Kaum hat Nintendo Zelda: Breath of the Wild auf der E3 erstmals ausführlich vorgestellt, schon steht das Internet Kopf. Die meisten sind begeistert - nachdem Social-Media-Echo (und Markus Schwerdtel) zu urteilen, ist das neue Zelda-Abenteuer sogar der Sieger der diesjährigen E3-Messe.

»Darum liebe ich Nintendo«, schreibt ein GamePro-User in den Kommentaren. Klar, die Community ist heiß auf das Spiel, auf das sie seit fünf Jahren sehnsüchtig wartet. Ich kann die überschwängliche Begeisterung jedoch nicht teilen und bleibe weiterhin skeptisch. Und das hat mehrere Gründe.

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Zelda: Breath of the Wild : Der Autor:
Mirco ist mit dem NES aufgewachsen und hat daher schon früh eine Bindung zu Nintendo und seinen Spielen wie Donkey Kong oder Super Mario aufgebaut. Mit sechs Jahren tauchte er mit The Legend of Zelda: Link's Awakening für den Game Boy erstmals in die Zelda-Serie ein - seitdem gehört sie zu seinen Lieblings-Nintendo-Franchises. Heute zockt er beinahe täglich auf dem 3DS, die Wii U befreit er aufgrund des Spielemangels aber nur selten vom Staub. Zelda: Breath of the Wild wird er jedoch direkt auf der Nintendo NX spielen.

Vom Action Adventure zum Rollenspiel

Erstens: Nintendo bemüht sich, der mittlerweile 30 Jahre alten Zelda-Serie mit neuen Spiel-Elementen einen neuen Anstrich zu verleihen und das ist löblich. Doch für mich werfen die Japaner zu viele Zutaten in einen Topf. Das Loot-System kann ich noch verstehen, es passt zum Konzept des Spiels. Aber Crafting? Das wirkt für mich aufgezwungen - und die Tatsache, dass Gegenstände und Waffen bei Gebrauch kaputt gehen, ist für mich eine der größten Design-Fehlentscheidungen überhaupt.

Zelda: Breath of the Wild macht auf mich den Eindruck, als habe Nintendo, eines der kreativsten Entwicklerstudios, lediglich funktionierende Gameplay-Mechaniken anderer (Konkurrenz-)Spiele ins Zelda-Korsett gezwängt. Hey Link, hier die Ubisoft-Formel! Das Ressourcensammeln hat ja in Monster Hunter schon super funktioniert, also wird auch Link zum Äpfelpflücker. Und an einer offenen (am besten noch möglichst großen) Spielwelt kommt heutzutage kaum noch ein Spiel vorbei. Daher ist es nur logisch, dass auch Breath of the Wild auf die Open-World-Kutschte aufspringt. Ich habe nur die Befürchtung, dass es Nintendo hier etwas übertreibt.

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Bislang sah die Welt in der Präsentation nämlich noch ziemlich, sagen wir mal, leer aus. Am Horizont ein Vulkan, ein Schloss und eine Schneelandschaft. Dazwischen erstrecken sich beinahe endlose Wiesen und Felsformationen. Gähn. Okay, Nintendo hat aus »Spoiler-Gründen« sämtliche Dörfer aus der Welt entfernt.

Trotzdem bezweifle ich, dass die extrem große Welt auch genügend Anreize schafft, sie zu erkunden. Und ich befürchte, dass aufgrund der großen spielerischen Freiheit der rote Faden verloren geht. Generell mutiert Zelda: Breath auf the Wild vom Action-Adventure zum Rollenspiel. Das kann funktionieren und der Serie den nötigen Impuls geben, es kann ihr aber auch schaden.

Ist das noch Zelda?

Und das führt mich zum zweiten Grund meiner Skepsis: Breath of the Wild entfernt sich gefährlich weit von dem, was Zelda immer ausgemacht hat. Statt klar definierten Arealen mit Dungeons und Missionsaufträgen gibt's ein Loot-System, Crafting, Ressourcen-Management, zerstörbare Gegenstände, eine Ausdauer-Anzeige und sogar Stealth-Elemente - das liest sich wie die Produktbeschreibungen eines x-beliebigen Open-World-Survival-Spiels. Würde man Link aus dem Spiel streichen und den Titel ändern, würde sich meiner Meinung nach kaum jemand für dieses Rollenspiel interessieren. Zumindest würde dann keine Begeisterungswelle durch das Internet schwappen.

Und der dritte Grund, warum sich meine Begeisterung in Grenzen hält: die Optik. Nicht falsch verstehen, Breath of the Wild sieht stellenweise immer noch zauberhaft aus. Aber wo sind der Glanz, der Cel-Shading-Touch, der Farben-Kick, in den ich mich im Trailer von 2014 verliebt habe? Mag sein, dass das Spiel auf der Nintendo NX noch etwas schöner aussieht, doch in den letzten zwei Jahren hat sich der Grafikstil noch einmal stark verändert. Für mich sogar eine kleine Enttäuschung.

Um das noch einmal klarzustellen: Ich möchte Zelda: Breath of the Wild keinesfalls vorverurteilen, immerhin habe ich im Gegensatz zu Kollege Heiko, der nach der Gameplay-Demo auf der E3 absolut begeistert ist, das neue Zelda noch nicht selbst gespielt. Doch das Gezeigte stimmt mich eher skeptisch als euphorisch. Ist die Open World mit genügend Sehenswürdigkeiten gespickt? Nerven die zerstörbaren Items und das Ressourcensammeln irgendwann? Ich bin gespannt.

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