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Kolumne: Hass auf DLC

Kolumne zum Aufstieg der Download-Addons

»Download Content« heißt das neue Schreckgespenst der Spielewelt. Jedem neu angekündigten DLC spuckt die Community Gift und Galle entgegen. Die Publisher sehen die kostenpflichtigen Mini-Downloads hingegen als Hoffnungsträger in einem Markt, der durch Software-Piraterie und steigende Produktionskosten bedroht ist.

Von Christian Schneider |

Datum: 19.01.2010


Hass auf DLC  : Das erste DLC für Oblivion und eines der ersten DLCs überhaupt war diese Pferderüstung. Kein guter Start. Das erste DLC für Oblivion und eines der ersten DLCs überhaupt war diese Pferderüstung. Kein guter Start. Los ging’s 2006 mit einer Pferdedecke für The Elder Scrolls: Oblivion (Kostenpunkt: 1,60 Euro), es folgten Multiplayer-Karten für diverse Shooter, Quest-Addons bei Rollenspielen von Fallout 3 bis Mass Effect, und zuletzt brachte ein Bezahlinhalt für den Actiontitel Saboteur sogar nackte Tatsachen ins Spiel (nur auf Konsole). Die Rede ist von DLCs (Download Content), also von Download-Paketen, die das Originalspiel erweitern und in der Regel kostenpflichtig sind. Bei den Spielerschaft sind DLCs nicht sonderlich beliebt, zugegriffen wird trotzdem oft genug. Kein Wunder also, das immer mehr Publisher Bezahlinhalte zu ihren Spielen anbieten. Kein großer Titel erscheint dieser Tage ohne dazugehörige DLC-Ankündigung. Bei manchen Spielen stehen erste Download-Erweiterungen bereits zum Veröffentlichungstermin bereit. So geschehen beim Bioware-Rollenspiel Dragon Age: Origins, und auch bei Mass Effect 2 wird es so sein. Da fragen sich viele Spieler, warum sich diese »nachgereichten« Inhalte nicht von vornherein im Spiel befinden. An Zeitknappheit kann’s ja wohl nicht liegen, die Erstverkaufstag-DLCs müssen parallel entwickelt worden sein.

Für die Publisher sind die Vorteile von DLCs offensichtlich: Die Kosten liegen vergleichsweise niedrig, der Kunde hat keine Möglichkeit zum Weiterverkauf, und ein Spiel wird dank regelmäßiger Nachveröffentlichungen im besten Fall auch Monate nach der Veröffentlichung noch beachtet. Die neueste DLC-Strategie schmälert zudem den Wert von Gebrauchtspielen: Bei Dragon Age: Origins und bei der Konsolenversion von Saboteur liegt der Verpackung ein DLC-Code bei, der allerdings nur einmal verwendet werden kann. Gebrauchtkäufer erwerben zwar das Spiel, den Zusatzinhalt müssen Sie im Fall des Falles aber für mitunter viel Geld (The Stone Prisoner: ca. 15 Euro) neu kaufen. Die Strategie gilt übrigens auch für Raubkopierer. Das Hauptspiel kann man recht einfach herunterladen, die DLCs lassen sich bisher nicht so leicht kopieren und installieren, zumindest beim dominierenden und damit strategieangebenden Markt der Konsolenspiele.

Publicity-Risiko DLC

So offensichtlich die Vorteile der kostenpflichtigen Download-Inhalte für die Anbieter sind, es gibt auch Risiken. Da wäre zunächst die öffentliche Meinung, zumeist in zahlreichen Spiele-Foren formuliert. Dort ist man oft gar nicht gut auf DLCs zu sprechen.

Hass auf DLC  : Assassin's Creed 2-Hauptfigur Desmond Miles erinnert sich nur gegen Bares an zwei weitere Abenteuer seines Ahnen Ezio Auditore. Assassin's Creed 2-Hauptfigur Desmond Miles erinnert sich nur gegen Bares an zwei weitere Abenteuer seines Ahnen Ezio Auditore. Ihre Ankündigung allein genügt, um dem Spiel einen schlechten Ruf zu verpassen. Noch schlimmer wird’s, wenn bekannt wird, dass die Zusatzinhalte eigentlich Teil des Hauptspiels waren und nur kurzerhand zum »Zusatz« gemacht wurden, wie zuletzt bei Assassin’s Creed 2. Allein die Kommentare auf GameStar.de sprechen Bände.

Risiko Nr. 2 ist bisher noch Theorie: Wichtige und gute Inhalte, die ein Spiel spürbar besser machen würden, werden als Bezahl-DLCs ausgelagert. Das Spiel floppt, die DLCs verstauben auf den Servern. Ganz so weit ist es bisher noch nicht gekommen. Dagegen sorgten einige Erweiterungen bereits für Irritation, gerade weil sie so offensichtlich aus dem Hauptspiel gerissen wurden. Das Fehlen der vorletzten und vorvorletzten Mission bei Assassin’s Creed 2 wird mit einem Systemfehler erklärt, und bei Dragon Age will sich eine Figur partout erst dann helfen lassen, wenn Sie vorher mit echtem Geld für die Zusatzquest bezahlen.

Ruhe bewahren, Kaufkraft nutzen

Man kann sich nun lang und breit über DLCs auslassen: Wie unfair und raffgierig die Publisher sind und wie die armen Kunden ausgebeutet werden. Doch wer glaubt, dass Spiele aus reiner Nächstenliebe entwickelt werden und dass die Macher von Luft und Liebe leben können, muss schon mit der Naivitätskeule geprügelt worden sein.

Hass auf DLC  : Bei Dragon Age: Origins liefert ein DLC einen neuen Wegbegleiter. Der Download-Code liegt der Spielverpackung bei. Bei Dragon Age: Origins liefert ein DLC einen neuen Wegbegleiter. Der Download-Code liegt der Spielverpackung bei. Spiele zu produzieren kostet heute mehr als vor zehn Jahren, und irgendwie muss das Geld auch wieder reinkommen. Dass die Anbieter mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten experimentieren, ist nur logisch.

Zudem ist bei allem Community-Unmut nicht zu leugnen, dass DLCs richtig gut laufen. Einen Monat nach dem Verkaufsstart von Dragon Age hatten sich die bis dato verfügbaren zwei Mini-Addons »The Stone Prisoner« und »The Warden’s Keep« laut Electronic Arts bereits mehr als eine Million Mal verkauft. Das liegt auch daran, dass sie die Möglichkeit bieten, mehr Zeit in einer lieb gewonnenen Welt zu verbringen. Nicht umsonst erscheinen die meisten DLCs für Rollenspiele, in denen man besonders leicht eine Bindung zu seinem Helden entwickelt. Jeder Spieler kennt den Wunsch, neue Herausforderungen in seinem Lieblingsspiel zu entdecken und zu meistern. Genau diese emotionale Achillesferse kitzeln DLCs. Nicht zu vergessen: regelmäßig gestreute Addon-Häppchen sind eine gute Möglichkeit, um die Wartezeit auf das vollwertige Nachfolgespiel zu überbrücken.

Das Problem der DLCs ist also nicht zwangsläufig ihr bloßes Dasein, sondern ihr Preis-Leistungs-Verhältnis. Dazu mischt sich der seit langem schwelende Frust der Spielerschaft über immer kürzere (Solo-)Kampagnen. Nachgereichte Missionen gießen Öl in dieses Feuer.

Hass auf DLC  : Das Fallout 3-DLC The Pitt gehört zu den Vorzeigeerweiterungen. Das Fallout 3-DLC The Pitt gehört zu den Vorzeigeerweiterungen. Wer sich als Kunde über die DLC-Politik der Hersteller ärgert, muss mit dem Geldbeutel abstimmen. Es ist Ihre Entscheidung und Verantwortung, ob und für welche Download-Inhalte Sie sich entscheiden, denn es gibt auch viele gute Angebote. Einige der Fallout 3-Erweiterungen zählen dazu, auf der Xbox 360 beeindruckten die GTA 4-Addons. Auch die Publisher müssen den Umgang mit der jungen Vertriebsform erst noch lernen.

Also nutzen Sie Ihr stärkstes Druckmittel: Ihre Kaufkraft. Informieren Sie sich über die Inhalte der Download-Angebote (zum Beispiel hier auf GameStar.de), lassen Sie Mogelpackungen links liegen und warten Sie auf eventuelle Preissenkungen.

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Avatar Serky
Serky
#1 | 19. Jan 2010, 16:36
Prinzipiell trifft dieser Artikel genau meine Meinung :) Nur... wenns um die herrschende Meinung geht sollte man vielleicht lieber nicht auf die "Leserkommentare" auf Gamestar.de verweisen. Wenns nach denen ginge würde die Welt besser gestern als heute untergehen.
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Avatar Antimuffin
Antimuffin
#2 | 19. Jan 2010, 16:40
Schön zusammengefasst, von dem was viele hier denken, Danke.

Ich hätte es jedoch begrüßt, wenn Valve erwähnt worden wäre. :(
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Avatar Eiswolf_cool
Eiswolf_cool
#3 | 19. Jan 2010, 16:44
Ich stimme dem Artikel vollständig zu, jedoch sind Dlcs nicht wirklich schwer raubzukopieren, denn man brauch nur die Dateien dafür. Also eher soll es gegen Videotheken und den Weiterverkauf von den Spielen wirken.
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Avatar username
username
#4 | 19. Jan 2010, 16:45
"So offensichtlich die Vorteile der kostenpflichtigen Download-Inhalte für die Anbieter sind, es gibt auch Risiken. Da wäre zunächst die öffentliche Meinung, zumeist in zahlreichen Spiele-Foren formuliert. Dort ist man oft gar nicht gut auf DLCs zu sprechen."

Die meisten kaufen es dann trotzdem. Das ist das eigentliche Problem. Wenn die Verkaufszahlen nicht hoch genug wären, würde niemand mehr Download Content anbieten - es wäre ne Totgeburt geblieben.
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Avatar CrackMacMuffin
CrackMacMuffin
#5 | 19. Jan 2010, 16:48
Zitat von Antimuffin:
Schön zusammengefasst, von dem was viele hier denken, Danke.


stimme dir zu


Also das Preis-Leistungs Verhältniss ist bei vielen DLCs wirklich mist.
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Avatar Elbart
Elbart
#6 | 19. Jan 2010, 16:51
Es ist bei solchen Diskussionen (nicht nur im Rahmen von Videospielen) immer wieder lustig zu sehen, dass viele Menschen regelrecht schockiert reagieren, wenn man ihnen sagt, dass sie ein Produkt einfach nicht zu kaufen brauchen, wenn ihnen ein Umstand nicht gefällt.
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Avatar nibortim
nibortim
#7 | 19. Jan 2010, 16:52
Ich glaube die DLC werden noch billiger denn wenn zu jedem großem Spiel DLC rauskommen will ja jeder Publisher das man seine DLC kauft und dann beginnt ja vielleicht ein Preiskampf
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Avatar Woldeus
Woldeus
#8 | 19. Jan 2010, 16:56
im großen und ganzen ganz meine meinung.

ich jedenfalls habe noch nie geld für dlcs ausgegeben, und werde es auch nicht. ich verzichte eher, als solche praktiken zu unterstützen. mir sind schöne, altmodische addons lieber. gebe dafür auch gerne 30€ dafür aus, wenn etwas geboten wird und ich eine schöne packung mit dvd erhalte;aber sicher nicht 15€ für eine questreihe oder 3€ für einen gegenstand.
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Avatar THor2101
THor2101
#9 | 19. Jan 2010, 17:02
Ich sehe das Ganze nicht so dramatisch. Ich bin vielleicht auch erwachsener geworden. Wenn ich zu einem Spiel einen DLC erwerben kann, der es mir ermöglicht neue(!) herausforderungen zu meistern, dann kann ich ein DLC nur begrüßen, solange das PLV stimmt. Bei Dingen wie bei Assasins Creed 2 ist es ganz einfach. Ich kauf es einfach nicht. Punkt. Oder bei Rennspielen: Es ist doch echt toll, wenn ich ein paar Monate später neue Autos erwerben kann - auch hier ist das PLV entscheident. Aber wenn ein Rennspiel gerade erst erschienen ist und knapp 2 Wochen gibs neue Autos, dann kauf ich es nicht, weil hier der Verdacht besteht, dass das Auto auch schon im Vollspiel hätte sein können. So einfach ist das. Man muss nur konsequent sein und zu seinen Prinzipien stehen und nicht wie ein Drogensüchtiger jeden Scheiss kaufen. Der Spieler hat die Macht! Jeder Einzelne.
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Avatar Hellhound32
Hellhound32
#10 | 19. Jan 2010, 17:02
Wenn die DLC´s als Ersatz für die Addons gedacht wären und das bei einem guten Preis/Leistungsverhältnis, wäre es ja nicht so verkehrt. Aber stattdessen wird zum Großteil Spielinhalte die Urpsrünglich im Hauptspiel sein sollten als "Bonus" verkauft nur damit sich geldgierige Firmen noch mehr Geld unter den Nagel reißen können. Im Grundsatz hätte ich ja nichts gegen die DLC´s, aber so wie es gemacht wird ist es inaktzeptabel.
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