Es geht weiter mit der unschönen Debatte um Sonys umstrittenen Audio-CD-Kopierschutz XCP (wir berichteten). So kam jetzt zum Vorschein, dass sich die XCP-Entwickler bei der Firma First4Internet beim Programmieren des Tools offensichtlich an bestehender Open-Source-Software bedient haben. "Wir können bestätigen, dass bestimmt fünf Funktionen in der XCP-Software mit Funktionen von Lame identisch sind", so Thomas Dullien von der Bochumer Firma Saber Security, einem auf Softwareanalyse spezialisierten Unternehmen.


Lame ist ein Open-Source-MP3-Codec, der von einem internationalen Team von Programmierern unentgeltlich ständig weiter entwickelt wird. Das Projekt unterliegt der Definition "Open Source", die besagt, dass jeder damit arbeiten und entwickeln kann, solange das daraus entstehende Produkt wiederum "Open Source" bleibt. Das ist aber bei der von Sony eingesetzten Kopierschutz-Software nicht der Fall. Nirgendwo ist erwähnt, dass sich die Programmierer bei Lame bedient haben - offensichtlich um die Entwicklungszeit abzukürzen.


Weil einige Funktionen aus Open-Source-Software "direkt in das Programm integriert sind", wie Dullien sagt, müsste eigentlich nun das ganze Programm so behandelt werden - nämlich als "frei für alle".
Das überaus peinliche an der ganzen Sache: Sony BMG verletzt mit seiner Copyright-Schutzsoftware etliche andere Copyrights. Mittlerweile hat BMG angekündigt, die betroffenen CDs aus dem Handel zu nehmen, um weiterer Aufregung um die Funktion des Tools aus dem Weg zu gehen.

Besitzer von kopiergeschützten Audio-CDs in den USA können ab sofort auch einen Umtauschdienst bei Sony BMG in Anspruch nehmen. Dabei kann der Käufer wählen, ob er eine neue CD ohne Kopierschutz haben will oder einen Download mit mp3-Dateien bevorzugt. Außerdem sind auf der Seite alle von Sony mit Kopierschutz veröffentlichten Tonträger aufgelistet.