Zum Thema » Superheldenfilme 2015/2016 Vom Comic auf die Leinwand » Spiele-Verfilmungen 2015 / 2016 Vom Videospiel ins Kino » Kino-Kanal auf GameStar.de Kritiken, News und Trailer »Wie macht der das?« fragt man sich fast unweigerlich während die ersten Szenen von The Gambler auf der Leinwand laufen. Während der stimmige Soundtrack vor sich hin dudelt, begleitend zu malerischen Bildern vom nächtlichen Los Angeles, erhascht man einen Blick auf Mark Wahlbergs Silhouette: abgemagert, schmächtig, fast ein wenig kränklich. Sah der nicht eben noch in Michael Bays Pumperdrama Pain & Gain aus wie ein wandelnder Fleischpanzer?

Neben dieser wirklich eindrucksvollen Transformation legt The Gambler in dieser Anfangssequenz gleich noch Zeugnis davon ab, wie gut sich Regisseur Rupert Wyatt auf den Einsatz von Musik und die allgemeine Bildästethik versteht. Besonders der Soundtrack zieht sich wie ein roter Faden durch einen Film, der eine echte Qualitäts-Überraschung ist, trotz einiger unnötiger Schwächen.

Die Mutter allen Übels

Die Ausgangslage wirkt vertraut. Zocker-Dramen gibt es wie Sand am Meer, mal in Form von Komödien, mal als Thriller gekleidet, selbstredend auch als Romanzen oder Krimis. The Gambler scheint zumindest in den ersten Minuten rein nach Formel gedreht. Jim (Wahlberg) spielt sich zu treibenden Beats um Kopf und Kragen - typisch eben. Doch immer wieder schlägt der Film völlig andere Richtungen ein.

Denn The Gambler ist sehr facettenreich. Rein oberflächlich betrachtet, das typische Spielerdrama. Stilvoll, schnell geschnitten, mit starken Anleihen an den A-typischen Gangsterfilm. Der innere Konflikt des Protagonisten lässt sich hier jedoch nicht einfach auf suchtindiziertes Affektverhalten oder Selbstüberschätzung herunterstutzen.

The Gambler
Kennt kein Ende: Zocker Jim spielt sich um Kopf und Kragen.

Tatsächlich schneidet Regisseur Wyatt das Thema Sucht nie direkt an, sondern lässt dem Zuschauer weitestgehend freien Interpretationsraum. Am deutlichsten wird dies in den Szenen mit Jessica Lange, die als Jims kalte Übermutter noch am ehesten den Eindruck erweckt, Jims Zockerproblem würde auf tief verankerten Familienzwistigkeiten fußen - bis sich dann doch wieder ein anderes Bild auftut.

Spiel um dein Leben

Denn immer dann, wenn man gerade denkt, man habe endlich verstanden, wie Wahlbergs Charakter tickt, schlägt die Handlung einen Haken. Jims Motive bleiben bis zum Schluss im Dunkeln, sein Handeln wirkt beinahe willkürlich, wodurch ein nicht unerheblicher Reiz entsteht, da der Ausgang des Films durch die unberechenbaren Figuren lange Zeit weitestgehend unvorhersehbar bleibt.

Nicht jeder wird diesen Ansatz mögen. Wer seine Geschichte gern bis in den kleinsten Winkel durchexerziert wissen möchte, damit am Ende keine Fragen offen bleiben, wird sich von The Gambler verschaukelt fühlen. Auch Mark Wahlbergs Spiel gibt keinerlei Hilfestellung. Mal gibt er den eiskalten, abgeklärten Zocker, mal den verletzlichen Getriebenen. Seine Figur macht das deshalb nicht weniger faszinierend, zumal Wahlberg abermals in einer Charakterrolle brilliert.

Gen Ende verstrickt sich Jim dann immer weiter in einem Netz aus Lügen und dem beinahe wahnhaften Zwang, sich selbst zu Schaden. Irgendwann, als er es sich gleich mit drei Verbrecherorganisationen verscherzt, weil er sich unentwegt Geld leiht, nur um dieses dann abermals zu verzocken, gewinnt The Gambler eine fast schon komödiantische Ader. Die Situationen spitzen sich dann teils so absurd zu, dass man nur noch lächelnd den Kopf schütteln kann.