Überwachungsskandal (Update) : Angry Birds als Spying Birds - so sah die Webseite des Spiels kurzzeitig aus. Angry Birds als Spying Birds - so sah die Webseite des Spiels kurzzeitig aus.

Update: Die Webseite des in den Geheimdienstunterlagen genannten Spiels Angry Birds wurde für kurze Zeit von Angreifern übernommen und mit einem neuen Titelbild »Spying Birds« versehen. Da Angry Birds zu den beliebtesten Spielen auf mobilen Geräten gehört, hatte die in den Unterlagen genannte Fallstudie zur Überwachung auf Basis dieses Spiels für viel Aufsehen gesorgt. Rovio-CEO Mikael Hed betonte daher, dass die angebliche Überwachung über Werbenetzwerke stattfindet und man deswegen Gedanken darüber machen wird, wie man künftig mit solchen Netzwerken zusammenarbeiten könne, falls diese für Spionage-Zwecke genutzt werden.

Die Webseite von Angry Birds war nur wenige Minuten in dem veränderten Zustand zu sehen, nachdem die Seite offline genommen und dann wieder im Originalzustand online gestellt wurde. Nutzerdaten seien nicht gefährdet gewesen, da der Angriff nur die Nameserver und damit die Weiterleitung auf die tatsächliche Domain verändert habe, um das Bild anzuzeigen.

Originalmeldung: Der Guardian berichtet, dass die NSA und der britische Geheimdienst GCHQ auch auf die Daten zugreifen, die Apps oder Spiele wie »Angry Birds« von ihren Nutzern anfragen. Viele Apps sammeln Daten wie Alter, Geschlecht, Aufenthaltsort und lassen sich vom Nutzer umfangreiche Rechte wie den Zugriff auf Kontakte, SMS oder unbeschränkten Internetzugang bestätigen. Die Geheimdienste wollen aus solchen Daten mancher Apps sogar die Hautfarbe, den Bildungsgrad, sexuelle Vorlieben, den Beziehungsstatus und das Einkommen herauslesen können.

Die NSA nennt das Programm zum Abfischen dieser Daten »Golden Nugget« und beschreibt darin auch, wie beispielsweise schon durch Fotos, die auf soziale Medien hochgeladen werden, während der Übertragung viele Daten eines Nutzers bekanntwerden. In einem Dokument aus dem Jahr 2008 schreibt der britische Geheimdienst auch, dass »jeder der Google Maps auf einem Smartphone nutzt, mit dem GCHQ-System zusammenarbeitet».

Als anderes Beispiel nennt der Geheimdienst das über 1,7 Milliarden Mal installierte Spiel »Angry Birds«, das über die integrierte Werbung als Datenfänger genutzt wird. Entwickler Rovio hat erklärt, dass man über solche Tätigkeiten der Werbenetzwerke nicht informiert sei und selbst keinerlei Beziehungen zu NSA und GCHQ unterhalte. Ein weiterer Angriffspunkt für die Geheimdienste sind die Knotenpunkte bei Providern, bei denen die Verbindung von Smartphones zum Internet hergestellt wird oder bei denen Ländergrenzen durch Roaming überschritten werden.

Zwischen iPhones oder Android-Geräten gibt es in Sachen Überwachung keine wesentlichen Unterschiede, für beide hat der Geheimdienst auch entsprechende Software, die auf Geräten installiert wird. Alles was auf einem iPhone gespeichert ist, »können wir erhalten«, so eine Folie. Bei der Android-Version heißt es zwar »wir denken, dass wir es erhalten können«, aber zu diesem Zeitpunkt waren die nach Schlümpfen benannten Plugins für Android auch noch nicht fertiggestellt.

Anhand der neuen Informationen dürfte sich also kein Smartphone-Nutzer mehr sicher sein, dass ein Geheimdienst nicht auf „SMS, MMS, E-Mails, Web-Verlauf, Anruflisten, Videos, Fotos, Adressbücher, Notizen und den Kalender“ zugreift. Laut NSA werden aber nur „gültige Ziele“ anvisiert und nicht „Durchschnittsamerikaner“. Auch der britische Dienst GCHQ zieht sich auf den Standpunkt zurück, man handle „innerhalb der rechtlichen Vorschriften“. Das sei immer wieder bestätigt worden.

Überwachungsskandal (Update) : Der britische Geheimdienst sieht keine Probleme, an alle Daten auf iPhones und Android-Smartphones zu kommen. (Bildquelle: Guardian) Der britische Geheimdienst sieht keine Probleme, an alle Daten auf iPhones und Android-Smartphones zu kommen. (Bildquelle: Guardian)