Petra Schmitz' Jubiläumsrückblick : Schlimm: Als ich bei GameStar anfing, sah ich aus wie mein nicht existenter Bruder. Schlimm: Als ich bei GameStar anfing, sah ich aus wie mein nicht existenter Bruder. Zum Thema » 15 Jahre GameStar Tops, Flops und Highlights Es begann mit einer E-Mail, die ich als Leserin an Martin Deppe schickte. Er hatte in der Weihnachtsausgabe 1999 auf die Teamfrage geantwortet, dass er sich zum Fest einen Münsterländer wünsche. Für alle, die jetzt grübeln: Das ist eine Hunderasse. Wunderschöne Tiere, Jagdhunde. Wie es der Zufall so wollte, wohnte ich zu diesem Zeitpunkt schon mit dem dritten Münsterländer in Folge zusammen und konnte Martin in epischer Breite berichten, wie total toll, aber auch unendlich nervig diese Viecher sein können. Ich beendete die Mail mit dem Satz: »Ich könnte noch mehr erzählen, aber ich habe keine Lust mehr zu tippen - und Praktikanten nehmt ihr ja nicht.« Letzteres hatte ich ein paar Wochen zuvor nach einer erfolglosen Blindbewerbung erfahren. Woraufhin Martin zurückschrieb: »Praktikanten suchen wir wirklich nicht, aber im nächsten Heft wird’s eine Anzeige für eine zu besetzende Trainee-Stelle geben.« Ich so: »Oh!« Und machte mich gleich daran, die Bewerbung vorzubereiten.

Ich weiß wirklich nicht mehr genau, welche Probetexte ich einsandte, im Bewerbungsgespräch hieß es aber, es seien die besten gewesen. Und nur einen Tag nach meiner persönlichen Vorstellungen in München gab’s dann die Zusage am Telefon. Martins Eröffnung dabei: »Hast du ein Dirndl?«

Ich hab‘ bis heute kein Dirndl und habe auch nicht vor, mir jemals eins anzuschaffen. Was ich aber nach wie vor habe, ist dieser verfluchte Enthusiasmus, der Anspruch an mich selbst und den Willen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Ein unbedingter Wille, der mich dazu zwingt, auch heute noch nächtens vor dem Rechner zu sitzen, zu spielen, zu analysieren und zu schreiben. Manchmal hingegen würde ich auch gerne einfach schlafen oder schlicht abschalten, aber ach! Ich sage ab und zu, dass ich im nächsten Leben gerne Braunkohlebaggerfahrerin oder ähnliches werde möchte, weil ich dann die Arbeit nicht mit nach Hause nehmen könnte.

Dass ich in all den Jahren auch mal daneben gelegen habe, trotz des hohen Anspruchs an mich selbst, will ich nicht abstreiten. Jeder, der in meinem Job über längere Zeit arbeitet, hat seine Leichen im Keller. Und jeder, der in meinem Job über längere Zeit gearbeitet hat, wird die Veränderungen bemerkt haben. In nahezu allen Belangen. Einige Veränderungen sind mehr als begrüßenswert, andere empfinde ich als höchst befremdlich. Dass die Spiele insgesamt raus aus der »Komisches Hobby, das du da hast«-Ecke rein in den Alltag von so vielen Menschen geplatzt sind, kann ich nur gut finden. Dass kleine Produktionen dank kostengünstiger Download-Distribution so viele Menschen erreichen, kann ich nur gut finden. Dass auf diese Art eine wundervolle neue Vielfalt entsteht, kann ich nur gut finden.

Petra Schmitz' Jubiläumsrückblick : Die Haarfarbe ist schon nicht mehr aktuell, aber insgesamt sehe ich heute doch deutlich mehr aus wie ich. Die Haarfarbe ist schon nicht mehr aktuell, aber insgesamt sehe ich heute doch deutlich mehr aus wie ich. Dass gerade über das Internet eine Art »Diskussionskultur« gewachsen ist, die oft weit davon entfernt ist, Diskussion zu sein, macht mich hingegen oft alles andere als glücklich. Und damit meine ich insbesondere den rauen Umgangston der Spieler untereinander und gar nicht mal so sehr die Flames in Richtung des Redakteurs, der Titel XYZ in den Augen einiger Leser zu hoch, zu niedrig oder schlicht falsch bewertet hat. Flames dieser Art gab’s schon immer. Sogar schon auf postalischem Weg. Vor vielen, vielen Jahren sagte ein ehemaliger Kollege mal halb im Scherz, halb ernsthaft: »Wir hätten den besten Job der Welt, wenn nur die Leser nicht wären.«

Ich habe sehr oft den besten Job der Welt. Auch und gerade wegen der Leser. Denn ohne sie wäre das, was ich tue, überflüssig. Ohne sie wäre ich nur ein Rufer in der Wüste. Und deswegen bin ich auch froh, eben keine Braunkohlebaggerfahrerin zu sein. Denn das wäre für mich nur ein Job – den ich zwar auch über Jahre ausüben könnte, aber daran deutlich weniger Spaß hätte als am jetzigen. Trotz der vielen Nächte vor dem Rechner.