Wikipedia verklagt die NSA - »Hört auf, unsere Nutzer auszuspionieren«

Der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat bekanntgegeben, dass eine Klage gegen die National Security Agency eingereicht wurde.

von Georg Wieselsberger,
11.03.2015 09:48 Uhr

Wikipedia verklagt die National Security Agency.Wikipedia verklagt die National Security Agency.

»Heute haben wir eine Klage gegen die National Security Agency eingereicht, um die Rechte der 500 Millionen Leute zu schützen, die Wikipedia jeden Monat verwenden«, so der Jimmy Wales in der New York Times. Die von der NSA durchgeführte Massenüberwachung des Internet-Datenverkehrs, der in oder über amerikanisches Gebiet geleitet wird verstößt laut Wales gegen den Zusatzartikel 4 der US-amerikanischen Verfassung, der das Recht auf Privatsphäre schützt. Außerdem verstoße das Vorgehen der NSA auch gegen den ersten Zusatzartikel, der die Freiheit der Meinungsäußerung schützt. »Wir sind außerdem der Ansicht, dass dieser Aktivität des Dienstes die Rechte überschreitet, die durch den Foreign Intelligence Surveillance Act 2008 durch den Kongress gewährt wurden«.

Wikipedia wird laut Wales nicht nur anonym gelesen, sondern auch von Freiwilligen gestaltet, die aufgrund mancher heikler Themen und ihres Wohnsitzes ebenfalls anonym arbeiten müssen. »Diese Freiwilligen sollten ihre Arbeit erledigen können, ohne sich dabei Sorgen machen zu müssen, das die Regierung der USA überwacht, was sie lesen und schreiben«, so Wales. Diese Anonymität sei aber alles andere als sicher, da »die NSA nahezu den kompletten Text-basierten Datenverkehr des Internets abfängt und durchsucht«, sofern dieser über Leitungen in den USA stattfindet. Genau das sei aber das Netzwerk, das Wikipedia mit den Nutzer und Helfern weltweit verbindet. Die NSA überwache wahrscheinlich alle Inhalte, die auf Wikipedia erstellt werden und wisse so auch, wo sich der Autor befindet und könne eventuell sogar seine Identität feststellen.

Leider sei dies keine Spekulation, weil es aus den Dokumenten von Edward Snowden klar hervorgehe. Überwachung ändere jedoch das Verhalten von Nutzern und behindere die Freiheit der Meinungsäußerung und den Gedankenaustausch. Außerdem arbeiteten die amerikanischen Dienste auch mit Ländern wie beispielsweise Ägypten zusammen, in denen Opposition gefährlich sein kann. Viele Autoren aus solchen Ländern würden sich daher nur noch vorsichtig bei Wikipedia äußern - oder gar nicht. Wenn man sich vorstelle, dass diese Gedankengänge bei Tausenden möglicher Helfer auftreten, sehe man den unglaublichen Verlust für Wikipedia, das Internet und alle Leser weltweit. Die Klage gegen die NSA soll die »Schleppnetz-Überwachung« des Internets verhindern.

Quelle: New York Times


Kommentare

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.

wird geladen ...

ALLE NEWS, VIDEOS UND SPIELE

Zur Themenseite Viel Spaß auf der Gamescom wünschen