Teurere PC-Spiele mit Xbox Play Anywhere :

Es liegt in der Natur einer E3-Pressekonferenz, dass man in erster Linie sich selbst und seine Produkte feiert. Und dank der pompösen und minutiös geplanten Inszenierung fällt es mir selbst nach 15 Jahren Spiele-Journalismus wirklich schwer, mich nicht von der Begeisterung anstecken zu lassen. Unschwer zu erkennen in meinen Fazit-Videos zu Sony, Microsoft, Electronic Arts und Bethesda.

Teurere PC-Spiele mit Xbox Play Anywhere : Auch Halo Wars 2 gehört zum Play-Anywhere-Programm. Auch Halo Wars 2 gehört zum Play-Anywhere-Programm. Das ist für mich auch völlig in Ordnung so. Ich persönlich finde es wichtig, dass sich Spiele-Journalisten trotz ihres Informationsauftrags den Enthusiasmus für das schönste Hobby der Welt bewahren und nicht zu »Alles doof«-Zynikern werden. Dass man im Gegenteil ja auch nicht »Alles toll« jubeln muss, versteht sich von selbst.

Genauso wichtig ist es nämlich, auch die Dinge zu hinterfragen, die im ersten Moment fantastisch klingen. Wie Microsofts Play Anywhere Initiative, die im Rahmen der E3 vorgestellt wurde. Gears of War 4 und Forza Horizon 3 erscheinen auch für den PC statt nur exklusiv für die Xbox? Großartig! Die Multiplayer-Modi funktionieren plattformübergreifend? Finde ich klasse! Käufer der One-Version bekommen das PC-Spiel kostenlos dazu und umgekehrt? Toller Service … aber Moment mal, was genau heißt das eigentlich?

Teurere PC-Spiele mit Xbox Play Anywhere : Der Autor
GameStar-Chefredakteur Heiko Klinge gehört wahrscheinlich zu den fünf Menschen auf diesem Planeten, die von der »TV, TV, TV«-Enthüllung der Xbox One voll abgeholt wurden. Daheim läuft sein Satelliten-Receiver tatsächlich durch die Konsole und er genießt es nach wie vor, fließend zwischen Wolfsburg-Spiel, Forza-Rennen und Skype-Chat wechseln zu können. Trotzdem würde er gern Forza Horizon 3 auch am PC spielen können, zum Beispiel wenn die Ehefrau mal den Wohnzimmer-Fernseher in Beschlag nehmen möchte.

Blick ins Kleingedruckte

Teurere PC-Spiele mit Xbox Play Anywhere : Gears of War 4 wird auf der Xbox und dem PC spielbar sein - aber nur als Download-Version. Gears of War 4 wird auf der Xbox und dem PC spielbar sein - aber nur als Download-Version. Zeit, den Enthusiasmus ein wenig zurückzufahren und ins Kleingedruckte zu schauen. Erster Pferdefuß: Das Angebot gilt nur für die Download-Variante des Spiels, und es wird genau einen Freischalt-Code geben, der sowohl die PC- als auch die One-Version freischaltet. Zweiter Pferdefuß: Für alle Anywhere-Titel bedeutet das logischerweise einen identischen Preis bei Windows- und Konsolenversion.

Wer also Forza Horizon 3 oder Gears of War 4 auf dem PC spielen möchte, wird dafür rund 70 Euro auf den Tisch legen müssen. Preisreduzierungen gibt's nicht beim nächsten Steam Sale, sondern erst, wenn auch die One-Version günstiger wird. Und Konsolenpreise sind für gewöhnlich stabiler als PC-Preise.

Natürlich erwarte ich nicht, dass Mircosoft diese Pferdefüße mit großem Achtung-Schild auf ihrer Pressekonferenz verkünden. Aber ich erwarte, dass sie Play Anywhere in Zukunft nicht nur als Goodie für One-Besitzer anpreisen, sondern ebenfalls uns PC-Spieler abholen und mit guten Argumenten von dieser Initiative überzeugen.

Mehr zum Thema: Das Wichtigste aus der Microsoft-Pressekonferenz

Der Preis kann es schon mal nicht sein, also muss etwas anderes her. Zum Beispiel ein komfortabler Online-Shop, eine reibungslos funktionierende Multiplayer-Infrastruktur, vor allem aber eine durch und durch sorgfältige Portierung auf dem PC, welche die Leistungsfähigkeit moderner PCs wirklich voll ausschöpft. Bei Quantum Break, dem Pilotprojekt, gab's da ja noch Luft nach oben. Freundlich gesagt.

Ich persönlich habe kein fundamentales Problem damit, wenn PC-Spiele genauso viel kosten wie ihre Konsolen-Pendants. Aber nur dann, wenn sie auch das gleiche leisten, also eine optimal auf die Plattform angepasste Spielerfahrung. Und das heißt für mich, dass ich von Gears of War 4 und Forza Horizon 3 eine gescheite Maus- beziehungsweise Lenkradunterstützung erwarte und natürlich mehr Grafikoptionen sowie eine bessere Optik als auf der technisch unterlegenen One - was sich mit der frisch angekündigten Xbox One-Generation »Scorpio« aber bessern dürfte.

Wenn man sich die Probleme bei Quantum Break ins Gedächtnis ruft, dann ist hier bei aller PK-Euphorie durchaus noch ein wenig Skepsis angebracht. Xbox Play Anywhere ist in der Theorie wirklich eine tolle Idee, wird sich mit seinen vergleichsweise hohen Spielepreisen in der Praxis aber nur dann bei den PC-Usern durchsetzen, wenn Mircosoft Xbox One und Windows 10 wirklich als gleichberechtigte Plattformen versteht. Falls das passiert, darf gern gejubelt werden. Aber eben erst dann.