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Microsoft-Chef Achim Berg - Für Internet-Sperren-Gesetz

Achim Berg, Chef von Microsoft Deutschland, kritisiert in einem Interview, das Bundespräsident Köhler das vermutlich verfassungswidrige Gesetz zur Einführung von Internet-Sperren nicht unterschrieben hat.

Von Georg Wieselsberger |

Datum: 09.12.2009; 15:46 Uhr


Microsoft-Chef Achim Berg : Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland Achim Berg, Vorsitzender der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland In einem Interview mit dem Deutschlandfunk warf Achim Berg, Vorsitzender der Microsoft-Geschäftsführung in Deutschland, der Politik vor, dass sie »jetzt durch Gesetze versucht zu verhindern, dass wir gerade Kinderpornografie oder andere Themen in den Griff bekommen, also wirklich Zugang zu erschweren zu diesen pornografischen Inhalten«. Später erklärte er, dass er als Bundespräsident das Gesetz unterschreiben, »und zwar nicht, weil es unbedingt jetzt hilft, den Zugang zu erschweren, sondern es geht darum: Ich zeige sehr plastisch, auch wenn es Kleinigkeiten sind, dass ich mit Kinderpornografie nichts zu tun haben möchte und dass ich das auch aktiv blocke. Dass es natürlich Spezialisten gibt, die das umgehen können, vielleicht sogar sehr einfach umgehen können, das ist ein Thema. Aber es geht mir hier mehr um Symbolcharakter«.

Achim Berg wirft also indirekt dem Bundespräsidenten und der neuen Bundesregierung vor, nicht »plastisch« genug zu zeigen, dass sie mit Kinderpornografie nichts zu tun haben wollen und ignoriert zudem die verfassungsrechtlichen Bedenken des deutschen Staatsoberhaupts. Es scheint keine Rolle zu spielen, dass die Koalition das Gesetz deswegen für ein Jahr ausgesetzt hat, um den Ansatz »Löschen vor Sperren« zu prüfen. Offenbar vergisst er dabei, dass das Löschen entsprechender Seiten tatsächlich etwas im Kampf gegen Kinderpornografie bewirken würde - im Gegensatz zu einem Gesetz mit reinem »Symbolcharakter«.

Außerdem wäre das Gesetz vermutlich ohnehin verfassungswidrig. Dies ist die Ansicht von Wolfgang Hoffmann-Riem (Video), der immerhin von 1999 bis 2008 Richter des Ersten Senats am Bundesverfassungsgericht war. Seine Bereiche waren unter anderem das Recht der freien Meinungsäußerung, das Recht des Datenschutzes und das Wettbewerbsrecht.

Ein provokanter Gedanke: Ein Stopp-Schild bestätigt Pädophilen im Grunde doch nur, dass sich dahinter tatsächlich das befindet, was sie suchen. Danach reicht eine winzige Änderung an den Netzwerkeinstellungen, nämlich das ändern des DNS-Servers, um an die Inhalte zu kommen. Außerdem würden nach dem Gesetzesentwurf auch Besucher einer solchen Sperre verdächtig, die gar nicht nach Kinderpornographie gesucht haben. Die Internet-Sperren hätten also nicht einmal Symbolcharakter, sondern wären ganz im Gegenteil eher eine Art »staatliche Garantie« für kinderpornografische Inhalte. Bereits heute können Betreiber entsprechender Seiten belangt werden, oft bleiben solche Server aber auch in Europa am Netz.

Zum Abschluss verleitet ein unauffälliger Zusatz noch zu einer Spekulation. Achim Berg will die Internet-Sperren nicht nur gegen Kinderpornografie nutzen, sondern auch »andere Themen in den Griff bekommen«. Was könnten das wohl für andere Themen sein? Illegale Downloads. Die Business Software Alliance tritt ja auch für das Sperren von Internetzugängen bei illegalen Downloads ein. Dort ist Microsoft Mitglied. Da kämen Internet-Sperren für Torrent- oder ähnliche Seiten doch auch sehr gelegen.

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Avatar PbVeritas
PbVeritas
#1 | 09. Dez 2009, 16:12
Nein, nein, nein, ein sinnlose Verwendung von Zensur lauft auf einer anderen Schiene als sich nicht mit einem Thema beschäftigen zu wollen
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Avatar speddy411
speddy411
#2 | 09. Dez 2009, 16:13
Hätte Symbolcharakter....Super also lieber ein bissel Charakter zeigen und den Leuten die das gucken sozusagen sagen: "Ich mag euch und eure Vorlieben nicht" als lieber diese Leute und deren Videos gleich zu kassieren....

Bescheuert !
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Avatar SGIAI22
SGIAI22
#3 | 09. Dez 2009, 16:18
Respekt Herr Berg, dann wäre ich aber auch dafür, dass man die Microsoft Seite sperrt, da wirbt ein Monopolist massiv für seine Produkte und beeinflusst so die Menschen, das geht doch nicht. Und er tut das auch noch auf vielen anderen Seiten.
Wie ich es hasse, wenn sich solche Pfeifen zu Wort melden. Sollte er nicht Windows 7 sicherer machen? Nur weil wir noch nicht wie die USA sind, heißt das noch lange nicht, dass wir es noch werden wollen. Das es gegen die Verfasung verstößt ist ja dabei egal, Hauptsache, die armen Kinder werden durch das Stoppschild geschützt. Jawohl, so muss das sein.


MfG
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Avatar SefieChan
SefieChan
#4 | 09. Dez 2009, 16:38
Die News sind fast ne stunde raus und nur 3 Kommentare bei dem Thema? War dem Standard-Flamer wohl zu lang die News XD

Ist aber dennoch unterste Schublade, einem Politiker vorzuwerfen, nicht genügend Aktionismus zu zeigen, auch wenn damit die Grundrechte mit Füßen getreten würden. Grad aus der IT-Branche hätte ich hier etwas mehr differenzierung erwartet.
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Avatar DerThomas
DerThomas
#5 | 09. Dez 2009, 16:49
Na zum Glück ist der nicht in der Politik tätig^^
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Avatar schattenseele
schattenseele
#6 | 09. Dez 2009, 17:01
wie gut das das amt des bundespresidenten noch so unvoreingenommen ist und industrie und wirtschaft nicht so viel einfluss auf dieses amt haben.

ich finde das meinungsfreiheit durchaus über wirtschaftlichen interessen liegt. und dieses gesetz war ja nun nicht wirklich zielführend.
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Avatar mehrtuerer
mehrtuerer
#7 | 09. Dez 2009, 17:53
Wie ich schon im Forum sagte, Microsoft will sich damit wahrscheinlich auf der Seite der Guten positionieren. Die Sperren werden von einem Großteil der Bevölkerung begrüßt.
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Calidor85
#8 | 09. Dez 2009, 18:44
Zitat von mehrtuerer:
Die Sperren werden von einem Großteil der Bevölkerung begrüßt.


Ach ja? Gab es eine Volksabstimmung dazu oder woher hast du deine Information?
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Avatar Homer Morisson
Homer Morisson
#9 | 09. Dez 2009, 19:22
Populistischer Volldepp.
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Avatar Termkiller
Termkiller
#10 | 09. Dez 2009, 19:35
Zitat von mehrtuerer:
... Die Sperren werden von einem Großteil der Bevölkerung begrüßt.


Sofern du auf die "representativen Umfragen" anspielst.... vergiss es. Der Teil der Bevölkerung, der sich mit der Materie auch nur ein bisschen auskennt, nimmt an der Kampagne "Löschen statt sperren" teil.
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