Second Screen für das Fernsehen : Fernsehen war lange Zeit eine (unter Umständen) etwas eintönige Angelegenheit: Alleine oder mit der Familie eine Sendung schauen, sich über Werbung ärgern und gelegentlich einschlafen, das wars dann, überspitzt gesagt, auch schon. Mit der immer größeren Smartphone- und Tablet-Verbreitung wird aus TV aber zunehmend eine Hintergrundbeschäftigung, die per Internet mit anderen Menschen beispielsweise per Twitter besprochen wird. Es soll bereits Personen geben, die sich beschweren dass zu Zeiten eines »Deutschland sucht den Superstar« über nichts anderes in ihrer Timeline geschrieben wird.

Das Tablet, das Smartphone und das Notebook - sie werden zum Second Screen, zum zweiten Bildschirm neben dem TV. Eine neue App, vorerst für iOS, später auch für Android, soll das gemeinschaftliche TV-Erlebnis noch einfacher gestalten und die Kurznachrichten per Twitter und Facebook ersetzen: Wiwi.

Die von einem deutschen Start-Up entwickelte App analysiert den Ton des laufenden Fernsehprogrammes und checkt den Nutzer damit automatisch in den Kanal der jeweils laufenden Sendung ein ohne dass der Nutzer mehr dafür machen müsste als die App zu starten. Die Hersteller versprechen »Mehr Spaß beim Fernsehen« und bieten zumindest mehr Chat beim Fernsehen. So lässt sich in einem offenen Kanal mit allen eingeloggten Zuschauern gleichsam diskutieren während private Kanäle für die eigenen Freunde gedacht sind.

Aus reiner Menschenfreunde wird Wiwi indes nicht angeboten, die Entwickler versprechen sich Einnahmen durch personalisierte und auf die jeweils betrachtete Sendung zugeschnittene Werbung. Das Fachportal deutsche-startups.de spricht gar von einem Milliardenmarkt im Bereich der Second-Screen-Werbung. Eine Casting-Show würde sich anbieten, um die Musik der auftretenden Künstler zu bewerben und auch gleich zu verkaufen. Eine Modesendung verführt auf dem zweiten Bildschirm zum Kauf der gezeigten Kleidung, ein Computerratgeber könnte Software- und Hardwareprodukte offerieren - leichter war es nie, dem berieselten Zuschauer das Geld aus der Tasche zu ziehen scheint es.

Dass der Markt existiert zeigen die Zahlen von Twitter: 75,5 Millionen Kommentare zu Fernsehsendungen verzeichnete der Dienst im Jahr 2012, ein Jahr zuvor waren es nur 8,8 Millionen. Und damit diese Kommentare von Twitter und Facebook hin zu Wywy wandern, locken die Wywy-Entwickler mit Belohnungen: Wer sich eine Sendung anschaut und mit der App eincheckt, bekommt Punkte, die gegen Prämien getauscht werden können. Am besten läuft, wen wundert es, der Pizzagutschein eines Internetbestelldienstes.

Später dann, sofern auch die TV-Sender eines Tages die Möglichkeiten des Second Screen akzeptiert haben sollten, wären auch interaktive Sendungen und virtueller Beifall möglich. Abstimmungen in Polit-Talks sind ebenso denkbar wie die Teinahme an Quizshows. Zuvor allerdings sind Apps wie Wywy selbst Gegenstand der Diskussion: Braucht und will der Fernsehzuschauer überhaupt einen zweiten Bildschirm, Chat und Prämiensysteme?