Fallout 3 :

Den Übersetzern dürfte das einiges Kopfzerbrechen bereiten: »You?re SPECIAL!«, steht in Großbuchstaben auf dem Kinderbuch. »Du bist etwas Besonderes! «, hieße das auf deutsch. Aber damit ginge die Hälfte der Bedeutung verloren. Denn »SPECIAL« ist außerdem eine Abkürzung. Sie steht für »Strength, Perception, Endurance, Charisma, Intelligence, Agility, Luck«: die sieben Grundwerte jedes Rollenspiel- Charakters in der Welt von Fallout. Das Kinderbuch bekommen Kleinkinder im Atombunker »Vault 101« im zarten Alter von einem Jahr in die Hände.

Beim Durchblättern entscheidet sich, wie stark, wahrnehmungsscharf, ausdauernd, charismatisch, intelligent, beweglich und glücksbegünstigt der Säugling später im Leben sein wird. Auf dem deutschen Buch müsste also stehen: »Du bist SWACIBG!« Okay, man möchte nicht unbedingt der Mensch sein, der Fallout 3 übersetzen muss. Aber durchaus der Spieler, der da gerade als Baby im Bunker 101 in eines der spannendsten Rollenspiel-Szenarien fällt.

Erstes Jahr: Brabbeln

Fallout 3 : Mit Power-Rüstung und Minigun machen wir mit mittelstarken Gegnern wie diesem Feral Ghoul kurzen Prozess. Mit Power-Rüstung und Minigun machen wir mit mittelstarken Gegnern wie diesem Feral Ghoul kurzen Prozess. Pete Hines drückt auf den »A«- Knopf des Xbox-Controllers, und ein Greinen schallt durch den Präsentationsraum. »Das ist alles, was du in diesem Alter machen kannst: heulen«, sagt der Bethesda- Pressechef. Strahlt. Drückt. Rabäääh! Natürlich stimmt?s nicht ganz: Der Säugling, der gerade aus dem Mutterleib gezogen wurde und zum ersten Mal den verschwommenen Blick auf die Welt richtet (ein kühl-steriler Operationssaal, zwei Menschen in weißen Kitteln, einer scheint ganz außer sich zu sein, er fragt jetzt etwas), dieses Baby kann zwar in der Tat nicht viel mehr tun als schreien. Aber Sie, der Spieler, dürfen schon zu Beginn des Rollenspiels Fallout 3 die ersten Entscheidungen treffen. »Ist es ein Mädchen oder ein Junge?«, will der eine Mann aufgeregt wissen. Pete Hines drückt den entsprechenden Knopf, der Arzt antwortet.

Der Aufgeregte freut sich, beugt sich zu uns herunter, sein Gesicht verdeckt von Mundschutz und Brille: »Hallo! Ich bin dein Vater James!« Während er uns in der Welt begrüßt, bestimmen wir unseren Namen und (durch kurzen Sprung in den Gesichts-Editor) unser Aussehen. Nicht als Kleinkind, sondern als Erwachsener ? »Wachstumsprojektion« heißt das in Bunker 101. Pro Geschlecht sind mehrere Typen vorgegeben, wir dürfen aber auf Wunsch genau wie in Bethesdas Oblivion jedes Detail von den Wangenknochen bis zur Brauenstellung selbst anpassen. Zurück im OP-Saal blinzeln wir unseren stolzen Vater an, als das rhythmische Piepsen, das uns im Hintergrund begeleitet, außer Kontrolle gerät. Die beiden Männer brechen in Panik aus: »Was ist los?« ? »Sie hat Komplikationen! « Das Bild wird weiß.