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Special: Michael Triers Jubiläumsrückblick

Ein Stern, der Deutschlands Spielelandschaft veränderte

Wie Michael Trier, grade erst so richtig in München angekommen, schon den dritten Job in kurzer Zeit finden muss – und warum der jetzige Chefredakteur beim ersten Vorstellungsgespräch scheiterte. Rückblick und Bestandsaufnahme zum 15jährigen GameStar-Jubiläum.

Von Michael Trier |

Datum: 12.09.2012


Michael Triers Jubiläumsrückblick : Daniel Visarius (rechts, damals Hardware-Trainee) und Michael Trier (damals Hardware-Ressortleiter) 2002 beim gemeinsamen Fegen als Strafe für einen schlechten Artikel, Chef Jörg Langer war eben streng. Nein, Quatsch, das Foto wurde für einen Hardware-Aufmacher gemacht, in dem entsprechenden Artikel ging es um das Aufräumen und Säubern von Festplatte und Betriebssystem. Daniel Visarius (rechts, damals Hardware-Trainee) und Michael Trier (damals Hardware-Ressortleiter) 2002 beim gemeinsamen Fegen als Strafe für einen schlechten Artikel, Chef Jörg Langer war eben streng. Nein, Quatsch, das Foto wurde für einen Hardware-Aufmacher gemacht, in dem entsprechenden Artikel ging es um das Aufräumen und Säubern von Festplatte und Betriebssystem. Zum Thema » 15 Jahre GameStar Tops, Flops und Highlights Es war Mitte der 90er, als ich, damals schon seit einigen Jahren freier Autor für so schillernde Magazine wie die PC Power (eine schöne Zeit, huhu Nico, Doc Martin, RIP Klaus Trafford) in einem einschlägig bekannten Internetforum (huhu PCX!) auf eine Stellenanzeige stieß: Der PC Joker (Schwestermagazin des legendären Amiga Jokers; mir durch meine Amiga-Zeit natürlich bestens bekannt, huhu Ritchi, Steffen, Markus, Jack, Mick, Spori, Mario, Daphne, Koal, Michael; so Schluss jetzt mit dem Gegrüße) suchte einen Redakteur in Festanstellung. Das war gut. In München. Das war - aus meiner damaligen Wahrnehmung heraus - schlecht. Denn auch wenn es die Bayern und Münchner immer wieder wundert, im restlichen Deutschland beäugt man das südlichste Bundesland gemeinhin mit einigem Misstrauen, Stichwort CSU, Weißwürste und volkstümliche Musik. Aber schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit (so zwei Jahre) stellte sich heraus: München ist gar nicht so scheiße! Ich darf das an dieser Stelle so explizit sagen, denn genau und wörtlich mit diesem Satz hatte damals ein »Münchner« Stadtmagazin flächendeckend vor grell gelbem Hintergrund die gesamte Stadt vom Flughafen bis zum Stachus von oben bis unten plakatiert. Ich deutete dies als gutes Omen und sollte Recht behalten, seit ich in München war, passierten mir (fast) nur noch gute Dinge.

Vor dem Guten steht aber oft erst mal das Schlechte. So ging der Joker nach meinem Eintritt verhältnismäßig schnell pleite – und nicht, dass es da einen direkten Zusammenhang gäbe … Nun, die Chip gibt es noch, trotz meines dortigen Wirkens nach der Zeit beim Joker, allerdings nicht mehr den Bereich Entertainment, den ich dort mit Inhalten und Leben füllen durfte und der nach meinem Weggang als eigenständiges Ressort abgeschaltet wurde.

Fast im gleichen Moment (also so zwei Wochen nach meiner Chip-Zeit) rief Jörg Langer an. Den kannte ich schon, denn ich hatte immer alle PC-Spielezeitschriften gelesen, vor allem PC Player, Powerplay und PC Xtreme. Und die GameStar, die es Mitte 2001 ja schon fast vier Jahre gab und die Jörg mit Toni Schwaiger und Charles Glimm gegründet hatte. Vor allem kannte ich Jörg aber schon von einem Vorstellungsgespräch, direkt nach der Joker-Pleite. Der IDG-Verlag, das Mutterhaus der GameStar, hatte nämlich die Abos des Joker übernommen und wollte in diesem Zuge auch einen der nun arbeitslosen Redakteure übernehmen. Einige von uns gingen also zu diesen Vorstellungsgesprächen und – um es kurz zu machen – ich wurde nicht genommen. Machte nix, ich kam ja übergangslos bei der Chip unter. Aber nun brannte es (zumindest bildlich) in der Hardware-Redaktion: Jörg suchte schon seit geraumer Zeit einen geeigneten Ressortleiter. Ich baute schon seit dem Ende der Commodore-Ära (C+4 / C16 / C64 / Amiga 500) meine PCs selbst, war durch meine vorherigen Jobs gut mit den Hardware-Herstellern vernetzt und kannte mich bestens mit Spielen aus. Bingo!

Michael Triers Jubiläumsrückblick : Nach fast 20 Jahren in der Spielbranche wird man schon mal ein bisschen nachdenklich. Und bekommt schlechte Augen und schüttere Haare – nicht nachmachen zu Hause! Nach fast 20 Jahren in der Spielbranche wird man schon mal ein bisschen nachdenklich. Und bekommt schlechte Augen und schüttere Haare – nicht nachmachen zu Hause! Das Team, auf das ich traf, war unglaublich: Gunnar Lott, Martin Deppe, Christian Schmidt, Markus Schwerdtel, Toni Schwaiger und alle die anderen arbeiteten von Minute Eins an mit mir zusammen, als sei es nie anders gewesen. Daniel Visarius, heute Mitglied der Chefredaktion und Ressortleiter Hardware, damals ein absoluter Frischling, war gerade als Trainee direkt nach Abi und Zivildienst bei der GameStar eingestiegen. Er, Jochen Rist und ich waren also ab jetzt für den Hardware-Teil der GameStar zuständig – kein leichter Job, denn Chefredakteur Jörg Langer hatte seine eigenen Qualitätsmaßstäbe.

Ich war zwar diszipliniertes Arbeiten gewohnt und das Schreiben war schon seit Jahren mehr als bloßer Broterwerb. Und auch mein (nach acht Semestern abgebrochenes) Germanistikstudium schien mir damals sehr hilfreich für die Ausübung des Redakteursberufs. Aber was mich hier erwartete, war nochmal eine ganz eigene Liga. Sowohl was die Durchführung der Tests, die Genauigkeit und Transparenz des Wertungssystems, als auch die Güte der Texte betraf. Diese Qualitätsmaßstäbe setzte Jörg eisern durch und scheute dabei keinen Konflikt – zum Unglück für so manchen Redakteur – aber zum Glück für die GameStar und ihre Zukunft. Denn diese Qualitätsmaßstäbe gelten bis zum heutigen Tag und sind die feste Grundlage all unserer Arbeit. Auch wenn die sich in den letzten Jahren extrem gewandelt hat, die Spielelandschaft hat sich verändert (Stichworte: MMOs, Free2Play, Steam & Co.), die Lese- beziehungsweise Mediennutzungsgewohnheiten der Menschen sowieso (Stichworte: Internet, Youtube, Produktbewertungen durch User usw.).

»Einfach nur« ein gutes Magazin zu machen, reicht heute nicht mehr, reicht schon lange nicht mehr. Wir müssen überall dort sein, wo die Leute sich zum Thema Spiele informieren, wo sie unterhalten werden wollen. Und wir müssen zum richtigen Zeitpunkt dort sein. Denn heute will jeder zum Erscheinen eines Spiels wissen, ob der Titel was taugt und nicht erst, wenn sein Lieblingsmagazin erscheint. Darum haben wir heute eine der weltgrößten Internetseiten zum Thema Spiele, darum erreichen die Videos unseres Youtube-Netzwerks und unseres Gametube-Kanals über 90 Millionen Abrufe im Monat. Darum ist die GameStar in Deutschland das Leitmedium für die Spieler, die Spiele-Industrie und die Tausenden von Internetseiten, die sich mit dem Thema Games beschäftigen. Darum sitzen wir in Gremien des deutschen Familienministeriums, darum ist kein anderes Fachmagazin so in Politik und Kultur vernetzt wie die GameStar.

Aber die Grundlage all dieser Arbeit ist und bleibt das Magazin GameStar, seine Qualitätsmaßstäbe und die zentrale Frage, die über jedem unserer Entwicklungsschritte steht: Was will der Leser?

Ich weiß, dass wir es nie allen recht machen können. Es gibt treue Heftleser, die wollen am liebsten gar keine Infos im Internet sehen. Es gibt junge User, die uns von Youtube kennen und sich wundern, wenn sie im Heft gesiezt werden. Und es gibt diejenigen, die nur auf GameStar.de kommen, um sich mal wieder zu vergewissern, dass wir immer noch von Activision Blizzard, EA, Ubisoft oder XX (bitte beliebigen, Hauptsache großen Publisher oder Hardwarehersteller einsetzen) gekauft sind oder die einfach mal wieder über unser Wertungssystem lästern wollen.

Das ist okay, alle sind willkommen und euch allen, unseren treuen Fans, unseren konstruktiven Kritikern und auch unseren schrägen Trollen gilt zum 15jährigen Jubiläum mein Dank: Ihr habt die GameStar groß gemacht! Auf die nächsten 15!

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Avatar Fellknäuel
Fellknäuel
#1 | 12. Sep 2012, 16:39
Ruhe in Frieden, PC Joker... :(
Du warst das beste, was der deutschen Spielemagazin-Landschaft jemals passiert ist!
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Avatar Rettungsschirm
Rettungsschirm
#2 | 12. Sep 2012, 17:03
"<...> unseren schrägen Trollen gilt zum 15jährigen Jubiläum mein Dank: Ihr habt die GameStar groß gemacht! Auf die nächsten 15! "

*zieht den Hut* auf die nächsten 15 Jahre
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Avatar thecrow973
thecrow973
#3 | 12. Sep 2012, 17:11
Achtung hier kommt noch ein Lästerer ;-):
Ihr habt in der Bildunterschrift rechts und links vertauscht hä hä :-)

<<Daniel Visarius (links, damals Hardware-Trainee) und Michael Trier (damals Hardware-Ressortleiter) 2002 beim gemeinsamen Fegen als Strafe für einen schlechten Artikel,>>
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Avatar sunday84
sunday84
#4 | 12. Sep 2012, 17:12
Die PC Power war früher immer meine Lieblingszeitschrift. Die Leserbriefecke war großartig. Und jetzt lese ich hier das Klaus Trafford gestorben ist. Kaum zu glauben. :(
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Avatar Sampras
Sampras
#5 | 12. Sep 2012, 17:13
Ich hoffe auf dem Bild wurde nur rechts und links verwechselt...denn sonst würde Herr Visarius dem Herrn Trier sehr ähnlich sehen :o)
Hiess er nicht mal "Trille" als Spitzname? Mh, lang ists her, trotzdem für mich, nachdem ich damals mit der ASM (hallo Manfred Kleimann) und der Beigabe der Happy Computer angefangen habe, regelmäßig Spielezeitschriften zu lesen, ein absolutes Urgestein auf dessen "Geschreibe" man sich immer sehr gut verlassen konnte.
Schön wenn man sieht, das Spiele nicht nur Kinderkram sind die sich auswachsen, sondern auch "bis ins hohe Alter" durchaus ernstzunehmender Freizeitvertreib sind.
Auf die nächsten Jahre als Printmagazin, denn Papier ist immer schöner als ein Bildschirm :o)
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Avatar Impulsive
Impulsive
#6 | 12. Sep 2012, 18:39
Zitat von Thomas95:
Deine Rollen als Brontal 25 & 26 Moderator oder in Back to the Future, bekämpft das System ey sind einfach die genialsten bis jetzt.


Lol jetzt hab ich Back to the Führer gelesen. :D
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Avatar Atlan_Gonozal
Atlan_Gonozal
#7 | 12. Sep 2012, 20:12
Hallo Micha,

wir haben uns mal im Flieger getroffen, erinnerst Du Dich (Köln-MUC). Das fand ich Super, das wir mal in Ruhe quatschen konnten. Weiter so!

Gruß, Karsten.
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Avatar Monster65
Monster65
#8 | 17. Sep 2012, 13:12
Zitat von Rettungsschirm:
"<...> unseren schrägen Trollen gilt zum 15jährigen Jubiläum mein Dank: Ihr habt die GameStar groß gemacht! Auf die nächsten 15! "

*zieht den Hut* auf die nächsten 15 Jahre


Da möchte ich mich ebenso von Kopf bis Fuß anschließen, ich weiß gar nicht mehr so genau wie lange ich das Abo schon beziehe. Obwohl sich in der Spieleindustrie bisher soviel verändert hat und noch ändern wird, Ihr bleibt Eurem Motto treu.....weiter so.
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Avatar McLord
McLord
#9 | 22. Sep 2012, 03:33
"Denn diese Qualitätsmaßstäbe gelten bis zum heutigen Tag und sind die feste Grundlage all unserer Arbeit."

Lieber Herr Trier, wo genau sind diese von Ihnen genannten Qualitätsmaßstäbe?

Ich bin seit der Erstausgabe Abonnent der GameStar, davor PC Player, davor Happy Computer, zurück bis zum 1. Spiele Sonderheft aus dem Jahre 1984. Das, was in den letzten 1-2 Jahren mit GameStar passiert, ist mit "permanent sinkender Qualität" nur höflich beschrieben.

Bitte berauschen Sie sich nicht an der Tatsache, dass GameStar bei allgemein rückläufigem Trend sich noch einiger Maßen behaupten kann. Zugegeben, GameStar ist das beste Spielemagazin auf dem Markt. Im relativen Vergleich gewinnen Sie, deshalb sammeln Sie all diejenigen Leser anderer Zeitschriften ein, die gerade komplett im Nirvana verschwinden.

Dies darf Sie aber bitte nicht dazu verleiten, mit der aktuellen Qualität Ihres Magazins zufrieden zu sein. GameStar ist das kleinste Übel. Der Einäugige unter den Blinden. Aber die journalistische Qualität hat in den letzten Jahren auch bei Ihnen deutlich nachgelassen.

Ich weiss nicht mehr, wie oft ich mich in letzter Zeit über Schreibfehler, halbe Sätze, im Layout verschluckte Absätze, falsche Bildunterschriften geärgert habe. Über falsche Schwerpunkte, gehypte Blockbuster mit 100 redaktionellen Seiten (verteilt auf 10 Ausgaben in 2 Jahren). Über die steigende Ignoranz bzgl. allen Themen abseits des Mainstreams. Zu oft in jedem Fall.

Ihre Online-Artikel sind dabei ein Kapitel für sich. Leider kein immer gutes.

Artikel wie z.B. zu Anno Online enthalten Aussagen wie "Fazit der Redaktion: Bislang ist der Free2Play-Trend weitestgehend lautlos an mir vorbei gezogen". Da schreibt also eine Praktikantin über ein Online-Spiel wie ein Blinder über eine Farbe. Ist das die Art von Qualität, die Sie vom Fachjournalismus erwarten?

Es erscheinen Meldungen wie "Kickstarter.com - Obsidian-Chef beschuldigt Publisher des versuchten »Missbrauchs«", der voll ist mit billiger Effekthascherei und plakativen Parolen a la "Dadurch würde insgesamt die Gewinnspanne für die Publisher enorm steigen". Das ist sachlich schlicht falsch (Begründung steht in den Kommentaren). So etwas passt in einen privaten Blog, aber nicht auf die Webseite eines Fachmagazins.

Und auch ich gehöre zu den schrägen Trollen, die Ihr Wertungssystem kritisieren. Ein gutes Spiel ist eben gerade NICHT die Summe seiner Teile. Und selbst ein Spiel, dass auf dem Papier alles richtig macht (Grafik, Sound, Umfang etc.), macht nicht automatisch auch Spaß! An den Grenzfällen versagt das Gamestar System - was Sie allzu offensichtlich durch die Vergewaltigung Ihres eigenen Schemas zu kaschieren suchen, indem Punkte in Subkategorien addiert oder subtrahiert werden, nur um ein Spiel über/unter eine magische Wertungsgrenze zu hieven. Siehe "To the Moon" mit einer geschönten 70, nach Ihrem System eigentlich eine 55, aber eine gefühlte 85!

Wenn Sie anderer Meinung sind, dann reichen Sie bitte die Wertung für Minecraft nach! Das ist nämlich auch so ein wunderbares Beispiel dafür, wo Sie Ihr Wertungssystem brutal verbiegen müssten, um wenigstens auf 70 Punkte zu kommen. Metacritics 93, by the way. Also verzichten Sie auf die Wertung unter dem Vorwand, es sei "zu wenig Spiel" in Minecraft. Das ist natürlich Blödsinn, genauso gut könnten Sie behaupten, in Lego würde zu wenig Spielspaß stecken.

15 Jahre sind eine lange Zeit und natürlich war früher auch nicht alles perfekt! Ich möchte GameStar gerne auch 15 weitere Jahre lesen, also bitte legen Sie wieder ein Qualitäts-Brikett nach, damit ich mich wieder für die GameStar erwärmen kann. Im Moment fröstelt mir eher.
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