Yogventures! :

Zum Thema » Skandal um Earth: Year 2066 Betrug mit Early Access » Kartoffelsalat für 10 US-Dollar Kuriose Kickstarter-Kampagne Update (21.07.2014): In einem Kickstarter-Update äußert sich Entwickler Kris Vale, wie das gespendete Geld angelegt werden sollte. Er gibt auch zu, dass er mit den geschäftlichen Angelegenheiten überfordert war.

Aus einem rechtlichen Fehler heraus zahlte Winterkewl einem Konzept-Zeichner 35.000 Dollar, der nach zwei Wochen die Arbeit abbrach. Durch den verpatzten Vertag konnte er allerdings nicht gezwungen werden, weiter am Projekt zu arbeiten, schreibt Vale.

Daraufhin verlor der YouTube-Kanal Yogscast das Vertrauen in Vale und seine Fähigkeit das Projekt von einer geschäftlichen Seite zu betreuen. Daher musste das Entwickler-Studio 150.000 Dollar an Yogscast abtreten, das sie für die Programmierung und für die Kickstarter-Prämien verwenden sollten.

Allerdings heuerte Yogscast nie einen Programmierer an, wie es eigentlich gedacht war, schreibt Vale. Dadurch füllte er die Position.

Er bestätigt auch noch, dass Winterkewl tatsächlich kein Geld übrig habe und sie daher auch keine Rückzahlungen leisten können.

Update (18.07.2014): Ein Blogpost auf Gamasutra setzt das Kickstarter-Debakel in eine rechtliche Perspektive. Ein wichtiger Fakt ist, dass Winterkewl Games eine LLC, also eine limited liability company angemeldet haben. Im Deutschen entspricht die LLC einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung). Das bedeutet, dass die Entwickler Winterkewl nicht mit ihrem persönlichen Vermögen haften müssen, sondern nur mit den Firmenvermögen. Sollte Winterkewl aber Insolvenz anmelden oder einfach kein Firmenguthaben mehr haben, müssen sie wahrscheinlich nichts zurückzahlen.

Allerdings könnte es für Yogscast anders laufen. Ursprünglich hieß es vom YouTube-Kanal, dass sie »niemanden etwas schuldig sein, aber versuchen würden alles ins Lot zu bringen.« Das könnte nach einer rechtlichen Auseinandersetzung anders ablaufen. Obwohl Winterkewl die Urheber der Kickstarter-Kampagne sind, ist Yogscast im Kickstarter-Projekt als Partner angeben. Dazu ist der Projekt-Text aus der Sicht des YouTube-Kanals geschrieben. Dadurch könnte der Vertrag zwischen den Backern und dem Kickstarter-Projekt auf Yogscast erweitert werden. Sie müssten dementsprechend auch den abgeschlossenen Vertrag erfüllen, also entweder das versprochene Produkt ausliefern oder die Beträge erstatten. Dafür müsste es aber zu gerichtlichen Schritten kommen.

Für viele Backer würde es sich aber nicht lohnen einen Prozess anzustreben. In Kalifornien kostet allein die Anmeldegebühr zwischen 30 und 100 Dollar. Dadurch würde es sich bei geringen Backer-Beträgen nicht rentieren vor Gericht zu gehen. Für die Backer, die allerdings mehrere tausend Dollar ins Projekt gesteckt haben, könnte ein Prozess durchaus erstrebenswert sein.

Originalmeldung: Die Kickstarter-Kampagne zum Sandbox-Survival-Spiel Yogventures! war äußerst erfolgreich: Statt den angepeilten 250.000 US-Dollar wurden 567.665 Dollar erlöst. Nach zwei Jahren Entwicklungszeit bricht das Studio Winterkewl Games jetzt aber die Arbeit an Yogventures! ab. Als Entschädigung verteilt der Partner und YouTube-Kanal Yogscast Steam-Keys zum Open-World-Spiel TUG an die Backer, obwohl er das nach seinen Angaben »gar nicht müsste«. Darüber sind die Crowdfunding-Financiers allerdings alles andere als erfreut.

Einige der Backer fordern in den Kommentaren des Crowdfunding-Projekts ihr Geld zurück, während andere den Quellcode von Yogventures! veröffentlicht sehen wollen. Wieder andere sind einfach nicht glücklich mit der Wahl des kostenlosen Spiels.

Ein anderes Spiel als Trostpflaster

Lewis Brindley, Mitgründer von Yogscast hat allen 13.647 Backern eine E-Mail geschrieben, in der er die Situation erklärt:

»Wie ihr vielleicht gehört habt, hat Winterkewl Games aufgehört an Yogventures! zu arbeiten - aber das ist eigentlich etwas Gutes. Das Projekt hat sich als zu anspruchsvoll und schwierig für ein Sechs-Mann-Team erwiesen.«

Er schreibt weiter, dass Winterkewl Games zwar mit der Entwicklung beauftragt war, Yogscast aber auch sehr viel Zeit und Energie ins das Spiel gesteckt hätten, um dem Entwicklerstudio unter die Arme zu greifen.

Yogventures! :

Und jetzt der schwierige Teil:

»Obwohl wir niemanden etwas schuldig sind, wollen wir unser Bestes versuchen, alles ins Lot zu bringen und alle glücklich stimmen, die das Projekt unterstützt haben.«

Daher bot Yogscast allen Backern einen kostenlosen Steam-Code für das Early-Access-Spiel TUG an, das nach Angaben von Brindley das Spiel ist, das Yogventures! eigentlich sein sollte.

Kickstarter & Wiedergutmachung

Es ist tatsächlich Yogscast und Winterkewl Games gutes Recht einfach gar nichts zu tun, denn Kickstarter ist gegen solche Fälle abgesichert. Im FAQ der Crowdfunding-Plattform steht:

»Es unterliegt der Verantwortung der Urheber ihr Projekt zu vervollständigen. Kickstarter ist nicht an Projekt-Entwicklung beteiligt. Kickstarter garantiert keine Projekte oder, dass Urheber auf die Fähigkeit hin untersucht werden, das Projekt zu vollenden. Bei Kickstarter entscheiden die Backer (also ihr!), ob ein Projekt es wert ist, unterstützt zu werden.«

Urheber von Kickstarter-Projekten unterzeichnen zwar ein Dokument, in dem sie bürgen, alle genannten Ziele zu erfüllen. Ob sie sich an die Richtlinien halten oder eine Rückerstattung genehmigen, entscheiden die Urheber dennoch selbst, rechtlich bindend ist die Bürgschaft nicht.

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Winterkewl bezieht Stellung

In einer offiziellen Stellungnahme im privaten Forum äußert sich auch der Hauptentwickler von Winterkewl Games Kris Vale zum Kickstarter-Debakel. Die Nachricht ist mittlerweile auf Reddit aufgetaucht.

»Ich kann leider keine offizielle Stellungnahme zu Yogventures! machen oder was in Zukunft passieren wird, aber ich kann wenigstens ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.«

Für alle offiziellen Informationen verweist er die Leser an Yogscast, die mittlerweile alle Rechte an Yogventures! übernommen haben - inklusive Code, Design und anderen Projektdateien. Er stellt sich auch jetzt schon aufkommenden Gerüchten:

»Also, niemand aus meiner Familie ist gestorben. Ich bin nicht gestorben. Meine Firma Winterkewl Games wird leider den Betrieb einstellen und wahrscheinlich Konkurs anmelden, wenn die Dinge schlimmer werden.«

In der restlichen Nachricht fasst er die Arbeit an dem Sandbox-Spiel zusammen, was sich ultimativ als zu anspruchsvoll für das kleine Entwicklerstudio herausgestellt hat.

Yogscast schien größere Erwartungen an Yogventures! zu haben, als das Spiel, das die Entwickler ablieferten, erfüllen konnte. In Folge stellte der populäre YouTube-Kanal die Videos ein, mit denen das Yogscast-Team das Spiel beworben hatte.

Yogventures! :

Durch das Pre-Order-Modell, mit dem Winterkewl ihr Spiel während der Entwicklung finanzieren wollten, blieben dann aber auch die entsprechenden Gewinne aus. Vale selbst hat sogar 25.000 Dollar in die Entwicklung des Spiels mit einfließen lassen, trotzdem habe es dem Entwickler-Studio aber immer noch an Finanzen gefehlt, um das Spiel zu beenden, schreibt der Entwickler.

Auswirkungen auf das Privatleben

Die Entwicklungsmisere hat sich auch auf das Privatleben von Vale ausgewirkt. Der Entwickler arbeitete in zwei Vollzeit-Jobs gleichzeitig. Durch die hohe Belastung habe er seine Ehe ruiniert, hält der Entwickler fest. Seine Frau habe ihn nicht mehr ertragen und daraufhin die Scheidung eingereicht.

Zum Abschluss entschuldigt er sich bei der Kickstarter-Gemeinde:

»Ich danke allen Leuten, die uns unterstützt haben, um ein solches Projekt zu verwirklichen. Es tut mir zutiefst Leid, dass ich euch enttäuscht habe.«

Was genau Yogscast mit Yogventures! plant, ist derzeit noch unklar. Fürs Erste bekommen alle Backer den Steam-Key für TUG. Ob der YouTube-Kanal mehr macht, um die Backer glücklich zu stimmen, bleibt abzuwarten. Der Entwickler verweist darauf, dass Winterkewl Games eine Roadmap über die Ausgaben veröffentlichen wird, sobald Yogscast eine offizielle Stellungnahme bezogen hat. Damit können die Backer zumindest nachverfolgen, in was ihr Geld investiert wurde, auch wenn sie wahrscheinlich keine Rückerstattung erhalten.