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Kolumne: Gamescom-Trend Free2Play

Die Gratis-Gefahr?

Die Spieleindustrie steckt im Free2Play-Wandel, der Gratisspiele-Trend wird auf der Gamescom so deutlich wie nie zuvor. Doch die Hersteller müssen aufpassen, dass dabei nicht der Spaß auf der Strecke bleibt. Warnt zumindest Michael Graf.

Von Michael Graf |

Datum: 16.08.2012


Gamescom-Trend Free2Play : Das Modewort der Gamescom 2012 heißt »Free2Play«.Electronic Arts verwandelt Command & Conquer: Generals 2 in einen Kostenlos-Titel mit Echtgeld-Shop, Crytek präsentiert nicht nur Crysis 3 , sondern auch seinen Free2Play-Shooter Warface , und Ubisoft strickt wie am Fließband Gratis-Ableger zu seinen großen Marken: Anno Online , Might & Magic Heroes Kingdoms , Ghost Recon Online , Silent Hunter Online – »Assassin‘s Creed Online« und »Splinter Cell Online« scheinen nur noch eine Frage der Zeit.

Die Gamescom führt den Wandel der Spieleindustrie so deutlich vor Augen wie nie zuvor, Free2Play ist keine Randerscheinung mehr, sondern mittendrin im Markt, mittendrin in den Portfolios und an den Ständen auch der klassischen Publisher.

Dass das wirtschaftliche Gründe hat, dass Free2Play-Newcomer wie Wargaming.net ( World of Tanks ) und GREE (ein japanisches Social- und Mobile-Games-Netzwerk) neidische Blicke aus den Chefetagen von Electronic Arts, Ubisoft & Co. ernten dürften, all das haben wir schon oft genug erklärt.

Gamescom-Trend Free2Play : League of Legends hat es vorgemacht: Riot Games bewies, dass Free2Play und ein gutes Spiel kein Widerspruch sein müssen. League of Legends hat es vorgemacht: Riot Games bewies, dass Free2Play und ein gutes Spiel kein Widerspruch sein müssen.

Ebenfalls auf der Hand liegt, dass Free2Play Vorteile bringt: Bei Online-Spielen wie League of Legends oder das bald erscheinende Dota 2 können die Hersteller problemlos auf Feedback reagieren und das nachliefern, was die Spieler wollen. Spiele, so das Branchencredo, seien dann eben »Services«, Dienstleistungen also, die sich immer weiter entwickeln und so wachsen, wie es die Community wünscht. Besonders deutlich wird dieser Trend bei den Online-Rollenspielen: kaum ein Spiel in dem Segment kann sich noch über das althergebrachte Abo-Modell finanzieren. Reihenweise sind große Titel mitterweile auf Free2Play umgestiegen - durchaus mit großem Erfolg, wie Herr der Ringe Online zeigt.

Berechtigte Zweifel

Zugleich wird das Free2Play-Genre immer noch von vielen GameStar-Usern kritisch beäugt. Und auch das hat gute Gründe.

Das beginnt bei der Gefahr des »Pay2Win«, also des Verkaufs von unfairen Vorteilen in Multiplayer-Partien. Wenn sich ein Bezahlgegner den »Zwölfläufigen Atomraketenwerfer des Durch-die-Wand-Schießens« besorgen kann, während man selbst mit der Gratis-Erbsenpistole antreten muss – dann macht das einfach keinen Spaß. Eine faire Lösung wären getrennte Multiplayer-Ligen für Premium- und Gratis-Kunden. Doch dann könnten die Hersteller nicht ihre beiden wichtigsten Verkaufsargumente einsetzen: Neid und Frust. Und damit sind wir bei den wirklich großen Problemen.

Gamescom-Trend Free2Play : Ubisofts Browserspiel Siedler Online gilt für viele Publisher als Vorbild für den Wechsel einer bekannten Marke in die Browserspiel-Welt. Ubisofts Browserspiel Siedler Online gilt für viele Publisher als Vorbild für den Wechsel einer bekannten Marke in die Browserspiel-Welt.

Free2Play-Titel müssen nicht darauf ausgelegt sein, Spaß zu machen. Sie müssen darauf ausgelegt sein, ihren Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Okay, das mag überspitzt formuliert sein. Dass Gratisspiele eine andere Art von Spieldesign erfordern als klassische Verkaufstitel, lässt sich aber nicht bestreiten. Große Hersteller wie der Farmville-Gigant Zynga beschäftigen ganze Abteilungen, die Spieldaten auswerten und Belohnungsschleifen optimieren. Spieldesign im Free2Play-Zeitalter dreht sich nicht mehr um abstrakten »Spaß«, es dreht sich um Wissenschaft. Und es dreht sich oft genug darum, dass Gratisspiele ab einem bestimmten Punkt so zäh oder langweilig werden, dass man ohne Bezahlung nur noch alle paar Ewigkeiten einen Glücksmoment genießen darf.

Die Free2Play-Hersteller müssen diesen Problemen aktiv entgegentreten; sie müssen – nicht mit Worten, sondern mit ihren Spielen – überzeugen, dass eben nicht das Geld an erste Stelle steht, sondern die Unterhaltung; nicht die optimierten Belohnungen, sondern die originellen, intelligenten Mechanismen. Sonst wäre die Free2Play-Zukunft eine wahrlich finstere.

» Mehr zum Thema kostenlose Spiele gibt es auch in unserem Free2Play-Kanal

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Avatar LiberalOpinion
LiberalOpinion
#1 | 16. Aug 2012, 14:54
Sehr schöne Beobachtung. Bei allen Beteuerungen der Entwickler, dass Spielspaß für das Design an erster Stelle steht: das Spiel muss sich auch so anfühlen. Aktuell ist es einfach schwierig die Antriebsmechanismen, die für Gewinn sorgen, als spielspaßfördernd anzusehen. Hoffentlich verharrt die Gaming-Community nicht bei dem Motto "friß oder stirb".
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Avatar itistoolate
itistoolate
#2 | 16. Aug 2012, 14:54
"Spieldesign im Free2Play-Zeitalter dreht sich nicht mehr um abstrakten »Spaß«"
Das ist ja nicht nur bei F2P so. Spiele werden nicht mehr auf den Spaß hin entwicklet, sondern auf die größtmögliche wirtschaftliche Ausnutzung.
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t4ub3
#3 | 16. Aug 2012, 14:55
Sehr schöne Kolumne! Trifft ziemlich genau meine Meinung bzw. Bedenken zu dem Thema.
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BoonControl
#4 | 16. Aug 2012, 14:56
GW2 machts vor! Kauft GW2 ^^
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Avatar Juicebag85
Juicebag85
#5 | 16. Aug 2012, 15:00
Völlig richtig.
Ich selbst spiele aus genau diesem Grund auch keine F2P-Spiele (außer LoL, was wirklich super ist).

Bestes Beispiel sind wirklich die Browsergames. Am Anfang motiviert es und macht Spaß und ab einem gewissen Zeitpunkt, der meistens schon nach einem Tag komm, geht gar nix mehr.
Ich finde das furchtbar und ich zahl ehrlich gesagt lieber 50 € für ein Spiel, dass dann aber auch ein vollständiges Spiel ist (von DLCs mal abgesehen).

Dass es immer mehr Wissenschaft wird, erkennt auch an Blizzard. Die verkaufen zwar bislang kein F2P, analysieren aber genaustens das Spielerverhalten, um ihre Spiele dementsprechend zu designen.
Dass diese Wissenschafft allerdings noch in den Kinderschuhen steckt, erkennt man ja an D3. :D
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Avatar Walez05
Walez05
#6 | 16. Aug 2012, 15:01
Ich möchte das alles nicht! Ich möchte wie in der guten alten Zeit 50,00€ (oder gerne auch weniger) auf die Ladentheke legen und dann zocken wie blöde!
Ich will kein Free2Play mit riesigen Online-Communities und alternativen Bezahlmodellen. Ich war auch nie ein Fan von Abos.

Aber wahrscheinlich gehöre ich mit meinen 32 Jahren schon zu den vom aussterben bedrohten Spiele-Dinosaurier und erkenne einfach nicht die Zeichen der Zeit.

Schade um die gute alte Zeit...
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Avatar Wolfner
Wolfner
#7 | 16. Aug 2012, 15:02
Das Problem mit F2P ist nicht das Prinzip an sich.
Das wurde ja anfangs so beworben, dass die Leute sich ihr individuelles Spiel "zusammenkaufen" können.

In Wahrheit ist es aber nur ein Weg mit vielen kleinen Transaktionen mehr Geld aus einer Sache zu schlagen als mit einer großen.

Wie wenn man einen Riesen mit Nadelstichen stürzt.

Der Vorteil dabei liegt ganz eindeutig beim Hersteller, denn wie die Sache nach hinten losgehen kann zeigte kürzlich Microsoft Flight.
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Avatar Smith87
Smith87
#8 | 16. Aug 2012, 15:03
Zitat von BoonControl:
GW2 machts vor! Kauft GW2 ^^

Nur ist GW2 eben kein F2P, sondern ein ganz normales Spiel, das 50€ kostet und damit dir gehört.
Die einzig guten F2P-Spiele sind meiner Meinung nach die Valve Titel(TF2, Dota 2), da hier eben nicht Vorteile verkauft werden, sondern nur Optik.
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Avatar senfmann
senfmann
#9 | 16. Aug 2012, 15:03
also wenn das ganze nurnoch auf free2play abläuft werde ich mein hobby wohl einstampfen... mit den dlcs hab ich mich ja langsam abgefunden...
ich muss erlich sagen es war schöner als pc spieler noch potentiell gewalttätig waren und generell alles böse war...
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Avatar Oberfranke
Oberfranke
#10 | 16. Aug 2012, 15:04
Ich denke mir, dass auf die "Oldschoolgamer" schwere Zeiten zukommen werden, denn selbst wenn 95 % der "Gamer gegen diesen F2P Wahn ist, werden wahrscheinlich schon 5 % ausreichen, damit das Spiel Gewinn abwirft. Von der Popularität F2Ps in Russland und China fange ich lieber erst gar nicht an.

Sei es drum wenn die F2P Games darauf abzielen die Vollpreistitel zu verdrängen kommen sie mir nicht auf die Platte, da kann das Spiel auch die Frostbite 200 Engine haben. Meine Hoffnungen ruhen momentan auf Indie Entwicklern, gerade denen traue ich es durchaus zu diesen Markt welchen jetzt die Branchenriesen verlassen wollen mit ordentlichen und langlebigen Produkten zu füllen. Aber warten wir erst mal ab, vielleicht tritt doch noch ein Wunder ein und das F2P Modell floppt, zumindest in Europa und den USA durch aus möglich.
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