Googles Forschungsabteilung X - Mitarbeiter werden für Fehlschläge belohnt

Google betreibt in seinem Hauptquartier eine Forschungsabteilung mit der Bezeichnung X, die Mitarbeiter für das Scheitern belohnt und nach Science-Fiction-Lösungen für Probleme sucht.

von Georg Wieselsberger,
26.01.2014 10:39 Uhr

Google X ist eine Forschungsabteilung, die Mitarbeiter belohnt, die Risiken eingehen und dann scheitern.Google X ist eine Forschungsabteilung, die Mitarbeiter belohnt, die Risiken eingehen und dann scheitern.

Leiter von Google X ist der im englischen Cambridge geborene Astro Teller, der Enkel des Physikers Edward Teller, auch als »Vater der Wasserstoff-Bombe« bekannt. Wie Teller gegenüber der BBC erklärte, steht das X nicht etwa für das Unbekannte, sondern für die römische Zahl 10. Ziel der Forschungsabteilung ist es, ein Problem um den Faktor 10 zu verringern und das innerhalb von 10 Jahren. Dazu werden auch Projekte in Angriff genommen, die man intern als »Moonshot« bezeichnet, was auf Deutsch in etwa »Griff nach den Sternen bedeutet«.

Wichtig ist, dass es sich dabei um ein echtes Problem dreht, das durch etwas, das sich »wie Science-Fiction anhört«, gelöst werden könnte und diese Lösung sich bei Berücksichtigung der zugrundeliegenden Wissenschaft oder Technik »nur großteils verrückt« anhört. Ein Beispiel sei das Problem, dass eine Million Menschen im Straßenverkehr umkommen. Die Science-Fiction-Lösung seien fahrerlose Fahrzeuge, die keine Unfälle haben und inzwischen hat Google solche Fahrzeuge schon Hunderttausende Kilometer zurücklegen lassen.

Damit die Forschungsabteilung Erfolg haben kann, belohnt Google X die Mitarbeiter für Fehlschläge, denn sonst sei niemand bereit, ein Risiko einzugehen und vielleicht einen Durchbruch zu schaffen. Es bestehe dann die Gefahr, dass ein einer zum Scheitern verurteilten Idee aus Angst vor den Konsequenzen festgehalten werde. Das schade dem Geist der Firma und verschwende Zeit. Außerdem würden gewissenhaft arbeitende Mitarbeiter, deren Projekt trotzdem scheitere, ansonsten das Unternehmen verlassen.

Selbst die Google Manager müssen die Angestellten bei Laune halten, denn jeder Mitarbeiter kann ohne Erlaubnis die Abteilung wechseln. „Das Resultat ist, dass ein Manager, der ein Arschloch ist, nicht nur dich verliert, sondern es werden alle gehen und der Typ wird von seinen eigenen Leuten ausgebootet“, so Teller. Um das Verdienen von Geld gehe es erst einmal nicht. Nur wenn man ein Produkt minimal verbessere, müsse man eine große Marketing-Abteilung losschicken, um es zu verkaufen.

Wenn ein Produkt jedoch deutlich besser sei als alles andere, käme das Geld von ganz alleine. Das sei auch bei der Suchmaschine, dem Übersetzungsdienst, Google Maps und dergleichen so gewesen, die kostenlos angeboten wurden und oft dabei sogar ohne Werbung über viele Jahre hinweg. Die Einstellung von Google sei: „Lasst uns etwas Sinnvolles für die Nutzer machen. Wir finden später heraus, wie wir damit Geld verdienen“.


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