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Report: Videospiele als Brettspiel-Vorlage

Bretter, die den Spaß bedeuten

Würfel statt epischem Bombast: Einige der aktuell spannendsten Spiele finden nicht auf großen Bildschirmen statt, sondern auf Kartonbrettern.

Von Dennis Kogel |

Datum: 22.12.2012


Videospiele als Brettspiel-Vorlage :

Zum Thema » Warum RPGS immer schneller werden Report: Das Ende der Epik Jetzt mal Hand aufs Gamepad: Wir Zocker belächeln Brettspiele gerne mal als biederes Familiending, als Relikt aus einer Zeit, als noch nicht jeder Vorschüler ein Smartphone mit Angry Birds in der Hosentasche trug.

Nix da, alles Vorurteile! Brettspiele sind spannender und origineller als ihr Ruf, seit Monopoly (dessen Wurzeln bis ins Jahr 1903 zurückreichen) hat sich einiges getan. Wer hätte gedacht, dass es Brettspiele gibt, in denen man die Zombie-Apokalypse überleben muss? Oder Goblins bekämpft? Oder vor Alien-Mutanten flieht? Moderne Brettspiele sind weit mehr als trockene Würfelwurf- und Kartentausch-Orgien, sie verknüpfen packende Geschichten mit durchdachten Mechanismen -- und werden Videospielen immer ähnlicher.

Und das gilt natürlich nicht nur für bekannte Spiele-Umsetzungen wie Gears of War oder World of Warcraft. Wer Brettspiele verpasst, der verpasst einiger der intensivsten Spielerfahrungen unserer Zeit. Wir beleuchten die Trends der Szene, ihre Herkunft - und ihre videospielhafte Zukunft.

Spieleland Deutschland

Es ist Montagabend in der Kopernikusstraße in Berlin-Friedrichshain und das unscheinbare Café Spielwiese ist voll mit Gästen. Ein volles Café, das ist für Friedrichshain nicht ungewöhnlich. Wenn man nicht genau hinschaut, könnte man verpassen, dass hier über die Zukunft der Spiele entschieden wird. Jeden Montag treffen sich in der Spielwiese Designer und reden über Regeln, Wahrscheinlichkeiten und Genres. Woche für Woche spielen sie die Prototypen ihrer neuen Spiele, machen sie spannender, spaßiger, anspruchsvoller, kurz: perfektionieren sie für die Spieler.

Videospiele als Brettspiel-Vorlage : In der Kopernikusstraße findet sich mit dem Café Spielwiese eine kleine Brettspieloase in Berlin. In der Kopernikusstraße findet sich mit dem Café Spielwiese eine kleine Brettspieloase in Berlin. Sie lieben ihren Beruf und haben den größten Respekt vor dem, was Spiele bewirken können. Ihre Werke wird man aber nicht finden können auf Xbox Live, im Playstation Store oder auf Steam. Sie sind Brettspieldesigner und sie stecken mittendrin in einer der spannendsten Entwicklungen für das Medium Spiel. Kaum beachtet von der Öffentlichkeit, entstehen Brettspiele, vollgestopft mit guten Ideen und großartigem Design.

»Weltweit ist Deutschland das Land, das brettspielmäßig am meisten macht«, erklärt Rolf Raupach, Mitarbeiter beim Spieleverlag Lookout Games. »Wir haben mit der SPIEL in Essen die größte Spielemesse. Und das Spiel des Jahres ist auch eine deutsche Sache.«

Stimmt, Brettspiele finden sich schon seit jeher in deutschen Haushalten. Klassiker wie El Grande, Auf Achse oder Mensch Ärgere Dich Nicht gehören ebenso zum Familienalltag wie der alljährliche Kauf des Spiels des Jahres an Weihnachten. Dennoch ist die Popularität von Brettspielen in Deutschland ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sorgt sie bei hiesigen Brettspielverlagen für hohe Umsätze mit populären Familienspielen, andererseits überzeugt sie aber auch eine Generation jüngerer Spieler, dass Brettspiele altmodische Familiensache sind und der richtige Spaß in Videospielen liegt. Den Brettspielern mangelt es schlicht an Nachwuchs.

Gears of War
Genau wie der Koop-Modus des Videospiel-Vorbilds setzt die 2011 erschienene Brettspiel-Variante von Gears of War auf Deckung, Teamwork - und Kettensägen. Zu viert kämpfen sich bis zu vier Plastik-COGs durch allerlei Plastik-Locusts, um in zufällig zusammengebastelten Levels Missionen zu erfüllen. Eine Partie kann locker zwei bis drei Stunden dauern - und steht der Koop-Vorlage in Sachen Spaßfaktor kaum nach.

Am Anfang waren die Siedler

»Siedler von Catan war für der Einstieg«, erinnert sich Hartmut Kommerell, Autor abstrakter Spiele wie dem Taktiktitel Orthogo. »Aber die letzten paar Jahre sind die Spielerzahlen eigentlich konstant geblieben«, ergänzt Bernd Eisenstein, ein Postbote und Spielemacher aus Berlin, um dessen Karawanen-Rennspiel-Prototyp Takla Makan, sich die Spielemacher der Spielwiese gerade versammelt haben.

Videospiele als Brettspiel-Vorlage : Wie viele Brettspielautoren ist auch Hartmut Kommerell Mathematiker. Seine Leidenschaft gilt abstrakten Spielen. Wie viele Brettspielautoren ist auch Hartmut Kommerell Mathematiker. Seine Leidenschaft gilt abstrakten Spielen. Wenn es einen Einschnitt, einen definierenden Moment in der modernen Brettspielgeschichte gab, dann die Veröffentlichung von Klaus Teubers Die Siedler von Catan. Über vier Jahre hat der Dentaltechniker Teuber laut eigenen Angaben an seinem Spiel gearbeitet, bevor es endlich 1995 im Kosmos-Verlag erschien und seine Spieler eine zufällig zusammengesetzte Insel bebauen ließ.

Es war, verglichen mit vielen anderen zu dieser Zeit populären Spielen, ein komplexes Spiel, das Handel, Aufbau, Taktik und Diplomatie elegant miteinander verzahnte. Trotz seiner Komplexität wurde es zum gewaltigen Erfolg. Bis heute gingen alleine in Deutschland über 10 Millionen Exemplare und Erweiterungen über die Ladentheke. Es war das Spiel, das viele Leute überhaupt erst zum Brettspielen brachte.

Auch Guido Heinecke hat es erwischt: »Als kleiner Stöpsel habe ich mit Papa angefangen, als er einen Schachgegner brauchte. Als Teenager bin ich dann in Rollenspielen versunken, und mit dem ersten 486er im Zimmer gehörte mein Herz dann vorerst den digitalen Spielen. Ich nahm alles mit, was man für eine umfassende Spiele-Sozialisation wohl braucht: Sammelkartenspiele wie Magic, Dungeons & Dragons, BattleTech mit Zinnminiaturen. Erst spät entdeckte ich das Brettspiel mit den Siedlern von Catan wieder, dann ging es aber erdrutschartig los. Gemeinsam mit einem Freund verschlangen wir als Studenten jeden Zipfel an Informationen, geisterten durch Datenbanken und hauten unser mageres Studentenbudget auf den Kopf für die neusten Neuheiten.«

Videospiele als Brettspiel-Vorlage : Tric Trac Redakteur Guido Heinecke hat viele Spiele, aber wenig Zeit. Tric Trac Redakteur Guido Heinecke hat viele Spiele, aber wenig Zeit. Über 15 Jahre später hat ihn diese anfängliche Begeisterung für Brettspiele dazu gebracht, den deutschsprachigen Ableger des französischen Online-Brettspielemagazins Tric Trac zu betreuen.

Und wer war schuld? Teubers Lebenswerk. »Siedler von Catan war sicherlich das Ausnahmespiel schlechthin. Es packt Liebhaber, Familien und Experten, definierte ein neues Genre und bescherte der Branche frischen Wind«, so Heinecke.

Ein neues Genre definiert haben die Siedler von Catan aber vor allem außerhalb Europas. »German Game« oder »Eurogame« wurde das Spiel dort genannt. Es avancierte zum Sinnbild für komplexe, aber elegante Spiele mit cleveren Spielmechaniken, wenig Würfelglück, viel Taktik und eher behelfsmäßigen Szenarien, die wenig mit dem eigentlichen Spiel zu tun hatten.

Das war eine Neuheit, denn wirklich populär in USA und England waren vor allem Spiele, in denen viel gewürfelt wurde, am besten in einer starken Geschichte mit Monstern, Drachen und Verliesen wie in HeroQuest oder DungeonQuest. Spiele, die man scherzhaft und mit viel Liebe als »Ameritrash«, Ami-Müll bezeichnete, auch wenn sie natürlich zu den Klassikern ihres Genres gehören.

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Avatar Slayer802
Slayer802
#1 | 22. Dez 2012, 14:08
also mein alltime-favorite risiko wurde bisher durch kein videospiel getoppt. und ich gehe mal davon aus, dass das auch nicht so schnell passieren wird. leider haben wir mittlerweile ein "risiko-verbot" im freundeskreis, da es hier ab und an mal zu erheblichen ausschreitungen kam :)
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Avatar Tomdo
Tomdo
#2 | 22. Dez 2012, 14:15
sehr, SEHR cooler bericht! :)
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Avatar Thomas95
Thomas95
#3 | 22. Dez 2012, 14:30
Zitat von Slayer802:
also mein alltime-favorite risiko wurde bisher durch kein videospiel getoppt. und ich gehe mal davon aus, dass das auch nicht so schnell passieren wird. leider haben wir mittlerweile ein "risiko-verbot" im freundeskreis, da es hier ab und an mal zu erheblichen ausschreitungen kam :)


doch, die paradox global-strategiespiele, aber sonst ist risiko wirklich genial
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Avatar Killergamesplaya
Killergamesplaya
#4 | 22. Dez 2012, 14:30
super bericht
das doom brettspiel klingt interissant is bestimt cool zur auflockerung auf ner lan party :D
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Avatar Rettungsschirm
Rettungsschirm
#5 | 22. Dez 2012, 14:43
Zitat von Slayer802:
also mein alltime-favorite risiko wurde bisher durch kein videospiel getoppt. und ich gehe mal davon aus, dass das auch nicht so schnell passieren wird. leider haben wir mittlerweile ein "risiko-verbot" im freundeskreis, da es hier ab und an mal zu erheblichen ausschreitungen kam :)


dann spielt mal Axis&Allies oder Eclipse ;)
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Avatar Hotzie
Hotzie
#6 | 22. Dez 2012, 15:01
Es gibt schon eine Menge guter Brettspiele da draußen. Allerdings bringen alle Brettspiele der Welt nix, wenn der eigene Bekanntenkreis schon mit einer simplen Runde Hero Quest überfordert ist :)

*heul*
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Avatar BigTroubleInLittleChina
BigTroubleInLittleChina
#7 | 22. Dez 2012, 15:13
Dieser Kommentar wurde ausgeblendet, da er nicht den Kommentar-Richtlinien entspricht.
Avatar HerrJanosch
HerrJanosch
#8 | 22. Dez 2012, 15:15
Was vor allem für Rollenspiel- und Horrorfans zu empfehlen ist: Arkham Horror oder Zombies!

zwei wirklich gute "Brettspiele"!
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Avatar rashktah
rashktah
#9 | 22. Dez 2012, 15:41
Ein SUPERBERICHT! Gerade ich, der inzwischen fast mehr Brettspiele spielt als Computerspiele kann mich nur anschließen: Brettspiele sind klasse und gehen weit über das hinaus, was man bei Karstadt oder ähnlichem so in der Spielwarenabteilung kaufen kann.

Siehe auch: www.boardgamegeek.com
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Avatar Lars-G90
Lars-G90
#10 | 22. Dez 2012, 15:48
Leider sind viele Leute für viele gute Brettspiele zu ungeduldig. Ob das ein Phänomen der Neuzeit ist, kann ich jetzt nicht beurteilen, dafür lebe ich noch nicht lang genug. Aber ein komplexes Brettspiel hat natürlich auch dementsprechend viele Regeln oft und da sind die meisten Leute zu faul zu.

In einem Computerspiel kann ich alles tun, was ich will. Was vom Spiel her nicht vorgesehen ist, wird geblockt (von Glitches und Bugs mal abgesehen).

Bei einem Brettspiel oder gar einem Pen&Paper-Rollenspiel muss man selbst die Regeln lesen und klären was geht und was nicht und sobald man mal in irgendeinem Spiel was in den Regeln nachliest, fängt die Hälfte der Anwesenden schon an entnervt zu stöhnen.

Das trifft bis auf ein oder zwei Ausnahmen leider auch auf meinen gesamten Freundeskreis zu. -.-
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