Prison Architect bricht die Genfer Konventionen - Warum die Macher jetzt Kriegsverbrecher sind

Die Macher von Prison Architect haben mit ihrem Spiel die Genfer Konventionen gebrochen und sind deshalb nun offiziell Kriegsverbrecher. Und das alles nur wegen einem fünf Pixel großen roten Kreuz.

von Michael Herold,
17.01.2017 14:31 Uhr

Mark Morris und Chris Delay, die Entwickler von Prison Architect, haben illegalerweise das Rote Kreuz in ihr Spiel eingebaut und sich damit unabsichtlich zu Kriegsverbrechern gemacht.Mark Morris und Chris Delay, die Entwickler von Prison Architect, haben illegalerweise das Rote Kreuz in ihr Spiel eingebaut und sich damit unabsichtlich zu Kriegsverbrechern gemacht.

Die Gefängnis-Simulation Prison Architect schneidet einige kontroverse Themen an. Unter anderem müssen wir uns darin mit Ganggewalt und der Todesstrafe auseinandersetzen. Denn in dem Aufbau-Strategiespiel errichten wir unser eigenes Gefängnis und kümmern uns dann um die Insassen.

Für einen Skandal sorgt nun aber kein solch offensichtliches Thema, sondern ein winziges, fünf-Pixel-großes rotes Kreuz. Dank ihm können der Produzent des Spiels, Mark Morris, und der Designer Chris Delay von nun an als Kriegsverbrecher bezeichnet werden.

In der Verkaufsversion von Prison Architect war auf Krankenwagen und Rucksäcken von Sanitätern ein rotes Kreuz zu sehen. Die Entwickler haben sich nichts weiter dabei gedacht. Wie die PC Gamer berichtet, haben sie aber genau deswegen kurz vor Weihnachten eine E-Mail vom Britischen Roten Kreuz erhalten.

Missbrauch eines geschützten Zeichens

In der Mail wird ihnen von einem Anwalt folgendes vorgeworfen:

"Die Verantwortlichen mögen sich nicht darüber bewusst sein, aber die Nutzung des Roten-Kreuz-Symbols ist durch die Genfer Konventionen über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten vom 12. August 1949 verboten. In Großbritannien ist die unautorisierte Nutzung des Symbols seit 1957 eine Straftat."

Und in der Tat darf ein rotes Kreuz nicht ohne Weiteres abgebildet oder verwendet werden. Es ist ein geschütztes Zeichen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), eine Organisation, die bereits 1863 gegründet wurde.

Gesetze gegen die Verwendung des Symbols wurden ursprünglich auch erlassen, um zu verhindern, dass es im Kampf als Tarnung missbraucht wird. 2008 versuchte zum Beispiel der Kolumbianische Geheimdienst politische Gefangene zu befreien, indem sie sich als Sanitäter vom roten Kreuz ausgaben.

Kleines Zeichen, großes Problem

In der Mail an Morris und Delay heißt es weiter:

"Wenn das Rote-Kreuz-Zeichen oder ähnliche Symbole zweckentfremdet werden, ganz egal wie gut gemeint oder belanglos der neue Zweck sein mag, dann wird die spezielle Bedeutung des Zeichens herabgesetzt. Das rote Kreuz ist kein allgemeines Zeichen für Krankenwagen, erste Hilfe, Krankenpflege oder Ähnliches. Vor allem ist es kein Zeichen, das für kommerzielle Zwecke missbraucht werden darf, wie zum Beispiel für Werbekampagnen oder auf Produkten."

Morris und Delay wunderten sich über die E-Mail und darüber, dass ein so kleines Symbol in ihrem Spiel ein solch großes Problem darstellen könnte. »Die Kreuze sind so winzig. Ich denke, das ist lächerlich«, sagte Delay im Interview mit PC Gamer.

Problem ist inzwischen gelöst

Inzwischen haben die Macher von Prison Architect in ihrem Spiel aus dem roten ein grünes Kreuz gemacht, um größeren Problemen aus dem Weg zu gehen. Laut Delay hat es nur Sekunden gedauert, die Farbe des Symbols zu ändern.

Vor allem wunderten sich Morris und Delay aber darüber, dass das Rote Kreuz offensichtlich Teile seiner über Spenden eingenommen Gelder nicht für medizinische Hilfe ausgibt, sondern für Anwälte. Nur damit diese dann Videospielentwickler wegen des Missbrauchs eines Symbols abmahnen können.

Noch mehr Skandale in Videospielen: Hakenkreuze in Spielen - Der Plus-Report

Nachdem das Problem durch die Farbänderung geklärt wurde, können die beiden Entwickler über die Angelegenheit lachen. Delay freut sich etwa schon darauf, wenn er an seinem 70. Geburtstag eine Rede halten kann und dabei von all seinen Errungenschaften im Leben erzählen wird, »und eine davon wird mein Status als Kriegsverbrecher sein«.

Prison Architect - Test-Video: Im besten Knast der Welt 3:37 Prison Architect - Test-Video: Im besten Knast der Welt

Prison Architect - Screenshots ansehen


Kommentare(90)

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.