Mit Steam OS auf dem Weg zur Steambox : SteamOS wird wahrscheinlich ein auf die Bedürfnisse von Valve optimiertes Ubuntu Linux und dürfte damit praktisch auf jedem PC laufen. SteamOS wird wahrscheinlich ein auf die Bedürfnisse von Valve optimiertes Ubuntu Linux und dürfte damit praktisch auf jedem PC laufen.

»Es fühlt sich ein bisschen komisch an, hierherzukommen und euch zu sagen, dass Linux und Open Source die Zukunft der Spiele sind. Das ist ungefähr so, wie nach Rom zu gehen und den Papst über den Katholizismus zu belehren«, scherzte Gabe Newell, Mitbegründer von Valve zu Beginn seiner Rede auf der Messe Linuxcon am 16. September 2013 in New Orleans. Und bemühte sich in den folgenden 20 Minuten, das freie Betriebssystem in den höchsten Tönen zu preisen, aber auch darum, die eigenen Verdienste um Linux als Spiele-Plattform ins Rampenlicht zu rücken - Valve hatte im Februar 2013 seine digitale Vertriebsplattform Steam (nach Windows und Mac OS) auch für Linux veröffentlicht. Dabei unterstrich der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter Newell zunächst die Bedeutung offener Systeme für den Fortschritt in der Spielebranche. Diesen habe in den jüngeren Jahren vor allem der PC vorangetrieben. Innovative Konzepte wie Free-2-Play, Social Gaming, MMOs, den Tausch virtueller Güter und den digitalen Spielevertrieb übers Internet (lies: Steam) hat die Branche zuerst auf dem PC erprobt.

Zum Thema » Steam für Linux Client offiziell veröffentlicht, bis zu 75% Rabatt auf viele Spiele » Valve Steambox-Konsole mit Linux Half-Life 3 exklusiv fürs Wohnzimmer? » Steam und Apple müssen Weiterverkauf zulassen Bis die Cloud alles verschluckt Auch die Konsolen-Hardware von Microsoft, Sony und Nintendo ist immer weiter ins Hintertreffen geraten. Tatsächlich setzen die Xbox One und die Playstation 4 mit ihren Prozessoren und Grafikeinheiten von AMD inzwischen auf Technik aus dem PC, die ungefähr das Leistungsniveau eines Mittelklasse-Spielerechners erreicht. Die Zeit der mit Unsummen entwickelten Spezialchips für jede Konsole ist damit endgültig vorbei, meint auch Newell. Am 23. September kündigte Valve dann erstmals SteamOS an, eine vermutlich auf Ubuntu Linux basierende Linux-Distribution, die auf der einen Seite kostenlos zum Download stehen soll, auf der anderen Seite aber auch als Betriebssystem für die Steambox fungieren könnte - zu der Valve heute Abend mehr Informationen Preis geben möchte.

Die Macht der User

Gleichwohl machte sich der Milliardär lautstark Sorgen um die Zukunft. So entwickle sich Windows nach Newells Meinung immer mehr zur geschlossenen Plattform und laufe damit Gefahr, den größten Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verspielen. Belege für diese These blieb der Valve-Chef allerdings schuldig. Warum etwa Windows XP offener gewesen sein soll als Windows 8, führte er nicht aus. Stattdessen verwies Newell auf die weltweit sinkenden Verkaufszahlen von PC-Systemen. Noch könne sich Valve mit Steam gegen den Trend stemmen. Die Menge der Nutzer steige weiterhin, inzwischen erreiche die Distributionsplattform nach offiziellen Angaben 50 Millionen Mitglieder.

Mit Steam OS auf dem Weg zur Steambox : Mit Windows 8 gibt es erstmals für Windows einen vernünftigen AppStore - der indirekt eine Bedrohung für Valves eigenen Vertriebsweg Steam darstellt. Mit Windows 8 gibt es erstmals für Windows einen vernünftigen AppStore - der indirekt eine Bedrohung für Valves eigenen Vertriebsweg Steam darstellt.

»Spiele sind bislang immun gegen den Niedergang. Während die Hardware-Absatzzahlen einbrechen, wachsen wir nach wie vor jedes Jahr um 76 Prozent.« Als eine der Ursachen für den Auftrieb identifiziert Newell die »Demokratisierung der Inhalte«. Was er damit meint: All die Mods, Levels und Erweiterungen, die die Fangemeinde für ihre Lieblingstitel anfertigt und die wiederum einen signifikanten Mehrwert für andere Spieler darstellen. »Die Grenze zwischen Konsumenten und traditionellen Herstellern verschwimmt zusehends. Kein Entwickler dieser Welt kann mit der Macht der Community mithalten. Wir glauben, dass wir beispielsweise mit Bungee oder Blizzard konkurrieren können.

Aber gegen die Spielergemeinde haben wir keine Chance«, sagte Newell. Und lieferte gleich ein Beispiel. So gebe es inzwischen für Team Fortress 2 zehnmal so viele von Fans erstellte Inhalte wie ursprünglich von Valve selbst ausgeliefert. »In Zukunft werden Spiele im Wesentlichen die Knotenpunkte einer vernetzten Wirtschaft sein, in der der Großteil der Güter und Dienste von Nutzern stammt, nicht von Firmen. Dazu brauchen die Leute nur zwei Dinge: Eine offene Plattform und die Werkzeuge, um diese Erweiterungen zu schaffen.«

Mit Steam OS auf dem Weg zur Steambox : Gabe Newell auf der Linuxcon 2013: »Linux ist die Zukunft für PC-Spieler« (Bild: Linux Foundation). Gabe Newell auf der Linuxcon 2013: »Linux ist die Zukunft für PC-Spieler« (Bild: Linux Foundation). Und just darin liegt nach Ansicht von Newell der große Nachteil der Xbox oder Playstation - dass sie Kreativen nicht die gleichen Freiheiten bieten wie der PC. Das gelte für Spieler übrigens genauso wie für Entwicklerstudios. So beklagte sich Newell beispielsweise über die aufwändigen Zertifizierungsverfahren bei vielen Plattformen: »Es hat uns sechs Monate gekostet, ein einziges Update für einen unserer Titel im iTunes Store zu veröffentlichen.«

Ist Linux die Lösung?

Für Valve heißt die Lösung Linux. Nur das quelloffene Betriebssystem bietet Newell zufolge eine Umgebung, die Innovationen und Wettbewerb fördere, statt sie zu behindern. Gegenüber den gebannten Zuhörern ließ er zunächst Valves bisherige Anstrengungen Revue passieren. »Wir haben früh erkannt, dass es eine Menge Arbeit bedeutet, Linux wirklich spieletauglich zu machen. Der erste Schritt war, einen unserer Titel zu portieren (Left 4 Dead, Anmerkung der Redaktion). Das war nicht einfach. Die erste Version war unglaublich langsam. Deshalb haben wir zunächst zusammen mit Nvidia daran gearbeitet, die Treiber zu verbessern. Letztendlich war die Linux-Ausführung dann sogar schneller als die Windows-Variante.« Newells Überlegungen muss allerdings angefügt werden, dass schon mancher andere große Titel unter Linux veröffentlicht wurde und dort ebenfalls schneller lief als unter Windows - Nvidias Grafikkartentreiber funktionieren seit Jahren sehr gut unter Linux, da das Betriebssystem schon länger für professionelle 3D-Anwendungen genutzt wird. Zudem kommt unter Linux die schlankere und oft schnellere OpenGL-Schnittstelle zur Berechnung der 3D-Grafik zum Einsatz, während am PC Microsofts DirectX dominiert.

Mit Steam OS auf dem Weg zur Steambox : Valve veröffentlichte die Linux-Version von Steam im Februar 2013. Inzwischen sind 198 Spiele für die Plattform verfügbar. Valve veröffentlichte die Linux-Version von Steam im Februar 2013. Inzwischen sind 198 Spiele für die Plattform verfügbar.

Auch ist Linux nicht gleich Linux: Eigentlich meint der Begriff nur den Kern des Betriebssystems. Der Teil, der beispielsweise die Hardware anspricht, die grundlegenden Netzwerkaufgaben erledigt oder sich um die Speicherverwaltung und Energiesparmaßnahmen kümmert. Android beispielsweise basiert ebenfalls auf einem Linux-Kernel, enthält dazu einen weitaus größeren Teil weitgehend von Google und nicht von der Open-Source-Community entwickelte Software. Will man Linux auf dem PC wie Windows einsetzen, braucht man außer dem Kernel natürlich noch eine Reihe anderer Komponenten, beispielsweise eine grafische Oberfläche. Deshalb haben sich über die Jahre mehrerer sogenannter Distributionen entwickelt, die auf Linux und weiterer freier Software basieren, darunter Debian, Suse, Red Hat und das auf Debian fußende und momentan für Neueinsteiger empfehlenswerteste Ubuntu Linux.

Um Newells Argumentationslinien richtig einordnen zu können: Rechtlich besteht ein gravierender Unterschied zwischen sogenannter »Open-Source-Software« und »freier Software« wie beispielsweise dem Linux-Kernel und der meisten Software in heutigen Linux-Distributionen - Open Source erlaubt zunächst nur die Einsicht in den Quelltext, bei freier Software geht der Quelltext praktisch ins Gemeinwohl über und gehört allen - und darf von jedermann beliebig oft kopiert, verkauft und verändert werden, solange der tatsächliche Urheber genannt wird.