Windows 8 : Gegenüber Technology Review weist Julie Larson-Green darauf hin, dass Windows vor 25 Jahren erdacht wurde und damals ein Computer schlicht auf einem Schreibtisch stand, auf dem ein Monitor war. Man »öffnete ein Fenster, dann schob man es weg und öffnete ein anderes«, so Green. Mit Windows 8und seinen Live-Kacheln müsse man nicht ständig irgendwo nachsehen, sondern habe eine Anzeige von allem, was gerade passiert und was einem wichtig sei.

Touchscreens seien eine natürliche Art der Steuerung. Bei einem Laptop sei das sofort offensichtlich, aber selbst auf einem Desktop würde man sich selbst dabei erwischen, wie man Touch bei Dingen nutzt, die so einfach schneller gehen als mit Maus und Tastatur. Es werde aus Kostengründen natürlich immer Rechner ohne Touch geben, doch schon jetzt verkauften sich Modelle mit Touchscreen am besten. Wer das einmal erlebt habe, wolle auch nicht mehr zurück.

Windows 8 sei auch keine Antwort auf den Erfolg der mobilen iOS- und Android-Geräte, denn die Planungen begannen im Juni 2009, kurz vor der Auslieferung von Windows 7. Damals war das Apple iPadnoch ein Gerücht und sie persönlich habe erst ein iPad gesehen, nachdem das Design von Windows 8 bereits festgelegt war. Vieles von dem, was Apple in diesem Bereich macht, sei ähnlich wie die Ideen von Microsoft, es gäbe aber auch Unterschiede. Microsoft wollte laut Green von Anfang an nicht nur statische Icons, sondern Live-Kacheln als »Anzeige des Lebens«, die Möglichkeit, Dinge im Kontext zu bearbeiten und zwischen Apps zu teilen und glaubte daran, dass Nutzer in der Lage sind, zwei Sachen zugleich zu tun und daher Multitasking benötigen.

Windows 8
Der altbekannte Desktop existiert auch in Windows 8. Allerdings spielt er nicht mehr die zentrale Rolle wie bislang.

Daher hat sich Microsoft ganz bewusst dafür entschieden, auch die andere Umgebung beizubehalten. »Ein Finger kann die Präzision einer Maus nicht ersetzen. Es wird immer einfacher sein, auf einer Tastatur als auf Glas zu tippen. Wir wollten nicht, dass man sich entscheiden muss. Manche meinten, das passe nicht zusammen, aber inzwischen hören wir das kaum noch. Man muss sich nur an etwas gewöhnen, das anders ist. Dabei war nichts bisher homogen, ein Browser sieht auch anders aus als Excel.«

Auch die früher erfolgten Änderungen bei Office hätten solche Reaktionen hervorgerufen, vor allem bei Leuten, die sich die Software einfach nur kurz für einen Test ansehen und daher gar nicht bemerken konnten, was wirklich dahinterstecke. »Wir setzen auf den langfristigen Eindruck statt auf die ersten 20 Minuten«. Es sei klar gewesen, dass gerade die besonders intensiven Nutzer und Kenner der alten Methoden zunächst Schwierigkeiten haben würden. Das sei unglücklich, weil genau das auch auf die Technik-Medien zutrifft, über die sich alle zuerst informieren.

Xbox Live
Mit Windows 8 führt Microsoft Games for Windows Live, den alten Spiele-Explorer und Xbox Live zusammen – auch auf dem PC gibt es nun nur noch Xbox Live. Hoffentlich geht damit eine bessere Pflege des Windows-Programms als bisher einher.

Bei Office habe die Umstellung zwei Tage bis zwei Wochen gedauert und bei Windows 8 sei das ähnlich. Aus den Unmengen an freiwillig an Microsoft über das Customer Experience Improvement Program gesendeten Daten gehe aber hervor, dass 90 Prozent aller Windows 8-Nutzer bei der ersten Sitzung schon die Charms-Bar nutzen und auch den Startscreen wieder finden. Selbst reine Desktop-Nutzer würden nach rund sechs Wochen anfangen, neue Dinge zu verwenden und nicht nur Altbekanntes.

Ihr Vorgänger Steven Sinofsky, dem nachgesagt wird, er habe Windows 8 durch seine schiere Willenskraft »durchgepeitscht«, sei als Person und Leiter »fantastisch« gewesen und besitze auch ein solches Gehirn, aber eine Person könne nicht alles alleine erledigen, daher sei das Team insgesamt für die Schaffung des neuen Betriebssystems verantwortlich. Viel habe sich seit Sinofskys Abgang nicht geändert und man lehne sich auch nicht zurück. Es gäbe genug nachzudenken über neue Technologien, die hilfreich sein könnten.