Xbox One Kinect-Überwachung - Für Jugendschutz, angepasste Werbung und Stream-Preise pro Zuschauer?

Die neue Xbox One von Microsoft wird mit einem verbesserten Kinect-Controller ausgeliefert, der für den Betrieb notwendig und immer aktiv ist. Das sorgt für Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre.

von Georg Wieselsberger,
24.05.2013 08:27 Uhr

Laut Microsoft ist das neue Kinect auch dann noch aktiv, wenn die Xbox One eigentlich abgeschaltet ist. In diesem Betriebszustand hört Kinect aber nur auf das Kommando »Xbox One« zum Einschalten der Konsole und soll keine anderen Daten aufzeichnen oder gar übertragen. Doch gerade das, was Kinect alles kann oder zumindest theoretisch könnte, wenn die Konsole läuft, ist für viele ein Schritt zur Überwachung im eigenen Wohnzimmer.

Schon im November letzten Jahres hatten wir über einen Microsoft-Patentantrag berichtet, in dem ein Kinect-artiges Gerät beschrieben wird. Es ist in der Lage, die Anzahl der Personen im Raum festzustellen und zu erkennen, ob sich darunter Kinder befinden. Das Patent zeigt dann, wie diese Informationen verarbeitet werden können. Bei der Wiedergabe von Medien kann geprüft werden, ob nicht jugendfreie Inhalte in Anwesenheit von Kindern abgespielt werden sollen oder ob die Lizenz für die Anzahl der Zuschauer gültig ist – worauf die Wiedergabe verweigert werden oder der Kauf einer größeren Lizenz angeboten werden kann.

Das würde in der Praxis bedeuten, dass beim Ansehen eines Filmes ständig überprüft wird, ob eventuell eine weitere Person hinzukommt. Dann, so der Antrag, könnten »Abhilfe schaffende Maßnahmen« vorgenommen werden. Der überzählige Zuschauer müsste dann wohl den Raum verlassen oder sofort eine neue Lizenz erworben werden, um den Film zusammen ansehen zu können. Ein spontaner Besucher könnte dann also den Geldbeutel belasten - oder müsste wieder gehen. Da die Xbox One mit Kinect zumindest in den USA viele TV-Funktionen bietet, scheint eine Verbindung dieses Patents mit dem neuen Kinect-Controller durchaus denkbar. Auch das Durchsetzen der Altersfreigabe von Spielen wäre so möglich.

Ein weiterer Patentantrag beschreibt, wie Kinect dazu genutzt werden könnte, den Gesichtsausdruck von Menschen und deren Körpersprache zu erkennen. Zusammen mit anderen Daten, beispielsweise die Leistung in Spielen, soll eine Art Gemüts-Profil des Nutzers erstellt werden. Dieses wird dann genutzt, um dazu passende Werbung einzublenden. Glückliche Menschen sehen dann Werbung für neue Gadgets, gestressten Nutzern wird keine aufdringliche, fröhliche Werbung präsentiert.

Laut Microsoft weiß Kinect, wer im Zimmer ist, wer welchen Controller in der Hand hat und wie sich diese Person fühlt – und das bei bis zu sechs Anwesenden. Auch wenn diese Kinect-Daten vielleicht nicht auf Microsoft-Server gelangen und damit rechtlich gesehen vielleicht keine Probleme in Sachen Datenschutz auftreten, so dürften sich viele Verbraucher nicht wohl fühlen, wenn sie ein lokales Gerät ständig überwacht - hauptsächlich zum Vorteil von Rechteinhabern oder Werbepartnern von Microsoft, wenn die genannten Patente so verwendet werden sollten, wie in den Anträgen beschrieben.

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