Synchronsprecher-Streik : Auch bei Fallout 4 gab es offenbar Synchronsprecher, die gar nicht wussten, für welch populäres Projekt sie ihre Texte einsprachen. Auch bei Fallout 4 gab es offenbar Synchronsprecher, die gar nicht wussten, für welch populäres Projekt sie ihre Texte einsprachen.

Viele Synchronsprecher wissen offenbar noch nicht einmal, für welches Spiel sie einen Text einsprechen, sobald sie mit einem Auftrag beginnen. Diesen und weitere Missstände in der Gaming-Industrie hat nun die Gewerkschaft Screen Actors Guild?American Federation of Television and Radio Artists (SAG-AFTRA) öffentlich gemacht und ihre Mitglieder zum Streik aufgerufen.

Bereits vergangene Woche haben die Gewerkschaftsmitglieder ihre Arbeit niedergelegt. Insbesondere die Geheimhaltung rund um aktuelle Aufträge wirkt anrüchig: Da viele Auftragnehmer nicht wissen, für was sie da eigentlich engagiert wurden, fallen die Honorarverhandlung häufig zu Ungunsten der Synchronsprecher aus.

High-Budget-Titel, Low-Budget-Bezahlung

Prominentes Beispiel: Keythe Farley hat dem Bösewicht Kellogg aus Fallout 4 seine Stimme geliehen, wusste dabei jedoch nicht, dass er für einen Ableger der populären und finanziell erfolgreichen Fallout-Reihe engagiert wurde. Entsprechend dürftig fiel das Honorar aus, mit dem er sich einverstanden zeigte.

Die Folge: Produzenten können in den Verhandlungen generell niedrige Honorare ansetzen und sind aufgrund ihres Wissensvorsprungs gegenüber Agenten und Synchronsprechern im Vorteil.

Gewerkschaft fordert mehr Transparenz

Die Streikforderung der Gewerkschaft lautet deshalb, dass die Arbeitgeber aus der Videospiel-Industrie im Vorfeld der Verhandlungen mindestens verraten müssten, um welches Spiel es sich überhaupt handelt. Auch Details zu Dauer und Umfang des Auftrags sowie der Beschaffenheit der geforderten Leistung werden verlangt.

Dagegen wehren sich Industrievertreter jedoch heftig. Einem Sprecher der SAG-AFTRA zufolge, haben die Unternehmen zwar eingewilligt, im Vorfeld über die Notwendigkeit von sexuellen Darbietungen oder rassistischen Beleidigungen aufzuklären. Details zu den Spielen selbst wollen sie aber weiterhin nicht verraten.

Gute Gründe für Geheimhaltung?

Die Argumentation der Spielentwickler und Publisher: Auch beim Fernsehen, bei Kinofilmen oder bei Zeichentrickproduktionen sei es nicht notwendig, das Projekt vorher genau und detailliert zu benennen.

Sehr wahrscheinlich steckt aber auch noch ein anderer Grund dahinter: Nicht selten kam es in der Vergangenheit schon vor, dass Synchronsprecher noch unangekündigte Spiele versehentlich oder absichtlich in der Öffentlichkeit geoutet haben. Beispiele sind etwa Wolfenstein: The New Order 2 (The old Blood) oder Devil May Cry 5. Eine Leak-Gefahr, die viele Unternehmen sicherlich auch weiterhin gerne unterbinden würden.