Nachruf : GameStar-Redakteur Jochen Gebauer blickt auf seine Erinnerungen an LucasArts zurück. GameStar-Redakteur Jochen Gebauer blickt auf seine Erinnerungen an LucasArts zurück. Ach, LucasArts. Was haben wir zusammen erlebt, du und ich. Wir sind Pirat geworden und im Tie Fighter durchs Weltall geflogen, haben den Heiligen Gral gesucht und Atlantis entdeckt, die Pläne für den Todesstern gestohlen und einen Hamster in die Mikrowelle gesteckt. Für Rebel Assault habe ich mein erstes CD-Rom-Laufwerk gekauft - übrigens ein Single-Speed-Modell, was das dreimal verfluchte Ding zum ersten finanziellen Waterloo meines damals vierzehnjährigen Lebens machte. Ein Double-Speed-Modell hätte mich zwar ruiniert, wäre aber auch länger als gefühlte drei Wochen aktuell gewesen; und Rebel Assault hätte nicht so furchtbar geruckelt. Zombies Ate My Neighbors halte ich bis heute für das beste Spiel, das niemand kennt, und auch wenn es lediglich für das Super Nintendo erschien, will ich verdammt sein, wenn ich einen Nachruf schreibe, ohne es unreflektiert zu verehren.

Ich könnte jetzt noch von Sam & Max erzählen, von Grim Fandango oder von The Dig, einem beinahe kriminell unterschätzten Adventure, aber ganz ehrlich? Dazu brauchen Sie mich gar nicht. Wenn Sie damals jung waren und genauso gerne in fremde Welten geflüchtet sind wie ich, dann wissen Sie ohnehin, warum ich einen Kloß im Hals spüre, wenn ich an diese Tage zurückdenke. Und wenn sie das nicht wissen - dann tut mir das aufrichtig leid, denn Sie haben ein Fest verpasst.

Zum Thema » Disney schließt LucasArts Studio aufgelöst, alle Entwicklungen eingestellt » Monkey Island: Special Das (Erfolgs-)Geheimnis Allein: Diese Tage sind längst vorbei. Seit über zehn Jahren hat LucasArts kein relevantes Spiel mehr entwickelt, und wenn Sie jetzt »Moment!« rufen und The Force Unleashed sagen, dann lassen Sie mich fragen: Werden wir uns in 15 oder 20 Jahren mit ebenso leuchtenden Augen über The Force Unleashed unterhalten, wie wir das gerade über Monkey Island oder Tie Fighter tun?

So gut ich die emotionale Aufregung über das Ende von Lucas Arts nachvollziehen kann, weil sie völlig natürlich ist, wenn ein Held der eigenen Kindheit stirbt - in der Sache schießt sie über das Ziel hinaus. Ist es wirklich verwerflich, dass Disney einen Entwickler schließt, der seit Jahren (fast) ausschließlich Mittelmaß produziert hat? Ja, Star Wars: 1313 sah fantastisch aus - und wenn 150 Menschen ihren Job verlieren, dann müsste man schon an einem pathologischen Empathie-Defekt leiden, um das nicht wenigstens bedauernswert zu finden. Aber man muss eben auch feststellen, dass Disney nicht den Entwickler von Monkey Island, Indiana Jones and the Fate of Atlantis oder Jedi Knight geschlossen hat - die alte Magie war längst verpufft, das verantwortliche Personal schon vor Jahren abgewandert. Disney hat LucasArts vielleicht beerdigt, aber getötet hat es sich selbst.

»Und wer macht jetzt noch Star Wars-Spiele?«, könnte man fragen. Mein Tipp: jeder, der genug Geld für die Lizenz bezahlt. Disney hat garantiert keine vier Milliarden US-Dollar für das George-Lucas-Imperium hingelegt, bloß um das lukrative Spiele-Geschäft anschließend komplett zu ignorieren. Wirtschaftlich ergibt es ohnehin viel mehr Sinn, eine starke Lizenz wie Star Wars einfach weiter zu lizensieren: Warum das finanzielle Risiko einer millionenschweren Entwicklung selbst tragen, wenn andere für dieses »Vergnügen« bereitwillig in die Tasche greifen - hat bei The Old Republic ja auch prima funktioniert, jedenfalls für eine Seite. Der Tod von LucasArts ist bestimmt nicht das Ende der Star Wars-Spiele; wenn überhaupt, dann habe ich die Befürchtung, dass Disney die Lizenz an jeden verjubelt, der nicht bei drei auf dem Landspeeder ist, und wir uns in ein paar Jahren (und spätestens bei Erscheinen der neuen Filme) vor Star Wars-Lizenzspielen gar nicht mehr retten können.

Ach, LucasArts. Es wäre theatralisch, wenn ich behaupten würde, dass dein Tod unsere Branche ärmer gemacht hat. Dafür habe ich deinen langsamen, schmerzhaften Weg in die Bedeutungslosigkeit zu lange verfolgt. Dein Ende lässt mich nicht wütend oder traurig zurück, sondern dankbar. Du hast einem kleinen Jungen, der fremde Welten so viel spannender fand als seine eigene, eine Truhe voller Wunder geöffnet. Mach's gut, LucasArts. Es war mir ein Fest.

Monkey Island - Die Serie
Die Monkey-Island-Reihe ist die vielleicht berühmteste Adventure-Serie der Welt. Welche Teile bislang erschienen sind und welche haarsträubenden Abenteuer Guybrush Threepwood bislang erlebte, zeigen wir in dieser Galerie.