Gedanken zum... Landwirtschafts-Simulator 2008?!

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  1. Ich weiß schon, was die meisten von Ihnen denken werden: Warum sollte sich denn heutzutage noch jemand für den Landwirtschafts-Simulator 2008 interessieren? Das ist eine sehr berechtigte Frage... auf die ich nicht wirklich eine Antwort habe. Ich könnte jetzt natürlich argumentieren, dass es aus historischer Sicht recht interessant sein könnte, auf den Beginn dieser Serie, die wie kaum eine andere deutsche Verkaufsregale dominiert, zurückzuschauen. Das stimmt vermutlich auch zu einem gewissen Grad, aber in erster Linie ist dieser Text ein Selbstversuch. Der LS 08 zählt nämlich zu den ersten Titeln, die ich je gespielt habe (ich gehöre noch zu den jüngeren Jahrgängen). Schon länger beschäftigt mich die Frage, wie gut dieses Spiel – an dem ich damals durchaus meinen Spaß hatte – gealtert ist bzw. wie sehr mich die Naivität der Jugend von den Fehlern des Spiels abgelenkt hat. Wünschen Sie mir Glück.

    Zwei... verbesserungsfähige Spielmodi
    Kaum ist man im Hauptmenü angelangt, wird man mit den zwei verfügbaren Spielmodi konfrontiert: „Missionen“ und „Freies Spiel“. Erstere sind zeitbasierte Herausforderungen, in denen man drei Medaillen (Bronze, Silber und Gold) erreichen kann. Aktivitäten dieser Art sind mir schon prinzipiell ziemlich egal, aber wenn man hier zum Beispiel seine Rennen (sogar mit Mähdreschern!) auch noch mit einer schlechten Fahrphysik bestreiten muss, meide ich diesen Modus wie die Pest. So viel schon mal vorweg: Das Fahrverhalten der Maschinen ist extrem seltsam. Sie bremsen quasi ohne jegliche Trägheit ab und beschleunigen viel zu schnell.

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    Hier sehen wir den kleinsten Traktor mit einer Sämaschine. Was wir nicht sehen: Details! Der Traktor wirkt leblos und auch die Landschaft kann nicht überzeugen. Man beachte, wie früh das Gras ausblendet.

    Aber widmen wir uns lieber dem Kern des LS 08: dem freien Spiel. Hier spawnen Sie auf einem Bauernhof inmitten eines Fuhrparks, der nun Ihnen gehört. Direkt fällt auf, dass man weder springen noch sprinten kann, wodurch sich die Fortbewegung so zäh gestaltet wie ein alter Kaugummi. Also klemme ich mich hinter das Steuer einer meiner drei Traktoren und sehe... ich bin ein Geist. In der Außenansicht meiner Zugmaschine stellt sich heraus, dass meine Spielfigur gar keinen Körper hat! Man kann dem natürlich entgegenwirken, indem man die Cockpitansicht verwendet, aber die ist generell zu unübersichtlich, als dass man sie in den meisten Situationen sinnvoll einsetzen könnte. Auch ansonsten macht das Spiel grafisch keine gute Figur. Es wäre natürlich unrealistisch, hier das nächste Crysis zu erwarten, aber die Präsentation ist sogar für die Maßstäbe des Jahres 2008 schlecht. Die Modelle der Fahrzeuge wirken klobig und weisen kaum Details auf. Teilweise sieht aus so aus, als wurde einfach vergessen, die Modelle mit Texturen zu versehen.

    Von Komfort und unnützem Geld
    Nachdem ich den Grafik-Shock überwunden hatte, machte ich mich an die Inspektion meines Fuhrparks. Man kann komfortabel zwischen den Traktoren und den beiden Mähdreschern hin und her teleportieren, indem man die Tabulatortaste drückt. Das war's dann aber quasi schon mit Komfortfunktionen. Okay, man hat im Hauptmenü die Möglichkeit, den Fuhrpark auf seine Anfangsposition zurückzusetzen, wenn man seine Geräte irgendwo eingeklemmt hat. Das ist auch bitter nötig, denn dank der bescheidenen Fahrphysik passieren Malheure durchaus oft. Aber ansonsten gibt sich das Spiel relativ wenig Mühe, dem Spieler Arbeit abzunehmen.

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    Das Abernten der Felder ist die spaßigste Aktivität im Spiel. Diese verwaschene sandbraune Textur im rechten Teil des Bildes ist übrigens das Feld – nunja, ein kleiner Teil davon... vielleicht muss ich die Sache mit dem „Spaß“ nochmal zurücknehmen.

    Das habe ich bemerkt, als ich anfing, mit meinem Drescher ein nahelegenes Feld abzuernten. Wo man in späteren LS-Teilen einen KI-Helfer einstellen kann, muss man hier wirklich jede Arbeit selbst ausführen. Das Dreschen ist zwar noch das spaßigste Element des Spiels und auf seine eigene Weise sogar recht entspannend, wird aber nach einer gewissen Zeit ziemlich langweilig. Wenn der Korntank meiner Erntemaschine voll ist, muss ich in einen meiner Traktoren steigen und mit einem Anhänger an den Mähdrescher fahren. Die Ernte kann ich dann beim Hafen verkaufen, was Geld einbringt. Ich könnte das Korn zwar alternativ auch beim Bauernhof zwischenlagern, aber mir hat sich nicht erschlossen, warum man das tun sollte. Das Geld braucht man wiederum, um seine Tankkosten zu decken. Ja, die Fahrzeuge brauchen Treibstoff und auch durchaus nicht wenig davon, aber damit ist der Zweck der Währung auch schon erfüllt. Einen richtigen Wirtschaftsteil und die Möglichkeit, neue Maschinen zu erwerben, gibt es nicht. Folglich existiert auch kein wirkliches Spielziel, außer seinen Kontostand in die Höhe zu treiben. Das reicht mir aber nicht als Motivation.

    Der Umfang ist dürftig
    Was gibt's sonst noch zu tun? Wer seine Felder abgeerntet hat, muss sie entweder grubbern oder plügen. Ersteres scheint mir deutlich effektiver, da der Grubber wesentlich breiter ist als der Pflug und daher deutlich mehr Fläche in derselben Zeit bearbeiten kann. Wenn der Pflug einen Vorteil hat, dann kommuniziert ihn das Spiel nicht. Danach ist das Feld für die Aussaat vorbereitet. Hier zeigt sich wiederum, dass nur eine Getreideart geboten wird: Weizen, wenn ich mich nicht irre, aber die Textur macht mir die Identifikation nicht leicht. Nach der Aussaat kann man noch optional mit einer Spritze düngen – danach folgt wieder die Ernte.

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    Im Dorf herrscht tote Hose. Das ist aber auch gut, denn manch einer, der von diesem Spiel in den Wahnsinn getrieben wurde, könnte seinen Spaß im Umfahren von Passanten suchen.

    Ansonsten bietet das Spiel noch eine andere Art des Gelderwerbs. Man kann mit einem Mähwerk und einem Ladewagen auch Gras aufsammeln und dieses dann direkt am Bauernhof verkaufen. Dieser Ablauf ist allerdings noch simpler als die Getreideernte und spielt sich noch unbefriedigender. Jetzt sind wir aber wirklich an dem Punkt, wo das Spiel nichts Neues mehr auffahren kann. Es gibt keinen Multiplayer und die Ernte-Routine sagt mir nicht zu, also beginne ich damit, die Spielwelt zu erkunden.

    Jäger des verlorenen... scharch.
    Der Landwirtschafts-Simulator 2008 bietet nur eine Karte, eine Insel. Diese ist prinzipiell recht umfangreich (die einzelnen Felder sind viel zu groß!), aber sie auch ziemlich tot. Es gibt zwar ein Dorf, aber da rührt sich keine Menschenseele – keine Autos, keine Fußgänger, gar nichts. Die einzigen nicht-statischen Objekte sind einige Schiffe, die man zuweilen am Horizont vorbeischippern sieht. Bei meiner Erkundungstour zeigen sich erneut die Limitationen der Grafik. Die unmittelbare Umgebung sieht noch halbwegs annehmbar aus, aber bereits nach wenigen Metern verliert das Gelände jegliche Details. Auf größere Entfernung sehen manche Texturen wirklich furchtbar aus. Da hatte das zehn Jahre ältere Outcast ja hübschere Landschaften! Eine Sache muss ich jedoch positiv herausstellen: Das Spiel hat einen dynamischen Wetter- sowie Tag und Nacht-Wechsel. Das hat gewisse Auswirkungen aufs Gameplay, so kann man bei Hagel etwa nicht ernten. Das war's dann aber auch schon mit den positiven Aspekten des Spiels.

    Fazit
    Was war falsch mit mir, dass ich dieses Spiel einmal gut fand? Okay, ich muss mir hier einmal selbst auf die Schulter klopfen: Die gröbsten Probleme des LS 08 habe ich schon als Kind bemerkt. Aber wie schlecht dieser Titel gealtert ist, offenbart sich mir jetzt erst: eine absolut tote Welt, miese Physik und auch die Langzeitmotivation geht gegen null. Ich möche keinesfalls die ganze Reihe verteufeln, weil ich denke, dass der Landwirtschafts-Simulator (so in etwa ab der 2011er Ausgabe) ein zumindest vorzeigbares Niveau erreicht hat. Aber dieses Spiel? Es taugt wirklich nichts und ist höchstens noch für historisch interessierte Menschen geeignet, aber selbst denen würde ich zu erhöhter Vorsicht raten.

    WERTUNG: 18%

    Über den Autor

    ModuGames
    Gamer seit ungefähr 2008 (so genau weiß ich das nicht mehr), mit Fokus auf Rollen- und Strategiespiele sowie First-Person-Shooter. Ich schreibe nicht nur gerne, sondern bin auch Musiker und Sportler. Mein größtes Hobby sind aber in der Tat Spiele – über die ich mich für mein Leben gern austausche.

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