Internet-Anonymisierung mit Tor - Russland setzt Belohnung für Enttarn-Technik aus

Die steigenden Nutzerzahlen des Anonymisierungs-Netzwerks Tor sind nicht nur der NSA, sondern auch Russland ein Dorn im Auge.

von Georg Wieselsberger,
28.07.2014 12:49 Uhr

Das Anonymisierung-Netzwerk Tor ist Ziel eines Projektes des russischen Innenministeriums. (Bildquelle: Torproject)Das Anonymisierung-Netzwerk Tor ist Ziel eines Projektes des russischen Innenministeriums. (Bildquelle: Torproject)

Das Innenministerium Russlands will Nutzer des Anonymisierungs-Netzwerks Tor enttarnen können und setzt in einer öffentlichen Ausschreibung eine Belohnung für eine entsprechende Technik aus. Der Gewinner, der dies bis zum 13. August 2014 schafft und eine entsprechende Lösung einreicht, kann einen Vertrag im Wert 3,9 Millionen Rubel oder umgerechnet 82.650 Euro gewinnen. Danach muss die dann vertraglich vereinbarte Arbeit bis zum 30. November 2014 abgeschlossen werden.

Allerdings setzt das russische Innenministerium auch gewisse Hürden für die Teilnahme. Um die »Verteidigung des Landes und die Sicherheit der Staatsregierung der Russischen Föderation« zu schützen, dürfen Arbeiten, die von Ausländern stammen, nicht eingereicht werden. Außerdem ist die Zahlung von 195.000 Rubel, umgerechnet knapp 4150 Euro, als Sicherheitskaution notwendig.

Das Interesse Russlands daran, Tor zu knacken, hat aber selbst laut den Aussagen des Leiters der Russischen Piratenpartei Stanislav Sharikov gegenüber Global Voices nicht unbedingt etwas mit einem Versuch zu tun, unliebsame politische Meinungen zu unterdrücken. Das zeige die Tatsache, dass nicht der Geheimdienst FSB, sondern das Innenministerium den Vertrag anbiete. Dort mache man sich mehr Sorgen um den Kampf gegen Kriminelle und Kinder-Pornografie als um Anti-Putin-Dissidenten. Allerdings nutzt auch die NSA für ihre Versuche, Tor zu überlisten, kriminelle Machenschaften als Grund.


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