Gegen Internetsucht - Elektroschocks in China (Update)

In China gehören auch Elektroschocks zu den Methoden von Dr. Yang Yonxin, der Jugendliche wegen Internet-Sucht behandelt. Die Eltern bezahlen dafür mehrere Monatsgehälter.

von Georg Wieselsberger,
15.07.2009 14:02 Uhr

Wie unsere Kollegen der PC-Welt melden, behandelt der Arzt Yang Yonxin, der sich auf einem "heiligen Kreuzzug" sieht, in einer Klinik in der Provinz Shandong Kinder und Jugendliche, bei denen der Verdacht auf Internet-Sucht besteht. Zu den seltsamen Methoden des Arztes gehört es, dass die Eltern während der Zeit in der Klinik nicht sprechen dürfen, es sei denn, über die Behandlung der Internet-Sucht, und die Klinik 86 Regeln für die Patienten aufgestellt hat, deren Nichtbefolgung mit Elektroschocks bestraft werden - mit Einwilligung der Eltern. Knapp 3.000 der so "behandelten" Jugendlichen haben im Internet über ihre Erlebnisse berichtet und damit die Öffentlichkeit informiert.

Laut Gabriele Farke, der Vorsitzenden des Selbsthilfe-Portals Onlinesucht.de erinnern "solche Maßnahmen an eine furchtbare Zeit, die wir in Deutschland zum Glück hinter uns haben". In China jedoch zahlen immer mehr Eltern pro Monat 600 Euro an die Klinik, das Dreifache eines durchschnittlichen Monatsgehalts und verteidigen die Maßnahmen sogar.

Update 15. Juli 2009

Wie Yahoo Tech unter Bezug auf die Nachrichtenagentur Reuters meldet, hat China die Behandlung mit Elektroschocks verboten. Dies habe das Gesundheitsministerium aufgrund der vielen Medienberichte über diese Behandlungsmethode nun bekanntgegeben.

Es gäbe keine gesicherten Grundlagen dafür, dass diese Therapieform gegen Internetsucht erfolgreich sei. Daher sei diese Behandlungsmethode nicht zulässig. Laut der Zeitung China Youth Daily haben außerdem weder Doktor Yang noch seine sechs Kollegen in der Klinik eine Ausbildung zum Psychotherapeuten.

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