Mag!!! - Das Magazin

Von Husky666 · 8. September 2019 · ·
Mag - Das Magazin
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  1. Um was es geht?

    Diesmal um nichts anderes als einen "Computerspielemagazinverlag" sprich sowas was Computec und co früher waren. Ein Verlag für Computerspielezeitschriften. Wie jeder auch weiss machen ja Chefredakteure den ganzen Tag nichts anderes als irgendwelche Spiele spielen bzw die Spiele die sie nicht spielen wollen den Kollegen aufdrücken. Dann wird etwas gezockt und etwas Text geschrieben und fertig ist das Heft. Michael Graf kann euch das sicher bestätigen das es genau so läuft. Und die Petra kocht den Kaffee!

    Greenwood bzw Independent Arts, das Softwarehaus* das "Mag" entwickelte, steckte auch einiges an Recherearbeit in das Spiel, so enthält es tausende Datensätze zu Spielen und Herstellern aus dem Jahr 1986 bis zum Jahr 1995. Diese stammen aus der damaligen ASM bzw. PC Spiel des Magna Media Verlages. Diese liegen als extra Datei vor die nach der Installation per Importfunktion eingebaut werden müssen. Sonst hat man aus Urheberrechtsgründen nur verfälschte Namen.

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    Tja, nicht jeder will bei uns Anfangen. Ein Name muss her. Namensähnlichkeiten sind Zufall

    "Mag – Das Magazin" ist eine typische deutsche Wirtschaftssimulation der 90er. Es gibt mehrere Bildschirme mit hübsch gezeichneten Comicgrafiken. Auf diesen sind entsprechende Funktionen eingebaut. Wobei die bei Mag immerhin recht offentlich versteckt sind. Die Ablage im eigenen Büro sind die aktuellen Testmuster, das Notizbuch sind die Kontakte zu Spielefirmen, hier holt man sich die Exklusivdeals. Im Redaktionsraum der Stapel mit spielen ist die Musterverteilung. Der Redakteur der da Sitzt bringt einen ins Menü um entsprechenden Redakteuren und freien Mitarbeitern die Rubriken des Heftes zuzuteilen usw. Jeder Redakteur hat dabei nur ein bestimmtes Pensum das er im Monat schaft. Jede Rubrik die dem Redakteur zugeteilt wird knabbert etwas davon ab, wobei man natürlich frei festlegen kann wieviel Prozent der Arbeitsleistung auf eine Rubrik entfällt. Natürlich muss man hier auch abwägen das "Aktuelle Meldungen" im Endeffekt weniger Zeit und Umfang brauchen als "Tipps & Tricks".

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    Ein Name muss her. Namensähnlichkeiten sind Zufall

    Wer seine Redakteure über die 100% auslastet muss damit Rechnen das diese die gestellten Aufgaben nicht bewältigen, im Zweifelsfall sogar kündigen. Spiele hingegen benötigen Unterschied viel der "Arbeitsleistung" Ein "Ultima V" natürlich wesentlich mehr als ein "Bubble Bobble" auch dies muss man berücksichtigen. Auch kosten Redakteure mehr als Freie Mitarbeiter. Erstere werden monatlich fürstlich entlohnt. Die freien Mitarbeiter nach Textmenge. Zudem muss man auch noch aufpassen wie man sein Magazin aufstellt. 1986 ein PC Spielemagazin zu gründen ist etwas kontraproduktiv. Es gibt schlicht nicht mal eine Handvoll PC Spiele in dem Jahr. Wer aber zulange auf einem C64 oder gar CPC Magazin rumsitzt hat spätestens 1993 keine Spiele mehr und damit auch keine Leser. Natürlich lässt sich auch ein Multiformatmagazin machen. Allerdings wird man dann besonders zum Weihnachtsgeschäft mit Spielen erschlagen. Das wäre nicht schlimm aber dadurch steigt die Heftdicke und damit auch die Druckkosten. Wer da nicht aufpasst macht mit zu dicken Heften schnell minus.

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    Wessen Büro das wohl sein soll?

    Am Ende des Monats (der je nach Schwierigkeitsgrad 5-15 Minuten dauert (sich aber auch abkürzen lässt) steht die Redaktionskonferenz. Hier lassen sich nach herzenslust Wertungen, Seitenumfänge etc. anpassen und gar manchmal haben die Redakteure gar Vorschläge vorzubringen die ganz Demoraktisch angenommen oder abgelehnt werden.

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    Läuft doch! Nach 5 Monaten meistverkauftes Magazin

    Dann nach der Kalkulation sitzt man im nächsten Monat. Wobei auch dann sehr schnell das Hauptproblem klar wird. Man macht Monat für Monat genau das selbe. Muster verteilen. Exklusivdeals suchen, Kalkulation, Redaktionskonferenz. Repeat. Repeat... Klar zwischendurch kann man neue Hefte machen, Sonderhefte mal das Layout umstellen. Allerdings sind das alles Kleinigkeiten. Auch diverse Zufallsereignisse wie "Redakteur will Sonderurlaub" oder "Redakteur kündigt" sorgen nur für kurze Abwechslung.

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    Redaktionskonferenz, zu recht wird natürlich Tie Fighter
    Spiel des Monats sein! Sind ja ein seriöses Magazin!

    Technisches:

    Mag setzt wie alle damaligen deutschen Spiele auf handgezeichnete wenig animierte SVGA Grafiken. Dazu kommt ein relativ kurzweiliger CD-Audio Soundtrack den man theoretisch auch auf einem Normalen CD-Spieler abspielen könnte, wenn man denn wollte. Denn die meisten Musikstücke sind extrem nervig, lediglich "Something Different" gefällt mir. Ausserdem befindet sich der Song "The Art of Entertainment" auf der CD, den hatte Greenwood irgendwann auch mal als Promosingle herausgebracht.

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    Gewonnen! Als Verlagsleiter geht man natürlich genau
    so in Rente! Ab in die Karibik!

    Warum?:

    Im Grunde hatten die Redaktionen schon recht. Das Spiel wird sehr zäh. Allerdings hat es einen Vorteil. Durch die Recherchearbeit im Spiel und den damit verbundenen echten Daten erlebt man quasi die Hochzeit der Spielemagazine mit. Wobei es von den dort erwähnten Magazinen tatsächlich nur noch die PCGames gibt. Gamestar gab es da ja noch gar nicht. Wobei man auf den Screenshots des damaligen PCGames Tests sehen kann das dieser ohne Originaldaten entstand, diese wurden erst im letzten Moment hinzugeführt um möglichst aktuelle Daten zu haben. Natürlich kann heutzutage kaum mehr die Faszination diese Wirtschaftssimulationen nachempfinden. Im Grunde wurden da nur Grafiken getauscht und schon hat man ein neues Spiel. Quasi spielt sich Vermeer 2 genau so wie MadTV genau wie MadNews genau wie der Planer genau wie Mag. Dafür gabs eigentlich für jeden Geschmack eine. So schlecht ist Mag jetzt nicht das es so in vergessenheit geraten musste.

    Fazit:

    Klar ist Mag im Grunde wie jede andere deutsche Wirtschaftssimulation. Und vom Humor kommt es längst nicht mit Mad TV oder Mad News (kennt das noch wer?) mit. Staubtrocken wie "Der Planer" ist es hingegen auch nicht. Der Vorteil ist das eine Kampagne auch nur ein paar Stunden dauert. Da das Spiel mit original Daten daher kommt entsteht wirklich eine schöne Atmosphäre besonders wenn man einige der Spiele in seinem Spieleschrank hat, und schön mal die Wertungen nach oben korrigiert oder eben nach unten, je nachdem. Im Grunde kram ich das Spiel 1x im Jahr für eine Runde raus und nach ein paar Stunden ist alles wieder vorbei.

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    Der Editor ist mächtig. Hier kann jeder Redakteur,
    Spiel, Magazin und sogar Auflagenzahlen verändert werden

    Besonders ist natürlich das Intro. Das in der PC Games Redaktion gedreht wurde und auch einige Klischees bedient. Auswürfeln der Wertungen, Der Chefredakteur pickt sich die Spiele zuerst. Die einzige Frau soll Kaffee kochen usw. Michael Graf wird sicher bestätigten das dies absolut realistisch ist.

    Bezug:

    Tja, da Greenwood irgendwann von Phenomedia geschluckt wurde und die mit der Dotcom Blase platzten weiss niemand wo eigentlich die Rechte liegen. Entsprechend gibt es das Spiel genau nirgendwo mehr zu kaufen ausser auf eBay und anderen. Preise liegen aber eher im unteren Bereich. Letztens ging eines Weg für 5€. Ich hab damals noch 79,95 DM bezahlt. Das Spiel war zudem eines der letzten größeren kommerziellen Spiele welches auch noch auf dem Amiga erschien.

    Trivia: Das heutige Piranha Bytes ist das ursprüngliche Greenwood, welches durch das Management aus der Phenomedia Insolvenzmasse durch die Studioleitung herausgekauft wurde.

    *Softwarehaus. So wurde früher in den Spielemagazinen die Spieleentwicklerfirmen genannt, vermutlich um die von "1 Personen Titeln" abzugrenzen.
    Yeager, SandroOdak und Basil F. gefällt das.

Kommentare

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  1. Yeager
    Ja, so war das. Wobei einige davon positiv rausstachen. Mag ist solch ein Fall, Vermeer und auch der Planer. Es wird wohl kein Zufall gewesen sein, dass du ausgerechnet die nanntest :)
    1. Husky666
      Der Vorteil war das die alle teilweise ein sehr spezielle Sparte bedient haben. Ich mein Speditionswesen? Wen ausser deutsche Interessiert sowas bitte? Deutschland war ja schon immer sehr speziell bei Spielen. Berühmte Adventures die Indiana Jones 4, oder Monkey Island haben den großteil ihrer Verkäufe in Deutschland generiert. Bei Sierra Adventures auch, die verkauften Weltweit sagen wir 500.000 Expemplare, alleine 250.000 in Deutschland. Ist so ein Spiel hier gefloppt war es eine Katastrophe
    2. Husky666
      So Wisims bedienten halt sehr spezielle Sparten. Wenn ausser Deutsche interessiert denn Speditionswesen?
  2. Yeager
    Ein Revival dieses Spiels ist seit gefühlten 1000 Jahren überfällig - allerdings auch inkl. einer massiven Überarbeitung. Ich habe es damals geliebt, würde es mir heute aber wegen des "Repeat Repeat" nicht mehr reinziehen wollen.
    1. Husky666
      Das war aber Leider bei fast allen deutschen WiSims so, im Grunde machte man jede Spielrunde das selbe. Bis auf diverse Zufallsereignisse
      Yeager gefällt das.
  3. DrProof
    Tolles Spiel.... wenn man versagt hat und die Zeitschriftenverkäufe in den Keller gingen hat man sich erhängt... Das könnte man heute nicht mehr so bringen...
  4. Basil F.
    Ich habe dieses Spiel geliebt und das Intro ist mir noch sehr gut im Gedächtnis geblieben... Geliebt habe ich wegen den Screenshots aus den damaligen Magazinen. Ich fand und finde es noch hochinteressant Berichte aus der Urzeit meines Hobbys zu lesen und einen Heinrich Lenhardt im Spiel anzuheuern.
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