ARM-Chef Warren East - CPU-Effizienz ist wichtiger als immer mehr Leistung nach dem Mooreschen Gesetz

Der CEO von ARM ist der Ansicht, dass das Mooresche Gesetz, das alle zwei Jahre die doppelte Leistung für Prozessoren vorhersagt, irrelevant wird, da Effizienz wesentlich wichtiger sei.

von Georg Wieselsberger,
11.11.2012 10:48 Uhr

In einem Interview mit Technology Review betont ARM-CEO Warren East, dass die Prozessoren seines Unternehmens schon immer auf mehr Effizienz statt auf besonders hohe Leistung ausgelegt waren. Das sei für mobile Geräte mit Batterien besonders wichtig, aber auch bei anderen Rechnern. Schließlich würden Rechenzentren inzwischen in seltsamen Gegenenden der Erde gebaut, nur weil es dort kühler sei und Server viel Energie verbrauchen. Man könne aber auch statt einigen großen, stromhungrigen Servern auch viele kleine, effiziente Server vernetzen.

Bei mobilen Geräten habe es in den letzten 15 bis 20 Jahren wesentlich mehr Innovationen als bei PCs gegeben. Jeder Hersteller, wie nun auch Microsoft mit Microsoft Surface, habe die Wahl zwischen mehreren Anbietern von ARM-CPUs, das sei gut für die Innovation und sorge zudem für niedrigere Preise. Für East können im Grunde alle Geräte davon profitieren, den PCs und Fernseher seien nichts anderes als sehr große Smartphones. Auf das Gerücht angesprochen, dass Apple auch seine Laptops und Desktops auf ARM-Prozessoren umstellen könnte, wies East darauf hin, dass ARM-CPUs eine breite Palette abdecken, in der auch Apple operiert. Doch so eine Entscheidung müsse Apple natürlich selbst treffen.

Die Behauptung, dass ARM-Prozessoren nicht leistungsfähig für Aufgaben wie Bildverarbeitung seien, bezeichnet East als »Müll«. ARM-CPUs würden vor allem in mobilen Geräten eingesetzt, bei denen die Batterielaufzeit wichtiger sei als Hochleistung. Das bedeute aber nicht, dass ARM-Prozessoren in größeren Geräten, denen mehr Energie zur Verfügung steht, nicht auch mehr Leistung bieten könnten. Ohnehin seien die ARM-CPUs eigentlich nicht für mobile Geräte entworfen worden, sondern für einen Computer, auf dem ein Windows-ähnliches Betriebssystem namens RISC-OS lief, lange bevor Microsoft Windows existierte. Warren East spielt damit auf die Archimedes-Computer von Acorn an, die Ende der 80er-Jahre eine für die damalige Zeit enorme Rechenleistung boten, die wesentlich höher war als die der vergleichbaren Amiga- oder PC-Systeme.

Das Problem, dass Software für die noch immer vorherrschenden x86-Prozessoren nicht auf ARM-Systemen laufen, sieht Warren East pragmatisch. Es werde immer Programme geben, die nicht auf neue Architekturen umgesetzt werden. Die Umstellung auf ARM-CPUs werde auch nicht über Nacht geschehen. Alte Software werde aber irgendwann durch neue ersetzt und Windows RT sei ein gutes Beispiel für ein aktualisiertes Redesign einer seit vielen Jahren erfolgreichen Software. Außerdem sei es nun kein »Nischensport« mehr, Software für ARM zu schreiben, da es jetzt sehr viele Geräte mit diesen Prozessoren gäbe.


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