Kino-Boykott gegen Filmverleih : Einige Betreiber kleinerer Kinos haben zum Boykott von Avengers: Age of Ultron aufgerufen. Grund sind willkürlich gestiegene Leihpreise für den Film. Einige Betreiber kleinerer Kinos haben zum Boykott von Avengers: Age of Ultron aufgerufen. Grund sind willkürlich gestiegene Leihpreise für den Film.

Es klingt wie eine neue Episode »David gegen Goliat« und könnte vielleicht sogar einmal Stoff für einen Nischenfilm bieten: Aus Ärger über Änderungen an der Preispolitik des Disney-Filmverleihs haben gleich mehrere Kinobetreiber insbesondere aus kleineren Städten einen Boykott des kommenden Blockbusters Avengers: Age of Ultron angekündigt.

An der Protestaktion sollen sich nahezu alle Kinos im Saarland und zusätzlich mehr als 200 Lichtspielhäuser bundesweit beteiligen. An die Öffentlichkeit gelangte der Boykottaufruf durch eine im Saarland ansässige Werbeagentur, die entsprechende Flyer zum Aushang in den Kinos der Kette Movieworld druckte - und ein Foto davon über das soziale Netzwerk Facebook im Internet verbreitete.

In der Kundeninformation heißt es unter anderem:

Der Filmverleih hat einseitig alle bestehende Verträge aufgekündigt und ohne vorherige Absprache neue Bedingungen aufgestellt, die für uns nicht akzeptabel sind. Die letztendliche Konsequenz [...] wären deutlich erhöhte Eintrittspreise für Sie, die allerdings nicht uns, sondern nur dem Filmverleih zu Gute kommen.

Als einzige Möglichkeit des Protests gegen die neuen Bedingungen sehe man nun den Verzicht auf jegliche Vorführungen von Avengers: Age of Ultron, so das Movieworld-Team. Man könne und wolle das neue Vertragswerk nicht kampflos hinnehmen. Andernfalls, so heißt es, müssten die Ticketpreise auf 15 Euro angehoben werden - und von dieser Preiserhöhung sehen die Kinos selbst am Ende nichts.

Die Kritik der Kinobetreiber richtet sich insbesondere gegen die Erhöhung des sogenannten Filmmietsatzes von zuvor 47,7 auf nun 53 Prozent. Diesen Prozentsatz des Verkaufspreises einer jeden Eintrittskarte muss ein Kino als Leihgebühr an den Filmverleih abgeben. Der höhere Wert galt bisher lediglich für Kinos in den Großstädten und wurde in Abhängigkeit von der Einwohnerzahl angesetzt. Ab sofort gelten die 53 Prozent jedoch grundsätzlich.

Darüber hinaus wurde in den neuen Verträgen auch eine einheitliche Mindestlaufzeit von 21 Tagen für Disney-Filme festgesetzt. Und auch an weiteren Vorgaben und Regelungen stören sich die Kinobetreiber. So soll Disney beispielsweise verlangen, dass selbst Kinderfilme noch um 20:00 Uhr im Programm laufen. Das würde die wenigen Kinosäle für um diese Zeit lukrativere Filme blockieren. Und auch Richtlinien für die Häufigkeit, mit der ein Film gezeigt werden soll, gibt es.

Insbesondere für Kinos in Orten mit weniger als 50.000 Einwohnern sei das eine große Belastung, heißt es von Seiten der Kinobetreiber.

Nicht alle kleineren Kinos haben sich allerdings dem Boykott angeschlossen. Das Concerthaus Kino in Brandenburg zeigt Avengers: Age of Ultron reguläre ab dem offiziellen Kinostart am 23. April 2015 - allerdings mit einem Aufpreis von zwei Euro pro Kinokarte, um die gestiegenen Leihkosten begleichen zu können.

Die Branche befürchtet nun, dass noch weitere Filmverleiher nachziehen könnten und so ein Flächensterben der Kinos verursacht wird. Zumal alleine Disney noch mindestens einen weiteren Kassenschlager für 2015 in petto hat: Im Dezember 2015 kommt Star Wars: Episode 7 - Das Erwachen der Macht in die Kinos. Möglicherweise aber nicht in alle.