Internet - Netflix per VPN ist »Diebstahl« und »sollte sozial geächtet werden«

Die Chefin des kanadischen Providers Bell Media hält die Nutzung von VPNs zur Umgehung von Regionalsperren für Diebstahl.

von Georg Wieselsberger,
05.06.2015 14:27 Uhr

Kanadische Netflix-Kunden nutzen VPNs, um das US-Angebot verwenden zu können.Kanadische Netflix-Kunden nutzen VPNs, um das US-Angebot verwenden zu können.

Das kanadische Angebot von Netflix ist nicht so umfangreich wie das in den USA. Daher nutzen viele Kanadier ein VPN, um diese Regionalsperre zu umgehen. Laut Schätzungen trifft das sogar auf ein Drittel der kanadischen Netflix-Kunden zu. Mary Ann Turcke, die neue Präsidentin des kanadischen Providers Bell Media hält das für nichts anderes als ganz gewöhnlichen Diebstahl. Ihrer Ansicht nach müsse sich das kulturell akzeptable Verhalten unter Freunden, Eltern und Kindern sowie Arbeitskollegen ändern.

»Es sollte sozial geächtet werden, wenn man Netflix USA per VPN nutzt, so wie das Werfen von Müll aus dem Autofenster – man macht das einfach nicht“, so Turcke. Dabei hatte sogar ihre eigene Tochter nach einem Skiurlaub in den USA festgestellt, dass Netflix in den USA wesentlich mehr Filme und Serien anbietet als in Kanada und dann ebenfalls ein VPN mit einer IP aus den Vereinigten Staaten genutzt. »Ich habe ihr gesagt, dass das Diebstahl war. Ich brauche wohl nicht sagen, dass es kein VPN mehr gibt.« Man müsse deutlich machen, dass die US-Inhalte von »echten Menschen« hergestellt werden und »das der Diebstahl ihren Lebensunterhalt betrifft«.

Besonders schlimm ist für Turcke, dass das »Stehlen von Inhalten« nicht sozial geächtet wird, sondern sogar Anleitungen in Zeitschriften veröffentlicht werden, die der Bevölkerung das Umgehen des Urheberrechts erleichtern. Bei den Kanadiern selbst findet Turcke allerdings wenig Unterstützung für ihre Ansichten. Vor allem der Vorwurf des Diebstahls sorgt für Kopfschütteln, da es sich bei den VPN-Nutzern noch immer um zahlende Netflix-Kunden handelt. Viele weisen auch darauf hin, dass es eher sozial zu ächten sei, wenn Unternehmen künstliche Regionalsperren aufbauen, um auf diese Weise ihre Profite zu maximieren.

Quelle: The Star


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