Barbie mit WLAN und Spracherkennung : Die »Hello Barbie« wird von Kinderschützern heftig kritisiert. Die »Hello Barbie« wird von Kinderschützern heftig kritisiert.

Update: Die »Hello Barbie« von Mattel und Toytalk hat den BigBrotherAward 2015 erhalten, den der Verein Digitalcourage e.V. schon seit dem Jahr 2000 vergibt. Die entsprechende Rede hielt Linus Neumann vom Chaos Computer Club, der zwar die Nützlichkeit von Spracherkennung lobte, aber dann auch die Grenzen der Akzeptanz aufführte. Schon das Speichern von Kalender- und Termin-Daten auf US-Servern sei vielleicht gerade noch in Ordnung, doch schon das Abhören des Wohnzimmers durch Fernseher. nur um diesen per Sprache steuern zu können, sei eine Grenze.

Wenn eine solche Technik jedoch bereits in die Kinderzimmer einziehe und das hingenommen werde, sei es irgendwann auch überall »selbstverständlich«. Dabei habe die Technik in der »Hello Barbie« nicht einmal einen erkennbaren Anwendungszweck und imitiere durch Aufzeichnungen nur eine reale Freundin. Dass Mattel dann die Eltern durch E-Mails über die Gespräche ihrer Kinder mit der Puppe und damit über deren »Sorgen, Träume und Geheimnisse« informieren will, macht die »Hello Barbie« laut Neumann erst recht zu einem verdienten Gewinner des BigBrotherAwards.

Quelle: Bigbrotherawards

Originalmeldung: Auf der New York Toy Fair hatte der Spielzeughersteller Mattel im Februar 2015 die neue Puppe »Hello Barbie« vorgestellt. Diese spezielle Barbie ist mit einem WLAN-Anschluss ausgestattet und besitzt ein Mikrofon, mit dem die Stimmen der damit spielenden Kinder aufgezeichnet werden. Diese Aufzeichnungen werden dann über das Internet übertragen und von dem Mattel-Partner ToyTalk mit einer Spracherkennungs-Software verarbeitet. Über einen eingebauten Lautsprecher kann die »Hello Barbie« dann sogar antworten.

Kinderschützer bezeichnen die neue Barbie, die im Herbst 2015 für 75 US-Dollar auf den Markt kommen soll, schon jetzt als »ernsthaft gruselig«. Eine Demo der Puppe von Mattel habe gezeigt, dass die Barbie viele Fragen stellt, die Informationen über das Kind, seine Interessen und die Familie betreffen. Diese Informationen würden dann auf den Servern von ToyTalk landen, die sich in ihren Privatsphäre-Regelungen das Recht einräumen, Aufzeichnungen zu speichern und auch für eigene Forschungs- oder Testzwecke sowie zur Datenanalyse zu verwenden. »Wenn ich ein junges Kind hätte, würde ich mir große Sorgen darüber machen, dass die privaten Gespräche meines Kindes mit seiner Puppe aufgezeichnet und analysiert werden«, so Angela Campell, Professorin für Recht an der Georgetown University und Expertin für Privatsphäre und Technik.

Die Kinderschützer warnen auch davor, dass nicht mehr das Kind, sondern die Puppe und Mattel das Spielen bestimmen und damit die für die Entwicklung wichtige Kreativität nicht mehr gefördert wird. Laut Mattel soll die »Hello Barbie« die Beziehung eines Kindes zur Puppe vertiefen und beide letztlich »wie beste Freunde werden«. Laut den Kinderschützern brauchen Kinder aber Beziehungen und Gespräche mit echten Menschen und keine Puppe, die alles in ihrer Nähe aufzeichnet- eventuell also auch Gespräche der Eltern. Daher soll Mattel durch eine Kampagne dazu bewegt werden, die Puppe nicht auf den Markt zu bringen.

Quelle: CFCC