der Zeit. Nichts, worüber ich morgen noch nachgrübeln würde, aber im Moment des Inputs wie ein guter Actionfilm mit Gore, Sex und disgusting stuff.

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    Lieblingsstellen:
    "Ich ficke die unbekannte Unschöne, eine, die gerade noch mal so geht. Ich habe eine Mitgenommene mitgenommen. Aus dem Tanzlokal der Verzweifelten in meine 3-Zimmer-Wohnung."

    "Chris Rea singt aus Mutters Radio, dass er es cool findet, Weihnachten nach Hause zu fahren. «Driving home for Christmas...», so rockt der gute Mann Christmas. Dieses Lied, diese Stimme, diese Stimmung, zusammengefasst: dieser beschissene Kitsch erregt mentale Destruktivität und gedankliche Autoaggression in mir. Bestimmt sind schon andere Menschen während dieses Liedes gestorben, weil sie einfach vergessen haben zu atmen."

    "So gleitet die Existenz aus meinen Händen und mein Leben schreit nach moralischen Grundsätzen. Doch alles ist so weit weg. So weit, die Träume, so weit weg, die Liebe, so dumm, das Leben."


     
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  4. HypNo5

    HypNo5
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    Antkind (2020)

    B. Rosenberger Rosenberg ist ein exzentrischer, neurotischer Charakter voller Widersprüche. Er ist nicht jüdisch, was er immer mitteilen muss, weil sein Umfeld denkt, er sei es. Er ist sich seinen Privilegien als weißer Mann bewusst, beklagt aber dennoch sein Leiden. Er hat eine afroamerikanische Freundin, womit er ständig angibt, weiß aber, dass er mit so etwas nicht angeben sollte. Er bezeichnet sich als Feminist, stalkt aber Frauen. Er ist Verfechter gendergerechter Sprache (Mx., thon!). Er fällt regelmäßig in Gullylöcher (manholes! personholes!). Er denkt lang und breit über seinen Bart nach und eben weil er Filmkritiker ist, ständig über Filme. Das Lob für Christopher Nolan kann er gar nicht verstehen, der in Memento das Thema Gedächtnis völlig falsch darstellt und stattdessen liebt der Judd Apatow: Starbucks is the smart coffee for dumb people. It's the Christopher Nolan of coffee. Dunkin' Donuts is lowbrow, authentic. It is the simple, real pleasure of a Judd Apatow movie. Wen er aber so richtig fürchterlich findet, ist der pseudointellektuelle, angeberische, verkopfte Charlie Kaufman. Und da wären wir schon beim Autor, nämlich Charlie Kaufman, dem Regisseur/Autor vom hervorragenden "Synecdoche, New York" und anderen Filmen, die ebenso wie "Antkind" mit irren Ideen spielen und nicht nur die Zehe in die metanarrative Pfütze stecken, sondern im selbstreferentiellen Meer schwimmen gehen (siehe bspw. Adaptation). Der Protagonist (er verwendet "B." um seine Männlichkeit seinem Publikum nicht aufzudrücken und eine gendergerechte Ambiguität zu wahren) entdeckt zufällig auf seinen Reisen durch die USA den besten Film aller Zeiten, der nicht nur die Kunstwelt revolutionieren wird, sondern möglicherweise alles Leid der Welt abschaffen wird und maßgeblich verändern wird, wie die Menschheit denkt. Der Film hat eine Laufzeit von drei Monaten, ist Stop-Motion und wurde von einem über 100 Jahre alten, schwarzen Mann (oder war er doch ein Schwede?) in 90 Jahren produziert. B. Rosenberger Rosenberg ist verzaubert, sein gesamtes Leben wurde verändert und endlich hat er einen Sinn, ein Projekt. Der Film geht aber verloren und Rosenberg vergisst ihn. Nun gilt es also sich an ihn zu erinnern und eine absurde Odyssee beginnt.

    Das Buch war eine wirklich schwere Geburt. Die deutsche Version kam erst Mitte März raus und als ich in einem ZEIT ONLINE Interview davon erfahren hatte, feuerte ich die Bestellung direkt raus, da ich Kaufman als Filmemacher sehr mag. Aber wie es so häufig bei Büchern ist, die größtenteils entweder die minimale oder maximale Anzahl an Wertungseinheiten bekommen: es ist ein Sprung ins kalte Wasser und man muss schauen, ob man untergeht oder schwimmt (oder gar auf dem Wasser gleitet). Die ersten 150 Seiten (was oben beschrieben wird, passiert innerhalb der ersten 100 von 700) habe ich an zwei Tagen sehr gerne gelesen, aber mir war schon bewusst, dass die Faszination bei einem solchen Buch, welches mit Ideen und Stil protzt, so schnell verfliegen kann, wie sie gekommen ist. Die ersten 150 Seiten habe ich also zügig gelesen und war unterhalten. Dann hat es sich gezogen und ich habe darüber nachgedacht es abzubrechen. Ab Seite 350 wurde es wieder besser (wie bei Goodreads prophezeit), dann hat es sich wieder gezogen und die letzten 100 Seiten waren ein qualvolles Durcheinander. Lustige Ideen und Stellen oder tolle Passagen gab es aber immer und häufig musste ich schmunzeln, habe Querverweise auf andere Stellen entdeckt, musste mir aufgrund der Absurdität in positiver Hinsicht an den Kopf fassen usw.

    Ist das Buch also empfehlenswert? Verdammt schwer zu sagen. Im "Genre" postmoderner Bücher würde ich eher "House of Leaves" empfehlen, welches auf der Absurditätsskala noch mehrere Schritte weiter geht, aber auch tatsächlich eine normale Geschichte enthält oder "Wenn ein Reisender in einer Winternacht", weil es schön kurz ist. Über viele andere Bücher der Sorte kann ich kein Urteil fällen, weil ich sie gar nicht gelesen oder nicht angelesen habe (bspw. Infinite Jest). Kann man mit den Filmen von Charlie Kaufman schon nichts anfangen, sollte man definitiv die Finger vom Buch (seinem Debüt) lassen. Im Endeffekt ist Antkind ein Sammelsurium aller Ideen seiner Filme potenziert, aber mit noch weniger Geschichte oder Charakterentwicklung. Steht man wiederum auf Bücher, die nicht wirklich eine Handlung erzählen, aber mit Ideen (Subjektivität von Filmen, Subjektivität des Filmschauens, Erinnerung usw) um sich werfen, als wäre Räumungsverkauf und mit Sprache spielen als würde sie einem gleich weggenommen werden: viel Spaß. Den hatte ich auch, aber eben nicht für 700 Seiten, sondern vielleicht für die Hälfte.

    Das Lustigste am Buch ist aber wohl: jeder Kritikpunkt den man dem Buch vorhalten könnte, wird bereits im Buch thematisiert, was die Metaebene nochmal verstärkt und alles zu einer Selbstsatire und einer Satire aller anderen, ähnlichen Werke werden lässt.

    Wenn jemand über einen Kauf nachdenkt, dann bitte einen Bogen um die englische Taschenbuchausgabe von Random House machen. Zumindest meine Version fällt jetzt schon fast auseinander und ich bin keine Person, die Bücher übermäßig knickt, geöffnet auf Tische legt usw.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. April 2021
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  5. tolotos*

    tolotos*
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    Ian Reid - I Am Thinking of Ending Things (+ der Film Charlie Kaufman - I Am Thinking of Ending Things)
    Buch und Film starten bei der Autofahrt eines jungen Paares unterwegs zum ersten Besuch bei seinen Eltern. Wir erfahren aus ihrer Sicht schnell, dass sie darüber nachdenkt, die Sache zu beenden. Ich habe zunächst den Film gesehen und war etwa die Hälfte der Laufzeit fasziniert sowohl von den cleveren Dialogen, die immer wieder zum Nachdenken anregen, als auch von gelegentlichen mysteriösen Einsprengseln, die Fragen aufwerfen. Am Ende habe ich aber sehr wenig verstanden. Beim Lesen von Kritiken bin ich relativ schnell auf die Aussage gestoßen, dass das Buch deutlicher ist. Also habe ich dieses gelesen und dort wird wirklich sehr klar, was passiert*. In der Rückschau (ohne den Film aber nochmal gesehen zu haben), mag ich den Film deutlich lieber, sowohl weil er viel mehr zum Ende wunderbar passende Kleinigkeiten eingebaut hat**, als auch, weil ich alles was im Buch vor der Auflösung kommt deutlich weniger mag. Ich werfe dem Film dennoch vor, dass er etwas klarer hätte sein können. Hätte er das etwas besser umgesetzt, wäre er für mich ein absolutes Meisterwerk. So bleibt er sehr gut. Vielleicht habe ich auch nicht genug darüber nachgedacht, oder hätte ihn ein zweites mal anschauen sollen, aber auch wenn man einen Film beim zweiten Mal mit anderen Augen sieht oder Details erst dann versteht, sollte man die Grundzüge für meinen Geschmack (!) doch spätestens am Ende des ersten Schauens verstehen (man = ich, da es ja um meinen Geschmack geht :groundi:).

    Zurück zum Buch, darum geht es ja hier: Die Gedankenfetzen und Dialoge, die ich im ersten Teil so interessant fand, kommen zu Großteilen auch im Buch vor. Das ist also ein klarer Pluspunkt. Die ganze Idee mag ich auch sehr. Die thriller-hafteren Elemente im Buch
    die Erwähnung des Bruders; die "Verfolgungsjagd" in der Schule
    fand ich für das Thema unpassend. Daher und wegen der Punkte in ** ist die Umsetzung aus meiner Sicht trotz der oben erwähnten Schwäche im Film ein gutes Stück besser gelungen. 3/5 für das Buch, 8/10 für den Film (verschiedene Skalen repräsentieren goodreads vs. moviepilot. Vergleichen kann man diese mMn sowieso nie wirklich da viel "aus dem Gefühl" in den Zahlen steckt).

    *(auch wenn das im Buch vermutlich etwas minimal anderes ist als im Film, macht es auch diesen klarer)

    **
    So antwortet Jake auf die Gedanken der jungen Frau. So hat sie verschiedene Namen, Berufe, Hintergründe (was sicher jedem beim ersten Schauen auffällt und am Ende Sinn macht). So kommen seine Eltern in allen Lebensaltern vor - weil seine Erinnerungen an die Eltern sich vermischen bzw. weil er in seiner Vorstellung von einem Besuch verschiedene Szenarien durchspielt. So setzt sich vieles aus dem, was die junge Frau sagt aus dem zusammen, womit er aufgewachsen ist - ihre Bilder, ihre Gedanken zu Filmen (aus seinen Büchern), ihr Gedicht, ihre Gedanken zu Farben usw.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2021
  6. Helli LI-LA-LAUNELÖWE Moderator

    Helli
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    Ich habe heute Schneewittchen und die Kunst des Tötens von Luci van Org beendet.

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    SM-Schneewittchen, sieben tapfere LARP-Zwerge und vierzig Morde Es war einmal ein Mädchen mit Haut, so weiß, wie Schnee, Lippen, so rot wie Blut, Haaren, schwarz wie Ebenholz … und einer ausgeprägten Vorliebe für BDSM. Und da gab es einen Jäger … der dieses Mädchen über alles liebte … zum Glück ebenfalls mit einer ausgeprägten Vorliebe für BDSM und reichlich Erfahrung … zumindest theoretisch, erworben am heimischen PC Außerdem waren da eine Königin, ein Serienkiller, der obligatorische Glassarg und jede Menge Phobien in einem Berliner Souterrain… Und es war einmal eine Autorin namens Luci van Org, die daraus eine Geschichte machte. Ganz oft zum Lachen. Und manchmal auch zum Weinen. Etwaige Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen mit gewissen anderen, lebenden oder toten Personen aus einer gewissen anderen Geschichte waren dabei selbstverständlich nicht beabsichtigt und wären rein zufällig Spieglein, Spieglein an der Wand, welches ist das fesselndste Märchen im ganzen Land?

    Ein weiteres Buch, was mir zugetragen wurde. Und ich bin ehrlich überrascht von dem was mir geboten wurde. Eine wirklich fesche Geschichte mit einigen amüsanten Szenen und einer sehr sympathischen Hauptprotagonistin - Nina Witte, Schneewittchen herself. Das hatte ich von Luci van Org, die ich noch aus einer ganz anderen Episode der Zeit kenne (als Lucilectric), gar nicht erwartet. Ich ziehe den Hut und danke für die unterhaltsame Zeit.

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    Lieblingsstellen:
    "Tief atmete ich gegen das in mir aufkommende Verlangen an, jetzt sofort die Tür zu öffnen und Ragrunds käsig-schlaffen Grottenolmkörper in seinen hässlichen Trekkinghosen und überteuerten Comicladen-Hoodies über mein Knie zu legen. Um ihm dann, mithilfe meiner an der Heizung geparkten Reitgerte beizubringen, was die Nachbeachtung des Sachverhalts «Du störst!» im ungünstigsten Fall für Konsequenzen haben könnte!"

    "Sehr überrascht hielt Nina Witte inne. Leise quietschend mit ihren nackten Pobacken rutschte sie vom Sargdeckel herunter, ging zögern auf Dr. Med. Maél Enders zu, blickt ihn ernst und sehr durchdringend an.
    «Du bist... echt gestört, glaube ich», sagte sie dann leise.
    «Aber das ist wirklich nett von dir. Darf ich dich mal drücken?»
    «Nein.»
    Aber ehe Dr. Med. Enders sich's versah, hatte sie es trotzdem getan."
     
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  7. Fang Ewiger Zweiter

    Fang
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    Das Buch des Teufels von C.J. Sansom beendet.

    London, 1543. In der Zeit nach der englischen Reformation, mit stets wechselnden religiösen Strömungen, findet der bucklige Rechtsanwalt Matthew Shardlake die übel zugerichtete Leiche seines besten Freundes und macht sich an die Ermittlungen. Als kurz darauf ein weiterer Mord geschieht wird langsam deutlich dass der Mörder nach einem Plan handelt und es kommt zu einem Wettrennen weitere mögliche Opfer auszumachen und dem Serientäter zuvorzukommen.

    Der vierte Band der Matthew Shardlake-Reihe ist für mich der beste bisher. Die Jagd nach dem Mörder ist packend geschrieben und im Gegensatz zum dritten Band gibt es kaum Leerlauf. Mich hat das oft an Illuminati erinnert. Der leicht neurotische Anwalt, aus dessen Ich-Perspektive die Reihe geschrieben ist, ist sehr sympathisch. Stets bemüht nicht unter die Räder der Mächtigen zu geraten und trotzdem seiner Moral treu zu bleiben. Auch die Darstellung der damaligen Zeit, in der zwei religiöse Kräfte unter einem wankelmütigen König um die Macht kämpfen hat mir sehr gut gefallen.

    Kleinere Kritikpunkte gibt es aber auch. Das Finale hätte etwas dramatischer sein können. Der beste Freund des Anwalts wirkte etwas konstruiert, da man Shardlake aus den früheren Büchern schon gut kennt und dessen Name nie erwähnt wurde, wenn ich mich nicht sehr irre.

    Es würde mich übrigens freuen wenn Sansom seinem Helden in den nächsten Büchern auch mal etwas privates Glück beschert.
     
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  8. Luftwaffles CC: @cevap_i_luk

    Luftwaffles
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    Hat jemand Buchtipps zu Weltuntergangszenarien?
    Am liebsten wäre mir was Naturkatastrophen oder einen Meteoriteneinschlag (:ugly:) oder so.
     
  9. hunter7j

    hunter7j
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    Kein Virus? :spahn:
     
  10. Fang Ewiger Zweiter

    Fang
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    Metro 2033 kann ich empfehlen. Aber vielleicht nicht ganz was du suchst.
     
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  11. t-6 80plus-zertifiziert

    t-6
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    Neal Stephenson - Seveneves (dt: Amalthea)
     
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  12. tolotos*

    tolotos*
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    Stephen King - The Dark Tower
    Ein Großteil des Buches ist das, was schon die ganze Serie ausmacht: Eine packend beschriebene, fantasievoll erdachte Achterbahnfahrt mit den verschiedensten Einflüßen und gelegentlichem Futter zum Nachdenken, ohne dass man am Ende das Gefühl hat, dass es viel Plot gab. Dann kommt das Ende. Das sehr, sehr gelungen ist, und sowohl verschiedene Themen der ganzen Serie unterfüttert/aufgreift, als auch eine schöne Inwelt-Erklärung hat, die auch wieder mit diesen Themen spielt.
    Der wunde Punkt des Buches sind hingegen die Antagonisten, mit denen ich entweder nicht warm wurde (M.) oder die für mich rätselhaft und dadurch irgendwie auch eine verschenkte Möglichkeit blieben (Walter, Crimson King).

    Bevor ich noch genauer aufs Ende eingehe, ein paar verstreute Gedanken zur Serie allgemein:
    - Action-Szenen (im weiteren Sinne, d.h. Schießeren genauso wie Schwertkämpfe, Schlachten oder Schlägereien): Eigentlich mag ich diese gerade in Büchern nicht. Bei den Autoren, von denen ich sie trotzdem gerne lese, gibt es dafür gute Gründe: Die Action-Szenen tragen enorm zur Characterentwicklung bzw. Charakterisierung der Figuren bei (Wildbow); sie sind dadurch extrem spannend, dass man wirklich überhaupt nicht weiß, wie es ausgeht und einem die Charaktere (am besten auf beiden Seiten) gleichzeitig ans Herz gewachsen sind (George R.R. Martin). Oder, wie ich hier gelernt habe auf eine Art, die sehr typisch für King scheint: Sie sind durchsetzt von Vignetten, teilweise über einen Paragraph; teilweise über mehere Seiten; teilweise belanglos, aber unterhaltsam; teilweise inhaltlich interessant (=zum darüber Nachdenken); teilweise sehr gut geschrieben; teilweise in sehr einfachen Worten, aber gerade dadurch die Situation der Beteiligten gelungen näherbringen - fast immer nicht für den Plot relevant. Das passiert bei King nicht nur in Action-Szenen (und außerhalb dieser kann es sich auch mal über ganze Kapitel ausdehnen), aber in diesem Band ist mir nochmal besonders aufgefallen, dass es auch in diesen passiert, und das es einen großen Anteil daran hat, diese für mich interessant zu machen.
    - King's Art, Dinge genauso anzukündigen, wie sie passieren, ohne viel unklar zu lassen, dass aber so unterhaltsam zu machen, dass gerade dadurch eine besondere Spannung aufgebaut wird, kannte ich auch aus Carrie und war ein Stilmittel, dass mir bisher in dieser Ausprägung (= oft sind Andeutungen anderer Autoren deutlich vager) und Häufigkeit noch nicht aufgefallen ist, aber für mich sehr gut funktioniert.
    Das Gegenteil davon ist wohl der klassische Plot-Twist: Ich weiß nicht, ob er das in dieser Serie je versucht hat, aber beim Aufbauen des Endes von Wolves of the Calla hatte ich schon den Eindruck, dass das Ziel war. Das ist aus meiner Sicht im wesentlichen gar nicht gelungen.
    - The Dark Tower hat (was man bei einem letzten Band wohl auch erwartet) einige sehr emotionale Momente.
    Der Abschied von Susannah, der Tod von Oy, vor allem aber der Tod von und noch mehr die darauffolgende Trauer um Eddie sind mir nahe gegangen. Der Tod von Jake wiederum war zu sehr One-Two-Punch direkt danach, so dass ich dafür glaube ich keine emotionale
    Kapazität mehr hatte. Der Tod von Pere Callahan hat mich emotional nicht sehr beeinflußt, war aber intellektuell befriedigend, weil ich das Ende seine Arcs (auch als absolut nicht-spirituelle Person) mochte.
    - Durch meinen Begleit-Podcast Kingslingers bin ich bewußt darauf aufmerksam geworden, dass King beim Worldbuilding auf eine Art arbeitet, die etwas an meinem Geschmack vorbeigeht: Er definiert und erzählt oft gerade das, was für die Geschichte nötig ist. Man hat nicht das Gefühl einer ausgedehnten, interessanten Welt "hinter" der Geschichte und hat auch das Gefühl, dass ihn das nicht wirklich interessiert.
    Von wem stammen die Überreste einer technischen Hochkultur in Rolands Welt? Steckt noch etwas hinter der Auseinandersetzung "Good Man vs. Gilead", außer dass man dessen Fall irgendwie erklären musste und einen netten Hintergrund für Wizard and Glass hat? Was hat es mit dem Crimson King auf sich?
    Mir ist im Gegensatz dazu eine "große" Welt normal lieber.
    - Die vielen Zitate und Erwähnungen anderer Werke (außerhalb seiner eigenen) ist bestimmt auch eine Empfehlung an den Leser, aber immer unaufdringlich und neugierig-machend.
    - ein weiterer kleiner Schwachpunkt der Serie ist für mich, dass manche Gefühle etwas zu früh behauptet wird, um sie als Leser schon nachzuempfinden.
    Mein erstes Beispiel dafür war die plötzliche Ehe von Eddie und Susannah, ohne dass ich überhaupt das Gefühl hatte, die Entwicklung einer Beziehung gesehen zu haben (denn gefühlt wurde dort vorher auch öfter etwas behauptet als gezeigt). Ein anderes Beispiel, dass es für mich viel klarer macht: Schon vor dem Erreichen Von Lud denkt Eddie wenn ich mich richtig erinnere sowas wie "Ich fühle mich nicht mehr wie ein New Yorker, sondern wie jemand aus Mid-World". An der Stelle hat er zwar noch Heimweh, aber er tendiert klar in diese Richtung. Das wirkte auf mich mehr behauptet. Jetzt gegen Ende ist Eddie wieder in New York und dort kaufe ich ihm nach allem was er mittlerweile erlebt hat, alles was dazu geschrieben wird, voll ab. Aber eben erst jetzt.

    Noch ein paar Gedanken zum Ende in Spoilern:
    Was gibt das Ende thematisch her:
    - explizit genannt (wenn auch etwas aufdringlich): Der Weg ist das Ziel. Natürlich war nie der dunkle Turm an sich wichtig, zumindest für den (oder manchen) Leser. Die Geschichte ist Meta genug, dass das auch in der Welt gültig bleibt. Ich bin auch eher ein Leser, dem das Ende mindestens genauso wichtig ist wie der Weg. Aber wie man schon in der Besprechung einiger alten Bände hier gesehen hat, ist das eine Serie, die einen sehr großen Fokus auf den Weg legt. Daher ist das eine zur Serie passende Botschaft.
    - der dunkle Turm als "die Antwort auf alle Fragen", "den Grund für [...] alles (?)" - eine Sinnbild für das stetige Streben der Menschheit nach Fortschritt, nach Wissen, nach Antworten - vielleicht kann man die allerletzen Fragen nicht sinnvoll beantworten. Vielleicht tauchen auch immer weitere Fragen (oder ein Kreis?) auf. Und vielleicht sollte man nicht alles (insbesondere sein Ka-Tet..) opfern, um seine Antworten zu finden. Das ist nicht wörtlich im Text, aber mit dem Fokus auf die verschiedenen "Opfer" und "Taten" Rolands auf dem Weg zum Turm, mit dem oft angesprochenen Gegensatz Technik/Wissenschaft vs. Magie mit klar positiv dargestellter Magie, mit dem Vergleich Rolands' mit einem Roboter gegen Ende und auch mit der Walter-Erzählung vom "Universium im Atom im Universum im Atom [...]" scheint es eine sehr naheliegende Interpretation. Ich mag normal die Darstellung von Rationalität als derart negativ nicht, und an den entsprechenden Stellen im Buch war ich nicht sicher, wie ich das finden soll, aber zusammen mit dieser Interpretation des Turms regt das durchaus zum Nachdenken an.
    - der dunkle Turm als "Suchtmittel" ist klares Motiv in der ganzen Serie, spielt am Ende nur noch beim finalen Showdown eine Rolle. Dort weiß ich aber noch nicht wirklich, welche/ob eine Aussage in diesem Kontext dahinter steckt.
    - die Präsenz von Robotern an allen Ecken der Serie als Reflektion von Rolands Zielstrebigkeit, Unbeirrbarkeit, dem nicht-Lernen-Wollen (vor allem davon, dass Personen keine bloßen Hilfsmittel für seine Ziele sind). Die Zeitschleife als die Tragik dieses Charakers, der auch bei vielen Lektionen nicht in der Lage scheint, gut genug zu lernen. Aber vielleicht in diesem Durchlauf nahe dran war (sein Ka-Tet wurde zwar größtenteils geopfert, aber er wollte das zumindest nicht (mehr?)), und daher am Ende das Horn und damit die Chance auf einen erfolgreichen Durchgang hat?
    - eine ganze andere Interpretation: Roland lebt in einer Geschichte, in einer fiktiven Welt. Diese Geschichte ist mit dem Erreichen seines titelgebenden Ziels natürlich zu Ende erzählt (das gibt übrigens auch eine interessante Motivation für die Antagonisten, ihn daran zu hindern, den Turm zu erreichen). Die einzige Art, wie es weitergehen kann, ist, dass jemand dieselbe Geschichte wieder von vorne zu lesen anfängt, an der gleichen Stelle, an der sie begann.
    Das passt zugegeben nicht ganz zu dem Horn, dass Roland in der nächsten Version hat. Vielleicht ist es also nicht unbedingt jemand, der die Geschichte wieder erlebt, sondern sogar jemand, der sie bearbeitet? Der Teil ist mir noch nicht wirklich klar.

    Ein insgesamt sehr guter Abschluss, dem ich wegen der Antagonisten einen leichten Abzug zu 4/5 gebe.
     
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  13. CircleBreaker The Logos

    CircleBreaker
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    M. bekommt in der Serie eindeutig zu wenig Raum, um sich als Antagonist vernünftig zu entfalten. Das ganze Brimborium wirkt dann doch mehr wie im letzten Moment ans Manuskript getackert als von Beginn an geplant. Bei Walter und Crimson King stand mir jedes Mal vor Verblüffung der Mund offen (aber leider im negativen Sinn). Über Band 7 hülle ich aber eh den Mantel des Schweigens, weil er generell keine schöne Leseerfahrung für mich war. :(
     
  14. Minsc

    Minsc
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    Stadt Heinrichs des Löwen
    Aktuell "Sunset" von Stephen King - für mich eine Rückkehr nach langer Pause zum Meister des (leider manchmal zu berechenbaren) Schreckens und der häufig enttäuschenden Auflösung seiner fantastischen Geschichten.

    Trotzdem ist das ein bisschen wie nach Hause kommen und sich wohlfühlen - denn das Lesen seiner Bücher macht (bis auf wenige Ausnahmen) viel Spaß und ich habe da doch einiges aufzuholen (zuletzt war ich von Duddits und dem Buick eher enttäuscht, ist aber alles schon länger her).

    Mangels Zeit allerdings erstmal nur Kurzgeschichten - Sunset ist da so durchschnittlich aber ganz ok für den schnellen Happen Zwischendurch, spannend und süffig erzählen kann er nach wie vor.
     
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  15. Eraserhead

    Eraserhead
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    32GB (2x16GB) G.Skill DDR4 3200MHz
    Laufwerke:
    2000GB Intel 660p M.2 PCIe 3.0 x4 NVME
    Gehäuse:
    be quiet! Dark Base 700
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    Acer Predator XB323UGP
    Aquila von Ursula Poznanski
    [​IMG]

    Mittlerweile bestelle ich mir die Bücher von ihr schon stapelweise ohne die Inhaltsangaben oder die Rezensionen auch nur anzuschauen. Ich weiß gar nicht, wieviele Bücher ich schon von ihr gelesen habe, und bisher haben mir alle mindestens sehr gut gefallen, bis hin zu großartig. So auch dieses hier. Junges Mädel studiert in Siena, wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass ihre Mitbewohnerin, ihr Handy, ihre Schlüssel und ihr Pass weg sind - und die letzten beiden Tage. Soweit, so nicht wahnsinnig originell. Aber was Poznanski immer wieder perfekt hinbekommt, ist, ein Geheimnis zu konstruieren, dem man als Leser unbedingt auf den Grund gehen will. Kryptische Hinweise, Charaktere, die man schwer einordnen kann, schemenhafte Erinnerungen - langsam setzt sich ein Bild zusammen, und die Kapitel fliegen nur so dahin.
    Ich freu mich schon immer jeden Abend auf meine Lesestunde vor dem Schlafen. Ist immer eine perfekte Runde Eskapismus für mich. :)
     
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  16. IvanErtlov

    IvanErtlov
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    Jo, da kann man nur neidlos geistig Beifall klatschen und selbst lesen. Poznanski geht immer.
     
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  17. Lurtz lost

    Lurtz
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    Ich habe die Serie ja ziemlich am Stück gelesen und hatte den ganzen emotionalen Balast der Entstehungsgeschichte nicht, auch das von vielen schon als schwächer empfundene fünfte Buch hat mich noch gut unterhalten.
    Die letzten beiden Bände fand ich dann aber doch sehr meh, obwohl ich das eigentliche Ende auch voll okay finde. Aber der Weg dahin war dann leider nicht mehr überzeugend.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. April 2021 um 15:49 Uhr
  18. Lurtz lost

    Lurtz
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    Stephen King - Later
    Gelesen von Seth Numrich (:winke: @HypNo5 :wahn:)

    Schönes Ding. Souverän erzählt, nette Ideen und der jugendliche Erzähler gelingt ihm hier mal wieder gut (im Gegensatz zum Institut).
    Allerdings geht ihm gegen Ende doch etwas die Luft aus, es wirkt wie so oft bei King als hätte er die Idee einer Novelle auf Romanform ausgewälzt. Dazu hat das Buch dann aber doch einen zu schwachen Aufhänger/Antagonisten und die sehr, sehr starken Bezüge zu Es tragen es nicht allein.

    Ob das Ende einfach nur Stilmittel oder Teaser für einen zweiten Teil war? Wer weiß. Lesen würde ich ihn.

    Seth Numrich hat das Buch großartig vertont.
     
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  19. tolotos*

    tolotos*
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    Liegt das vor allem an den Punkten Walter/Crimson King? Und/oder den anderen nicht beantworteten Fragen? Oder gab es noch deutlich mehr Sachen, die dir gar nicht gefallen haben?

    Joel Dicker - The Truth About the Harry Qubert Affair
    Hauptsächlich ein Krimi um den Tod einer Schülerin mehr als dreißig Jahre vor der Handlung. Erzählt von einem Autor, der mit ermittelt und über den Fall auch ein (fiktives) Buch schreibt, weil er einem Freund helfen will. Als ich mit dem Buch angefangen habe, war ich zunächst sehr interessiert - Buch-im-Buch-Erzählungen spricht mich an, und das zusammen mit einem Kriminalfall hörte sich spannend an. Der Krimi-Teil ist durchaus gut gelungen. Die Auflösung(en) sind interessant und teilweise unerwartet, teilweise zahlen sich Hinweise, die man vorher schon gesehen hat, gut aus. Bei genauerem Nachdenken ist alles zusammen etwas übertrieben und unglaubwürdig, aber beim Lesen hat mich das kaum gestört (vermutlich weil durch die Länge des Buches genug Zeit darauf verwendet wurde, die Sachen vorzubereiten).
    Leider macht das Buch aus seinem Meta-Teil für mein Gefühl fast nichts. Oder aber das ist an mir vorbeigegangen und ich habe bei dem Aspekt etwas entscheidendes verpasst(?) Außerdem ist der Hauptcharakter etwas überzeichnet (das "Markus the Magnificient"-Kapitel fand ich sehr übertrieben als Charakterisierung - hätte man das gleiche nicht eine Spur zurückhaltender machen können?). Einige der Neben-Figuren sind eher Karikaturen - zwar ist das sicher bewußt, aber lachen oder schmunzeln konnte ich dort kaum und sie wirken etwas fehl am Platz (insbesondere die Mutter der Hauptperson). An anderen Stellen ist der Humor dafür durchaus vorhanden. Insgesamt durchschnittlich. 3/5
     
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  20. garglkark ♥ ♥

    garglkark
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  21. Eraserhead

    Eraserhead
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    MSI RTX3090 SUPRIM X
    Motherboard:
    MSI Z490 GAMING CARBON WIFI
    RAM:
    32GB (2x16GB) G.Skill DDR4 3200MHz
    Laufwerke:
    2000GB Intel 660p M.2 PCIe 3.0 x4 NVME
    Gehäuse:
    be quiet! Dark Base 700
    Monitor:
    Acer Predator XB323UGP
    In Sachen Katzenromanen kann ich Ein Kater schwarz wie die Nacht empfehlen. Ist allerdings eher so bittersüß. So wie Katzen halt auch manchmal sind. :D
     
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