Internet - PRISM-Spionageskandal verunsichert Nutzer und den Bundespräsidenten

Der IT-Branchenverband Bitkom hat eine aktuelle Studie veröffentlicht, laut der der Überwachungsskandal die Internetnutzer verunsichert. Auch Bundespräsident Gauck fühlt sich nicht mehr wirklich wohl beim Verwschicken von E-Mails.

von Georg Wieselsberger,
26.07.2013 10:29 Uhr

Auch der Bundespräsident bekommt in seinem Bekanntenkreis die Auswirkungen des Spionageskandals zu spüren.Auch der Bundespräsident bekommt in seinem Bekanntenkreis die Auswirkungen des Spionageskandals zu spüren.

Wie der Bitkom mitteilt, haben der NSA-Spionageskandal und die schleppende politische Aufklärung massive Auswirkungen auf das Vertrauen der Internetnutzer. Waren es vor zwei Jahren noch 40 Prozent, so vertrauen nun 58 Prozent der Befragten dem Staat und den Behörden nur noch wenig oder überhaupt nicht mehr, was dem Umgang mit persönlichen Daten angeht. Starkes oder sehr starkes Vertrauen geben nur noch 34 Prozent an. Vor zwei Jahren lag der Anteil hier noch bei 52 Prozent.

Der Anteil der Personen, die dem Staat überhaupt nicht mehr trauen, hat sich von 11 auf 20 Prozent fast verdoppelt und nur noch 2 Prozent der Befragten glauben daran, dass ihre Daten im Internet sehr sicher sind. 43 Prozent der Befragten wollen daher keine vertraulichen Informationen per E-Mail verschicken, 19 Prozent wollen auf die Cloud verzichten und 13 Prozent nicht Mitglied bei sozialen Netzwerken sein. Der Bitkom fordert anhand dieser Daten »rasche und konkrete Schritte zur Aufklärung der Ausspähaktivitäten«.

Sogar der Bundespräsident, der sich zu Beginn des Prism-Skandals sehr vorsichtig über den Whistleblower Edward Snowden geäußert und laut ZDF »kein Verständnis für puren Verrat« hatte, fühlt sich nun nicht mehr wirklich wohl beim Telefonieren oder dem Versenden von E-Mails. Der Passauer Neuen Presse erklärte er, die Affäre beunruhige ihn sehr. »Die Angst, unsere Telefonate oder Mails würden von ausländischen Nachrichtendiensten erfasst und gespeichert, schränkt das Freiheitsgefühl ein - und damit besteht die Gefahr, dass die Freiheit an sich beschädigt wird«, so Gauck. Die Deutschen hätten schon zwei Mal den Missbrauch von staatlicher Macht durch Geheimdienste erlebt und seien deswegen hellhörig.

Es gäbe ihm auch zu denken, dass in seinem eigenen Bekanntenkreis »die Frage umgeht, wie offen man sich überhaupt noch austauschen kann. »Ehrlich gesagt, ich habe auch schon mal überlegt ob ich noch ganz und gar offen telefonieren oder mailen kann. Aber ich tue es.« Zu Edward Snowden äußerte sich Bundespräsident Gauck ebenfalls. Missstände ließen sich meist nur beheben, wenn Informationen darüber öffentlich würden. »Wer sie an die Öffentlichkeit bringt und dabei aus Gewissensgründen handelt, der verdient Respekt.«


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