An die Historiker: Atombombenabwurf Hiroshima/Nagasaki

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von MadMaxMKII, 6. Mai 2012.

  1. MadMaxMKII

    MadMaxMKII
    Registriert seit:
    30. Juni 2007
    Beiträge:
    7.662
    Hallo,

    ich bin kein Geschichtswissenschaftler und wollte daher fragen, ob es bei der Frage nach der Notwendigkeit der beiden Atombombenabwürfe 1945 eigentlich einen Konsens unter den Historikern gibt?

    ich finde die Kommentare bei diesem Youtube-Clip (Barfuss durch Hiroshima) ja doch sehr einseitig.
    Das Hauptargument ist immer, dass durch die Bombenabwürfe Menschenleben gerettet wurden und der Krieg verkürzt. Mit letzterem gehe ich noch mit, ersteres ist der blanke Hohn im Angesicht der vielen Toten in den beiden Städten und der Erkrankung von Folgegenerationen durch die Strahlenkrankheit.

    Kann wer etwas dazu sagen?
     
  2. Nein, es gibt keinen Konsens. Wie auch. Niemand kann sagen, was passiert wäre.
     
  3. Zele Peter Neururer des GSPB. Nur ohne Porsche.

    Zele
    Registriert seit:
    13. Dezember 2003
    Beiträge:
    25.798

    Ist ersteres so nicht auch verkürzt wieder gegeben?

    Es ging doch nicht allgemein darum, Menschenleben zu retten, sondern darum, die Verluste an amerikanischen Soldaten zu minimieren, die bei einer zum Sieg notwendigen Invasion in Japan damals als wahrscheinlich sehr hoch eingeschätzt wurden.
     
  4. Konkrete Historiker wüsste ich gerade keine, dafür aber Zitate eines Zeitzeugen: Dwight D. Eisenhower.

    http://en.wikiquote.org/wiki/Dwight_D._Eisenhower

     
  5. SeeUngeheuer

    SeeUngeheuer
    Registriert seit:
    10. August 2010
    Beiträge:
    7.813
    Hatte Japan nicht bereits kapituliert, nur eben nicht bedingungslos?
     
  6. MadMaxMKII

    MadMaxMKII
    Registriert seit:
    30. Juni 2007
    Beiträge:
    7.662
    das meine ich ja mit Menschenleben retten.

    die geposteten Zitate von arg finde ich interessant. ob Herr Eisenhower zur Zeit der Bombenabwürfe bereits genauso dachte, oder ob es sich bei den Zitaten nur um seine Retrospektive handelt wird leider nicht ersichtlich.
     
  7. Zele Peter Neururer des GSPB. Nur ohne Porsche.

    Zele
    Registriert seit:
    13. Dezember 2003
    Beiträge:
    25.798

    Man hatte im Juli 45 in Moskau um Friedensverhandlungen gebeten, aber mit Sicherheit nicht kapituliert.
     
  8. MadMaxMKII

    MadMaxMKII
    Registriert seit:
    30. Juni 2007
    Beiträge:
    7.662
    das Problem war, dass die jap. Führungskräfte untereinander verstritten waren und man noch versuchte die Auflagen der Potsdamer Konferenz zu verhandeln.
     
  9. take_O

    take_O
    Registriert seit:
    22. August 2007
    Beiträge:
    4.367
  10. EricX gesperrter Benutzer

    EricX
    Registriert seit:
    11. Januar 2011
    Beiträge:
    4.184
    "Was wäre wenn" kann man natürlich nie endgültig beantworten...
    Mal abgesehen vom 2. Weltkrieg haben die Atombomben aber bestimmt auch die Zukunft verändert. Wer weiß, ob der kalte Krieg kalt geblieben wäre, wenn man die extreme Zerstörungskraft einer (sogar vergleichbar schwachen) Atombombe noch nie gesehen hätte usw.
     
  11. Ich denke, dass du bei derartigen Entscheidungen, wie z.B. den Abwurf einer Atombombe, keine einstimmigen Meinungen hast. Klar werden damals im Kriegseifer viele dem zugestimmt haben, aber es gibt im Nachhinein auch Kritiker (und im Vorfeld warscheinlich auch, aber da es intern war hörte man kaum was).

    Im übertragenen Sinne ist doch das gleiche Dilemma bei Flugzeugentführungen. Darf ich Flugzeuge abschießen und Menschen töten, wenn diese eine Gefahr für Gebäude und weitaus größere Menschenansammlungen darstellen, z.B. Fußballspiel, AKW usw.?! Was rechtfertigt den Tod von 100 Menschen gegenüber 10.000 Menschen oder mehr?! Die Anzahl?!
    Keine leichte Entscheidung...

    Zu der Atombombe auf Japan:
    Den Krieg zu verkürzen war sicherlich nicht der einzige Grund (manche werden behaupten es bestand auch keine militärische Notwendigkeit mehr), vielmehr ging auch es darum, eine Atombombe im Einsatz zu sehen und den Sowjets ein Signal zu senden: Wir haben die A-Bombe und sind bereit sie einzusetzen!
     
  12. EricX gesperrter Benutzer

    EricX
    Registriert seit:
    11. Januar 2011
    Beiträge:
    4.184
    -Doppelpost-
     
  13. Ulsterman Madden des GSPB

    Ulsterman
    Registriert seit:
    7. September 2000
    Beiträge:
    55.296
    Ort:
    79 Wistful Vista
    Und die Sowjetunion hätte auch niemals als Vermittler zur Verfügung gestanden, auch wenn sie das den Japanern tatsächlich vorgespielt haben. Die Sowjetunion hatte erhebliches Interesse daran, das Kriegsende im Pazifik herauszuzögern, bis sie selbst in der Lage war, einzugreifen und sich zumindest Sakhalin und die Kurilen zu sichern.


    In der Diskussion um die Atombombenabwürfe darf man nicht vergessen, dass die Alliierten so gut wie keine Informationen darüber hatten, was in Japans höchsten Kreisen intern passierte und beredet wurde. Für die Amerikaner war vor allem die Situation auf Okinawa entscheidend, und das Ziel, den Krieg so schnell wie möglich und mit so wenig amerikanischen Verlusten wie möglich zu beenden.

    Ob und wann die Japaner auch ohne Atombomben bedingungslos kapituliert hätten, kann heute keiner mehr sagen. Sicher dürfte dagegen sein, dass der "doppelte Schock vom 9. August" (Nagasaki und die sowjetische Kriegserklärung + Invasion in Machuko) die Entscheidung beschleunigt hat.
     
  14. Grundsätzlich wurden Kernwaffen damals anders gesehen als heute. Es war einfach "eine Waffe", zwar eine relativ Starke, aber das gleiche Resultat hätte man auch mit einem "1000 Bomber Raid" erreichen können.

    Es war ne Waffe, sie wurde eingesetzt, fertig. Heute weiß man ja, was ein erneuter Einsatz von Kernwaffen bewirken würde, aber damals bestand die Gefahr noch nicht.

    Natürlich hätte man es auch anders erreichen können, aber weshalb hätte man?
     
  15. Folgegenerationen waren mit Sicherheit nicht von der Strahlenkrankheit betroffen, denn diese stellt sich erst ab einer Äquivalentdosis von 1 bis 2 Sievert ein. Das Krebsrisiko in der Präfektur Hiroshima war für den Zeitraum bis 1984 signifikant erhöht, seitdem ist es nach vielen epidemiologischen Studien auf dem Level des restlichen Japans.

    Ich kann die Entscheidung von Truman, dem Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki zuzustimmen, nachvollziehen. Eine Invasion Japans hätte Hunderttausenden Amerikanern das Leben gekostet - man wusste vom Island Hopping, wie fanatisch die Japaner verteidigen. Am Ende war es die einfache Frage "them or us" und bei einer solchen Frage sollte sich der Präsident der Vereinigten Staaten immer für das "them" entscheiden.
     
  16. Atombombenabwurf = atomar gepwned. :teach:
    False. Next Try.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. Mai 2012
  17. Silent Hunter Bambis Alptraum

    Silent Hunter
    Registriert seit:
    7. März 2000
    Beiträge:
    28.612
    Und natürlich hatte man hier die einmalige Chance, die neue Waffe noch mal schnell an einem komplett realen Ziel zu testen. Das geht in Friedenszeiten so schlecht ..
     
  18. ancalagon Alarmarzt Meier-Wohlfühl

    ancalagon
    Registriert seit:
    26. September 2001
    Beiträge:
    56.110
    Ort:
    das muss "aus" heíßen nich "von" :p
    Gab es vor dem Abwurf eigentlich schon Erkenntnise/Spekulationen über langfristige Auswirkungen der Strahlung oder war das alles mehr oder weniger unbekanntes Terrain? Radioaktivität war ja sicherlich nicht neu, aber so Sachen wie Strahlenkrankheit etc wird ja erst mit der Zeit ans Licht kommen :nixblick:
     
  19. Halleluja gesperrter Benutzer

    Halleluja
    Registriert seit:
    28. Mai 2008
    Beiträge:
    18.192
    Der Abwurf war doch schon lange vorher mit der japanischen Filmindustrie geplant.
     
  20. Ja hatten sie, haben ja fleißig in der Südsee rumgebombt und Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen beobachten können.
    Oder auch auf eigene Soldaten weil man die Wetterberichte nicht lesen konnte:fs:
     
  21. M1cha84 gespeerter User

    M1cha84
    Registriert seit:
    2. Juli 2002
    Beiträge:
    1.898
    Ort:
    Essen
    Truman hat bspw. die Abwürfe in seinen Memoiren gerechtfertigt. Mit dem Verlust von Menschenleben muss hier in Betracht gezogen werden, dass die Japaner eine völlig andere Einstellung zum Krieg hatten: Kamikaze Piloten, Soldaten, die Buchstäblich bis zum letzten Mann kämpften und zuhause Witwen, die sich zu tausenden das Leben nahmen um den anrückenden Truppen nicht in die Hände zu fallen. Außerdem muss bedacht werden, dass die Bombe auf Hiroshima ihr Ziel verfehlte. Es sollten die Hafenanlagen zerstört werden und nicht die Innenstadt.
     
  22. dyex

    dyex
    Registriert seit:
    9. September 2011
    Beiträge:
    3.617
    Eine Invasion von USA und SU gleichzeitig hätte wohl auch schwere Folgen für die japanische Bevölkerung.
     
  23. Die Tests in der Südsee fanden aber nach dem 2. Weltkrieg statt. Die Wissenschaftler werden schon gewusst haben, dass bei der Explosion diese und jene Strahlung auftritt. Welche Auswirkungen genau das auf den Menschen hat, war wahrscheinlich nicht so bekannt.
     
  24. Ulsterman Madden des GSPB

    Ulsterman
    Registriert seit:
    7. September 2000
    Beiträge:
    55.296
    Ort:
    79 Wistful Vista
    Erst ab 1946, da war der zweite Weltkrieg vorbei.
     
  25. BaVoBa

    BaVoBa
    Registriert seit:
    29. August 2007
    Beiträge:
    3.851
    Einerseits haben die Abwürfe sicherlich den Krieg verkürzt. Ob das nun das alleinige Motiv gewesen ist, darüber wird bis heute gestritten.

    Das ganze ist eine enorm vielschichtige Geschichte. Ich hab schon einiges dazu gelesen und bin mir immer noch sehr unschlüssig. Wenn man die Leute, die man eh nicht ernstnehmen kann (also einerseits Hurrapatrioten, die das alles total super und einwandfrei finden und Verschwörungsheinis, die einem erzählen daß der Tenno persönlich schon seit Anfang '45 im weißen Haus darum gebettelt hat sofort bedingungslos kapitulieren zu dürfen) rausfilert, bleibt immer noch ein riesiges Gebiet.

    Wird sich wohl nie einwandfrei klären lassen. :nixblick:
     
  26. Tarak

    Tarak
    Registriert seit:
    27. Oktober 2007
    Beiträge:
    182
    Ein weiterer Grund die Bombe einzusetzen was sicherlich der Sowjetunion zu demonstrieren, das man im Besitz dieser Waffe ist. Man muss bedenken 1945 zogen intern schon die ersten Wolken des kalten Krieges auf.

    Zur Invasion in Japan: Bei dieser war der Einsatz von Chemiewaffen fester teil des Planes und es kann mir keiner erzählen, dass das ohne Opfer in der Zivilbevölkerunge abgegangen wäre. Grade in den Städten nicht.
     
  27. Zauberpilz

    Zauberpilz
    Registriert seit:
    30. April 2008
    Beiträge:
    4.618
    der Einsatz der Atombomben war auch ein Zeichen der USA, dass man nicht zurück schrecke diese Waffe im Ernstfall einzusetzen.

    Das hat vielleicht sogar den kalten Krieg kalt sein lassen.
     
  28. Ulsterman Madden des GSPB

    Ulsterman
    Registriert seit:
    7. September 2000
    Beiträge:
    55.296
    Ort:
    79 Wistful Vista
    Was sich im Nachhinein als ausgesprochen unnötig erwiesen hat - die Sowjetunion war über den Fortschritt des Manhattan Project gut informiert.
     
  29. MadMaxMKII

    MadMaxMKII
    Registriert seit:
    30. Juni 2007
    Beiträge:
    7.662
    Den "Heinis" wurde ja mit der Veröffenlichung der Memoiren des verstorbenen Shôwa-Tennos 1989 auch der Wind aus den Segeln genommen. Aus diesen ging hervor, dass sich der Kaiser gegen Ende des Krieges für ein Aufopfern der Menschen eingesetzt hat. Im Nachhinein wurde dann diskutiert, ob ihn das nicht zum Kriegsverbrecher mache.

    Und das man die Atombomben auf Japan abgeworfen hat, hatte sicherlich auch mit dem damaligen Weltbild der Amerikaner zu tun. Lieber den Gelben Mann (Japan), als den Weißen Mann (Deutschland).
     
  30. dabba

    dabba
    Registriert seit:
    1. Mai 2008
    Beiträge:
    10.047
    Ort:
    Rheine
    ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2012
  31. dabba

    dabba
    Registriert seit:
    1. Mai 2008
    Beiträge:
    10.047
    Ort:
    Rheine
    Wenn mans weiß... ;)

    Die Sowjetunion war auch über "Ultra", den erfolgreichen britischen Angriff auf die "Enigma", informiert. Trotzdem wurde die Enigma auch nach dem Krieg noch benutzt (natürlich nicht von den Sowjets) und die Briten haben bis in die 70er verschwiegen, dass die Enigma unsicher ist.
     
  32. Das Manhattan-Projekt wurde ursprünglich begonnen, um einer vermuteten dt. Atombombe zuvorzukommen. Allerdings war die Bombe erst im Juli 1945 einsatzbereit als Deutschland schon kapituliert hatte.
    Hätte der Krieg in Europa länger gedauert, wäre die erste Bombe wahrscheinlich auf Deutschland gefallen.
     
  33. dyex

    dyex
    Registriert seit:
    9. September 2011
    Beiträge:
    3.617
    Würd ich nicht sagen, da hätte es auch gereicht eine Insel hochzujagen, wie mit der Wasserstoffbombe.
     
  34. Zauberpilz

    Zauberpilz
    Registriert seit:
    30. April 2008
    Beiträge:
    4.618
    Das ist sowieso nur Spekulation.
    Aber durch Hiroshima wurde auch der letzte davon überzeugt, dass die demokratischen USA zum Massenmord bereit sind.
     
  35. Slup

    Slup
    Registriert seit:
    5. Oktober 2005
    Beiträge:
    8.385
    Ort:
    Waldenrath
    Eine einsame Insel hochzujagen ist was anderes wie das Teil einer Bevölkerung auf den Kopf zu werfen.
     

  36. Was ist jetzt der Unterschied einer Kernwaffe auf Hiroshima gegenüber einem 1000 Bomber-Nachtangriff auf die Innenstadt von Köln?
     
  37. MadMaxMKII

    MadMaxMKII
    Registriert seit:
    30. Juni 2007
    Beiträge:
    7.662
    ich denke das potential beider angriffsarten steht außer frage, aber ich behaupte einfach mal ganz kühn, dass die überlebenschancen während eines flächenbombardements insbesondere für die zivilbevölkerung um einiges größer sind, als bei einem atombombenabwurf. jede stadt hatte luftschutzbunker, aber in welchen städten waren das auch gleichzeitig atomschutzbunker?

    bei einem Bomberangriff brauchst du auch dementsprechend viele piloten und vor allem eine riesen anzahl an flugzeugen und bombentonnage.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Mai 2012
  38. Vögelchen Baumwolldealer des Vertrauens

    Vögelchen
    Registriert seit:
    13. Januar 2005
    Beiträge:
    94.662
    Naja, genug Platz war in Japans Lutschutzbunkern auch bei weitem nicht.
    Die Luftangriffe auf Tokio haben mehr Opfer als die beiden Atombomben gefordert.
     
  39. Tenno war doch soetwas wie der Uhrzeit-Kim Jong? :ugly:
     
Top