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Kolumne: Cloud-Nutzung bei Spielen

Wolkige Träume

Im Gerede über Xbox One und PS4 ging ein interessantes E3-Thema völlig unter: Hinter dem Begriff der Cloud verstecken sich völlig neue, spannende Gestaltungsmöglichkeiten für Spiele auf jeder Plattform!

Von André Peschke |

Datum: 12.06.2013


Cloud-Nutzung bei Spielen :

Cloud-Nutzung bei Spielen : Zwischen DRM und Gebrauchtspielen übersehen wir alle vielleicht gerade ein interessantes Detail: Die Cloud. Kein Wunder, denn der Begriff ist so abgelutscht wie die Tower Defense-Spielmechanik auf Apple-Geräten. Von einem größeren Online-USB-Stick bis zum Server-Cluster scheint heutzutage alles unter dem wolkigen Begriff zu firmieren. Doch spätestens die Vorstellung von Forza Motorsport 5 sollte uns alle zumindest kurz innehalten lassen - auch PC-Spieler.

Schauen wir uns kurz an, was sie denn eigentlich ist, diese Cloud. Der Begriff an sich beschreibt im Grunde erst mal nur eine Masse an Computern, verteilt auf etliche Rechenzentren weltweit. Im Falle von Microsoft handelt es sich um satte 300.000 Server, die laut offiziellen Angaben für die Xbox One zur Verfügung stehen. Aber natürlich haben die großen Publisher die Möglichkeit, ihre Spiele auf dem PC an eigene Cloudsysteme oder die von Dienstleistern anzubinden. Auch wenn Sony noch keine genauen Daten zu seinem Netzwerk bekannt gegeben hat, spricht man auch dort immer wieder von Funktionen in der Cloud. Gut möglich also, dass auch dort schon ein Serverfuhrpark an den Start gerollt wurde. Praktisch alle Plattformen, scheinen einigermaßen startbereit, aber Microsoft hat wohl die Nase vorn.

Zum Thema » E3 2013: Alle Artikel Previews, Specials, Reports » E3-Kolumne: Sony vs. Microsoft Xbox, go Home Was aber tun mit der Cloud? Server haben wir ja nun schon lange? Richtig, aber nicht so viele. Auf die Masse der Server lassen sich mit der heutigen Technik immer umfangreichere Rechenoperationen auslagern oder immer größere Datenmengen austauschen. Einzige Voraussetzung: Sie dürfen nicht allzu zeitkritisch sein. Das die Cloud-Unterstützung der Xbox One zum Beispiel erheblich bessere Grafik oder Physik bescheren könnte, ist an der Grenze zum Märchen.

Innerhalb der winzigen Zeitspanne, in der das Spiel das nächste seiner mindestens 30 Bilder pro Sekunde berechnen und aufbauen muss, hat die Internetübertragung der nötigen Daten gerade erst angefangen. Möglich wären aber tatsächlich technische Tricks bei simulierten Systemen. Dichter, glaubwürdiger Rauch beispielsweise besteht aus komplizierten Partikelsystemen, die mit mehreren Lichtquellen interagieren müssen. Hier könnten grundlegende Berechnungen für die Darstellung in der Cloud erfolgen, auf deren Basis dann die Xbox in Echtzeit die Grafik auf den Schirm bringt.

Was noch viel besser funktioniert sind all jene Anwendungen, bei denen kleine Verzögerungen in der Internetleitung nicht ins Gewicht fallen. Beispiel Forza 5: Bei jedem Rennen protokolliert das Spiel die Fahrleistung des Spielers mit: Wo er bremst, wann er Gas gibt, wie viel er riskiert. Daraus erstellt das Spiel ein Datenblatt, aus dem nach und nach ein umfangreiches Spielerprofil entsteht. "Drivatar", nennt das Forza. Genau dieses Profil kann nun nicht nur an eine, sondern viele Konsolen senden, wo es einen Rennwagen steuert. Die KI, so versprechend die Entwickler, programmieren sie gar nicht mehr im Detail selbst. Stattdessen lädt sich praktisch jeder Spieler ein Set von Spielerprofilen runter und fährt dann gegen ein Feld von Fahrern, das sich benimmt wie die menschlichen Gegner, von denen es abstammt. Die Aufzeichnung und Verarbeitung der Daten, übernimmt die Cloud.

Gerade im Hinblick auf Dinge wie künstliche Intelligenz bietet die Cloud im wahrsten Sinne ungeahnte Möglichkeiten. Spielcharaktere könnten so intelligent werden, wie nie zuvor, indem ihre Aktionen von einem gigantischen, lernenden System im Rechencluster gesteuert werden. Ein Moralsystem könnte die Reaktionen der Bewohner eines ganzen Landes in der Cloud berechnen lassen und dann die Veränderungen in der Stimmung jeder Figur als fertiges Update zurück schicken. Eine Seuche im Spiel könnte sich nach realistischen Simulationsmodellen verbreiten, deren Berechnung die Rechenpower der Cloud übernimmt. Kurz: Die Cloud macht nicht Dinge besser, die auf der betreffenden Konsole sowieso ablaufen. Sie macht Dinge möglich, für die der Entwickler sonst keine Rechenzeit mehr übrig hätte. Die ohne sie gar nicht möglich wären. Oder noch nie möglich waren.

Nun ist mir klar, dass viele Spieler erst mal trotzdem die Nase rümpfen werden. EAs SimCity hat der interessanten Technik einen Bärendienst erwiesen, indem dessen Server am Ende nur ihre eigenen Ausfallzeiten zu berechnen schienen. Auch bedeutet eine Cloud-Anbindung natürlich auch Always-On. Aber diese Technologien sind nicht von Grund auf schlecht. Worüber wir uns alle aufregen ist ja in erster Linie, wenn sie ohne jeden Vorteil für den Spieler als Kopierschutz eingesetzt werden.

Würde eine Cloud-Anbindung tatsächlich neue Spielwelten ermöglichen, wäre sie sehr viel leichter zu akzeptieren. Hätte SimCity mithilfe der Cloud einen bahnbrechenden Simulationsgrad erreicht - was theoretisch möglich gewesen wäre - hätte man Maxis wegen seiner visionären Idee vermutlich gelobt. Am Ende hängt es nun mal immer davon ab, was die Entwickler aus der neuen Technologie machen. Aber es wäre schade, wenn wir das Potential dahinter verkennen, nur weil EA uns allen ein Ei gelegt hat.

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Avatar Sn0wblind
Sn0wblind
#1 | 12. Jun 2013, 17:17
Ich halte von der Sache nicht viel was ist mit dennen die kein schnelles Internet haben? Was bei uns in Deutschland auch nicht grad wenige sind!
Oder was passiert mit dem Spiel wenn ich es Offline spielen will?
Oder das Worst Case Server werden abgeschaltet ...

Wie gesagt ich halte davon nichts, lieber daheim aufm Pc/Konsole berechnen und gut ist die Sache!

Das die Sache mit Cloud oder Streaming dienste nicht verlässlich sind, müsste die Industrie doch langsam mal gemerkt haben oder nicht?
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Avatar Zouk
Zouk
#2 | 12. Jun 2013, 17:22
Dieser Artikel gefällt mir gar nicht, hauptsächlich nur Pros fernab jeglicher Realität. Dazu noch viel zu kurz um solch ein Thema vernünftig zu umschreiben.

Ganz ehrlich? Bevor ich mir weitere Abhängigkeiten schaffe und meine Autonomie aufgebe, verzichte ich lieber auf eine ach so toll zentral berechnete "Wolke". Erst wenn meine wirklichen Interessen vernünftig bedient werden, wäre ich eventuell dazu bereit, gewisse Aspekte auszulagern. Konservativ? Ja, aber wahrscheinlich auch schlau.
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Avatar yello.lotus
yello.lotus
#3 | 12. Jun 2013, 17:30
@Sn0wblind
Rechenintensiv ist nicht gleich Bandbreite abhängig, bei der Internet Leitung.

Im Grunde Genomen reicht da nur der Austausch von einer Text Datei mit paar Byte und das bekommt jeder Internet Anschluss hin.

Die Große Problematik ist die Abhängigkeit und Dimensionierung der Cloud.
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Avatar Andre Peschke
Andre Peschke
#4 | 12. Jun 2013, 17:33
Zitat von Sn0wblind:
Was ist mit dennen die kein schnelles Internet haben? Was bei uns in Deutschland auch nicht grad wenige sind!
Oder was passiert mit dem Spiel wenn ich es Offline spielen will?
Oder das Worst Case Server werden abgeschaltet ...


Genau wegen der Problematik "schnelles Internet" schrieb ich ja, dass derzeit nur Einsatzgebiete in Frage kommen, die eine Zeitverzögerung erlauben. Da wir aber in der Regel über rechenintensive und nicht über bandbreitenintensive Funktionen der Cloud sprechen, braucht es für viele Beispiele gar keine so wahnsinnig dicke Internetleitung. Stell dir vor, die Cloud berechnet nur das Verhalten von ein paar Hundert NPCs: Das kann eine extrem komplizierte Berechnung sein, aber dem Server muss sie nur zurückmelden: "Der macht das, der macht das, der macht das...". Nur die komplette Grafikberechnung, von der ja OnLive & Co träumten wird schwierig (und sogar das versucht Sony mit Gaikai ja für PS3-Titel... man wird sehen, wie das läuft).

Insgesamt ist der Beitrag natürlich keine erschöpfende Abhandlung, sondern nur eine Kolumne. Ich wollte einfach sagen: "Nachdem wir zwei Tage auf allem rumgetrampelt sind, was die neuen Konsolen (und der PC sowieso) so können, wäre es ja gut nicht völlig zu ignorieren, was für spannende Entwicklungen sich für die Zukunft ankündigen.

Viele Grüße aus L.A.!
Andre
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Avatar Juicebag85
Juicebag85
#5 | 12. Jun 2013, 17:35
Zitat von Sn0wblind:
Ich halte von der Sache nicht viel was ist mit dennen die kein schnelles Internet haben? Was bei uns in Deutschland auch nicht grad wenige sind!
Oder was passiert mit dem Spiel wenn ich es Offline spielen will?
Oder das Worst Case Server werden abgeschaltet ...

Wie gesagt ich halte davon nichts, lieber daheim aufm Pc/Konsole berechnen und gut ist die Sache!

Das die Sache mit Cloud oder Streaming dienste nicht verlässlich sind, müsste die Industrie doch langsam mal gemerkt haben oder nicht?


Wieso muss man bei der Entwicklung immer auf alles und jeden Rücksicht nehmen? Sollen jetzt keine Auto mehr produziert werden, weil manche Leute keinen Führerschein haben oder ihn sich nicht leisten können?
Ich denke nicht! So ist nunmal der Fortschritt. Für die mit miesem Internet tuts mir leid, aber das ist kein Grund alles neue, dass nicht jeder nutzen kann zu verteufeln, wie ein wütender Mob zur Zeit der Hexenverbrennung.
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Avatar Neew
Neew
#6 | 12. Jun 2013, 17:48
Die Idee eine eigene KI dadurch zu entwickeln, die von den Spielern lernt, finde ich auch wahnsinnig interessant. Wenn man da ein wenig Arbeit rein steckt, könnte das eine kleine Revolution bedeuten.

Sorgen über eine zu frühe Serverabschaltung mache ich mir nicht. Ich gehe eher davon aus, dass die Serverfarmen in Zukunft aufgestockt werden.

Online ist sowieso ein großer Trend, wie man jetzt auf der E3 sieht. Gefühlt jedes zweite Spiel hatte eine große Multiplayer-Komponente. Es scheint fast so, als wolle man aus jedem Titel ein halbes MMO machen.

Ob das am Ende unsere Spielerfahrung verbessert oder nicht werden wir ja bald sehen.
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Avatar Progamer13332
Progamer13332
#7 | 12. Jun 2013, 17:51
cloud berechnungen....wie soll das gehen?, bei latenzen von über 50ms kann man wohl kaum die ki oder oder den prozessor bei berechnungen unterstützen 0o..ist doch das gleiche wie mit sim city 5, da haben sie auch gesagt die cloud führt wichtige berechnungen durch
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Avatar Ghost_182
Ghost_182
#8 | 12. Jun 2013, 18:17
Eine m.E. nach sehr naive Darstellung der Dinge.

Es wird wahrscheinlich nicht lange dauern, bis die Cloud dazu genutzt wird um Always-On (auf den Konsolen) durch die Hintertür einzuführen. Auch wenn man davon ausgeht, dass das nicht einer der Gründe für ihre Einführung ist. Was ich wie gesagt für eine sehr naive Denkweise halte.

Man wird den Spielern ein tolles Gimmick vor die Nase halten, betonen wie toll das doch alles ist und das es eine völlig neue Spielerfahrung bietet. Leider müsste man dafür aber ständig mit der Cloud verbunden sein. Abgesehen davon, was ist mit Gegenden mit langsamem Internet? Muss ich da vor jeden Rennen erst 10 min warten, bis meine KI heruntergeladen wurde? Oder hab ich dann in einem Singleplayertitel Lags?

Von einem Redakteur erwarte ich da neben all den positiven Aspekten auch eine etwas kritischere, differenzierte Betrachtung. Schwärmereien von Technikenthusiasten (das Wort Fanboys ist mir mittlerweile zu stark auf ein Schimpfwort reduziert) über ein neues Spielzeug kann ich mir auch auf Youtube, Facebook oder Twitter durchlesen.

Abgesehen davon ein gut geschriebener Artikel, der sich auch gut liest.

EDIT:
Ich habe mir den Kommentar des Autors über mir nochmal durchgelesen, den ich zunächst nicht mit ihm in Verbindung gebracht hatte (wegen unterschiedlichem Benutzernahmen "Ascerendant"). Daher möchte ich meine Kritik am Autor in Teilen zurückziehen (bzgl. der langsamen Internetverbindung). Allerdings sollte m.E. nach dennoch auf die Gefahr eines Always-On durch die Hintertür eingegangen werden. Das erwarte ich einfach von einem Redakteur (auch bei einer Kolumne).
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Avatar Mania7
Mania7
#9 | 12. Jun 2013, 18:19
Grundsätzlich gut geschriebener Artikel, blos fehlen mir etwas die damit einhergehenden Nachteile. Zum Beispiel wenn die Kapazitäten eines Publisher nicht ausreichen um so viel zu berechen (wie man gut bei Simcity gesehen hat). Und Simcity hat ja gar nicht viel berechnet...wie stark wird dann die Belastung sein, wenn man wirklich einige rechenintensive Spielelemente berechnen lässt?
Und wenn immer mehr Spiele auf den Markt kommen, braucht man so auch wieder mehr Server. Und was damit einhergeht, ist, dass Spiele einfach irgendwann ein mal abgeschaltet werden und nicht mehr spielbar sein werden. Ich aufjedenfalls hab darauf absolut keine Lust! Also von mir ein klares Nein, bitte nicht!
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Avatar Kiwisouffle
Kiwisouffle
#10 | 12. Jun 2013, 18:20
zu dem thema der protokollierung des eigenen tuns, um daraus eine KI zu erzeugen, habe ich noch eine kleine anmerkung bzw frage:
ist es möglich genau zu sagen, wann die protokollierung stattfinden soll? oder passiert es immer? denn aus erfahrung weiß ich, dass es auch viele fungames gibt, oder man manchmal einfach nicht voll mitfährt, bei der sache ist, nur ein fun-game macht oder ähnliches. wenn dann die ki deines freundes plötzlich nen donut auf der nordschleife macht, weil dein kumpel sowas bei ner fun-runde gemacht hat, wäre das schon bescheiden.
und selbst wenn nur grobe dinge getrakt werden, wie das bremsverhalten etc. weiß man immer noch nicht, ob grad wer anders fährt oder ob es wie gesagt nicht doch ein seichtes cruisen ist.

nur ne anmerkung. würd mich freuen, wenn da mehr infos zu rüberkommen.
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